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Mittwoch, 19. September 2012



Manchmal glaube ich,
Gott ist ein Spieler.
Er würfelt!

und irgendwann sagt er:
Rien ne va plus!

bei Dir, Marie, nach neunzig Jahren. Danke für alles

Marie



:((

Kommentare :

dekoratz hat gesagt…

lieber herr oter -
ich glaube nicht an gott, und ich kenne auch sein auswahlverfahren nicht. vielleicht kommt es nur uns so vor, dass die besten zuerst gehen, aber ich finde das WIE oft schlimm und unmenschlich.
ich maße mir auch nicht an zu glauben, andere hätten es eher verdient.
ich finde nur das TOT-SCHWEIGEN schrecklich - manchmal sogar das AUF-DISTANZ-GEHEN (meine nachbarin findet es gut, wenn ich ihr mal zuhöre, wenn sie erzählt, dass es für sie grausam ist, dass sie nun allein am frühstückstisch sitzt ...)
das gesicht meines vaters finde ich manchmal in der form einer wolke ...
sei nicht zu traurig, lieber herr oter - nach 90 jahren darf man sich ausruhen wollen von einem langen leben - und wir leben den heutigen tag doppelt, okay? .... barbara

Herr Oter hat gesagt…

Liebe Barbara

Herzlichen Dank für Deine einfühlsamen Worte.

Ich gehe mit Dir völlig einig.
Ich glaube auch an "andere Kräfte" und habe mit dem Tod wenig Probleme.
Ich habe mir im Laufe der Jahre dazu eine ganz angenehme Theorie zurecht gelegt. Diese hier auszuführen würde jetzt aber zu weit führen.

Ich bin wie Du der Meinung, dass das WIE, diese letzte Wegstrecke, einem höchstens noch etwas "Sorge" machen kann.
Das ist zum Glück bei Marie (übrigens meine Schwiegermutter)recht schnell und sehr friedlich verlaufen.
Da glaube ich schon, dass die Lebensweise, das "Loslassen" und das "Erledigt haben" auch einen Einfluss haben.

Im Übrigen finde ich auch, dass man offen über das Sterben, den Tod und auch das "Danach" reden sollte. Die Geburt ist ja schliesslich auch kein Tabu-Thema.

Zudem muss man sich eben vorher Zeit für die Leute nehmen, ihnen gut zuhören und Anteil haben, dann muss man nachher oft weniger trauern (z.B. schlechtes Gewissen).

Ich bin fest davon überzeugt, dass sie bei uns bleiben, auch wenn wir sie nur noch spüren können....

Ich danke Dir, liebe Barbara, herzlich für Dein grosszügiges Angebot. Ja, ich leben den Tag heute gerne doppelt...

Liebe Grüsse
Resunad

chat noir hat gesagt…

Ich glaube fest daran, dass man lediglich die Dimension wechselt. Man durchschreitet einen Vorhang, durch den man von hier aus nicht durchschauen kann, von der anderen Seite aber schon. Und immer, wenn man schaut, muss jemand an einen denken. Ich kann spüren, wenn meine Mutter mich von dort anschaut. Ich wünsche Dir, dass Du merken wirst, wenn Maria Dich anschaut. Alles Liebe von chat noir

Kräuterfraala hat gesagt…

Lieber Herr Oter,

ich sende aus der Ferne stille Gedanken.

Ich finde den Kommentar von Dekoratz sehr anrührend und kann ihn nur unterstreichen. Als mein Kind starb fand ich das betretene Schweigen schrecklich.
Egal wie alt ein Mensch ist - wenn man einen Menschen gern hat - tut jeder Abschied (vor allem der endgültige) weh.
So wie du schreibst, hat Marie ihre letzte Wegstrecke so gemeistert, wie es sich viele wünschen. Vielleicht könnt ihr euch ja einfach mal zusammen setzen und von schönen Erlebnissen mit ihr erzählen. Ich denke sie wird euch auch dabei sehr nahe sein.

Sei ♥lich gegrüßt

Carola

Herr Oter hat gesagt…

@chat noir:
Ich denke ähnlich, liebe chat noir.
Ich stelle mir vor, dass es mindestens drei Zeitebenen gibt, die wie Filme, zwar parallel aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten nebeneinander laufen. Dadurch ergeben sich mehrere Dimensionen (Räume).
Ähnlich wie bei einem Traum, der ja auch bloss zwei, drei Sekunden dauert, man aber beim Aufwachen meint, man hätte stundenlang geträumt.
Also gibt es eine Traumebene, eine Lebensebene und vielleicht eine dritte, viel grössere Zeitdimension.

Ich vermute, dass wir nach dem Tod feststellen werden, dass das Leben nur ein "Traum" war und nur eine ganz kurze Zeit gedauert hat auch wenn wir meinten, lange gelebt zu haben.

Ups, das war vielleicht etwas kompliziert für einen Freitagmorgen :)


@Kräuterfraala :
Ich bin überzeugt, liebe Carola, dass Maria weiterhin bei uns sein wird, denn nichts geht in diesem Universum verloren, es verändert sich höchstens, resp. wird umgewandelt.

Ich werde mich bestimmt immer gerne an sie erinnern, denn sie ist mir ein Vorbild in der Lebensbewältigung.

@beide
Ich danke Euch beiden ganz herzlich für Eure Anteilnahme und Kommentare und wünsche euch einen ganz schönen Tag

Liebe Grüsse
Resunad

Kräuterfraala hat gesagt…

Lieber Resunad,

das erinnert mich an Tschuang-Tse.
Ihm wird Folgendes zugeordnet:

„Ich träumte einst, ich sei ein Schmetterling, ein hin und her flatternder, in allen Zwecken und Zielen - ein Schmetterling.
Ich wusste nur, dass ich meinen Launen als Schmetterling folgte, und war meines Menschenwesens unbewusst.
Plötzlich erwachte ich; und da lag ich: wieder „ich selbst“.
Nun weiß ich nicht: War ich da ein Mensch der träumt er sei ein Schmetterling, oder bin ich jetzt ein Schmetterling, der träumt er sei ein Mensch?“

♥-liche Grüße
Carola

Herr Oter hat gesagt…

Herrlich, Carola,
solche philosophische Weisheiten mag ich sehr und die klugen Worte des chinesischen Dichters Tschuang-Tse beschreiben auf ihre Weise ganz genau, wie ich es meine mit den "Ebenen" Traum, Wirklichkeit und Ewigkeit.
Was wissen wir denn schon ......

Herzlichen Dank und ganz liebe Grüsse
Resunad