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Samstag, 7. Mai 2016

Fingerspitzengefühl





Fingerspitzengefühl


Etwas gelangweilt schlendere ich hinter der älteren Person her, die ich zum Einkaufen in den Supermarkt gefahren habe.
Da treffe ich unerwartet auf eine Frau aus Eritrea.
Wir kennen uns recht gut und die Begrüssung ist herzlich. Sie spricht ganz ordentlich Deutsch und so wechseln wir kurz ein paar Worte. Meine Begleitung ist währenddessen verschwunden.

Abra ist Mitte Fünfzig und vor vier Jahren in der Schweiz geflüchtet. Die nette Familie hat sich inzwischen hier gut eingelebt. Vor kurzem konnten sie auch vom zügigen Wohncontainer in eine helle, kleine Wohnung umziehen und Meng, ihr Mann, hat endlich eine Arbeit gefunden. Der gelernte Autospengler kann nun wenigstens an drei Tagen pro Woche bei einer Recyclingfirma arbeiten. Damit hat sich auch seine Psyche wieder stark verbessert.
Die älterste Tochter ist seit einigen Monaten mit einem Schweizer verheiratet, der ältere Sohn hat glücklicherweise eine Lehrstelle gefunden und die beiden Jüngsten gehen hier zur Schule. Die Kinder sprechen Schweizerdeutsch, sind in verschiedenen Vereinen und gut integriert.
Abra und ihr Mann haben mit dem Kontakt zu Einheimischen etwas mehr Mühe. In ihrem Alter ist das nicht mehr so einfach. Doch sie besuchen wöchentlich unser Integrationskaffee um mehr Einheimische kennen zu lernen. Denn auch sie freut es besonders, wenn sie auf der Strasse oder im Laden erkannt und wahrgenommen werden – dann fühlen sie sich hier ein bisschen mehr Zuhause.
Meng kommt auch jeden Donnerstag zu mir, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Daraus ist inzwischen ein freundschaftlicher Kontakt entstanden und wir wurden von ihnen auch schon zum eritreischen Mittagessen oder zur traditionellen Kaffeezeremonie nach Hause eingeladen.

Einige Minuten später verabschiede ich mich wieder von Abra und sehe mich nach meiner Begleitung um. Ich treffe die bald Achtzigjährige hinter dem nächsten Gestell, wo sie ungeduldig wartet.
„Ich warte schon lange!”, zischt sie und funkelt mich ein bisschen böse an. Währenddessen schiebt sie ihren Einkaufswagen bereits eilig zur Kasse.
„Ach, da bist du … Warum bist du vorhin so plötzlich verschwunden? Wolltest du mit der dunkelhäutigen Frau nicht gesehen werden?”, frage ich scherzhaft, denn ich kenne ihre Einstellung zu 'den Asylanten'.

Nach einer Pause und einem unverständlichen Gemurmel fragt meine Begleitung unwirsch: „Was war denn die für eine?”
Ich muss lächeln: „Das ist die Frau des Eritreers, dem ich seit über einem Jahr jede Woche Deutsch gebe. Ich habe dir doch schon oft von ihm erzählt.”
Inzwischen sind die wenigen Einkäufe auf dem Kassenband gelandet und meine Begleiterin hat schon ungeduldig ihren Geldbeutel in der Hand.
Ohne sich umzublicken sagt sie:
„Ach, die war das – hätte ich das gewusst, hätte ich ihr zwanzig Franken gespendet …





:(






Sonntag, 24. April 2016

Theo





Theo


Alle haben sie gelacht!
Und wiederum hat er den Stammtisch fast im Alleingang unterhalten. Eine Anekdote nach der anderen – ihr schallendes Gelächter hat ihn zusätzlich angespornt. Heute Abend war er einmal mehr in Bestform.
Seine Sprüche kamen präzise und sein Intellekt arbeitete blitzschnell. Schlagfertig konterte er alle Bemerkungen und setzte so jeweils noch einen drauf – bis sie vor Lachen Tränen in den Augen hatten.
Trotzdem, niemanden am Tisch hat er gekränkt, denn Theo macht keine abwertenden Sprüche über andere. Wenn schon nimmt er sich selber auf den Arm, stilisierte sich hoch zu einer Witzfigur.
Gerade dann bekommt er am meisten Anerkennung. Dann ist er jemand! Man nimmt ihn wahr – doch keiner nimmt ihn ernst. Manch einer hat ihm zum Abschied anerkennend auf die Schultern geklopft. „Theo, du bisch eifach en glatte Siech,” und alle haben anerkennend genickt.

Aber was wissen die schon? Was wissen die von Theo! Keiner kennt ihn wirklich. Keiner sieht sein Inneres, keiner weiss von seinen Schmerz.

Nun ist er auf dem Heimweg – alleine.
Noch ein paar Gedanken an die vergangenen zwei Stunden. Er möchte sie für immer festhalten, denn sie haben ihm kurzfristige Linderung gebracht. Aber die quälende Einsamkeit und die Angst sind schnell wieder da. 

Noch ein kurzes Lächeln der Erinnerung und dann ist nur noch Leere.


Mehr über Einsamkeit hier


:(




Dienstag, 12. April 2016

Einfach nichts mehr da!




Einfach nichts mehr da!

Manchmal habe ich Angst, dass plötzlich nichts mehr da ist.
Unbemerkt schleicht es sich langsam davon und dann werde ich – vielleicht eines Morgens beim Aufwachen – erschrocken feststellen, dass alles weg ist!
Vermutlich bemerke ich es, weil ich mich wundere, wer neben mir liegt.
Kenne ich die? Gehört sie zu mir oder liegt sie zufälligerweise dort?
Ich weiss es nicht!
Nichts ist mehr da, mein Gedächtnis ist einfach verschwunden.

Damit sind auch all die schönen Momente in meinem Leben weg.
Die Kindheitserinnerungen, der erste Kuss, die Hochzeit oder das unbeschreibliche Glücksgefühl, als ich meine Buben das erste Mal in meinen Armen hielt.
All diese 'unvergesslichen' Glücksmomente sind einfach vergessen.
Keine Erinnerungen an die Eltern, an die Lebenspartnerinnen oder an all die anderen wichtigen Dinge in meinem Leben. Was war beruflich, wo war ich auf Reisen, was habe ich alles erlebt?
Keine Ahnung! Es ist einfach nichts mehr da.
Meine Eigenart, meine Identität, ja mein ganzes Leben ist einfach verschwunden.

Vorhin habe ich mich gefragt, ob es auch bei mir mal so kommt, wie damals bei meiner Mutter?
Ob auch bei mir einmal die Diagnose 'Alzheimer' lautet?

Aber eigentlich brauche ich mir deswegen doch gar keine Gedanken zu machen.
Denn in dem Moment, an dem ich mich an nichts mehr erinnern werde, werden nicht nur alle schönen Erlebnisse verschwunden sein, sondern auch die sorgenvollen Gedanken, die mich gerade beschäftigten.



:|




Sonntag, 10. April 2016

Problemlose Problemlösungen





Problemlose Problemlösungen

Täglich ein probiotisches Joghurt zur Traumfigur in zwei Wochen. Straffe Haut und jugendliches Aussehen bis ins hohe Alter dank einer Anti-Aging-Creme und weisse Raucher-Zähne über Nacht mit der Bleaching-Zahnpaste. Ein Pülverchen gegen Haarausfall und Po-Push-Up-Slips für einen Hintern wie der von Kim Kardashian. Eine Selfie-App für das perfekte Porträt im Online-Dating-Portal. Die blaue Pille davor gegen Potenzprobleme, die Pille danach gegen ungewollte Kinder. Brausetabletten gegen Müdigkeit und Lifestyle-Medikamente gegen Stress.
Fünfhundert Facebook-Freunde gegen Einsamkeit und eine populistische Parteien gegen Migrantenströme und Überfremdungsängste — so werden heute komplexe Probleme gelöst.

© Copyright by Herr Oter



;)

Dienstag, 22. Dezember 2015

Zwei niedliche Jungwölfe erhitzen die Gemüter



Zwei niedliche Jungwölfe erhitzen die Gemüter

Weil die Wölfe aus dem sogenannten 'Calanda-Rudel' immer mehr die Scheu vor den Menschen verlieren, könnte sich daraus ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen entwickeln. Darum sollen nun zwei Jungtiere zur Abschreckung getötet werden.
Diese Meldung entfacht nun in verschiedenen Zeitungen viele Reaktionen, einige Kommentarfunktionen mussten inzwischen sogar geschlossen werden.

Besonders heftig wurde die Massnahme auch auf FB kommentiert.

