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Sonntag, 7. Dezember 2014

Händ Schwarzi au Weihnachta? / Haben Schwarze auch Weihnachten?






Händ Schwarzi au Weihnachta?
E wieteri Mundart-Geschicht für mini Lesunga bim Adventskafi im Altersheim.

(Eine Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung findet man wieder anschliessend)


„In dr Wiehnachtszyt trifft eim so Züg einfach no mehr als susch.“
D’Lilly Friburger höcklat, wie meistens noch em Znacht, no chli uf em weicha Kanappe im „Linda-Stübli“. Gedankeverlora luagt sie ins grossa Fenster vom Altersheim. Aber de glizerndi Schnee und die langa Schatta sind verschwunda usem Heimgarta und händ enere tüffa Finsternis Platz gmacht. Drum spieglet sich jetzt de gemüetlich igrichteti Ufenthaltsrum im Fenster zum Garta.
Links vom Lilly Friburger lismet s’Vreni Schönbächler im warme Licht vo dr alte Stehlampa gard de zweiti Fersa, vomena Paar Socka, wo sie uf Wiehnachte em Sohn wot schenka. Und uf der andera Sita vom Lilly blättert d’Rosa-Maria Meyer-Gautschi imena Klatschhefftli die Schöna und Richa regelmässig vo rechts noch links. D’Servelat-Prominenz interessiert sie debi weniger, nur d’Artikel über d’Königshüser, do druf isch d’Rosa-Maria ganz wild.

„Wer häsch troffa“, frogt de Fritz Mückler, wo in sim Rollstuehl grad e chli ignickt isch.
„Häsch s’Hörgrät wieder nit igschalta, Fritz?“ frogt s’Vreni und schüttlet de Chopf.
„Denk scho!“, chunts unwirsch zrugg.
Mit emena unverständlicha Gmurmel stosst de Fritz a ghöcklati Plätzlidecki vo de Chneu. Immer wieder deckendsna mit dem Lumpa zue, obschon er susch scho immer z’heiss hät do inne – er wo doch sis läbelang im Wald gschaffet hät.

„Was hät die denn so troffa, Lilly?“ frogt jetzt d’Rosa-Maria.
„Jo weisch, mini Tochter….“
„Ow, isch si öppa chrank?“
„Nei, nei, aber sie hät mer bim Bsuech hüt Nomittag verzellt, dass me jetzt wieder a sona Familie inetua hät.“
„Was füra Familia?“
D’Rosa-Maria leiht jetzt z’Heftli uf d'Zita und luegt d’Lilly im Spiegelbild vom dunkla Fenster a.
„Jo weisch, so a Flüchlingsfamilie.“
„Jä, so söttigi wo mit somena Boot cho sind?“
„Jo, genau, weisch do uf das, uf das Lampione, oder wie das genau heisst.“
„Lampedusa“, präzisiert z’Vreni Schönbächler, wo no jeda Morga d’Zitig durablettert.

„Jo genau döt, und jetzt hät me sie in das alte Hus im Sunnagrund intua.“
„Döt wo dini Tochter wohnt?“ frogt de Fritz.
„Nei nit döt oba, Fritz, unda im Sunnegrund!“, erklärt d’Rosa-Maria ziemlich lut.
„Was in die Hütte?“ Z’Vreni hört uf mit lisma.
„Jo, stoht denn die no? Die isch jo scho zum Abriessa gsi, wo ich no im Städli gwohnt han. Ha ghört, dass ma jetzt ringsum alles Alti abriessa würdi.“
„Das eba nit! Mini Monika seit, dass die warten, bis de Pries ufagoht und jetzt tüend’s eba d’Flüchtling inna, will d’Stadt die muass näh.“
„Das isch aber au nit schön. Döt inna cha doch miemert me wohna, mit dena Fenster, jetzt im Winter.“
Z’Vreni schüttlet de Kopf.

„Und de sinds no Schwarzi, hät Monika gseit – ich denka, die früret doch no meh, do in dera Kälti.“
Z’Lilly riebt sich unbewusst d’Händ, es tschudarat si grad bim dra denka.
„Die chönd a chli vo üsra Wärmi do inna ha, isch jo do sowieso immer viel z’heiss.“
„Hör jetz emol uf, Fritz!“, tönt’s jetzt grad im Chor.

„Vo wo chömat den dia?“ frogt d’Rosa-Maria de noch emena Zitli.
„Ou, das hani vergessa z’froga“, entschuldigt sich d’Lilly.
"Das sind doch Somalier, wenn’s vo Lampedusa chömed“, weiss z’Vreni us de Zitig.
„Wo isch denn das scho wieder?“
„Somalia, isch z’Afrika.“
„Jo denn frührends ganz sicher, in dera zügiga Hütta dunda im Sunnegrund. Die hät jo im Winter kei Sonna.“
„Eba, und de händs no drei chlini Chind.“
„Au Schwarzi?“
„Aso Hans!“, tönts grad dreifach.

