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Donnerstag, 6. Februar 2014

Olympia






Olympia
Brot und Spiele
 
Wer bekommt das Brot?
… und gibt es denn keine Marmelade?



Nun beginnen sie also, die 22. Olympischen Winterspiel in der russischen Stadt Sotschi, einer Stadt mit 330’000 Einwohnern an der „Russischen Riviera“ am Schwarzen Meer.
ENDLICH, möchte ich fast sagen.
Nach den endlosen Diskussionen sollte nun endlich auch mal der Sport zum Zuge kommen.

Aber, was soll ich von diesen „Putin-Spielen“ halten?
NICHT VIEL! – kommt mir da ganz spontan in den Sinn.

Als „Treffen der Jugend der Welt“ sollten sie dem sportlichen Vergleich und der Völkerverständigung dienen; das war mal das Ziel, als 1894 die „Olympischen Spiele der Neuzeit“ als Wiederbegründung der antiken Festspiele in Olympia beschlossen wurden.

Die angestrebte „Völkerverständigung“ hat seit 1894 noch nicht viel zum Weltfrieden beigetragen, zwei Weltkriege und Dutzende von weiteren, kriegerischen Konflikten lassen eher das Gegenteil vermuten.

Auch das „Treffen der Jugend“ stand im Vorfeld dieser Spiele in Sotschi vermutlich nicht im Vordergrund – die Inszenierung eines glänzenden Staatschef im Zenit seiner Macht, die Profilierung seines omnipotenten Staates und die Demonstration einer wiedererwachten „Grossmacht“ Russland waren wohl eher das Ziel. Zu Reden gab in letzter Zeit denn auch weniger der Sport, die (nicht stattfindenden) Treffen der (nicht mehr ganz jungen) Politiker und Mächtigen gaben bisher vor allem zu reden. Aber auch während den Spielen, werden nebst den wenigen siegreichen Sportlern vor allem die „Berühmten“ und „Reichen“ im Vordergrund stehen.

Der „sportliche Vergleich“ wird sicher noch stattfinden und ich hoffe, dass es faire, saubere und sichere Wettkämpfe, ganz im olympischen Geist, geben wird. 
Einer hat sich jedoch, auch ohne sportliche Leistung, den  „Olymp“ bereits gesichert – Wladimir Putin.
Der russische Präsident hat sein „Denkmal Sotschi“  ja geradezu aus dem Boden gestampft. 
Mindestens 50 Milliarden (50 tausend Millionen) soll es kosten, diese „Winterspiele“ an den Hängen des Westkaukasus auszutragen. Notabene, in einem subtropischen Klima am schwarzen Meer und in einem einzigartigen Nationalpark mit der grössten Biodiversität von ganz Russland. Wälder wurden abgeholzt, Flussläufe verlegt, Biotope durch Autobahnen und Bahnlinien zerschnitten, überdimensionierte Stadien, Hotelbauten und Flughäfen gebaut, Gewässer und Grundwasser verschmutzt und illegale Müllkippen in den Wäldern des nationalen Naturparks errichtet.
Gesetze wurden ausser Kraft gesetzt und mehrere tausend sollen enteignet worden sein. Man schürte übertriebene Erwartungen, unterschätzte völlig die Kosten und benötigte den Einsatz immenser öffentlicher Gelder. Durch Korruption und Vetternwirtschaft dient das vor allem einer kleinen Elite – verursacht durch die Interessen eines einzigen Mannes. 
Brot für wenige, die Marmelade für einen und den meisten bleiben ein paar Krümel.

Und was wird von diesen „Investitionen“ nach Olympia bleiben? Die Umwelt wird sich nur langsam erholen und die überdimensionierten Sportanlagen, Hotelbauten, Strassen und Flughäfen werden eine sinnvolle Weiternutzung unmöglich machen. Genau so wie das legendäre «Vogelnest»-Stadion in Peking heute kaum noch genutzt wird oder wie es andere „olympische Stätten“ bereits früher vorgemacht haben. 
Daraus gelernt hat man nichts.

Aber soll man da jetzt noch Kritik üben?
Dafür ist es nun zu spät! – meine ich.
Das hätte man sofort, nach der Vergabe dieser Spiele an diesen völlig ungeeigneten Austragungsort, tun sollen. Die nationalen, olympischen Verbände, die Sportverbände, die Regierungen und vielleicht sogar die Sportler hätten sich damals vehement und mit Boykott-Drohungen dagegen wehren sollen.
Nun ist der Mist gefahren, das Gebiet verschandelt, die riesigen Summen ausgegeben.
Nun soll man einfach spielen, kämpfen, gewinnen und einfach endlich mal aus diesem Fiasko  für die Zukunft lernen.
Ein Boykott einzelner Spieler bringt nichts mehr, es würden einfach andere gewinnen. Das kann man von einem Sportler auch gar nicht verlangen oder erwarten. Jahrelang hat er sich auf diese Wettkämpfe vorbereitet, auf sehr vieles verzichtet, sich geschunden und geplagt. Nun soll er auch die Chance haben, sich die Lorbeeren zu verdienen. 
Diese Missstände sind aus meiner Sicht auch nicht das Problem eines Sportlers. Es ist eine rein politische Frage, ob man Spiele an solchen Orten, zu diesen Bedingungen und mit diesem Gigantismus austragen soll.
Ich finde es jedoch richtig und wichtig, dass sich auch die Sportler kritisch zu solchen Spielen äussern, so wie es Lara Gut oder Christian Neureuter bereits getan haben. Jeder soll frei seine Meinung sagen dürfen – ohne, dass man ihn danach in Leserbriefen dafür beleidigt. Ich respektiere jedoch auch, wenn sich Sportler nur um ihren Sport und nicht auch noch um die damit verbundene Politik kümmern.