(Guck mal)
Man ärgert sich, dass der Mensch, «über die Tierwelt bestimmt», ja es wird sogar um deren «Erhalt» gefürchtet. Auch das Ermorden von «härzigen Jungtieren» wird heftig verurteilt, als ob ein Kalb, ein Lamm, ein Fohlen oder ein „Mistkratzerli” keine Jungtiere wären. In manchen Kommentaren wird der Abschuss auch «als Regulierung durch die Jagd» verurteilt – aber bei über 26 Tausend Füchsen, deren Fleisch und Fell kaum noch verwertet wird, spielt das keine Rolle.
Übrigens: Auf Schweizer Strassen wird jede Stunde ein Reh totgefahren, insgesamt sind es über 20’000 Wildtiere pro Jahr.
Viele dieser Kommentare sind sehr gehässig. Da werden Menschen mehrfach als Idioten, Sauhüng, Spinner usw. bezeichnet oder mit einer 'Körperöffnung' betitelt; es wird 'Gegessenes' wieder von sich gegeben und es wird u.a. gefordert, dass auch zwei Beamte der zuständigen Behörde «zum Abschuss frei gegeben werden» und die ausführenden Jäger «an die Wand gestellt werden». Solche Kommentare finde ich, auch angesichts der beiden leidgeprüften Jungwölfe, einfach unerhört.

Ich möchte einfach noch daran erinnern, dass zur menschlichen Ernährung in der Schweiz im Jahre 2014 folgende Tiere getötet wurden:

 50’577’768 Hühner;
   2’751’441 Schweine;
     398’664 Rinder;
      251’476 Kälber;
     239’647 Schafe;
         2’897 Pferde,
       40’599 Rehe
      26’366 Füchse
     10’740 Hirsche
     12'231 Gämsen


Dazu kommen viele weitere Tierarten, die gejagt werden (Wildscheine, Hasen Gämsen, Murmeltiere usw.) oder die täglich geschlachtet werden (Ziegen, Kaninchen, Strausse, usw.)
und ein auch paar Millionen Wassertiere, wie Fische und Krustentiere usw., dazu gehören übrigens auch die feinen Scampi, Muscheln und Crevetten.

Als „nutzlos!" werden in der Schweiz zudem jährlich 2,4 Millionen männliche Küken qualvoll vergast und millionenfach tote Tiere zur Tierfütterung oder in der Forschung verwendet.


Dazu kommen in diesem Jahr nun leider auch noch 2 abgeschossene Calanda-Wölfe!





;)



Donnerstag, 16. Juli 2015

Wenn es zweimal klingelt…






Wenn es zweimal klingelt…

Wenn es kurz vor dem Mittag zweimal klingelt, dann ist das immer der Postbote.
Aber das kommt selten vor, denn er klingelt nur, wenn er neben der 'normalen' Post – die er sonst einfach in den Briefkasten wirft – auch noch ein 'Einschreiben' dabei hat. Denn diesen Erhalt muss man mit der Unterschrift bestätigen.

'Eingeschrieben' geliefert wurde bisher vor allem Wertvolles oder ganz Wichtiges – vielleicht bedeutende Dokumente oder ganz vertrauliche Papiere. Wichtige Verträge zum Beispiel, Anwalts- oder Gerichtsschreiben, aber auch Kündigungen oder letzte Mahnungen von Inkassofirmen. So bekamen oft die eher Liederlichen und Unredlichen einen  'Chargé' und vielleicht hat sich dann der eine oder andere, je nach Absender, doch beim Empfang manchmal ein bisschen geschämt. Denn rechtschaffene Privatleute hatten eher selten mit dieser Art von Postsendung zu rechnen. 

Das hat sich inzwischen scheinbar stark verändert.
Denn in letzter Zeit, so sagt mir mein Postbote, muss er immer öfter zweimal an Schweizer Haustüren klingeln. Nicht, dass es heute den meisten Eidgenossen gegenüber von früher bedeutend mehr an Gesetzestreue und Rechtschaffenheit mangeln würde. Nein, bestimmt nicht! Darum ist es ja heutzutage auch nicht mehr ein wichtiges Briefkuvert oder ein wertvolles 'Päckli', das der 'Pöstler' zum Unterschreiben bringt. Nein, es sind meistens eingeschriebene, schwarze Versandtaschen, die direkt aus China kommen. Sie enthalten billige Mode-Artikel, die zum Beispiel über die Webseite «Wish» bestellt wurden. Die Wish-App, die mobile Shopping-Plattform aus San Francisco, ist aktuell die Nummer eins im Versandhandel in Amerika und Europa und soll alle anderen mobilen Online-Shopping-Plattformen in den Schatten stellen. Nach Amazons Slogan 'Einfach so einkaufen’ und dem ’Schrei vor Freude' von Zalando, nun das 'Eingeschriebene' von «Wish». Besonders die neue Wish-App «Geek»  soll es den kaufwütigen Schweizern angetan haben und sie in einen wahren Kaufrausch versetzen. Über die Suche findet man (fast) alles, Kleider, Schmuck, Technik, Wohnungseinrichtungen, Geschenke, Kinderartikel und schnell ist bestellt und mit Kreditkarte bezahlt. Die Lieferung dauert dann etwas länger, dafür muss man schon 10 bis 30 Tage lang (manchmal auch etwas mehr) Geduld aufbringen.

So bestellt man online zum Beispiel ein paar schwarze Damen-Freizeitschuhe für 3 Fr./€. Dazu kommen dann noch 2 Fr./€ Porto. Wohlverstanden, transportiert von China in die Schweiz und das EINGESCHRIEBEN!
Ich habe den Postboten gefragt, was bei uns ein eingeschriebener Brief ins Nachbardorf kosten würde – seine Antwort: mindestens 6 Fr./€.

Über den Wert der Schuhe, deren Herstellungsbedingungen in China oder den ökologischen Unsinn des Transportes um die halbe Welt, mag ich heute hier gar nicht schreiben. Aber wie ist es möglich, dass die Schweizer Post für denselben Vorgang  – nämlich die Verteilung und Abgabe einer eingeschriebenen Postsendung – mindestens dreimal weniger verlangt, wenn das Paket aus China kommt?
Auch der 'Pöstler' hat mir bestätigt, dass seine Arbeit immer den gleichen Umfang hat, egal ob die Sendung in der Schweiz oder in China aufgegeben wurde. Aber seine Arbeitsbelastung hat sich dennoch stark vergrössert, weil heute auch 'rechtschaffene Privatleute' viel öfters eingeschriebene Post aus China bekommen. Es sei ein richtiger Boom entstanden. Und: „Es braucht natürlich viel mehr Zeit, bis jeder an der Haustür ist und dann, oft nach einem kurzen Gespräch, endlich für den Erhalt unterschrieben hat. Aber man will dem Kunden gegenüber ja auch nicht unhöflich sein.”
Zum Glück sind die meisten Benutzer dieser Apps tagsüber nicht zu Hause und darum muss er 'nur' einen Abholschein ausfüllen und in den Briefkasten werfen, damit sie ihre ’wertvolle’ oder 'ganz wichtige' eingeschriebene Post aus dem fernen China am Postschalter später abholen können.

Ob sich dabei der eine oder andere wie früher, ob dem Absender auch ein bisschen schämt – das habe ich den 'Pöstler' natürlich nicht gefragt.








:(

Mittwoch, 15. April 2015

Eine Idee, die 150 Millionen Menschen die Augen öffnen könnte









Eine Idee


Eine Idee, die das Leben von 150 Millionen Menschen komplett verändern könnte. Eine Idee, die die Ärmsten der Welt unterstützt. Eine Idee, die neue Einblicke bietet. Eine Idee, die 150 Millionen Menschen die Augen öffnen könnte.

 

Gemäss WHO bräuchten 150 Millionen arme Menschen auf der Welt dringend eine Brille. Sie können nicht lernen, nicht arbeiten und nicht für ihre Familien sorgen. 150 Millionen Menschen haben Nachteile in der Bildung, im sozialen Miteinander oder einfach im täglichen Überleben – nur weil sie schlecht sehen. Denn diese Menschen können sich schlicht keine Brille leisten.
Was bei uns, in den reichen Ländern, einfach zu haben ist, gibt es in diesen armen Ländern nämlich nicht – eine einfache Brille für 1 Euro.

Einer wollte sich mit diesen Gegebenheiten nicht abfinden!
Denn der Deutsche Martin Aufmuth, ein Lehrer aus Erlangen, konnte nicht begreifen, warum es gerade für diese Menschen in den Drittweltländern, die mit einem Tagesverdienst von nur rund einem Euro (1 €!) auskommen müssen, diese günstigen 1-€-Sehhilfen nicht gibt. Er wollte das ändern!