Alli vier Bewohner hangend jetzt ihrna Gedanka no.
„Die arma Chind ….“
„Und das grad jetz, in dera Zit.“
„Jo, die Chind händ nit grad a schöni Wiehnachta – sicher keis Gschänkli und nüt“
„Hmm, händ die überhaupt Weihnacht?“ frogt de Fritz. "Was glauben die Schwarze eigentlich?“
„Aso, Hans! Jetzt hör aber uf! Schenka hät doch nüt mit em Glauba zutue. Ich schenka doch nit wäg de Chila. Ich schenka wills mer Freud macht – und will sie frührend, egal wella Glauba, dass die händ.“

„Jo, denn chönt’s jo mini Decki do ha, damit isch sie endlich furt, ich bruch die sowieso nit“, seit de Fritz noch emena Zitly und zeigt uf dia bunti Plätzlidecki.
„Und dia Socka do, chönt i au no abgä! Min Sohn rümpft sowieso immer a chli d’Nase drüber“, meint ds Vreni. „Zudem chönte mer no chli Händscha, meh Socka oder en Schal lisma.“

Au d’Lilly hät jetzt a Idee: „I han doch no dia Angora-Unterwösch, wo mer ds Monika letzscht Wiehnachta gschänkt hät. Die hani no nie aka, sie isch immer no ungöffnet im Karton verpackt. Ich brucha die do dinna doch nit“

„Und ich han a Fläscha mit Holundersirup, wo mer min Sohn letzschti Wucha brocht het. Das sig guet gega a Erkältig. Debi hani das Züg doch soo nit gärn.“ D’Rosa-Maria schuderets bim blossa Gedanka dra.
„Und ich gib a Sack mit Wiehnachtsguatsli dezua!“ seit jetzt Frau Grueber, wo unbemerkt dezua cho isch und mitglost hät.
„Super!“, jublet ds Lilly. „Jetzt hämmer scho 5 Gschänkli zäma. Mier froget noch chli bi de anderena Bewohner, vielleicht händ die au no öppis, wo sie chönd verschenka.“
„Jo, genau und de froget mer alli üsi Verwandta und ds Personal und……“
„Halt, halt Fritz, jetzt wemmers nitgrad übertrieba“, stoppt s’Vreni sin Ifer. „Aber wie chunt das Züg zum Hus im Sunnagrund?“
„Hmmm“, d’Lilly überleit. „Ich weiss wie! Mir froegt d’Kuchi für es leer Gmüeschistli und de Fredi vom Nordtrackt söll sin Fiat us de Garage nä, für öppis hüetet er doch schliessli de alti Charra.“
„Genau und de bringemer d’Gschänk am Heiliga Obat noch em Znacht im Sunnegrund verbie. Es isch jo sowieso wieder nüt los, do im Heim.“
„Das isch denn eba richtigi Wiehnachta – für d’Flüchtlinge, aber au für üs.“

® Copyright by Herr Oter (Dezember 2014)




Kerzenschein 
Autor: gerald / Lizenz: Gemeinfrei (PD) / via pixabay




Haben Schwarze auch Weihnachten?
Eine weitere Geschichte für meine Lesungen beim Adventskaffee im Altersheim
„In der Weihnachtszeit treffen einen solche Sachen einfach noch mehr als sonst.“
Lilly Friburger sitzt, wie üblich nach dem Abendessen, noch etwas auf dem weichen Sofa im „Linden-Stübchen“. Gedankenverloren schaut sie ins grosse Fenster des Altersheims. Aber der glitzernde Schnee und die langen Schatten sind aus dem Heimgarten verschwunden und haben einer tiefen Finsternis Platz gemacht. Darum spiegelt sich jetzt der gemütlich eingerichtete Aufenthaltsraum im Fenster zum Garten.

Links von Lilly Friburger strickt Vreni Schönbächler im warmen Licht der alten Stehlampe soeben die zweite Ferse eines Sockenpaares, das sie an Weihnachten ihrem Sohn schenken wird. Und auf der anderen Seite von Lilly blättert Rosa-Maria Meyer-Gautschi in einem  Klatschheft die Schönen und Reichen regelmässig von rechts nach links. Die „Weisswurst-Prominenz“ interessiert sie dabei weniger, nur die Artikel über die Königshäuser, darauf ist Rosa-Maria ganz wild.

„Wen hast du getroffen?“, fragt Fritz Mückler – er war in seinem Rollstuhl gerade kurz eingenickt.
„Hast du dein Hörgerät wieder nicht eingeschaltet, Fritz?“, fragt Vreni und schüttelt den Kopf.
„Habe ich!“, kommt es unwirsch zurück.
Mit einem unverständlichen Gemurmel stösst Fritz die gehäkelte Flickendecke von den Knien. Immer wieder deckt man ihn mit diesem „Lumpen“ zu, obschon er hier drinnen, sonst schon immer viel zu heisst hat – er, der sein Leben lang im Wald gearbeitet hat.

„Was hat dich denn so getroffen, Lilly?“, fragt nun Rosa-Maria.
„Weisst du, meine Tochter....“
„Oh, ist sie etwa krank?“
„Nein, nein, aber sie hat mir bei ihrem Besuch heute Nachmittag erzählt, dass man nun wieder so eine Familie hineingetan hat.“
„Was für eine Familie?“
Rosa-Maria legt nun die Zeitschrift auf die Seite und sieht Lilly im Spiegelbild des dunklen Fensters an.
„Ja weisst du, so eine Flüchtlingsfamilie.“
„Ja, solche die mit dem Boot gekommen sind?“

„Ja, genau – weisst du auf dieses..., auf dieses Lampione, oder wie das genau heisst.“
„Lampedusa“, präzisiert Vreni Schönbächler, die noch jeden Morgen die Zeitung durchblättert.
„Jo genau dort; und nun hat man sie in dem alte Haus im Sonnengrund untergebracht.“
„Dort, wo deine Tochter wohnt?“ fragt Fritz.
„Nein, nicht dort oben, unten im Sonnengrund!“ erklärt Rosa-Maria ziemlich laut.
„Was, in dieser Hütte?“ Vreni hört auf mit stricken.
„Ja, steht denn die noch? Die war schon für einen Abriss vorgesehen, als ich noch im Städtchen gewohnt habe. Ich hörte, dass man nun ringsum alles Alte abreissen würde.“
„Dieses eben nicht! Meine Monika sagt, die würden warten, bis der Preis steigt. Nun kommen Flüchtlinge hinein, weil die Stadt die nehmen muss.“
„Das ist aber auch nicht schön. In dem Haus kann ja niemand mehr wohnen – mit diesen Fenstern – jetzt im Winter.“
Vreni schüttelt den Kopf.

