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Sonntag, 4. März 2012

Dazu muss ich einfach etwas sagen!!






Heute morgen in der grössten Schweizer Sonntags-Zeitung (online):

Bündner Pfarrerin gebärt zwei Buben
Zwillinge mit 66
Ein neuer Rekord!
Eine pensionierte Pfarrerin (ref.) hat mit 66 Jahren Zwillinge
auf die Welt gebracht
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Damit ist sie das älteste Mami der Schweiz. 



Gemäss diesem exklusiven, reisserisch aufgemachten Bericht, soll vor rund zwei Wochen, eine in Grüsch – einer  idyllisch, von Bergen umrahmten Gemeinde, mit rund 1300 Einwohner (übrigens zufällig die Wohngemeinde meiner Ur-Ahnen) in der Talschaft Prättigau, im Kanton Graubünden – wohnhafte, alleinstehende, 66-jährige, pensionierte Pfarrerin,  Zwillings-Buben per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht haben.
Das Kantonsspital und die Einwohnergemeinde sollen gemäss der Zeitung die Zwillingsgeburt und das Alter der Mutter bestätigt haben.
Die alleinerziehende Mutter wollte sich auf Anfrage nicht ausführlich äussern, aber die Zeitung glaubt zu wissen, dass die Pfarrerin kaum auf natürliche Weise schwanger geworden ist. Sie soll in die Ukraine gereist sein, um sich im Rentenalter ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Wie die Zeitung berichtet, ist scheinbar in diesem Land neben der Samenspende auch die Eizellenspende erlaubt. Altersbeschränkung beim Babywunsch soll es nicht geben. Englischsprachige Agenturen würden via Internet mit «Baby-Paketen» für mehrere Tausend Franken werben.

Was haltet Ihr von dieser Meldung? Was geht Euch spontan oder nach längerem Überlegen durch den Kopf? Ist diese künstlich erzeugte Schwangerschaft im Rentenalter moralisch und ethisch vertretbar? Muss man in Zukunft häufig mit Mütter im Grossmutteralter rechnen.

Ich finde, auch nach längerem Überlegen, dass diese Frau auf jeden Fall nicht vernünftig, sondern aus meiner Sicht sogar egoistisch und verantwortungslos gehandelt hat. Ich meine, dass sie ihre persönlichen Interessen über das Wohl der Kinder, auch über das Allgemeinwohl und vielleicht sogar über ethische Ansichten gestellt hat.

Natürlich ist heute eine Frau mit 66 Jahren vielleicht körperlich so fit, wie Ende des 19. Jahrhunderts es eine Frau mit 40  war – und doch, wenn ihre Söhne volljährig sind, ist die Frau 84 Jahre alt und mit 18 ist ein junger Mensch heutzutage noch lange in der Ausbildung und keinesfalls völlig selbstständig. Zudem kam es zu Bismarks-Zeiten sicher öfter vor, dass man eine scheinbar hochbetagte Mutter hatte oder bereits in jungen Jahren zur Vollwaise wurde. Aber heute ist das sicher (noch?) ein Ausnahmefall, mit dem ein Kind oder Jugendlicher zuerst zurecht kommen muss. Ich meine, Kinder brauchen aktive Eltern, speziell wenn sie in die Pubertät kommen, aber dann ist die Frau achtzig! Zudem brauchen vielleicht gerade Kinder mit einer schwierigen Identität (unbekannte genetische Mutter, unbekannter Samenspender, fehlender Vater) eine besonders lange, liebevolle Betreuung und die Möglichkeit, umso intensiver über Herkunft und Beweggründe der alleinerziehenden Mutter kritische Fragen stellen zu können, um aus erster Hand Auskunft zu erhalten, damit diese oft belastenden Umstände richtig verarbeitet werden können.