Nach intensivem Studium, monatelangem Tüfteln erfindet er einen Wunderkasten; eine 30x30x30 cm grosse und etwa drei Kilogramm schwere, unscheinbare Holzkiste, aus dessen Innenleben tausende Brillen hergestellt werden können. Die Herstellung einer Brille dauert bloss zwischen 10 Minuten und etwa einer halben Stunde – und die Kosten: ein Dollar.
Die „Ein-Dollar-Brille” ist geboren, die Idee von Martin Aufmuth verwirklicht und eine simple Lösung für ein gigantisches Problem gefunden.

Im „Wunderkasten” gibt es nebst allen notwendigen Vorrichtungen und Werkzeugen zur Herstellung der Brillen auch eine Biegemaschine, die wartungsfrei ist und ohne Strom auskommt. So kann sie auch im abgelegensten Ort eingesetzt werden. Denn der Brillenrahmen ist aus gebogenem Federstahldraht, so stabil wie bei einer teuren Brille aus Titanflex und, obwohl das Material sehr günstig ist, rostet es nicht. Die gehärteten Linsen aus bruchsicherem Polykarbonat sind bereits in 25 verschiedenen Gläserstärken geschliffen auch im Kasten vorhanden und können ohne Werkzeug nur noch eingesetzt werden.

Ansässige Frauen und Männer werden vor Ort als Techniker oder Optiker angelernt. Nach einem 14-tägigen Intensiv-Training können sie die Sehhilfen selbstständig und eigenverantwortlich herstellen. Die ausgebildeten Optiker gehen zu den Menschen in die Dörfer und versorgen sie vor Ort sofort mit den passenden Brillen. Die Brillen werden für 2-3 ortsübliche Tageslöhne verkauft. So sind sie auch für die Ärmsten dieser Welt erschwinglich. Den einheimischen Fertigern bleiben nach den Materialkosten noch je 60 Cent pro verkaufter Brille. Auf diese Weise soll ein System in Gang kommen, das den Menschen im Ort dauerhaft hilft und den Fertigern eine sichere Existenz bietet. Martin Aufmuth und die Entwicklungshelfer verdienen nichts daran.

Das ist doch eine grossartige Idee, die hoffentlich vielen Menschen die Augen öffnet.



Für weitere Informationen bitte hier





:)

Samstag, 14. März 2015

Bevor man das nächste T-Shirt kauft…





Ein kritischer Blick:
Bevor man das nächste T-Shirt kauft…


Wir tragen sie im Sommer, im Winter, beim Sport oder zum Schlafen. Das Baumwolle-T-Shirt hat einen hohen Tragekomfort, ist modisch, anschmiegsam und günstig. Darum ist es sehr beliebt und man hat meistens gleich mehrere davon – in allen Farben, in verschiedenen Designs und oft mit coolen Aufdrucken. Das T-Shirt aus Baumwolle ist das Kleidungsstück schlechthin.

Baumwolle ist darum weltweit die wichtigste, natürliche Textilfaser. Man verwendet sie seit 8'000 Jahren und bereits 3’000 v. Chr. begann in Indien, Pakistan und China der kommerzielle Anbau. Sechsundzwanzig Millionen Tonnen Baumwolle werden heute weltweit jährlich produziert. Indien ist mit vier Millionen Tonnen das drittgrösste Anbauland, nach China und Amerika. In Indien leben vier Millionen Bauern davon und weitere 60 Millionen Menschen arbeiten in der Textilindustrie.

Baumwolle braucht viel Wärme und sehr viel Wasser, mag aber keine Niederschläge. Darum wird Baumwolle in tropischen Trockengebieten angebaut und künstlich bewässert. Dreiviertel der weltweiten Produktion stammt daher von künstlich bewässerten Flächen. Im weltweiten Durchschnitt werden rund 11'000 l Wasser für die Produktion von 1 kg Baumwolle benötigt. Doch der grösste Teil, der bei uns getragenen Baumwolle, kommt aus Indien und dort verbraucht man für 1 kg Rohwolle sogar mehr als 23'000 l Wasser – das 23-fache dessen, das für die Produktion eines Kilos Weizen aufgewendet werden muss. Für ein einziges T-Shirt muss der Baumwollstrauch also im Minimum etwa 2'000 Liter Wasser aufnehmen und für die Verarbeitung kommen dann nochmals 700 – 1'000 Liter dazu. So werden für die Baumwollproduktion etwa sechs Prozent des weltweiten Süsswasserverbrauchs aufgewendet, das heisst, dass jährlich etwa 256 Kubikkilometer Wasser benötigt werden. Diese Menge würde ausreichen, um jeden Erdbewohner mit 120 Liter Frischwasser pro Tag versorgen zu können.
In den Baumwollprodukten, die in Deutschland pro Jahr gekauft werden, stecken rund 6,4 Milliarden Kubikmeter Wasser. Das sei mehr als die doppelte Menge Wasser, die private Haushalte im gleichen Zeitraum zum Waschen, Kochen, Duschen und Baden verbrauchten, rechnete das Statistische Bundesamt aus.

Baumwolle ist höchst anfällig für Schädlinge. Darum werden im Schnitt die Ackerflächen pro Saison 25 bis 30 Mal flächendeckend mit Pestiziden aller Art besprüht. Etwa 25 % aller weltweit im Ackerbau eingesetzten Insektizide werden für die Baumwollproduktion aufgewendet, obschon die Ackerfläche für Baumwolle nur 1/40, also bloss 2.5 % der Weltackerfläche bedeckt. Für jedes Baumwolle-T-Shirt sind das umgerechnet rund 150 gr. Gifte, die nur schon auf dem Acker landen.
Über die Hälfte der indischen Bauern sind Analphabeten. Da sie sehr schlecht ausgebildet sind, vergiften sie sich oft selbst: Unsorgfältiges Ausbringen, falsche Mengen oder die Inhaltsstoffe der Pestizide verursachen Unfälle und gesundheitliche Schäden: Augen- und Atembeschwerden, Krebs, Unfruchtbarkeit usw. Nach Schätzungen der WHO sterben in den Baumwollanbaugebieten weltweit jährlich 20’000 Menschen und drei Millionen erkranken durch den Einsatz der Pestizide.

Feldarbeiterinnen erhalten für ihre knochenharte, monotone Arbeit zwei Rupien, also knapp vier Rappen pro Kilo Ernte. Wenn die Baumwolle gut ist, können bei strenger Arbeit täglich bis zu 50 Kilogramm geerntet werden, das gibt zwei Franken/Euro pro Tag. So können ca. 40 Fr./€ pro Monat erarbeitet werden; das genügt dürftig zum Überleben einer Person.
Übrigens: Um die harte Arbeit und ihre schwierige Lebenssituation erträglicher zu machen, begannen die fernab ihrer Heimat Afrika auf den Baumwollplantagen schuftenden Sklaven einfache Songs zu singen, die von Liebe, Sehnsucht und Leid erzählten. Damit erschufen sie den ‘Blues‘, eine heute nicht mehr wegzudenkende Musikgattung.

Für die Verarbeitung und Veredelung der Baumwolle ist nochmals ein hoher Einsatz von Chemikalien und Wasser notwendig. Oft sind 25 % des „100-Prozent“-Baumwolle-T-Shirts Farbstoffe, Weichmacher und andere Chemikalien. Für ein Kilogramm Baumwollstoff werden neben den vielen Chemikalien auch nochmals einige hundert Liter Wasser verbraucht. Durch fehlende Kenntnis, Vorschriften und Kontrollen in den Billiglohnländern und nicht zuletzt unter dem unsäglichen Preisdruck, ist die Stoffherstellung vielfach gesundheitsschädigend und lebensgefährlich. Die Arbeiter kommen mit giftigen Substanzen wie Quecksilber, Cadmium, Chrom, Blei und Kupfer, die zum Aufbereiten und Färben der Fasern verwendet werden, in direkten Kontakt. Die Chemikalien gelangen zudem in die Luft und in das Abwasser. Die Menschen in den Ballungsgebieten der Textilindustrie leiden unter verseuchtem Trinkwasser, schmutzigen Flüssen und Seen, schlechter Luft und belasteten Nahrungsmitteln. Über die Meeresströmung verteilt sich das Gift zudem über die ganze Welt. Auch durch unsere Reinigung der Baumwollprodukte landen noch darin enthaltene Chemikalien und Giftstoffe bei uns in den Kläranlagen und Verbrennungsfiltern oder sie lagern sich irgendwo ab. Aber es verbleiben trotzdem zwischen zwei und zehn Prozent der Textilhilfsmittel (Chemikalien) und Farbstoffe auch nach mehrmaligem Tragen und Waschen in den Textilien, darum sind viel getragene und „verwaschene“ T-Shirts zunehmend auch weniger schädlich für uns.