„Dann sind es erst noch Schwarze, sagte Monika. Ich denke, die frieren doch noch mehr, hier in dieser Kälte.“
Lilly reibt sich unbewusst die Hände, es fröstelt sie beim blossen Gedanken.
„Die können etwas von unserer Wärme hier drinnen haben – es ist ja hier sowieso immer viel zu heiss.“
„Hör nun mal auf, Fritz!“ tönt es nun gerade im Chor.

„Von wo kommen die denn?“, fragt Rosa-Maria nach kurzer Zeit.
„Ach, das habe ich vergessen zu fragen“, entschuldigt sich Lilly.
„Das sind doch Somalier – wenn sie von Lampedusa kommen“, weiss Vreni aus der Zeitung.
„Wo ist denn das schon wieder?“
„Somalia, ist in Afrika.“
„Ja, dann frieren sie bestimmt noch mehr in dieser zugigen Hütte, unten am Sonnengrund. Die hat ja im Winter keine Sonne.“
„Eben, und dann haben sie noch drei kleine Kinder.“
„Auch Schwarze?“
„Also, Hans!“, tönt es jetzt gerade dreifach.

Alle vier Bewohner hängen nun ihren Gedanken nach.
„Die armen Kinder...“
„Und das gerade in dieser Zeit.“
„Ja, diese Kinder haben nicht gerade schöne Weihnachten – sicher keine Geschenke und nichts.“
„Hmm, haben die überhaupt Weihnachten?“ fragt Fritz, „was glauben diese Schwarzen eigentlich?“
„Also, Hans! Jetzt hör aber auf! Schenken hat doch nichts mit dem Glauben zu tun. Ich schenke doch nicht wegen der Kirche. Ich schenke, weil es mir Freude macht – und weil sie frieren, egal welchen Glauben sie haben.“

„Dann können sie ja meine Decke hier haben, damit ist sie endlich fort, ich brauche sie ja sowieso nicht“, sagt Franz nach einer kurzen Zeit und zeigt auf seine bunte Flickendecke.
„Und diese Socken hier, könnte ich auch abgeben. Denn mein Sohn rümpft sowieso immer ein bisschen die Nase darüber“, meint Vreni. „Zudem könnten wir noch Handschuhe, weitere Socken oder einen Schal stricken.“

Auch Lilly hat jetzt eine Idee: „Ich habe doch noch diese Angora-Unterwäsche, welche mir Monika letzte Weihnachten geschenkt hat. Ich habe sie noch nie getragen, sie ist immer noch ungeöffnet im Karton verpackt. Ich brauche die hier drinnen doch nicht.“

„Und ich habe noch eine ganz Flasche mit Holunder-Sirup, den mir mein Sohn letzte Woche gebracht hat. Er sei gut gegen Erkältungen, dabei habe ich den überhaupt nicht gerne.“ Rosa-Maria schudderts beim blossen Gedanken daran.
„Und ich gebe einen Sack mit Weihnachtsgebäck dazu“, sagt jetzt Frau Gruber, die unbemerkt dazugekommen ist und mitgehört hat.

„Super!“, jubelt Lilly. „Jetzt haben wir bereits fünf Geschenke zusammen. Wir fragen doch noch ein wenig bei den anderen Bewohnern, vielleicht haben sie auch noch Sachen, sie sie verschenken können.“
„Ja, genau, und dann fragen wir noch alle unsere Verwandten und das Personal und ….“
„Halt, halt Fritz, jetzt wollen wir es doch nicht gleich übertreiben“, stoppt Vreni seinen Eifer. „Aber wie kommt das alles zum Haus im Sonnengrund?“

„Hmmm“, Lilly überlegt. „Ich weiss wie! Wir fragen in der Küche für eine leere Gemüsekiste und Friedli vom „Nordtrakt“ soll seinen Fiat aus der Garage nehmen. Für etwas hütet er ja schliesslich diese alte Karre..“
„Genau, und dann bringen wir die Geschenke am Heiligen Abend nach dem Abendessen im Sonnengrund vorbei. Es ist ja hier im Heim sowieso wieder nichts los.“
„Das ist dann eben richtige Weihnachten – für die Flüchtlinge, aber auch für uns.“

© Copyright by Herr Oter (Dezember 2014)




:)

Sonntag, 30. November 2014

Z’viel Adventskränz? / Zuviele Adventskränze?






Z’viel Adventskränz?

E Gschicht in Mundart für mini Läsig vom 1.12.2014 im Adventskaffi vom Altersheim.
(Eine Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung findet man anschliessend)



Es isch kurz vor em ersta Advent. D'Monika stoht in ihrem Nähzimmer und befestiget grad die vierti Kerza am Adventskranz. Dr Kranz isch mit viel früschem Chries bunda und mit dicka, rota Kerza gschmückt. Schlicht und eifach, so hät er dr Monika scho immer am besta gfalle. Sit Kindertage ghört so en Adventskranz für sie doch eifach zur Vorwiehnachtszit.

Nur im letzte Johr, do isch kei Adventskranz in der Stube gstande.
Es isch eba niemertem ums Fiere gsi.
Denn s’Grosi isch ganz schlecht zwäg gsi und de Hans, dr Monika ihre Ma, hät au no grad e schwierigi Operatiton vor sich gha.  Also für alli gar kei lichti Zit, de letschti Advent. Voller Sorga und Leid. Viel Zit hät d’Monika drum im Spitol verbrocht, hät ghofft und bangt, betet und au mängisch e Träne vergossa.  Adventsstimmig hät eso natürli keini wella ufcho.