Die Frau lebt gemäss diesem Bericht alleine und seit ihrem Umzug in diese Gemeinde vor einigen Jahren auch sehr zurückgezogen. Nachbarn haben kaum mit ihr Kontakt und über ein familiäres Umfeld scheint nichts bekannt zu sein.  Auch betreut sie seit Jahren keine Kirchgemeinde mehr.
Ist eine solche „Leihmutterschaft“ (Eizellenverpflanzung, anonymer Samenspender) in diesem Alter ethisch vertretbar? Es ist ja nicht so, dass da eine zutiefst unglückliche junge Frau ist, die sich um jeden Preis  die Erfüllung ihres unbändigen Kinderwunsches erkauft, oder dass sich ein junges Paar keine sinnvolle Lebensgemeinschaft ohne ein Kind vorstellen kann.
Dieser Frau, die immerhin Ethik studiert hat, war es während über dreissig Jahren nicht wichtig genug, Mutter zu werden, und da frage ich mich schon, wo die Beweggründe für diese bedauernswerte Person liegen mögen. Es dürfte nicht leicht sein, das den heranwachsenden Söhnen, deren Mitschülern und Freunde oder einer kopfschüttelnden Nachbarschaft zu erklären und – sehr viel Zeit wird dazu nicht bleiben.

Ich hätte eigentlich von einer Pfarrerin mehr Rücksicht und Vernunft erwartet.


Doch ein Trost bleibt,
auch diese beiden Kinder werden ihre „Mutter“ über alles lieben

©/® Copyright by Herr Oter 
 
Ich freue mich über anregende, aber auch kritische Kommentare und 

würde auch gerne erfahren, was Frauen davon halten.



:-(

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Bin genau der gleichen Meinung! Hoffe sehr die gute Frau Pfarrer wird mindestens 100 Jahre alt und pflegt künftig auch zwischenmenschliche Beziehungen mit den Dorfbewohnern...ansonsten sehe ich zwei Eigenbrötler auf uns zu kommen,die nur Mami kennen und sonst niemanden...
T.O.&O

Herr Oter hat gesagt…

Danke für den Kommentar T.O.& O.
Ich befürchte, dass die halbwüchsigen Söhne sich eventuell um die gebrechliche oder demente Mutter zu kümmern haben, als dass sie Kontakte pflegen können.

chat noir hat gesagt…

Ich bin auch der Meinung, dass die Frau egoistisch gehandelt hat. Mir tun die Kinder schon heute leid. Warum? Weil sie von Anfang benachteiligt sind. Ein Baby in diesem hohen Alter allein aufzuziehen ist schon problematisch, aber zwei? Das ist ein Rundumeinsatz, den man schon in jüngeren Jahren schlecht bewältigt. Und so wird es bleiben, die Kleinen werden immer agiler - wer flitzt denn da hinterher? Dieser rote Faden wird sich durch das ganze Leben der Kinder ziehen, nur weil eine alte Frau unbedingt mit lebenden Babypuppen spielen möchte. Übrigens habe ich diese Meinung auch zu älteren Vätern, von denen man schnell meinen kann, dass der Großvater die lieben Kleinen vom Kindergarten abholt. Kinder brauchen Eltern, die mit ihnen mithalten können. Alles andere ist für mich wider die Natur.

Herr Oter hat gesagt…

Ja, liebe Chat noir, welche Grossmutter wäre mit 75 - mit zwei 9-jährigen nicht schon während einer Woche Ferien etwas überlastet.
Nicht zu reden von einem Dauerzustand.
Bedenklich scheint mir auch, dass in diesem Alter eine Adoption eines Kindes unmöglich wäre, geschweige denn, Zwillinge an eine Alleinerziehende.

Besten Dank für Kommentar und liebe Grüsse.

chat noir hat gesagt…

Gern geschehen und liebe Grüße zurück!

re hat gesagt…

hallo
also mein dad ist genau 50 jahre minus 12 tage älter als ich und ja, er konnte mithalten - immer! er ist mit mir in jedes museum gewatschelt, hat jeden zoo und tierpark durchgemacht, meine 1000 fragen immer und immer wieder geduldig beantwortet und mir einen riesen grossen teil unserer welt gezeigt. nie im leben würde ich tauschen wollen!!!
aber, ich hatte oft angst um ihn und denke, dass ich drum heute öfters angst habe leute, die mir wichtig sind zu verlieren. dies lag aber nicht an ihm, sondern an unserer gesellschaft, die immer wieder ein solch immenses ding draus machte und es nie unterliess mich immer wieder drauf aufmerksam zu machen, dass mein vater ja sooooooooooooooo alt sei und ob mir eigentlich klar sei, dass er bald sterben könnte (hallo?!? muss ein kleinkind darauf aufmerksam gemacht werden?).
ich finde es im falle der mutter problematischer und auch, weil es die natur so gewiss nicht vorsieht... und 66, ja, das sind 16 jahre mehr. nur weil ich weiss, wie unangenehm die verlustangst werden kann, finde ich klar, dass dies nicht hätte geschehen dürfen, aber ich hoffe, dass die beiden ihre mum noch lange geniessen dürfen...
lg re

