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Samstag, 16. Februar 2013

Bankgeschichte




Bankgeschichte

Eine Fussspur im Schnee führt bereits vor ihm zur Sitzbank hin, doch einen halben Meter davor endet sie in einer niedergetrampelten Fläche und zieht sich wieder dahin zurück, von wo sie gekommen ist. Scheinbar hatte diesem Jemand die Aussicht stehend genügt.
Mit ein paar raschen Handbewegungen befreit er die Holzlatten vom frischen Pulverschnee. Einer aufgescheuchten Schar Küken gleich, wirbelt das Weiss vor seiner Hand auf, um sich neben der Bank wieder einen neuen Platz zum Sein zu suchen.

Bedächtig setzt er sich auf die kalte Bank mit den vereinzelten Bäumen im Rücken und verschränkt die Arme vor der Brust. Rotgolden strahlt ihm die Sonne, die bereits an den weissen Berggipfeln leckt, ins Gesicht, aber bald wird sie ihre ewige Reise dahinter fortsetzten und verschwunden sein. Mit etwas zusammengekniffenen Augen geniesst er darum noch das letzte gleissende Licht, als ob es durch die beiden schmalen Öffnungen sein dunkles Inneres doch noch erhellen könnte.
Noch ist ihm warm vom Laufen, auch wenn die feuchte Kälte bereits vom Hosenboden her seinem Rücken entlang  nach oben streift. Sein jetzt gleichmässiger, ruhiger Atem wird durch kleine Dampfwölkchen vor seinem Mund sichtbar und körperlich unbeweglich lässt er seine Augen über das Tal und die Hügel streifen. Immer öfter erhellen sich auf den locker verstreuten Bauernhöfen der Gegend Fenster und bei zunehmender Dunkelheit werden sie das Glitzern der Schneekristalle ersetzen und wie Bodensterne mit dem Gestirn am Himmel um die Wette strahlen.

Eine hastige Bewegung zur Rechten erzwingt seine Aufmerksamkeit und aus den Augenwinkeln nimmt er ein heranstürmendes Reh war, das nur wenige Meter vor ihm abrupt stehen bleibt. Unbeweglich beobachtet er, wie zwei weitere auf dem Rand des vor ihm liegenden Abhangs auftauchen und knapp hinter dem Leittier stehen bleiben. Eine halbe Minute vielleicht, schaut man sich gegenseitig etwas erschrocken an, bis das vordere Tier, gefolgt von den beiden anderen, rechtsumkehrt über die Kuppe des Abhang wieder aus seinem Blickfeld verschwindet. Kurze Zeit später sieht er die drei nochmals, wie sie, noch immer gehetzt, den Fuss des Hanges durchqueren und im Wald auf der linken Seite endgültig verschwinden.

Ein Glücksgefühl breitet sich in ihm aus und er fühlt sich ob der Stille, der dunkler werdenden lieblichen Landschaft und der kurzen Begegnung mit den Wildtieren im absoluten Einklang mit der Natur. Sich diesen Gefühlen vollends ergebend, füllen sich seine Lungenflügel, begleitet von einem tiefen Seufzer, mit der schneidend frischen Winterluft.
Ruhe und Gelassenheit durchdringen ihn und in ihm drängt der Wunsch, sich nie mehr von hier wegbewegen zu müssen in sein Bewusstsein.
Einfach sitzen bleiben! Bewusst Abschied nehmen von dieser Erde und dem Leben, bis die Augen für immer zufallen.

Erfrieren soll ein schöner, liebevoller und warmer Tod sein.





und so hätte obige Geschichte weitergehen können:

gemäss Rotzlöffel von rotzloeffelsstuebchen:

*knirsch, knacks, rumms...*
Was,...wie,... wo....? Stille!

Mit weit aufgerissenen und bis auf den letzten Nerv angespanntem Besußtsein sucht er links, rechts, vor und hinter sich. Die mit frischem Pulverschnee bedeckten Holzplatten der Sitzbank sind nicht mehr da wo sie waren und auch die schöne weiße Pracht ist verschwunden. Und überhaupt, ein unangenehmes Gefühl steigt in ihm hoch. Schmerz, und zwar am Hosenboden.

Es dauert eine Weile bis ihm bewußt wird, oder besser bis ihm klar wird, was passiert ist. Die Sitzbank ist zerbrochen. Schlagartig ist er wieder im Hier und Jetzt. Aber plötzlich muß er grinsen. Die alte Sitzbank hat Jahre, Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte überstanden und sich gegen noch so schweres Wetter behauptet und bricht genau jetzt zusammen. *HaHaHa* Sie ist erfroren, die Bank.

Erfrieren soll ein schöner, liebevoller und warmer Tod sein. Lebe wohl Sitzbank. Du hast bestimmt vielen Menschen Ruhe, Erholung und Kraft gegeben. Das Leben ist schön und sollte bis zum letzten Atemzug und bis in jede einzelne Zelle in vollsten Zügen genossen werden.