Doch zum Glück isch es em Grosi bald wieder viel besser gange und au de Hans hät alles guet überstande. So hät me de bald wieder ganz zueversichtilich chöna in Zukunft luega und bereits an Wiehnachte, alli mitenand, es ganz bsunders schöns Fescht fiere.

Aber hür söll de Advent wieder sie wie frühener.
D'Monika hät sich fescht vorgno, dass sie sich in dene Täg jede Obet speziell viel Zit für ihri Familie wot näh. Um e chli zäma sie, Zit ha fürenand, zue z'losa und mitenand z'rede, ohni Fenseh und ohni Computer.  Öppis, wo unter em Johr eifach viel zchurz chunt. D'Monika hofft, dass sie mit dem prächtige Adventskranz die ganz Familie defür cha begeistere.
Mi hät doch letscht Johr gmerkt, wie schnell, dass alles andersch cha si.

D’Monika stellt de Kranz in der Stuba ufe s klis, runds Tischli und isch ganz gspannt, was de Ma und d’Tochter zu ihrer Idee wärdet säge.

Bald goht d’Hustür uf und de Hans chunt heim.
„Bisch du scho do“, frogt d’Monika erfreut und hilft ihm usem Mantel.
„Jo, ha hüt e chli früehner Firobig gmacht. Und zudem hani im Sinn, bis  Wiehnachte wieterhin pünktlich im Gschäft ufzhöra. E chli bsinnlichi Vorwiehnachtsstimmig zäma mit dr Familie, das tuet doch mim gflickte Herz und au üs allne guet.
Viellicht machemer jo ab und zue en obendliche Spaziergang und luegend noch em Idunkla ds  festlich gschückte Dörfli a chli a.
Oder mir zündet eifach d'Kerza vom Adventskranz a und drinkend zäma mit de Ella es Punsch und esset Manderinli und Nüssli. Eifach gmüetlich a chli zäma sie – was meinsch?“
D'Monika nickt und strahlt.
„Lueg“, seit de Hans, „ich han dezue extra an Adventskranz poschtet. Es isch halt e chli e moderna, aber es hät nüt anders ka.“

De Hans zauberet usem Papier vom Bluemelade e Karnz us Olivezweig, gschückt mit verschiedene Nüss, tröchnete Orangenschieba, Zimtstanga, Sternänis, Föhrezäpfli und kliena, silberiga Sterna und Kugla. Dezue vier Kerza in tüschend echter Öpfelform.
„Er isch e chli türer gsi, aber ich han denkt, wenn du scho letscht Johr wäga mier häsch müessa druf verzichte, de darfs auch emol öppis exklusivs si, gell Schatz.“

„Jo klar, Hans, das isch e gueti Idee und de Kranz isch würkli wunderschön.“
D’Monika lacht und zücht ihra Ma in d’Stube.
„Lueg, ich han hüt die glich Idee ka! Aber, dine Adventskranz isch natürlich viel schöner als mine do. Drum bhaltemer dine und mine schenkemer der Vroni näbadra. In ihrem Alter leischtet sie sich sicher keine meh, sie muess jo susch scho hushalte mit dera chlina Renta. Sie wird bestimmt Freud an im ha, grad so wie ich jetzt an dim. Zudem lade i sie de au grad no i, zum öpa mit üs e chli cho Advent zviere. Das isch doch schöner als so allei.
D'Monika stellt jetzt de Adventskranz vom Hans ufs Tischli.

Churz drufaba chunt die chli Ella vo dr Schuel heim und verschwindet grad gheimnissvoll in ihrem Zimmer. Doch bald chunt au sie mit emene Gschänk in d’Stube.
„Ich han dänkt, hür wemer wieder richtig Advent fiere, so wie immer. Drum hani selber e Adventskranz baschtlet.“

D’Ella stellt die silbrig Chuechaplatte mit de usgstanzte Wiehnachtsmotiv uf de Tisch. Druf hät sie es paar Zwiegli vom Eibabaum im Garte, vier blaui Kerze, es paar farbigi Chugla und Figürli us de Wiehnachtschachtel und es paar Gschenkbändeli hübsch drappiert.

„Das isch denn toll!“ De Papi isch ganz begeisteret.
„Jo, würkli schön“, seit au s'Mami,  „das wird jetzt üsa Advetskranz, gell Papi?“
„Das isch doch klar“, seit de Papi und lächlet.
„So en kreativa Adventskranz hämer no nie ka. Ich denka, dass ds Kinderheim sicher froh isch, wenn's no e Adventskranz für de Esssaal oder de Igangsbereich überchunt. Drum bringemer mitenand dä Kranz vo mir, morn am Obedet mit es paar Nüssli und Manderinli de Chind vom Heim, iverstande?“
Alle sind vom Vorschlag begeistert und de Ella ihres Adventsgsteck wandert jetzt ufs Tischli.

Noch em Znacht, es isch scho chli spot, lütets no an der Hustüre.
„Sind er no uf?“, frogts Grosi, wo im dicke Mantel dussa stoht.
„Ich wott Euch nur no schnell de Adventkranz, wo ich hüt Obet für Euch gmacht han, bringa. Ich han denkt, wenn ihr wäge mier letscht Johr kei schöna Advent ka händ, de söllit ihr hür de Adventskranz vo mier gschenkt über cho. I hane gmacht wie immer, mit viel früschem Chries und vier dicka, rota Kerza. Schlicht und traditionell, wie in de letschte 50 Johr immer.“
S’Grosi blinslet de Monika vielsägend zue.

