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Samstag, 13. Juli 2013

Nimm etwas „Spuder“!






„So, hat euch der Bananensplit geschmeckt?“
„Mmmh ja!“ „Das war super, Omi.“
Am Nebentisch strahlen vier kugelige Kinderaugen, die an schwarze Kirschen erinnern, um die Wette und abwechselnd kratzen die beiden dunkelhäutigen Händchen weiter die letzten Reste der Vanilleglace aus der Glasschale.

„Jetzt siehst du aber grossartig aus, Gerome,“ sagt die Grossmutter liebevoll lachend und Gerome's jüngere Schwester bringt mit ihrem „Gigele“ (Kichern) einmal mehr das ganze Garten-Restaurant zum Schmunzeln. Die beiden schokoladenbraunen Geschwister haben unter den übrigen, meist älteren Gästen des beliebten Ausflugs-Restaurants einen hohen Unterhaltungswert.
 „Ja wirklich“, lacht nun auch der etwas steife Grossvater, der mit dem Geldbeutel in der Hand bereits leicht ungeduldig nach der Serviertochter Ausschau hält. „Schokoladensauce, Rahm, Vanilleglace und sogar die Tomatensauce – das gesamte Mittagessen findet man um deinen Mund herum.“

„Komm Gerome, wir machen noch schnell eine Foto für das Mami,“ sagt die Omi und kramt in ihrer Handtasche.
Aber bis diese Foto im Kasten ist, dauert es seine Zeit – denn, zuerst blendet die Sonne, dann hat Gerome beim Abdrücken gerade die Augen geschlossen oder die beiden wirklich „härzigen“ Kleinen stehen nicht still genug da, bis endlich abgedrückt wird. Statt einer Foto werden es dann auch noch ein Dutzend und ich verstehe, dass das Fotoshooting der ungeübten Grossmutter den Kindern mit der Zeit etwas verleidet.
Zum Glück hat wenigstens Grossvater inzwischen die Bedienung erwischt und den Bezahlvorgang grosszügig abgeschlossen. Sein Aufstehen erlöst die beiden. „So, nun laufen wir wieder hinunter.“

„Komm Gerome, nun putzen wir noch schnell dein Gesicht.“
Grossmutter greift zu Serviette und der kraushaarige Junge hält ihr etwas widerwillig seine Backen hin.
„Au! Omi, nicht so fest“ jammert der Junge und macht einen Schritt rückwärts.
„Entschuldige, mein Schatz, aber die Tomatensauce....
„Nimm etwas „Spuder“ (Spucke), rät der Opa, dem das alles viel zu lange dauert.
„Nein, sicher nicht!“ entsetzt sich die Oma, zur sichtlichen Erleichterung des Buben.
„Das hat meine Mutter immer gemacht und ich habe das so gehasst.“

Ich auch – denke ich leicht schaudernd.




:)

7 Kommentare :

rotzloeffel hat gesagt…

Aber sie hilft und mal ehrlich, man hat´s doch auch schnell wieder vergessen. *kicher*
Aber schon ersteunlich, das sich jemand dagegen sträubt, mir ist´s bei meinen "Pflegekindern" immer automatisch passiert, das ich die Spucke nahm.

Schöne Geschichte und ich bin wieder in meiner Kindheit angelangt. MAAAMIIIIIII...........! ;D

Liebe Grüße und schönes Wochenende,
Rotzlöffel

muhge hat gesagt…

Ich fand's auch immer grauselig und habe daher bei meinen eigenen Kindern das Ta-Tu von ihnen selber anfeuchten lassen. War wohl erträglich, denn heute machen sie es mit ihren Kindern genau so.

Eine schöne Geschichte.

Herr Oter hat gesagt…

@rotzloeffel:
Als Kleinkind hat es mir vermutlich auch nichts ausgemacht, lieber Rotzlöffel. Aber als ich dann schon gross war, so ab fünf, da mochte ich es nicht mehr.
Genauso wie der knallrote Lippenstift, der mich bis heute vom Küssen abhält.
Ja, so hat halt jeder seine Macken... ;)

@muhge:
Das ist doch eine gute Idee.
Man sieht auch, so etwas geht tiefer, sogar über Generationen hinweg.

@Beide:
Herzlichen Dank für den Kommentar und Euer Kompliment.

Ich wünsche Euch einen tollen Tag und eine schöne sommerliche Woche.

Liebe Grüsse
Resunad




Lemmie hat gesagt…

Meine Mutter machte das auch immer - eklig.
Lieben Gruß
Lemmie

Herr Oter hat gesagt…

Eine scheinbar weit verbreitete Eigenart von den Müttern.

Ich wünsche Dir ein wohliges Wochenende.
Liebe Grüsse
Resunad

Anonym hat gesagt…

Kein Kommentar ;-)
T.O.&O.

Herr Oter hat gesagt…

Kein Kommentar ist auch ein Kommentar :)
Ich wünsche Dir einen ganz schönen Tag.
Re