Besten Dank Rotzlöffel(chen)

__________

 
Gemäss Barbara von DEKORATZ

"....... Ruhe und Gelassenheit durchdringen ihn und in ihm drängt der Wunsch, ..." ...nun nach Hause zu gehen. Dort angekommen, beginnt er aufzuräumen, erst ganz langsam, dann zielstrebiger, vieles verschwindet im Müll, manches wird hervorgeholt und, er legt noch zwei Holzscheite mehr auf das Feuer. Ein Schrank landet an einer anderen Wand, und ein Sessel schaut nicht mehr Richtung Fernseher, sondern nun Richtung Fenster.
Es läutet, ein Freund kommt vorbei - Heh, was ist denn hier los ... Ja, du ... was glaubst du, wo ich heute war .... beinahe wäre ich erfroren ...


Besten Dank Barbara


___________




Der Schluss vom Bienschen von "Süsses und Saures mit ein bisschen Gewürz"

Im Bewusstsein, dass er gerade ein wunderbares sehr seltenes Erlebnis mit diesen wunderbaren Tieren hatte, stellt er sich die Frage: Was ist, wenn ich hier, im hier und jetzt, einfach die Augen schliesse und einschlafe? Ist dies wirklich so ein friedlicher leiser Schlaf den alle so beschreiben? Er spürt wie ihn das Bedürfnis überkommt, loszulassen..... Seine Augen werden immer schwerer.. eine innere Ruhe erfüllt ihn und versucht ihn mitzureissen. Doch dann, gerade als er diesem wunderbaren Gefühl nachgeben will, surrt es in der Jackentasche und just in diesem Moment liest er folgende SMS

"Ich denke an Dich, vergiss das nie." 

Als wenn Sie es gespürt hätte. Genau im richtigen Moment kommt diese Nachricht. Ja tatsächlich, sagt er sich. Wir sind seelenverwandt. Gespürt im richtigen Moment, gehandelt im richtigen Moment. Und egal wie friedlich dieses Gefühl des Einschlafens gewesen wäre so kann er dies im Moment nicht tun, denn nichts erfüllt ihn mehr mit Frieden und Glück als eine Nachricht von Ihr, genau in diesem Moment. Dies möchte er auf keinen Fall missen und so steht er mit einem müden und ein bisschen traurigem Lächeln auf und sagt zu sich auf ein neues mein Lieber, und bricht langsam mit einem nicht zu beschreibendem Gefühl im Herzen auf...

Besten Dank Bienschen



:)

 



 

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Schöne Geschichte, aber das Ende ist mir zu melancholisch...sollte für mich mehr Lebensfreude ausstrahlen....die Begegnung mit den Rehen ist doch Grund genug sich auf weitere solche Treffen zu freuen,anstatt auf der Bank erfrieren zu wollen...
T.O.&O.

rotzloeffel hat gesagt…

*knirsch, knacks, rumms...*
Was,...wie,... wo....? Stille!

Mit weit aufgerissenen und bis auf den letzten Nerv angespanntem Besußtsein sucht er links, rechts, vor und hinter sich. Die mit frischem Pulverschnee bedeckten Holzplatten der Sitzbank sind nicht mehr da wo sie waren und auch die schöne weiße Pracht ist verschwunden. Und überhaupt, ein unangenehmes Gefühl steigt in ihm hoch. Schmerz, und zwar am Hosenboden.

Es dauert eine Weile bis ihm bewußt wird, oder besser bis ihm klar wird, was passiert ist. Die Sitzbank ist zerbrochen. Schlagartig ist er wieder im Hier und Jetzt. Aber plötzlich muß er grinsen. Die alte Sitzbank hat Jahre, Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte überstanden und sich gegen noch so schweres Wetter behauptet und bricht genau jetzt zusammen. *HaHaHa* Sie ist erfroren, die Bank.

Erfrieren soll ein schöner, liebevoller und warmer Tod sein. Lebe wohl Sitzbank. Du hast bestimmt vielen Menschen Ruhe, Erholung und Kraft gegeben. Das Leben ist schön und sollte bis zum letzten Atemzug und bis in jede einzelne Zelle in vollsten Zügen genossen werden.

Ein wunderschönen Sonntag wünscht
Rotzlöffel

dekoratz hat gesagt…

"Ein Glücksgefühl breitet sich in ihm aus und er fühlt sich ob der Stille, der dunkler werdenden lieblichen Landschaft und der kurzen Begegnung mit den Wildtieren im absoluten Einklang mit der Natur. Sich diesen Gefühlen vollends ergebend, füllen sich seine Lungenflügel, begleitet von einem tiefen Seufzer, mit der schneidend frischen Winterluft. Ruhe und Gelassenheit durchdringen ihn und in ihm drängt der Wunsch, ..." ...nun nach Hause zu gehen. Dort angekommen, beginnt er aufzuräumen, erst ganz langsam, dann zielstrebiger, vieles verschwindet im Müll, manches wird hervorgeholt und, er legt noch zwei Holzscheite mehr auf das Feuer. Ein Schrank landet an einer anderen Wand, und ein Sessel schaut nicht mehr Richtung Fernseher, sondern nun Richtung Fenster.
Es läutet, ein Freund kommt vorbei - Heh, was ist denn hier los ... Ja, du ... was glaubst du, wo ich heute war .... beinahe wäre ich erfroren ...