In Kambodscha, Bangladesch, China oder Indien werden für Tageslöhne von ein bis zwei Franken/Euro, Kleider für den europäischen Markt genäht. In Bangladesch hat die Regierung zwar endlich den monatlichen Mindestlohn für ungelernte ArbeiterInnen auf 930 Taka (ca. 14 Fr./€) und für gelernte ArbeiterInnen auf 2.100 Taka - ca. 35 Fr./€ festgesetzt. Doch dieser liegt nach wie vor weit unter der Armutsgrenze. Nur durch massive Überstunden erreichen die Arbeiterinnen diesen durchschnittlichen Tageslohn von 2 Fr./€. So kommen die Arbeiterinnen schnell mal auf über 100-Stunden pro Woche. Laut Gesetz gilt zwar maximal die 60-Stunden-Woche bei einem freien Tag pro Woche – aber zwölf Stunden Arbeitstage sind die Norm, 16 Stunden keine Ausnahme und das oft an allen sieben Wochentagen. NäherInnen leben und bleiben arm; denn vielfach deckt auch dieser schwer erarbeitete Tageslohn weniger als 50 % der Haushaltsausgaben.
Die Arbeit wird zu 80 Prozent von Frauen, meist im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, gemacht. Üblicherweise fangen sie als Mädchen im Alter von 14 bis 15 Jahren in den Fabriken als „Helferinnen“ mit noch bedeutend schlechterer Bezahlung an. Mit 16 sind sie dann einfache Näherinnen auf der untersten Hierarchiestufe. Die Beschäftigten bekommen meistens keine Arbeitsverträge; Mutterschutz sowie Sozial- oder Vorsorgeleistungen fehlen gänzlich. Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall besteht ebenfalls nicht.

Häufig sind in Europa die dortigen, räumlichen Arbeits-Bedingungen nicht einmal mehr für Legehennen akzeptabel. Sauberes Trinkwasser, Lüftung, richtige Beleuchtung, sowie Aufenthalts- oder Essräume fehlen des Öfteren. Hygiene und Sicherheit sind des Öfteren in haarsträubendem Zustand und manchmal bezahlen die zum Teil minderjährigen Arbeiterinnen unser billig gekauftes T-Shirt sogar mit ihrem Leben, wie der Einsturz der Textilfabrik „Rana Plaza”  mit mehr als 1000 Toten zeigte.

Redeverbote, Schikanen, Beschimpfungen oder Schläge und offene sexuelle Gewalt von den Vorgesetzten (meistens männlich) sind an der Tagesordnung. Pausen und Toilettenbesuche werden eingeschränkt, Zuspätkommen wird in einigen Fabriken sogar mit „am Pranger stehen” bestraft. Wer murrt, fliegt!

Auch nebst der Arbeit leben die Arbeiterinnen in desolaten Zuständen auf engstem Raum, teilen Toiletten, Küchen und häufig sogar auch das Bett. Überteuerte Mieten werden für übelste Wohnverhältnisse verlangt. Korruption, Ausbeutung und sexuelle Übergriffe wohin man sieht.


Fazit:
In einem billigen, schnell gekauft und bald weggeworfenen Baumwolle-T-Shirt steckt ein grosser Aufwand an Wasser, Chemie und harter Arbeit unter extrem inhumanen und menschenverachtenden Arbeits- und Lebensbedingungen.
Eine blosse Preiserhöhung von ca. 10 % bei uns, könnten wenigstens existenzsichernde Löhne und faire Arbeitsbedingungen ermöglichen.




Ich meine darum:


Bevor man das nächste T-Shirt kauft… 
oder eines unbedacht entsorgt…,
sollte man sich vorher neben einem kritischen Blick,
vielleicht auch ein paar Gedanken machen…
©® Copyright by Herr Oter



 © Bild von:Vijayanarasimha / Lizenz: CC0 / by: pixabay 




:(

Sonntag, 22. Februar 2015

Erkenntnis kontra Gier







"Ich glaube an die
Vernunft des Menschen
und hoffe, dass die Erkenntnis
die hemmungslose Gier
doch noch besiegt"
denkt Herr Oter



:)


Samstag, 27. Dezember 2014

Der kleine Kolibri






Der kleine Kolibri

Am Ufer eines Flusses liegt ein dichter Urwald, in dem viele Tiere leben. Eines Tages entsteht durch Unachtsamkeit ein Waldbrand.
Fassungslos und entsetzt sehen die Tiere der Katastrophe hilflos entgegen, unfähig etwas dagegen zu unternehmen. Wem es möglich ist, der versucht zu fliehen, andere eilen kopflos vor Verzweiflung hin und her oder verharren starr und ohnmächtig und ergeben sich ihrem Schicksal.

Nur ein kleiner Kolibri fliegt eilig zum Fluss, tauchte ins kühle Nass und fliegt rasch wieder zurück. Er holt mit seinem winzigen Schnabel jeweils einen Tropfen Wasser. Den lässt er dann auf die Flammen fallen. Das wiederholt er unermüdlich. Entschlossen flattert er hin und zurück, seine Federn werden dabei etwas versengt, die Hitze nimmt ihm den Atem, doch er gibt nicht auf.

Ein grosser Elefant auf der Flucht, beobachtet das Tun des pfeilschnellen Vogels, der ihn mehrmals überholt. Irritiert von diesen rührenden Versuchen des Kleinen ruft er: „Kolibri! Was tust denn du da? Bist du verrückt? Glaubst Du tatsächlich, dass Du gegen dieses Feuer mit ein paar Tropfen Wasser ankämpfen kannst?“
Der kleine Kolibri landet kurz auf dem Rücken des Kolosses und erwidert ihm keuchend: „Ich weiss, so alleine ist das fast unmöglich. Aber ich versuche es dennoch, ich tue einfach was ich kann und leiste so meinen Beitrag.
"Jeder halt auf seine Weise….“ ruft der Winzling noch beim Abflug, und macht eilig weiter.

Der mächtige Elefant ist beschämt. Er pumpt sich im Fluss voll Wasser, rennt zurück und beginnt nun ebenfalls mit dem Löschen. Hin und zurück, so schnell er kann.
Auch die übrigen Tiere tun es ihm nach – jeder tut, was er kann – und so wird der Brand schlussendlich besiegt.




Kolibri
Autor: cdaniels / Lizenz: CC0 Public Domain (Gemeinfrei) / via pixabay




:)


Dienstag, 23. September 2014








Dieses eindrucksvolle Video ist eine Illusion!
Denn es ist genau umgekehrt.
In Wahrheit spielt sich das Video rückwärts ab, 
von hinten nach vorne, jeden Tag – in Syrien!



Es ist eine Illusion an solche Wunder zu glauben:
Ein kaputter, brennender Teddybär wird nicht plötzlich wieder heil.
Die Wunden am Kopf des Kindes schliessen sich nie mehr.
Die zertrümmerten Gebäude fügen sich nicht mehr zusammen.

Und am Ende fliegt die Bombe, die alles zerstörte, 
auch nicht mehr in den Himmel zurück.
 
Spielplätze sollten nie Schlachtfelder sein!



:((

Donnerstag, 6. Februar 2014

Olympia






Olympia
Brot und Spiele
 
Wer bekommt das Brot?
… und gibt es denn keine Marmelade?



Nun beginnen sie also, die 22. Olympischen Winterspiel in der russischen Stadt Sotschi, einer Stadt mit 330’000 Einwohnern an der „Russischen Riviera“ am Schwarzen Meer.
ENDLICH, möchte ich fast sagen.
Nach den endlosen Diskussionen sollte nun endlich auch mal der Sport zum Zuge kommen.

Aber, was soll ich von diesen „Putin-Spielen“ halten?
NICHT VIEL! – kommt mir da ganz spontan in den Sinn.

Als „Treffen der Jugend der Welt“ sollten sie dem sportlichen Vergleich und der Völkerverständigung dienen; das war mal das Ziel, als 1894 die „Olympischen Spiele der Neuzeit“ als Wiederbegründung der antiken Festspiele in Olympia beschlossen wurden.

Die angestrebte „Völkerverständigung“ hat seit 1894 noch nicht viel zum Weltfrieden beigetragen, zwei Weltkriege und Dutzende von weiteren, kriegerischen Konflikten lassen eher das Gegenteil vermuten.

Auch das „Treffen der Jugend“ stand im Vorfeld dieser Spiele in Sotschi vermutlich nicht im Vordergrund – die Inszenierung eines glänzenden Staatschef im Zenit seiner Macht, die Profilierung seines omnipotenten Staates und die Demonstration einer wiedererwachten „Grossmacht“ Russland waren wohl eher das Ziel. Zu Reden gab in letzter Zeit denn auch weniger der Sport, die (nicht stattfindenden) Treffen der (nicht mehr ganz jungen) Politiker und Mächtigen gaben bisher vor allem zu reden. Aber auch während den Spielen, werden nebst den wenigen siegreichen Sportlern vor allem die „Berühmten“ und „Reichen“ im Vordergrund stehen.