„Ou Grosi, danka viel mol. Aber jetzt muesch emol cho luega...“
Ds Grosi wird in d’Stuba gfüehrt, wo scho drü Adventskränz stönd.
„Hoppla!“, seits Grosi. „In dem Johr isch er würklich do, de Advent.“
„Jo, grad vier mol!“, kichert d’Ella .

„Aber dine, Grosi, de bhaltemer für üs, wenn d'Ella iverstande isch. Das isch doch de Adventskranz, wie mer üs gwöhnt sind. Was meinsch dezue Ella?“
„Genau, mier bhaltend em Grosi sina und ich schenka ihera mine!“
jublet d'Ella.
„Danka viel mol, Ella. Ich freue mich, denn ich merka grad, dass ich für mich selber, jo gar keine gmacht ha.“
Alli lached herzlich und d’Monika seit zum Grosi: „Gel Mama, und jetzt chunsch de jede Sunntig zum Znacht und de zündemer nochher zäme es neus Cherzli a.“
© Copyright by Herr Oter (November 2014)


Adventskranz-Kierch-Wasserl
  Adventskranz Kierch Wasserliesch 
© Copyright by Autor: Cornischong in der Wikipedia auf Luxemburgisch 
Lizenz: CC-BY-SA-1.0  via Wikimedia Commons



Zu viele Adventskränze?

Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung meiner Lesung im Altersheim vom 1.12.14


Es ist kurz vor dem ersten Advent. Monika steht in ihrem Arbeitszimmer und befestigt gerade die vierte Kerze am Adventskranz. Der Kranz ist dick mit viel frischem Tannengrün gebunden und mit dicken, roten Kerzen geschmückt. Schlicht und einfach, so hat er Monika schon immer am besten gefallen. Seit Kindertagen gehört so ein Adventskranz für sie doch einfach zur Vorweihnachtszeit.

Nur im letzten Jahr, da stand kein Adventskranz im Wohnzimmer.
Es war damals niemandem ums Feiern. Denn der Grossmutter ging es gesundheitlich sehr schlecht und auch dem Hans, dem Mann von Monika, stand zur selben Zeit eine ganz schwierige Operation bevor.
Also für alle keine leichte Zeit, im letzten Advent, voller Sorgen und Leid. Viel Zeit verbrachte Monika darum im Spital, sie hat gehofft und gebangt, gebetet und manchmal auch eine Träne vergossen. Adventsstimmung kam so natürlich keine auf.

Doch zum Glück ging es der Grossmutter bald wieder besser und auch Hans hat alles gut überstanden. So konnte man bald wieder ganz zuversichtlich in die Zukunft blicken und bereits an Weihnachten, alle gemeinsam, ein ganz besonders schönes Fest feiern.

Aber in diesem Jahr soll der Advent wieder sein wie früher.
Monika hat sich vorgenommen, dass sie sich in den kommenden Adventstagen jeden Abend besonders viel Zeit für ihre Familie nehmen will. Um zusammen zu sein, um Zeit füreinander zu haben, um zuzuhören und miteinander zu reden – ohne Fernseher und ohne Computer. Etwas, das während des Jahres einfach viel zu kurz kommt.
Monika hofft, dass sie mit diesem prächtigen Adventskranz ihre ganze Familie dafür begeistern kann. Man hat doch im letzten Jahr erfahren, wie schnell, dass alles anders sein kann.
Monika stellt den Kranz im Wohnzimmer auf einen kleinen, runden Tisch und ist ganz gespannt, was Mann und Tochter zu ihrer Idee sagen werden.

Bald öffnet sich die Haustür und Hans kommt nach Hause.
„Bist du schon hier?“ fragt Monika erfreut und hilft ihm aus dem Mantel.
„Ja, ich habe heute etwas früher Feierabend gemacht. Zudem habe ich im Sinn, bis Weihnachten weiterhin im Geschäft pünktlich Schluss zumachen. Ein bisschen besinnliche Vorweihnachtszeit zusammen mit der Familie, das tut doch meinem geflickten Herzen und auch uns allen gut. Vielleicht machen wir ja ab und zu mal einen abendlichen Spaziergang und sehen uns nach dem Eindunkeln das weihnächtlich geschmückte Dörflein ein bisschen an.
Oder wir entzünden einfach die Kerzen des Adventskranzes und trinken zusammen mit Ella Punsch und essen dazu Mandarinen und Nüsse. Einfach gemütlich etwas beisammen sein, was meinst du?“
Monika nickt und strahlt.
„Schau“, sagt Hans, „ich habe dazu extra einen Adventskranz gekauft. Es ist halt ein bisschen ein Moderner, doch es gab nichts anderes.“

Hans zaubert aus dem Papier des Blumengeschäftes einen Kranz aus Olivenzweigen, geschmückt mit verschiedenen Nüssen, getrockneten Orangenscheiben, Zimtstangen, Sternanis, Föhrenzapfen und kleinen, silbrigen Sternen und Kugeln. Dazu vier Kerzen in täuschend echter Apfelform.
„Er war etwas teurer, aber ich dachte, wenn du schon im letzten Jahr wegen mir verzichten musstest, dann darf es auch mal etwas Exklusives sein, nicht wahr mein Schatz?“

„Ja klar, Hans, das ist eine gute Idee und der Kranz ist wirklich sehr schön.“
Monika lacht und zieht ihren Mann ins Wohnzimmer.
„Schau, ich hatte heute dieselbe Idee! Aber, dein Adventskranz ist natürlich schöner als meiner hier. Darum behalten wir deinen und meinen schenken wir Vroni von nebenan. In ihrem Alter leistet sie sich sicher keinen mehr, denn sie muss ja sonst schon mit ihrer kleinen Rente sparsam sein. Sie wird bestimmt Freude an ihm haben, genau so wie ich jetzt an deinem.
Zudem lade ich sie gerade auch noch ein, um ab und zu mit uns gemeinsam Advent zu feiern. Das ist doch schöner, als so alleine.
Monika stellt nun den Adventskranz von Hans auf das runde Tischchen.

