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Samstag, 21. Dezember 2013

Kreuzworträtsel







Meine Mutter hat zum morgendlichen Kaffee mindestens zwei gelöst.
Auch in der Handtasche von Queen Elisabeth wurden schon mal welche entdeckt.
Und ein Gelöstes, führte 1981 mittels Schriftanalysen sogar zur Lösung einer der bekanntesten Kriminalfälle der DDR

Das Kreuzworträtsel ist 100 Jahre alt!

Das erste der beliebten Kreuzworträtsel erschien, so wie wir es heute kennen, am 21. Dezember 1913 in der New York World, einer US-amerikanischen Tages-Zeitung, die von 1860 bis 1931 in New York City erschien.
Der Journalist Arthur Wynne, geboren 1862 in Liverpool, erhielt als Redaktor der Abteilung „Tricks and Jokes“, den Auftrag, in der Weihnachtsbeilage der Sonntagsausgabe, für die Leser einen netten Zeitvertreib auszudenken. Zwei Tage dachte er darüber nach und entwickelte dann auf Grundlage des Spieles „Die magischen Quadrate“, das er noch von seinem Grossvater her kannte, das von ihm ausgedachte Wortspiel: Word-Cross Puzzle, Wort-Kreuz Puzzle,
Das Kreuzworträtsel von Wynne bestand aus 31 Suchbegriffen, enthielt noch keine schwarzen Felder und war rautenförmig.
Arthur Wynne wollte sich seine Erfindung patentieren oder urheberrechtlich schützen lassen, doch der Herausgeber der New York World sah dafür keine Notwendigkeit. Er war der Meinung, dass das Kreuzworträtsel nach ein paar Monaten wieder verschwinden werde.
Herausgeber der Zeitung war damals übrigens der Sohn des Stifters, des nach ihm benannten Pulitzer-Preises. Er hatte das Blatt zwei Jahre zuvor vom berühmten Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) nach dessen Tod übernommen.

Der Erfolg des von Anfang an äusserst beliebten Kreuzworträtsel hielt jedoch an. Immer mehr Zeitungen und Zeitschriften begannen mit der Veröffentlichung dieses Rätselspasses und es gilt heute als das beliebteste und weitverbreitetste Wortspiel der Welt. Nur die ehrwürdige New York Times wollte sich dem neuen Trend nicht anschliessen: „Mit diesem läppischen und sinnlosen Zeitvertreib gehen dem amerikanischen Volk fünf Millionen Stunden verloren“, lästerte sie über den „Kreuzworträtsel-Wahnsinn“. Erst 1930 veröffentlichte sie endlich das erste Kreuzworträtsel – verschämt im Innenteil – später dann aber sogar regelmässig im Grossformat auf der Rückseite der Zeitung. Anfang der Zwanziger Jahre begann auch der Siegeszug des Kreuzworträtsel in Europa.

In der Schweiz erschien am 5. März 1925 das erste Wortgitter, in dem die einzelnen Kästerchen durchnummeriert waren. Darunter waren die ensprechenden Nummern vor der Frage notiert. So stand im ersten Schweizerrätsel:
waagrecht ergeben: 1,  2,  3,  4,  = Haustier (Lösung: ESEL) und
senkrecht ergeben: 1, 10, 19, 28 = biblische Person (Lösung: ESAU)
(Das erste Rätsel der Schweiz finden sie hier)

Erst einige Jahre später kamen die Schweden auf die Idee, die Fragen, mit einem richtungweisenden Pfeil versehen, in die Kästchen zu schreiben. Darum nennt man sie auch heute noch: Schwedenrätsel.