Der „sportliche Vergleich“ wird sicher noch stattfinden und ich hoffe, dass es faire, saubere und sichere Wettkämpfe, ganz im olympischen Geist, geben wird. 
Einer hat sich jedoch, auch ohne sportliche Leistung, den  „Olymp“ bereits gesichert – Wladimir Putin.
Der russische Präsident hat sein „Denkmal Sotschi“  ja geradezu aus dem Boden gestampft. 
Mindestens 50 Milliarden (50 tausend Millionen) soll es kosten, diese „Winterspiele“ an den Hängen des Westkaukasus auszutragen. Notabene, in einem subtropischen Klima am schwarzen Meer und in einem einzigartigen Nationalpark mit der grössten Biodiversität von ganz Russland. Wälder wurden abgeholzt, Flussläufe verlegt, Biotope durch Autobahnen und Bahnlinien zerschnitten, überdimensionierte Stadien, Hotelbauten und Flughäfen gebaut, Gewässer und Grundwasser verschmutzt und illegale Müllkippen in den Wäldern des nationalen Naturparks errichtet.
Gesetze wurden ausser Kraft gesetzt und mehrere tausend sollen enteignet worden sein. Man schürte übertriebene Erwartungen, unterschätzte völlig die Kosten und benötigte den Einsatz immenser öffentlicher Gelder. Durch Korruption und Vetternwirtschaft dient das vor allem einer kleinen Elite – verursacht durch die Interessen eines einzigen Mannes. 
Brot für wenige, die Marmelade für einen und den meisten bleiben ein paar Krümel.

Und was wird von diesen „Investitionen“ nach Olympia bleiben? Die Umwelt wird sich nur langsam erholen und die überdimensionierten Sportanlagen, Hotelbauten, Strassen und Flughäfen werden eine sinnvolle Weiternutzung unmöglich machen. Genau so wie das legendäre «Vogelnest»-Stadion in Peking heute kaum noch genutzt wird oder wie es andere „olympische Stätten“ bereits früher vorgemacht haben. 
Daraus gelernt hat man nichts.

Aber soll man da jetzt noch Kritik üben?
Dafür ist es nun zu spät! – meine ich.
Das hätte man sofort, nach der Vergabe dieser Spiele an diesen völlig ungeeigneten Austragungsort, tun sollen. Die nationalen, olympischen Verbände, die Sportverbände, die Regierungen und vielleicht sogar die Sportler hätten sich damals vehement und mit Boykott-Drohungen dagegen wehren sollen.
Nun ist der Mist gefahren, das Gebiet verschandelt, die riesigen Summen ausgegeben.
Nun soll man einfach spielen, kämpfen, gewinnen und einfach endlich mal aus diesem Fiasko  für die Zukunft lernen.
Ein Boykott einzelner Spieler bringt nichts mehr, es würden einfach andere gewinnen. Das kann man von einem Sportler auch gar nicht verlangen oder erwarten. Jahrelang hat er sich auf diese Wettkämpfe vorbereitet, auf sehr vieles verzichtet, sich geschunden und geplagt. Nun soll er auch die Chance haben, sich die Lorbeeren zu verdienen. 
Diese Missstände sind aus meiner Sicht auch nicht das Problem eines Sportlers. Es ist eine rein politische Frage, ob man Spiele an solchen Orten, zu diesen Bedingungen und mit diesem Gigantismus austragen soll.
Ich finde es jedoch richtig und wichtig, dass sich auch die Sportler kritisch zu solchen Spielen äussern, so wie es Lara Gut oder Christian Neureuter bereits getan haben. Jeder soll frei seine Meinung sagen dürfen – ohne, dass man ihn danach in Leserbriefen dafür beleidigt. Ich respektiere jedoch auch, wenn sich Sportler nur um ihren Sport und nicht auch noch um die damit verbundene Politik kümmern.

Dafür sind die Politiker zuständig.
Ich bin darum absolut damit einverstanden, dass unser „Sport-Minister“, Bundesrat Ueli Maurer, unsere Sportler in Sotschi unterstützt. Wir sind ein neutrales Land, das mit jedem redet, wenn man eingeladen wird und es gibt keinen Grund, das bei Olympischen Spielen anders zu halten. Aus meiner Sicht ist es auch der falsche Anlass, um jetzt über Menschenrechte, Demokratie, verbotene Homosexualität, Zensur und andere Missstände in Russland zu reden. Dafür gibt es genügend politische Gelegenheiten.
Jedoch finde es aber falsch, dass aus der Schweiz nun gleich drei Bundesräte nach Sotschi reisen. Ich meine, dass das ein falsches Zeichen ist!

Ich kritisiert aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ kaum hinausgeht. So finde ich es zum Beispiel höchst problematisch, dass sich eine Fernseh-Gemeinschaft an gewissen, menschenverachtenden Sendungen täglich ergötzen kann. Gladiatoren-Spiele der heutigen Zeit: Daumen rauf oder Daumen runter! Aber nicht ein barbarischer Kaiser richtet über das „Schicksal“ von Menschen, sondern ein Zuschauervolk im bequemen Sessel Zuhause.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich diese TV-Gesellschaft über olympische Winterspiele in einem Sommer-Kurort oder Fussballspiele in der Wüste, über „Sklavenarbeit“, Zwangsenteignung, Umweltzerstörung, "Gigantismus"  oder fehlende Demokratie mokiert. Millionen von Zuseher, die sich täglich an hungernden oder grauslichen „Köstlichkeiten“ verzehrenden, abgetakelten "Stars" in einem menschenunwürdigen Dschungelcamp erbauen. Ein Affront gegenüber den Millionen von Menschen die tagtäglich unfreiwillig hungern oder für einen Schluck sauberes Wasser weite Strecken zurücklegen müssen.
Nein, diese Fernseh-Zuschauer haben andere Wertvorstellungen als ich. Ihre Ansicht von guten, spannenden und bereichernden Sendungen decken sich nicht mit meinen. Ob ihnen da die eine oder andere Bombendrohung gerade recht kommt?

Ich meine, mit jedem Klick auf die Fernbedienung entscheiden wir, was gesendet werden soll und welche ethischen und moralischen Kriterien diese „Unterhaltung“ erfüllen muss. 
Das ist auch bei Olympischen Winterspielen nicht anders.



:( 

Samstag, 9. November 2013

Was ist menschliche Arbeit überhaupt noch wert?




Was ist menschliche Arbeit überhaupt noch wert?



Am gleichen Tag habe ich drei Produkte zu fast demselben Preis gekauft: 


Polsterung:
Material: Schaumstoff 
Grösse 40 x 40 x 3 cm 
Gewicht ca 100 gr 
Preis im Jumbo Fr. 5.—



TV-Tisch: 
Material: Hartfaser Spanplatte, Laminatbezug 
Grösse: 90 x 26 x 45 cm 
Gewicht: 6.5 kg 
Preis im IKEA Fr. 6.95
 



Heftklammerpistole (Tacker):
Material: Eisen verchromt
Grösse: 15 x 10 x 2 cm
Preis im Jumbo Fr. 5.70






Da frage ich mich schon, wie es sein kann, dass die Heftklammerpistole – zusammengesetzt aus etwa 20, hochpräziese hergestellten Einzelteilen oder der TV-Tisch, der aus 36 beschichteten Faserspanplatten zusammengefügt wurde, fast denselben Preis aufweisen, wie ein kostengünstig aufgeschäumtes Stück Industrie-Schaumstoff, das rein maschinell hergestellt wurde.

Da muss man sich auch unweigerlich fragen:
  • wo wurden diese Produkte hergestellt, 
  • unter welchen Arbeitsbedingungen wurden sie produziert
  • und was hat so ein Arbeitnehmer überhaupt verdient.

Leider lassen mich die Angaben auf den Produkten und auf den Webseiten von Jumbo und IKEA im Ungewissen, aber man kann es ja sicher erahnen.










:((

Sonntag, 3. November 2013

Aufregung im Hamsterstaat! - Ein modernes Märchen









Aufregung im Hamsterstaat!
Ein modernes Märchen
 


Ein grosses Tier kommt zu Besuch. Denn der Elefant soll eine Rede vor der UNA (United Nations of animals) im „Palast des Tierbundes" halten.