Dafür sind die Politiker zuständig.
Ich bin darum absolut damit einverstanden, dass unser „Sport-Minister“, Bundesrat Ueli Maurer, unsere Sportler in Sotschi unterstützt. Wir sind ein neutrales Land, das mit jedem redet, wenn man eingeladen wird und es gibt keinen Grund, das bei Olympischen Spielen anders zu halten. Aus meiner Sicht ist es auch der falsche Anlass, um jetzt über Menschenrechte, Demokratie, verbotene Homosexualität, Zensur und andere Missstände in Russland zu reden. Dafür gibt es genügend politische Gelegenheiten.
Jedoch finde es aber falsch, dass aus der Schweiz nun gleich drei Bundesräte nach Sotschi reisen. Ich meine, dass das ein falsches Zeichen ist!

Ich kritisiert aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ kaum hinausgeht. So finde ich es zum Beispiel höchst problematisch, dass sich eine Fernseh-Gemeinschaft an gewissen, menschenverachtenden Sendungen täglich ergötzen kann. Gladiatoren-Spiele der heutigen Zeit: Daumen rauf oder Daumen runter! Aber nicht ein barbarischer Kaiser richtet über das „Schicksal“ von Menschen, sondern ein Zuschauervolk im bequemen Sessel Zuhause.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich diese TV-Gesellschaft über olympische Winterspiele in einem Sommer-Kurort oder Fussballspiele in der Wüste, über „Sklavenarbeit“, Zwangsenteignung, Umweltzerstörung, "Gigantismus"  oder fehlende Demokratie mokiert. Millionen von Zuseher, die sich täglich an hungernden oder grauslichen „Köstlichkeiten“ verzehrenden, abgetakelten "Stars" in einem menschenunwürdigen Dschungelcamp erbauen. Ein Affront gegenüber den Millionen von Menschen die tagtäglich unfreiwillig hungern oder für einen Schluck sauberes Wasser weite Strecken zurücklegen müssen.
Nein, diese Fernseh-Zuschauer haben andere Wertvorstellungen als ich. Ihre Ansicht von guten, spannenden und bereichernden Sendungen decken sich nicht mit meinen. Ob ihnen da die eine oder andere Bombendrohung gerade recht kommt?

Ich meine, mit jedem Klick auf die Fernbedienung entscheiden wir, was gesendet werden soll und welche ethischen und moralischen Kriterien diese „Unterhaltung“ erfüllen muss. 
Das ist auch bei Olympischen Winterspielen nicht anders.



:( 

Kommentare :

Sadie´sGedankenfülle hat gesagt…

Deinem interessanten Post ist nichts hinzuzufügen. Gestern hatte ich mit meinem Dad eine Diskussion über das:"Für und Wider" dieser olympischen Spiele. Alleine der finanzielle Aspekt ist unglaublich. Bis dato waren die gesamten olympischen Winterspiele nicht so teuer wie "Sotschi", von den Auswirkungen auf die Natur ganz zu schweigen.
Den Sportlern wünsche ich selbstverständlich viel Erfolg.
LG Sadie

Herr Oter hat gesagt…

Danke, liebe Sadie, für Deinen Kommentar.
Lassen wir uns nun doch verzaubern, von den Sportlern, der Spannung und hoffentlich auch von der einen oder anderen Gold-Medaille für die Schweiz. Bei Österreich dürfte das natürlich viel eher der Fall sein.
Also, viel Spass und einen schönen Sonntag.

Liebe Grüsse
Resunad

lautleise hat gesagt…

Geschafft, Herr Oter - die Schweiz ist draussen.

Draussen vor der Tür von Europa.

So, dann wollen wir doch mal sehen, wohin die Schweizer segeln gehn. Nach Amerika gehts ja sowieso nicht mehr. Die Schweiz - ein Industriestandort?
Wenn ich das bei google eingebe, erscheint ein Fragezeichen!

Herr Oter hat gesagt…

Natürlich haben Sie recht, lautleise.
Wir werden die Folgen tragen – ganz bestimmt!

Gruss Resunad