Ich bin ganz begeistert, dass auch meine Vorgängerin gleich eine andere Wendung gefunden hat.
Gut provoziert, lieber Herr Oter!
Ich grüße herzlichst -
Barbara

Herr Oter hat gesagt…

@T.O.&O.
Sicher hast Du Recht, Schwesterchen.

Aber manchmal kann man (ich) das Ende einer Geschichte nicht bestimmen. Sie nimmt einfach ihren Lauf und endet dort, wo sie muss.
Zugegeben, bei mir oft auch melancholisch.
Aber manchmal muss sie auch ein ganz bestimmtes Ende haben....

Dieses Mal war es eine Mischung aus beidem.
Denn der Wunsch lässt das Ende offen, aber ein mögliches Ende wurde angedeutet.

Ein Teil meiner treusten Leserinnen – hat schon oder wird noch – der Geschichte "den Rest", im positiven Sinne, geben. Ich freue mich sehr darauf.

Danke für den Kommentar und nun ab ins "Hui", damit Du rechtzeitig aus den Federn kommst und um 4 Uhr am Basler "Morgestreich" bereitstehst.
Viel Spass :)

@Rotzlöffel
Du, liebes Rotzlöffel(chen), hast Dir ein schönes Ende ausgedacht. Recht dramatisch zwar, ja fast gefährliches, aber zum Glück hat er sich nicht verletzt. So konnte er doch noch nach Hause gehen und das Leben geniessen.

Das (chen) steht übrigens aus Freude, dass Du den Anfang der "Enden" gemacht hast. Danke

@dekoratz:
Danke, liebe Barbara, dass Du ebenfalls ein Geschichtsende beigesteuert hast.
Die Sache mit dem "Ausmisten" "Aufräumen" und sich von früheren Dingen trennen, hast Du auf den Punkt genau getroffen.

Ich habe Dich übrigens bereits etwas vermisst, aber wenn man etwas provoziert....

@ALLE:
Vielleicht sollten wir einmal alle gemeinsam eine Geschichte schreiben. Ich übernehme dann den melancholisch-provozierenden Teil...

Meine Lieben, ihr macht mir sehr grosse Freude mit Euren "geschmackvollen" Kommentaren und Beiträgen.
Ihr seit das "Salz" in der "Blog-Suppe" und ich bemühe mich, weiterhin das Wasser, die Knochen, das Gemüse und den "Pfeffer" beizusteuern.
Ganz herzlichen Dank an Euch alle.

In der nächsten Woche bin ich für ein paar Tage beim Skifahren.
"Post's" habe ich vorprogrammiert, damit ihr mich nicht vergisst :) und Eure Kommentare werde ich gerne etwas später beantworten.

Liebe Grüsse und schönen Abend
Euer Resunad

rotzloeffel hat gesagt…

Oh ja, eine gemeinsame Geschichte ist ´ne gute Idee. So wie bei dieser hier. Ich bin dabei.^^

Freut mich, das Dir mein Ende gefällt. Dir schöne Tage und ein lieben Gruß.
Rotzlöffel(chen)

Süsses und Saures mit ein bisschen Gewürz hat gesagt…

Wieder einmal eine wunderbare Geschichte...
Auch wenn das ende ein bisschen traurig ist..

Wie wäre es mit diesem ende..

Im bewussten das er gerade ein wunderbares sehr seltenes erlebniss mit diesen wunderbaren Tieren hatte, stellt er sich die frage, was ist wenn ich hier.. im hier und jetzt einfach die Augen schliesse und einschlafe.. ist dies wirklich so ein friedlicher leiser schlaf den alle so beschreiben? Er spührt wie ihm dieses Bedürfniss überkommt, loszulassen... Seine Augen werden immer schwerer.. eine innere Ruhe erfüllt Ihn und versucht Ihn mitzureissen.. Doch dann gerade als er diesem wunderbaren Gefühl nachgeben will.. surrt es in der Jackentasche.. und just in diesem Momment liest er folgende sms

Ich denke an Dich vergiss dies nie.. als wenn Sie es gespührt hätte.. genau im richtigen Momment kommt diese Nachricht.. Ja tatsächlich sagt er sich.. wir sind seelenverwandt.. Gespührt im richtigen Momment.. gehandelt im richtigen Momment... Und egal wie friedlich dieses gefühl des einschlafens gewesen wär.. so kann er dies immoment nicht tun.. denn nichts erfüllt ihn mehr mit frieden und glück als eine Nachricht.. von Ihr.. genau in diesem Momment.. Dies möchte er auf keinen Fall missen... und so steht er mit einem müden ein bisschen traurigem lächeln auf.. und sagt zu sich... auf ein neues mein Lieber.. und bricht langsahm mit einem nicht zu beschreibendem gefühl im Herzen auf...

Liebe Grüsse
Ihr Bienschen