Kurze Zeit später kommt die kleine Ella von der Schule nach Hause und verschwindet sofort geheimnisvoll in ihrem Zimmer. Doch bald kommt auch sie mit einem Geschenk in die Stube.
„Ich dachte mir, in diesem Jahr wollen wir doch wieder richtig Advent feiern, so wie immer. Darum habe ich selber einen Adventskranz gebastelt.“
Ella stellt die silbrige Tor­ten­plat­te mit den ausgestanzten Weihnachtsmotiven auf den Tisch. Darauf hat sie einige Zweige des Eibenbaumes im Garten, vier blaue Kerzen, einige farbige Kugeln und Figürchen aus der Weihnachtsschachtel und ein paar Geschenkbänder hübsch drapiert.

„Das ist toll!“ Der Vater ist ganz begeistert.
„Ja, wirklich schön“, sagt auch die Mutter, „das wird jetzt unser Adventskranz, einverstanden Vater?“
„Das ist doch klar“, sagt der Vater und lächelt. „So einen kreativen Adventskranz hatten wir noch nie. Ich denke, dass das Kinderheim sicher froh sein wird, wenn es noch einen Kranz für den Speisesaal oder den Eingangsbereich bekommt. Darum bringen wir zusammen den Kranz von mir, morgen Abend mit ein paar Nüssen und Mandarinen den Kindern ins Heim, einverstanden?“
Alle sind vom Vorschlag begeistert und das Adventsgesteck von Ella wandert nun auf den kleinen Tisch.

Nach dem Abendessen, es ist schon etwas spät, klingelt es an der Haustüre.
„Seit ihr noch auf?“, fragt die Grossmutter, die im dicken Mantel draussen steht.
„Ich wollte euch nur noch schnell den Adventskranz vorbeibringen, den ich heute Abend für euch gemacht habe. Ich habe mir gedacht, dass ihr den Adventskranz in diesem Jahr von mir geschenkt bekommen sollt, weil ihr im letzten Jahr wegen mir keinen schönen Advent hattet. Ich habe ihn gemacht wie immer, mit viel frischem Tannengrün und vier dicken, roten Kerzen. Schlicht und einfach, wie in den letzten 50 Jahren immer.“
Dabei zwinkert die Grossmutter, Monika vielsagend zu.

„Ach Grossmutter, vielen Dank. Aber nun musst du mal sehen...“
Die Grossmutter wird in die Stube geführt, in welchem bereits drei Adventskränze stehen.
„Hoppla“, sagt die Grossmutter. „In diesem Jahr ist er wirklich gekommen, der Advent.“
„Ja, gerade vier mal!“ kichert Ella.

„Aber deiner, Grossmutter, den behalten wir für uns, wenn Ella damit einverstanden ist. Das ist doch ein Adventskranz, wie wir ihn gewohnt sind. Was meinst du dazu Ella?“
„Genau, wir behalten den von Grossmutter und ich schenke ihr meinen!“, jubelt Ella
„Herzlichen Dank, Ella. Ich freue mich, denn ich merke gerade, dass ich für mich selber, gar keinen gemacht habe.“
Alle lachen herzlich und Monika sagt zur Grossmutter: „Nicht wahr, Mutter, nun kommst du jeden Sonntag zum Abendessen und danach zünden wir gemeinsam eine neue Kerze an.“
© Copyright by Herr Oter (November 2014)





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Sonntag, 8. Dezember 2013

De Samichlaus wot nüm so recht / Der Nikolaus will nicht mehr so recht







De Samichlaus wot nüm so recht
E wieteri Gschicht us mina Läsiga im Altersheim



Hinweis
Eine für alle verständliche Übersetzung findet ihr im Anschluss!

Amena chalta, gruusiga Morga sitzt de Samichlaus in sim warma, gmütlicha Stübli. D'Uhr an dr Wand hät gliechmässig „Tick-Tack“ gmacht und uf em Kalender danäba, chama gseh, dass morn de 6. Dezember isch, also de Samichlaustag.
Im Stall näba dra stoht sis Eseli und streckt dur es chlieses Fensterli sin Kopf ins Stübli vom Samichlaus.
Jo wüssender, de Samichlaus wär susch jo immer allai – und er wott doch au öppe mit sim brave Tierli chöna pläuderla.

Aber hüt isch im gar nit zum Pläuderla zmuet. Er hät sis dicka, grossa Buach uf de Chneu und blätteret und blätteret und schüttlet immer wieder de Chopf. Was stoht ächt in dem Buach, wo ihm so fäscht z'denka git?

