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Samstag, 7. März 2015

Ein Esel im Brunnen





Ein Esel im Brunnen


Eines Tages fiel der Esel eines Bauern in einen Brunnenschacht.
Das Tier hatte lange Jahre dem Bauer gedient, nun war es alt, etwas schwach, aber seinem Herrn treu ergeben.
Der Esel schrie kläglich im Wasser liegend und der Bauer überlegte, was nun zu tun war. Mit Seilen versuchte er, das Tier aus dem alten Schacht zu ziehen, aber der morsche Aufbau mit der Holzhaspel brach unter dem Gewicht des Esels zusammen.
Schliesslich entschied der Bauer, dass der alte Esel es einfach nicht mehr wert war, um ihn mit viel Aufwand und der Hilfe von Nachbar zu bergen. Vermutlich hatte er sich beim Sturz auch noch die Beine gebrochen und war somit sowieso nicht mehr zu gebrauchen. Man hätte dann zusätzlich noch den Abdecker holen und den Kadaver anschliessend begraben müssen. Auch die Zisterne wurde seit langem nicht mehr genutzt und hätte schon lange mit dem bereits herangekarrten Erdreich zugeschüttet werden sollen.

So holte der Bauer eine Schaufel und begann die Erde in den Brunnen zu schaufeln.
Schnell erkannte der Esel die Absicht des Bauern und begann herzzerreissend zu schreien. Aber das Herz des Bauern liess sich nicht erweichen und er schaufelt einfach weiter, ohne noch einmal über den Brunnenrand zu sehen. Auch der Esel schien sich alsbald mit seinem Schicksal abgefunden zu haben, den nach einem kurzen Wimmern, hörte man bald nichts mehr von ihm.

Nach einiger Zeit und Mühe schaute der Bauer vorsichtig über den Zisternenrand, um zu sehen, ob der Esel begraben war. Doch überrascht stellte er fest, dass der Esel noch am Leben war, auf allen vier Beinen stand – einfach viel weiter oben als vorher. Denn jede Ladung Dreck, die auf dem Rücken des armen Esels landete, hatte das kluge Tier von sich geschüttelt und immer wieder einen Schritt nach oben gemacht.

Der Bauer erkannte sofort seinen Fehler und der Esel tat ihm aufrichtig leid. Gemeinsam mit Nachbarn wurde das Tier vorsichtig aus dem Brunnen gehoben und unverletzt geborgen. Die Zisterne wurde zugeschüttet und der Esel diente dem Landwirten noch einige Jahre als wertvoller Partner. Danach erhielt er vom Bauer bis ans Lebensende das wohlverdiente Gnadenbrot.

Diese Geschichte zeigt, dass der wahre Wert von „Eseln” (oder Partnern) manchmal (fast) zu spät erkannt wird.
©® Copyright by Herr Oter 



© Bild von: Thomas Max Müller / Image-ID: 589638 / by: PIXELIO.de




;)

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Dachte schon ich müsste den Tierschutz einschalten ;-)
T.O.&O.

Herr Oter hat gesagt…

Nein, nein, die Geschichte hat die Kurve gerade noch gekriegt :)
Einen guten Wochenstart und Gruss
Re