Sicherheit steht über allem. Zwar ist sich die kleine Stadt am See, als Sitz von vielen wichtigen Tierwelt-Organisationen gewohnt, dass täglich grössere Tiere, Repräsentanten grosser und kleiner Tierstaaten, hier anwesend sind. Aber, dass das grösste Tier der Welt, der Präsident der Löwen zu Besuch kommt, das ist auch für die kleinste Weltstadt mit der höchsten Lebensqualität eine Herausforderung.

Die Polizei muss sogar zusätzliche Hilfe aus den umliegenden Staaten anfordern, Schutzkräfte aus dem Adlerstaat, die Police nationale der Hähne und auch einige Karabinieri aus dem Staat des Pfauen.

Aber auch ganze Heerscharen von Sicherheitskräften bevölkern die Stadt. Agenten, Wüstenfüchse, Schlangen, Ratten und natürlich auch Bären aus dem Osten treten sich gegenseitig auf Klauen und Füsse. Am meisten jedoch schnüffeln die frechen Hunde aus dem Staat des Elefanten herum. Die grössten Spione der Tierweltmacht vermuten überall Schlangen und Tiger und befürchten Anschläge der Hyänen und Schakale.



Der grosse Platz vor dem „Palast des Tierbundes" ist seit Tagen abgesperrt, alle Schachtdeckel sind versiegelt und der Luftraum wird von Falken und Habichten ständig überwacht.

Kein normales Tier kann ungehindert in die Nähe des Gebäudes kommen und nur die schwarzen, gepanzerten Limousinen der wichtigsten Tiere haben noch bis kurz vor der Ankunft des Elefanten das Recht, durch verschiedene Kontrollen und Sperren auf den Platz zu fahren.



Doch nun, eine Stunde früher als geplant – bedingt durch die vorzeitliche Abreise des Elefanten zurück in seinen Heimatstaat aus innenpolitischen Gründen finanzieller Art – müssen auch diese Fahrzeuge augenblicklich den Platz vor dem Gebäude verlassen. Noch mehr Hektik kommt auf und alle Chauffeure rennen zu ihren Wagen.

Nur der Fahrer eines einflussreichen Kamels ist nicht bei seinem kostbaren Fahrzeug anzutreffen. Verzweifelt versucht die Hamsterpolizei herauszufinden, wo sich die Wüstenrennmaus aufhält. Denn man kann das mit Alarmanlagen gesicherte Auto dieses heiklen Diplomaten nicht einfach abschleppen lassen. Das würde zu schweren Spannungen mit dem stolzen Volk der Kamele führen.

Die Polizisten vor Ort informieren die Staatspolizei und diese schöpfen sofort alle rechtsstaatlichen Mittel des Hamsterstaates aus um mehr Informationen über den Gesuchten zu erhalten. Aber ausser Name, Adresse, Geburtsdatum und ein paar weiteren persönlichen Angaben, die aber für diese Situation nicht hilfreich sind, finden die Staatsschützer nur noch die mobile Telefonnummer der vermissten Wüstenmaus heraus. Für mehr wäre aus Datenschutzgründen ein richterlicher Beschluss notwendig und dafür reicht die knappe Zeit nicht. Daran kann im Hamsterstaat auch die Sicherheit für einen Elefanten nichts ändern.

Doch die Wüstenmaus ist unglücklicherweise telefonisch nicht zu erreichen und der Bundesrat des Hamsterstaates wird über die möglichen diplomatischen Verwicklung mit einem wichtigen Handelspartner in einer Wüstenregion informiert.



Die grosse Aufregung der Hamster-Agenten bleibt natürlich auch von den frechen Hunden nicht unbemerkt. Aus Gründen der absoluten Sicherheit für den Elefanten bieten sie grosszügig ihre Hilfe an. Einen zu finden, sei doch kein Problem für ihren Geheimdienst, erklären sie grossschnauzig. Das ENES-EI hätte zu fast jedem Menschen dieser Erde und zu jedem Zeitpunkt, alle Informationen über dessen Aufenthaltsort, Handlungen, Vorlieben und bisherigen Geschehnissen, aber auch über den Inhalt und die Adressaten von dessen Kommunikation mit Anderen.

Die lokalen Behörden sind sprachlos – aber für die frechen Hunde scheint das ganz normal zu sein, „denn das Übel dieser Welt rechtfertige solche Massnahmen".

Der Leithund bellt einige Anweisungen in sein abhörsicheres Telefon und nach einigen Minuten teilt er der verdutzen Hamsterpolizei mit, dass man sich problemlos sämtliche Personalien und Daten der Wüstenratte beschafft habe. Mit diesen Angaben hätte man kurzerhand auf die Bewegungen seiner Kreditkarte zugegriffen und dabei festgestellt, dass die Wüstenrennratte vor wenigen Minuten nicht unbedeutend bei einem Juwelier in der Innenstadt eingekauft habe. Man könne übrigens auch davon ausgehen, dass die glückliche Empfängerin nicht seine ahnungslose Ehefrau sein werde, sondern das niedliche, mongolische Wüstenmäuschen, mit dem sich die Rennratte seit kurzem vergnüge.

Leider habe aber die liebestolle Würstenratte das Geschäft bereist verlassen, doch mittels Handyortung und dem umfassenden Wissen über die Vorlieben des Wüstenmäuschens, könne man ganz genau sagen, dass sich der Fahrer des Kamels im Moment in einer sehr edlen Konfiserie befinde und gemäss Überwachungskamera gerade an „Süssigkeiten" nasche.



Nur Sekunden später preschen mehrere Polizeiautos mit Sirene und Blaulicht vom Platz in Richtung Innenstadt…..

©® Copyright by Herr Oter


Bildbearbeitung by Sun Luftblitz




;)


Mittwoch, 30. Oktober 2013

Ich glaube nur was ich sehe!


 



Wahrnehmung, Täuschung und  Achtsamkeit


"Ich glaube nur was ich sehe", 
das sagen doch immer wieder viele.

Aber sehen wir immer alles richtig?
Nehmen wir alles wahr, was geschieht?
Sind wir immer aufmerksam und achtsam?
Ist wirklich alles wahr was wir sehen?

Seht Euch dieses 

an und befolgt genau die Anweisungen zu Beginn.
Falls ihr am Schluss die zweite Frage nicht beantworten könnt,
schaut Euch das Video nochmals an.

(Die Pässe müsst ihr dann ja nicht mehr zählen)



:)


Samstag, 25. Mai 2013

Chronologie eines schrechlichen Verbrechens




Ein schreckliches Verbrechen beschäftigt die Schweiz seit einigen Tagen. Es ist der  
Mord an Marie
und vor allem, die unglaublichen Umstände und verheerenden Irrtümer, die zu diesem Verbrechen in Payerne VD geführt haben.




Hier die Chronik dieses unglaublichen Falls, so wie sie mir aus den Medien bekannt sind:

Am 14 Januar 1998 entführt Claude Dubois (damals 22, Informatikverkäufer) seine 31-jährige Ex-Freundin Pascale, die er in einem Fitnessstudio in Bulle kurze Zeit zuvor kennengelernt hatte. In einem Chalet in La Lécherette vergewaltigt er sie und tötet sie schliesslich auf grausame Weise mit insgesamt fünf Schüssen.

Im Juni 2000 wird der Mörder zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.
Dabei wird strafmildernd berücksichtigt, dass er „erst“ 22 Jahre alt ist und darum entgeht er der lebenslänglichen Freiheitsstraf.
Das Gericht hält damals fest, dass die Tat auf «bösartige und harte» Weise geschehen sei. Der Mörder wird auch als ausgesprochen eifersüchtig und besitzergreifend, sowie zynisch und sarkastisch beschrieben.
Sein Psychiater warnt damals, dass die Rückfallgefahr dieses «skrupellosen und gefühlskalten Mannes» nicht ausgeschlossen werden könne. Er sei «pervers und narzisstisch, mit einer Persönlichkeitsstörung, die mit einer unvollständigen mentalen Entwicklung korrespondiere».

Während der Haftzeit soll es – gemäss einem Interview eines langjährigen Zellennachbar in «Le Matin» – zu einigen „Besonderheiten“ gekommen sein.
So soll sich der Mörder nie ins Gefängnis integriert haben und die Anweisungen nicht eingehalten haben. Er soll sich, „wie ein verwöhntes Kind“ benommen haben. Er soll es auch „als normal“ gefunden haben, seine Freundin getötet zu haben. Er hätte es nicht ertragen, von ihr verlassen zu werden. Er habe eine Therapie strikte abgelehnt und seine Tat auch nie bereut!
Der Täter sei auch davon besessen gewesen, im Gefängnis eine neue Frau zu finden, so der ehemalige Mithäftling.