In dem Buach hät er dur s'Johr dura, immer alles ufgschriba, wo är vo sina Chind erfahra hät. Ob si lieab gsi sind, ob sie em Mami und em Papi gfolget händ oder öb sie in dr Schuel guat ufpasst händ – halt eifach alles, was so en Samichlaus wüssa sött, wänn er zu de Chind goht.
Aber jetzt hät er halt schon viel gläsa, wo ihm gar nit gfallt.
Es dunkt ne, d'Chind heiget sich sit sim letschta Bsuach jo gar nüt bessert!
De Seppli wot em Obet no immer nit ins Bett, so das ds Mami mit ihm immer zerscht schimpfa muess. Defür isch er denn am Morga in dr Schuel müed, und schient's schriebt er no immer ganz wüescht ins Schualheft.
Und au s'Vreneli, sini Schwöster. Si tuet no immer umemuhla, wenn s'Mammi im e chlini Arbet git – zum Biespiel dr Tisch zdecka oder z'Zimmer ufzruma.
De Karl macht no immer mängisch d'Husufgabe nit und letzhin hät er sogar uf em Heimwäg sis Läsibuach verlore.
De Peter chunt immer wieder mit kaptttna Hose und Jacka heim vo der Schuel; statt, dass er zehrscht giengti, die schöna Chlaider go abzieh und defür Älteri azlegga.
Ach“, stöhnt jetzt de Samichlaus, „dia hütiga Chind händ eifach überhaupt kei Sorg meh zum Züg“.
Au köhrt me immer meh Chlaga, dass sie uf em Schuelwäg düend mitenand strieta und sie nüt Gschieders wüessend zmache, als die chlinera Chind zbloga.
Es dunkt de Samichlaus, es wärdi immer schlimmer mit dena Junga. Uf jeder Site in sim Buach sind immer wieder so ungfreuti Gschichta gschrieba. Kei Verglich mit frühner, do isch eifach no alles viel besser gsi.
De Samichlaus macht sis Buach zue und stützt ganz truurig de Chopf in d'Händ.

Eigentlich wär jetz höchsti Zit die guata Sacha grüschtet zmache. Im Chaschta sind scho viel chlini und grössari Säckli mit Nüss, Mandarinli und Schöggali dina. Auch d'Läbchuacha hät er bereits bachet und natürli hät er au d'Ruta scho zämabunda. Er söt di feina Sacha jetzt nur no in de Samichlaussack verpacka.

Aber jetz, wo er in sim Buach e chli gläsa hät, isch em Samichlaus d'Freud eifach verganga und er hät gar nümm recht Lust, zum zu de Chind zgo.
Es isch eso eifach nümma schön“ brummlat är missmuatig in sina Bart.
Immer meh muass i mit de Chinder schimpfa und nütza tuet jo sowieso meistens nüt.“
'I wett de Chind doch viel lieber e Freud mache, als ne mit de Fitza zdroha.
I möcht vo ihne lieber schöni Versli und Liedli losa – aber immer meh sind jo zful, überhaupt eis z'lehra. Sie wänd nur no mini Gschenkli und überhaupt – sie glauben jo gar nümma recht an de Samichlaus. In allna Heftli, im Fernseh und in de Läda häds jo scho, bevor ich chuma, scho so vil unächti Chläus ...
Nei das gfallt mer nümma! Ich glauba, ich blieba das Johr emol daheim.'
Gell Eseli, frühener isch es eba scho no besser gsi?“ 
S'Eseli, das seit aber nüt!

De Samichlaus hät no es Holzschietli ins Öfali gleit, sis Tubakpfiffli azünd und denn hät er sich's im grossa Lehnstuahl gmüetlich gmacht.
Was wärdet ächt d'Chind säga, wenn i nümma chuma?“ 
Dia Sach loht im glich kei Ruah!
Jo, viellicht merken sis bi dem Rummel wo hüt überall isch, io gar nit. 
Und susch gänd si sich viellicht de durs Johr dura e chli meh Müeh und, ich muess im nöchsta Johr weniger Chlaga in mis Buach ina schrieba.

Do chlöpfelets liesli ans Fensterli. Es Maisli stoht dussa und pöpperlet mit sim Schnäbbali ad Schiaba. Es hät sich ganz fescht ufplusteret und tanzt vo eim Bei uf's andera.
De Samichlaus machts Fensterli uf und ds Vögeli hüpft grad uf de Tisch.
Jo de chum halt inna! Möchtisch di e chli cho ufwärma, häsch sicher chalt? Und Hunger häsch denk au – luagdo häsch e chli Fuatter?“ 
Ds Vögeli pickt em Samichlaus dankbar es paar Chörnli us dr Hand.

Du, Samichlaus“, saits de, „in dem Hüsli am Waldrand – weisch döt woni ame e chli Brotbrösmali cha go hola – döt wohnend doch zwei Chind, de Fritzli unds Maiali.
Du, dene ihres Mami isch doch so fescht chrank.
Aber du söttisch einisch gseh, wie die zwei Daheim ganz tüchtig tüend helfa.
De Fritzli got go poschta und macht sogar am morga selber si Bett.
Und's Maiali hilft putza und es cha au scho e chli chocha.“
Jo, das ghöri gärn, liabs Maisli, das freut mi aber würklich“, sait druf de Samichlaus.

Kurz nochdem s'Vögeli wieder furtgfloga isch, chunt au no ds Eichhörnli zgumpa. Au für ins hät de Samichlaus öppis parat und streckt em es Nüssli hera.
Danka Samichlaus – brr, isch das chalt und grusig dussa“, und – scho isch s'Eichhörnli am chnabbara.
Weisch, Samichlaus“, seits denn zwüscha dura, „ich gohn doch öppa uf de grossi Nussbaum wo grad näb em Altersheim isch, gell.“ 
Waisch, du söttisch einisch ghöra, wie dia Chind döt in dr Spielgruppa herzigi Liedli und chlini Versli lehrend.
Mi ghört richtig, wie die sich uf di freuend, Samichlaus – und, wie die mit Begeisterig debi sind.
Und dia Kräia, gell, wo doch döt wohnt – die hät mer gseit, dass die Chind au gar nüm soviel düend stritte, sit si die neu Lehrerin händ. Es nähm si scho Wunder, wie dia das ächt fertigbrocht heig.“

Oh, Oh“, de Samichlaus isch ganz verwundert, „jo, das isch jo wunderbar – danka Eichhörnli, dass du miar das verzellt häsch. Do nümm no einisch es Nüssli.“

Churz druf aba chunt au no z'Müsli cho träbbala. Es schint, dass sich hüt – wills dussa so kalt isch – all sini Fründa bim Samichlaus wänd cho ufwärema.
Nochdem, dass es das Stückli Chäs, wo de Samichlaus bereit ka hät, ufgässea hät, seit z'Müsli:
Weisch Samichlaus, wenns dussa so kalt isch, denn blieb ich halt scho meh in mim Musahüsli. Döt, unter em Daheim vom Seppli und em Vreneli höckle ich denn ganz noch bim Musalöchli in der Chuchi, wills döt halt so schön warm isch. Und mängisch gheit jo au öppis Essbars uf de Chuchiboda und, de gseht mes jo grad, gell?“ 
De Samichlaus muess lache und nickt.