Bereits 1924 wurde in den USA das erste Kreuzworträtsel-Buch mit insgesamt fünfzig Rätseln vom renommierten Verlag Simon – aber aus Angst vor einem Reinfall wurde es unter dem Synonym „The Plaza Publishing Company“ – veröffentlicht. Inzwischen lösen im deutschsprachigen Raum rund 12 Millionen Rätselfreunde regelmässig Kreuzworträtsel und weitere 42 Mio. füllen die Kästchen zumindest gelegentlich aus.
Das aufwendigste Kreuzworträtsel erstellte übrigens Charles Cilard im Jahre 1985. Er arbeitete insgesamt vier Jahre lang an seinem Werk und brachte schliesslich ein 870 m langes, 30 cm breites und mit 2610000 Kästchen umfangreiches Kreuzworträtsel hervor. Sein Name ist inzwischen selber zu einer beliebten Rätselfrage geworden


Erstes Kreuzworträtsel 
(Autor: Arthur Wynne [Public domain], via Wikimedia Common)

Wer das Das erste Rätsel der Welt selber lösen möchte findet es hier
Die Lösungen des weltweit und des schweizerisch ersten Kreuzworträtsel gibt es hier


Senkrecht, waagrecht – füllt ihr auch gerne diese kleinen Kästchen aus? Seid ihr vielleicht sogar etwas süchtig danach?
Meine Mutter war ihr Leben lang eine ganz grosse Liebhaberin dieser Worträtsel. Bereits nach dem Aufstehen, noch im Morgenmantel und begleitet von zwei Tassen Frühstückskaffee, löste sie jeden Tag bereits am frühen Morgen schnell zwei Kreuzworträtsel. Während des Tages kamen dann noch ein paar weitere dazu. Die richtig dicken Rätselspass-Bücher waren mit der Zeit bei allen beliebte Weihnachtsgeschenke für sie.
Vorbild war ihr wohl der leicht sprachbehinderte Bäckerei-Ausläufer Ueli, den sie noch aus jungen Jahren kannte. Als „dumm“ bezeichnet belieferte er damals mit Velo und geflochtener „Brotkrätze“ (Korb) auf dem Rücken in Windeseile und bei jeder Witterung die Kunden. Er war zugleich ein passionierter Hobby-Velorennfahrer, nahm den „Gotthard“ und den „San Bernardino“ problemlos am selben Tag und kam dann auf der Rückfahrt ein oder zweimal im Jahr „uf es Käffeli“ bei uns vorbei. Während Mami den Kaffee kochte, löste er in wenigen Minuten schnell ein ganzseitiges Kreuzworträtsel einer Zeitschrift, ohne ein Feld unausgefüllt zurückzulassen.
Auch wenn „Rätsel-Profis“ die Kästchen grundsätzlich mit Kugelschreiber ausfüllen und das Ausfüllen mit einem Bleistift in diesen Kreisen als verpönt gilt, so war Mami immer mit einem Bleistift „bewaffnet. Dazu gehörte auch ein schwarzer Gummi der Marke „Faber-Castell“. Damit liess sich ein falscher Buchstabe auch auf einer Hochglanzpapier-Seite in einer Zeitschrift sauber ausradieren.

Von Wissenschaftlern wurde mittlerweile erwiesen, dass Denksportler durch das Lösen von Kreuzworträtseln länger leben, da sie geistig sehr rege bleiben. Doch trotzdem, meine Mutter litt im hohen Alter an der Alzheimer-Krankheit, obschon man immer wieder lesen kann, dass „Kreuzworträtsler“ davor eher verschont bleiben würden.
Gerade die Tatsache, dass Mami ihre Kreuzworträtsel mit der Zeit immer nur noch halb ausgefüllt herumliegen liess, war für mich ein Hinweis darauf, dass mit ihr etwas nicht mehr stimmen konnte.