dekoratz hat gesagt…

der lieben frau pfarrer hätte ich geraten, sich einem pflegekind zu widmen, aber bitte erst dann, wenn sie ihr leben mit den mitmenschen auf die reihe kriegt. gottes tiergarten ist bunt, und frau pfarrer wird ein einzelfall bleiben und hoffentlich nicht allzu schnell ein pflegefall werden. generell löst aber so ein fall eine ganz andere diskussion aus: dürfen neueltern älter sein? toleranz verlangt, dass das jeder halten kann, wie er mag... wir hatten unserer kinder jung, hatten aber schon früher ab und zu den gedanken, dass es das eine oder andere mal die großeltern sein könnten, die da am elternabend erscheinen...
frau pfarrer ist nicht wirklich ein thema - aber eins muß ich bei der gelegenheit trotzdem feststellen - "ältere" eltern ( nicht! die! 66!jährigen! ) sind vielleicht dank lebenerfahrung "entspannter" ... lieber herr oter ... du kannst themen finden ... bis gleich - barbara

Herr Oter hat gesagt…

@re:
Besten Dank für den Eintrag von jemandem, der eine Ahnung hat, was so ein grosser Altersunterschied bedeuten könnte.
Auch diese Kinder werden wohl damit leben müssen, dass sie darauf angesprochen und in der Schule vielleicht geplagt werden. Diese Angst, die Sie hatten, wird bei einer Alleinerziehenden noch bedrohlicher sein.

@Barbara:
Ich denke auch, dass es genügend Kinder gäbe, die froh um eine "kinderliebende Pflege-Grossmutter" wären.
Denn es ist schon so, dass Ältere mehr Lebenserfahrung und Gelassenheit mitbringen können.

Auch dir Barbara, ganz herzlichen Dank für deine Meinung. Ich hoffe, dass ich dich mit "meinen Themen" noch oft ansprechen kann :-)

Liebe Grüsse an beide

Süsses und Saures mit ein bisschen Gewürz hat gesagt…

Leider ist die Schamgrenze der Ethik in der heutigen Zeit sehr Niedrig... Es ist in meinen Augen unverantwortungslos in diesem alter Kinder in die Welt zu setzen.. Ich verstehe jede Frau mit Kinderwunsch.. und sicherlich wurde es Ihr in der früheren Zeit als Pfarrerin nicht leicht gemacht Kinder zu bekommen.. Aber! Haben die Kinder denn nicht eine Mutter verdient die nocht fit und rüstig ist bis zum hohen alter? In meinen Augen ist diese Zeit vorbei auch wenn sie jetzt noch gesund und fit ist...
Natürlich werden sie die Kinder lieben.. und für Ihre zwei Kinder wird Sie egal wie alt sie ist immer die grösste und die beste Mutter sein der Welt... Aber... wer garantiert den Kindern das sie schlussendlich nicht bei Pflegeeltern aufwachsen, nur weil die Mamma vieleicht krank wird oder aus anderen Gründen nicht mehr Mamma sein Kann?...
Ich hoffe für diese kleine frische Familie nur das beste und das sie noch lange Zeit miteinander verbringen dürfen..

Liebe Grüsse

Bienschen

Herr Oter hat gesagt…

Danke für deine Meinung, liebes "Bienschen".
Bis bis jetzt sind sich hier alle einig: "Das gehört sich nicht!"
Ich glaube, schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass die Natur wohl ihre Gründe hat, weshalb sie das "Kinderkriegen" zeitlich vernünftig limitiert.
Ich hoffe, dass durch eine sehr breite Ablehnung, diese unsäglichen Machenschaften kaum zur Gewohnheit werden.
Liebe Grüsse

Anonym hat gesagt…

Die Medlung ist jetzt 1 Jahr her. Weiss jemand, wie es der Mutter und den Zwillingen geht?

Herr Oter hat gesagt…

Mir ist darüber nichts bekannt.