Am 8. Mai 2004, heiratet der verurteilte Mörder im Gefängnis dann auch V. S., die er über eine Anzeige kennenlernt haben soll. Sie ist genau wie sein erstes Mordopfer Pascale von Beruf Zahnarztgehilfin.
«Er durfte aber nie mit ihr in eine Liebeszelle. Man schätzte ihn als zu gefährlich ein, um mit seiner Frau allein zu sein.», sagt der Mitgefangene.
Gemäss den Medien gerät die Beziehung aber auch im „Familienzimmer“ rasch ausser Kontrolle. Der Täter stellt immer weitere Forderungen. Er verlangt von seiner Ehefrau „obszöne Fotos in vulgärer Aufmachung“. Sie bekommt Angst und wendet sich von ihm ab. Daraufhin wird sie von ihm massiv bedroht und einmal soll er sie auch gewürgt haben.
Am 7. Juni erfolgt die definitive Trennung und der Täter soll Rache geschworen haben.

Nach Verbüssung der Hälfte seiner Gefängnisstrafe beantragt er, extern arbeiten zu können.
Der Antrag wird abgewiesen.

Am 15. Mai 2011 hat der Mörder, zusammen mit der Untersuchungshaft, zwei Drittel seiner Strafe abgesessen.
Deshalb kann er die vorzeitige Haftentlassung beantragen.
Dieser Antrag wird abgelehnt.

Er wird in ein anderes Gefängnis mit tieferer Sicherheitsstufe (Bellechasse FR) verlegt, um sein Verhalten zu testen. Es werden ihm auch begleitete Ausgänge bewilligt, danach auch solche ohne Begleitung. Anscheinend ging alles gut.

Am 3. Juli 2012 wird ein erneuter Antrag auf Haftentlassung wieder abgelehnt.

Im August 2012 entscheidet die Waadtländer Strafvollzugsbehörde, dass der Mörder den Rest seiner Strafe im Hausarrest mit einer elektronischen Fussfessel absitzen kann.
Begründung: allmähliche Vorbereitung auf seine definitive Haftentlassung am 13. Januar 2018.
Er darf sich in einem eingegrenzten Gebiet bewegen, die „Fessel“ ist jedoch nicht mit einem GPS-Gerät ausgerüstet.

Er arbeitet ab dem 20. August in einem Job der ihm sein Vater verschaffte, fährt einen grauen Toyota Yaris und hat eine eigene Wohnung in Avenches VD.

Im Oktober 2012 kommt es aber bereits wieder zu erheblichen Zwischenfällen. Gemäss Zeugen stösst er Todesdrohungen gegen Arbeitskollegen aus und veröffentlicht im Internet bösartige und sexistische Unterstellungen gegen seine Ex-Frau. Die waadtländische Bewährungshilfe schlägt Alarm und es wird eine Klage eingereicht und die Rückversetzung in die Haftanstalt verlangt.

Am 23. November 2012 hebt die gleiche Behörde den Hausarrest wieder auf und ordnete die erneute Inhaftierung an.
Gegen diesen Entscheid legt die Anwältin des Delinquenten Rekurs ein.

Am 14. Januar 2013 gewährt ein einzelner Strafvollzugsrichter dem Rekurs eine aufschiebende Wirkung und der Mörder wird erneut in den Hausarrest entlassen.

Im März 2013 wird der Hausarrest für den Mörder (jetzt 36 Jahre alt) offenbar bestätigt.
Der Mörder lernt sein späteres 2. Opfer Marie (19) kennen.

Am 13. Mai 2013 wird Marie vermisst. Sie wurde vom Delinquenten entführt.
Am 14. Mai kann der Entführer nach einer wilden Verfolgungsjagd mit mehreren Schüssen gestoppt und verhaftet werden. Er ist nur geringfügig verletzt. Der elektronischen „Fessel“ aus Kunststoff hatte er sich inzwischen entledigt.
In der darauf folgenden Nacht führt er die Polizei zur Leiche der jungen Frau, die er in einem Waldstück in der Nähe von Châtonaye im Kanton Freiburg umgebracht hatte. Die Umstände ihres Todes sind noch unklar. Er verweigert daraufhin auch jedliche weitere Aussage.

___________________________________________________________________


Soweit der Ablauf der Ereignisse, wie ich sie aus diversen Medien entnehmen konnte.

Stellvertretend sind die folgende Zeitungen erwähnt: 
Sonntagszeitung, Tagesanzeiger, Blick und 20min.
Über diese Links können auch weitere Berichte sowie Fotos angezeigt werden.



Meine Meinung dazu:
Ich denke, dass sich anhand dieser Fakten jeder ein eigens Bild darüber machen kann, ob in diesem Fall richtig entschieden und gehandelt wurde. Für mich ist es ein Skandal.
Aber man hat erneut eine Besserung in der Beurteilung der Straftäter und eine Überprüfung der Haftprozesse versprochen.

Genau so, wie bei früheren, ähnlichen Fällen:
dem Mord an Pasquale Brumann 1993 oder dem Mordfall Lucie im März 2009, bei denen auch versichert wurde – dass es «einen solchen Mordfall nie mehr geben soll».



:(

Samstag, 30. März 2013

Länger Leben?




Seit 1900 hat sie sich die Lebenserwartung in der Schweiz fast verdoppelt:
von 46,2 auf 80,3 Jahre für die Männer und von 48,9 auf 84,7 Jahre für die Frauen.


Auf den ersten Blick ein wirklich erfreulicher, statistischer Wert.
Aber ich frage mich:
Leben wir wirklich so viel länger?

Natürlich zweifle ich die Statistik der eidgenössischen Bundesamtes nicht an, ich beziehe mich viel eher auf das subjektive Zeitempfinden, also die "gefühlte" Länge eines Lebens.

Fühlte sich im Jahr 1900 ein Kalenderjahr genau so kurz an, wie in unserem "gestressten",  durch verbreiteten Zeitmangel, geprägten Jahrzehnt?
Gingen vor gut 100 Jahren die Tage ebenfalls so schnell vorbei, wie im heutigen Zeitalter der unentwegten Ablenkung und Überflutung mit Sinnesreizen?

Empfand mein Grossvater die gemütliche Stunde am Abend nach getaner Arbeit, auf dem Bänklein vor seinem idyllischen Gartenhäuschen, mit einer genüsslich rauchenden Toscano-Zigarre im Mundwinkel genau so kurz, wie wir heute sechzig, kurzweilige Minuten vor einem spannenden TV-Krimi?

Ich meine, dass "Zeit" doch immer relativ ist.
Aber, dass die gefühlte Zeiteinheit wichtiger ist, als die Anzahl der Lebensjahre (Grossvati wurde übrigens 72 Jahre alt)



:)





Montag, 11. Februar 2013






Würde sich jeder so verhalten, 
wie er es von anderen erwartet oder erhofft, 
bräuchten wir nicht auf das Paradies zu warten.


Herr Oter meint dazu:
Zu diesem Sprichwort (Herkunft unbekannt) ist mir nichts weiteres eingefallen. Aber es scheint mir, dass es die Lösung für sehr viele Problem der Menschheit beinhaltet.



.)

Samstag, 29. Dezember 2012

Ich habe genug!





Die unsauberen Schweizer Banken mit ihren fragwürdigen Machenschaften – das ewige "Rosinenpicken" der Schweiz im Ausland – das erpresserische Muskelspiel der mächtigen EU mit Androhung der Kavallerie – die bedrohliche Zunahme der Wohnbevölkerung mit ihren negativen Auswirkungen – der unendliche Krieg im nahen Osten, der mich verfolgt, seit ich mich erinnern kann – die moderne Sklaverei durch unsere skandalöse Ausbeutung der Ärmsten in der dritten Welt – die Macht- und Geldgier der Menschen, die Verbreitung von Nuklearwaffen, die Diktatoren, die Einwanderung, die Zersiedelung, die Tierhaltung, die Klimaerwärmung, die Umweltverschmutzung,  das Wasser, Atom, Kriege, Flüchtlinge, Kindersoldaten, Sozialschmarozer, Hunger, Elend, Not ……. –  ach, ich mag es nicht mehr hören – Jahr für Jahr, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Nachricht für Nachricht, immer dasselbe, seit ich mich erinnern kann.

Ich habe genug davon!

Es ändert sich sowieso nichts, es kommt alles immer wieder. Es wird immer so sein und  immer so bleiben.
Die Menschheit wird nie dazu lernen und der Mensch kann sich grundsätzlich nicht ändern.

Ich habe die Hoffnung (fast) aufgegeben.




Samstag, 14. April 2012

Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken





Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken

Zwei schreckliche Ereignisse der letzten acht Monate haben mich nachhaltig erschüttert.
Beide Male gab es leider sehr viele Tote zu beklagen und die Opfer waren vor allem Kinder und Jugendliche.