Nun bleibt noch das Rätsel um den sogenannten Kreuzworträtselmord zu lösen.
Kurz zusammengefasst gemäss Wikipedia, verschwindet am 15. Januar 1981 in Halle-Neustadt der siebenjährige Lars Bense nach einem Kinobesuch spurlos und wird zwei Wochen später tot in einem Koffer neben Bahngeleisen gefunden. Er wurde offensichtlich aus dem fahrenden Zug geworfen. Weder Hinweise zum Koffer, noch zu einem verwendeten Plastiksack bringen die Ermittler weiter. So bleiben nur noch die zum Ausstopfen des Koffers verwendeten Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln für den Fahndungserfolg.
Mittels 551.198 aufwendig ausgewerteten Schriftproben gelingt es den 18-jährigen Mörder schlussendlich zu finden. Den ausführlichen Bericht darüber findet man hier
Am 15. Januar 2013 stirbt der 1999 endgültig entlassene Mörder im Alter von 50 Jahren nach einer schweren Krankheit. Im Februar 2013, also wenige Tage danach, veröffentlicht die damalige Freundin des Täters den von ihr verfassten Roman „Der Kreuzworträtselmord - Die wahre Geschichte“. Darin schildert sie Details, die von Aussagen während ihrer damaligen Vernehmung abweichen. Die Staatsanwaltschaft Halle hat daher ein Mordermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet.
Interessante Details dazu erfährt man hier






;)

Kommentare :

rotzloeffel hat gesagt…

Haha....wirklich lustig. ;o))

Das mit dem berühmtesten Mordfall der DDR hatte ich total vergessen. Ich hab sogar den Polizeiruf110 zu dem Thema damals gesehen. Danke für die Erinnerung.^^

Meine Tante hat man auch immer nur rätselnd vor dem "Gitter" gesehen. Auf Arbeit, sie war Verkäuferin in einem Bäcker, im Urlaub, in der Sonne liegend, oder abends im Sessel neben dem Ofen mit Stehlampe und Kaffgen, den hat sie auch immer und zu jeder Tageszeit getrunken.
Und sie hat auch nie ein Feld frei gelassen, tuttikompletti, jedes mir noch so unbekanntes Wort und für mich in Windeseile. Heute ist sie 76 und macht sie immer noch. Klar, warum sollte man damit auch aufhören?!!
Ich hab mit denen von meinem Dad angefangen, die er dann meist erst korrigieren mußte. *kicher* Und wir waren übrigens die einzigen im Familienkreis, die gerne "Scrabble" gespielt haben. Er hat zwar oft gewonnen, aber mir hat das viel gebracht. Ich hab schon immer gerne mit Worten jongliert. Heute mache ich noch eher selten welche, aber dann am liebsten diese "Amerikanischen", wo man auch die Blindfelder noch setzen muß.

Ein winterliches Wochenende und liebe Grüße,
Löffelchen

Dekoratz hat gesagt…

Bei meiner Schwiegermutter hatte sich das Kreuzworträtsellösen schon fast automatisiert - bis zu dem Punkt, wo sie nach dem Lexikon verlangte.
Da wußte jeder: Sie hat einen Verdacht ...
Liebe Grüße - Barbara

Dreamer hat gesagt…

Moinsen,

wurde dieser Kriminalfall nicht auch verfilmt? Oder gab es nur mal einen Bericht darüber? Bin der Meinung, das mir der Fall aus dem Fernsehen bekannt ist.
Ah, lese gerade, Polizeiruf 110 war es :).

Ja, Kreuzworträtseln ist schon was feines. Man entspannt, dabei irgendwie.

Allen einen schönen Tag!

Herr Oter hat gesagt…

@rotzlöffelchen:
Zufälle sind doch immer lustig ;)

"Scrabble" kennt man bei uns weniger und ich habe das noch nie gespielt, obschon mich das sicher faszinieren könnte, weil auch gerne mit Wörtern spiele.

@Dekoratz:
Ich glaube, fast jeder kennt einen fanatischen "Kreuzworträtsler" und fast jeder hat auch schon mal eines selber gelöst. Das zeigt doch wie beliebt diese auszufüllenden Gitter sind.

@Dreamer:
Genau, zur Entspannung!
Aber ob das bei mir beim Rätseln immer so entspannt ist, da bin ich mir gar nicht einmal so sicher.

@alle
Danke für Euren Kommentar und allen einen rätselhaften und trotzdem entspannten 4. Advents-Sonntag

Gruss Resunad