Das erste Ereignis geschah am 22. Juli 2011:
Das Massaker von Utøya
Nach einem schweren Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo – mit acht getöteten und zehn verletzten Menschen – hat der 32-jährige Attentäter aus islamfeindlichen Motiven heraus, zwei Stunden später auch ein Ferienlager mit 560 norwegischen Jugendlichen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei AUF, auf Utøya – einer kleine idyllische Insel rund 30 Kilometer westlich der norwegischen Hauptstadt – in ein Blutbad verwandelt. Dabei schoss der Täter etwa 90 Minuten lang mit einer halbautomatischen Waffe wahllos auf die unbewaffneten Opfer und so kamen bei diesem Massenmord nochmals 69 junge, unschuldige Menschen ums Leben. Dazu wurden viele verletzt und unzählige nachhaltig traumatisiert.
Der Attentäter (den ich hier bewusst nicht namentlich erwähnen möchte) steht zu seiner Tat und kommt in den nächsten Tagen vor Gericht.


Das zweite Ereignis war dann am 13. März 2012:
Das Car-Unglück im Kanton Wallis
Bei diesem tragischen Unfall – des mit 58 Personen besetzten, belgischen Reisecars – kommen 28 Menschen ums Leben.
Bereits nach zwei Kilometern prallt der Bus auf der Heimfahrt von einem Skilager im richtungsgetrennten Walliser Sierre-Tunnel auf der A9 in Sierre/Siders (Schweiz) ungebremst frontal in eine Wand.
Unter den Toten, die im Val d’Anniviers in den Skiferien waren, sind 22 belgische und niederländische Kinder, deren Lehrer und die beiden Busfahrer. 24 weitere Personen wurden verletzt, davon drei besonders schwer. Die getöteten Schüler im Alter von etwa zwölf Jahren stammten vorwiegend aus zwei Schulen in Heverlee (Flämisch-Brabant) und Lommel (Limburg).

Der Unfallhergang wurde umfassend untersucht, aber es konnte keine eindeutige Unfallursache gefunden werden. Alle Kinder waren angegurtet, der Bus in einem einwandfreien Zustand, man fand auch keinen technischen Defekt und die Auswertung des Fahrtenschreibers ergab, dass die vorgeschriebenen Ruhezeiten sowie die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten wurden. Eine Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern wurde nach Sichtung der Überwachungsbilder des Tunnels ausgeschlossen und die Autopsie des Fahrers ergab bei ihm kein gesundheitliches Problem, das zum Unfall geführt haben konnte. Es bleibt also ungeklärt, warum es zu diesem schrecklichen Unfall kam.


Wo sind die Parallelen in diesen beiden schrecklichen Ereignissen?
Beide Male sind junge Menschen die Opfer, was uns immer besonders bewegt.
Bei beiden Begebenheiten ist die Opferanzahl ausserordentlich hoch und besonders viele Angehörige, Verwandte und Freunde sind bei den Jugendlichen vom grossen Leid betroffen.
Bei beiden Tragödien gibt es viele Helfer, die unmittelbar mit diesem unsäglichen Leid in Berührung kommen und jeder muss irgendwie diese enorme Belastung und diese äusserst schrecklichen Eindrücke auf irgendeine Weise verarbeiten.
Beide Vorkommnisse sind in Ferienlagern geschehen und treffen also unerwartet Menschen, die in diesem Moment gerade besonders fröhlich, ausgelassen und glücklich waren.
Bei beiden Vorfällen ist die Anteilnahme enorm. Man sieht beeindruckende Bilder von endlos aufgereihten weissen Särgen, Menschenmengen die weinen und trauern, riesige Blumenmeere und tausende Kerzen und Beileidsbezeugungen. Personen in höchsten politischen Ämter halten tiefgründige Reden, der Papst gibt auch seinen Segen dazu und Sachverständige und Psychologen helfen uns, das alles zu begreifen und einzuordnen.


Was sind die Unterschiede bei den beiden Geschehnissen?
Beim Busunglück gibt es keinen Schuldigen – nichts, das man für die Tragödie verantwortlich machen könnte. Die ganze Aufmerksamkeit gilt somit ungeteilt den Opfern und deren Angehörigen, den stark geforderten Hilfskräften und allen übrigen Betroffenen. Wochen danach wird berichtet, dass nun die ersten Überlebende wieder in die Schule gehen und drei von ihnen in eine Klasse zurückkehren, in der vor dem Unfall 22 Schüler beisammen sassen. Davon werden 15 Stühle für immer leer bleiben. Das macht mich sehr betroffen!

Beim Attentat hingegen gibt es einen eindeutigen Täter.
Dieser Schuldige nimmt nach meiner Wahrnehmung mehr als die Hälfte der Aufmerksamkeit der Medien ein. Man mutmasst über den Attentäter, man sucht bei ihm nach Beweggründen, man bietet ihm Raum für seine abstrusen Behauptungen und Wahnvorstellungen und man spekuliert über den Terrorismus auf der ganzen Welt, was sich im Nachhinein als unbegründet erweist.
Dabei vergisst man nach recht kurzer Zeit schon fast die einzelnen Opfer. Die tausenden tragischen Schicksale, denen von einem Idioten in wenigen Minuten, zum Teil lebenslängliches Leid und unvergessliche, grässliche Erinnerungen zugefügt wurden. Wer berichtet in den Medien denn heute noch ausführlich von Opfern, die noch immer unter den traumatischen Folgen leiden und die zum Teil nach wie vor jede Nacht in Alpträumen diese schrecklichen Minuten wieder und wieder durchleben müssen? Wer schreibt noch von Angehörigen, die mit einem Mitglied der Familie weniger, für den Rest ihres Lebens auskommen müssen. Wer redet mit Helfern, die die Bilder, die sie gesehen haben, nicht mehr aus dem Kopf bringen.
Ich frage mich, interessiert sich die grosse Öffentlich nach nur acht Monaten wirklich nur noch für den Täter?

Denn für ihn nimmt man sich ausführlicher Zeit. Wöchentlich wird mehrmals über den Mörder berichtet. Man veröffentlicht sein über 1500 Seiten umfassendes, vor der Tat geschriebenes, abstruses Pamphlet. Man befasst sich mit seinen nicht nachvollziehbaren Beweggründe für den Massenmord an norwegischen Jugendlichen. Man untersucht seine Jugend und rapportiert ausführlich jeden Schritte des Attentäters zu einem Gerichtstermin oder einer Anhörung. Es wird über jedes Gutachten oder Gegengutachten berichtet oder man diskutiert seinen fragwürdigen, geistigen Zustand.
Man bietet damit dem Massenmörder die gewünschte Plattform, um seine absurden Ideen zu verbreiten und Anhänger oder Nachahmer möglicherweise zu motivieren. Man ermöglicht ihm seinem Geltungsdrang genüge zu tun und die sich gewünschte Öffentlichkeit zu erreichen.
Genau wie auch seinen mediengeilen vier (!!) Anwälten, die sich neustens, wie die amerikanischen TV-Stars der US-Anwaltserie "Boston Legal", in Gruppenfotos präsentieren und diesen Prozess mit völlig absurden Anträgen (z.B. plädieren sie auf Freispruch, weil der Täter aus Notwehr gehandelt hätte, gegen eine islamische Überwanderung) ins Lächerliche ziehen und sich bekannt machen wollen.

Ich muss die Frage stellen:
Braucht man bei einem unbelehrbaren und unverbesserlichen Massenmörder überhaupt noch über Geisteszustand, Beweggründe, Haftdauer und allfällige Wiedereingliederungsmassnahmen zu debattieren? Braucht dieser geständige und „hieb- und stichfest“ überführte 77-fache Massenmörder überhaupt vier Pflichtverteidiger, die er nicht will und die er auch nie wird bezahlen können?
Aus meiner Sicht genügt einer, der die Einhaltung der Rechte des Angeklagten, in diesem Verfahren überprüft und in Anspruch nimmt.
Wo beleibt bei solchen aberwitzigen Anträgen und befremdlichen Gutachten noch die Würde der Opfer und deren Angehörigen?
Wie muss es für die Beteiligten sein, solche bizarre Gründe für ihren Schmerz verantwortlich zu machen?
Dabei hat der Prozess noch gar nicht begonnen. Was blüht uns dann?


Ich frage mich,
interessiert sich
überhaupt jemand für die Details dieses Prozesses?

Ich nicht!
 
Mich interessieren die Einzelheiten dieses Prozesses überhaupt nicht.
Ich will nur noch zur Kenntnis nehmen,
dass dieser Massenmörder, nie mehr jemandem Schaden zufügen kann und dass er,

für den Rest seines Lebens weggesperrt wird.

® Copyright by Herr Oter



:((