Also weisch Samichlaus, ich muess scho säga, dia zwei Chind döt, händ de scho Fortschritt gmacht in letschter Zit. De Seppli isch jetzt am Obet wie de Blitz im Bett, sit er das neua, schöna Nachttischlämpli hät – und, i han grad geschter ghört, dass au de Lehrer mit sinera Schrift viel besser zfrida isch.
Und au s'Vreneli isch ganz es liabs worda. Sie mulet gar nümma uma und und au ihres Zimmer rummt si jetzt tiptop uf, will öppa sini Schuelgspänli zu ihm chömed cho spiela.
Mängisch muess ma halt eifach e chli Geduld ha, bis die Chind e chli grösser sind, gell Samichlaus.“

De Samichlaus isch sprochlos. Er bedankt sich au bim Müsli ganz herzlich und git em no es Schniffeli Chäs mit uf de Heimwäg.
Tubakpfiffa isch inzüscha usganga, so gspannt hät er sine Bsuech zueglosat.
Also das hät i scho nit dänkt“, murmlet er in de wiess, lang Bart. 
Vielleicht isch jo alles gar nit so schlimm! Was meinsch du dezue, Eseli?“
S'Eseli nickt und meint: „Weisch Samichlaus, au du bisch jetz scho chli alt worda. Ich glauba, du häsch vergässa, dass d'Chind au frühner nit immer numa brav gsi sind. Luag einisch in dieni alta Bücher, wot no uf em Estrich häsch. I cha mi scho no erinnera, dass du döt näb em Erfreulicha, auch mängs Unerfreulichs ina geschriba häsch.
I glauba, du häsch scho recht, Eseli, i ha mi glaub do scho chli verrent. 
Es hät würkli scho immer Guats und Unguats gäh.
Früehner hani viellicht eifach s'Guata in de Chind meh gseh als Schlechti, und jetzt im Alter.....“
Jetzt muass i aber pressiera. D'Chind während sicher ganz fescht truurig, wenn i nüma würdi zu ihne cho, oder was meinsch du, Eseli. 
S'Eseli nickt mit em Chopf und macht es freudigs, J-aaaa.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013 









Der Nikolaus will nicht mehr so recht
Eine weitere Geschichte aus meinen Lesungen im Altersheim


An einem kalten, ungemütlichen Morgen, sitzt Nikolaus in seinem warmen, gemütlichen Stübchen.
Die Uhr an der Wand macht gleichmässig „Tick-Tack“ und auf dem Kalender daneben ist zu sehen, dass der 6. Dezember, also der Nikolaustag, schon morgen da sein wird.

Im Stall nebenan steht sein Esel und streckt seinen Kopf durch ein kleines Fensterchen ins Stübchen des Nikolaus. Ja, wisst ihr, der Nikolaus wäre sonst ja immer alleine – und er möchte doch auch ab und zu mit seinem braven Tierchen plaudern.

Aber am heutigen Tag ist ihm überhaupt nicht ums Plaudern zu Mute. Er hat sein dickes, grosses Buch auf den Knien und blättert und blättert und dazu schüttelt er immer wieder den Kopf. Was mag in dem Buch stehen, das ihm so sehr zu Denken gibt?
In diesem Buch hat er während des ganzen Jahres immer alles aufgeschrieben, das er über „seine“ Kinder erfahren hat. Ob sie lieb waren, ob sie Mutter und Vater gehorchten oder ob sie in der Schule gut aufgepasst haben – halt einfach alles, was so ein Nikolaus wissen sollte, wenn er die Kinder besucht.

Aber nun hat er viel gelesen, das ihm gar nicht gefällt.
Es scheint ihm, als ob sich die Kinder seit seinem letzten Besuch gar nicht gebessert hätten.
Der Seppli will am Abend noch immer nicht ins Bett, ohne, dass die Mutter mit ihm zuerst schimpfen muss.
Dafür ist er dann morgens in der Schule müde und ins Schulheft soll er auch noch immer liederlich schreiben.
Auch Vreneli, seine Schwester, widerspricht noch immer, wenn ihm seine Mutter eine kleine Aufgabe überträgt, zum Beispiel den Tisch zu decken oder in ihrem Zimmer Ordnung zu schaffen.
Karl macht seine Hausaufgaben auch noch nicht immer und kürzlich hat er sogar sein Lesebuch auf dem Heimweg verloren.
Peter kommt mit zerrissenen Hosen und Jacken von der Schule nach Hause, anstatt zuerst die schönen Kleider abzulegen und Ältere anzuziehen. 
Ach“, stöhnt nun der Samiklaus, „diese heutigen Kinder tragen zu ihren Sachen einfach keine Sorge mehr.“ 
Auch hört man immer öfter Klagen, dass sie auf dem Schulweg immer wieder streiten und nichts Gescheiteres zu tun wissen, als die Kleineren zu plagen.
Es kommt dem Nikolaus vor, als ob es mit der heutigen Jugend immer schlimmer würde. Auf jeder Seite in seinem Buch sind immer wieder solche unschönen Geschichten aufgeschrieben. Kein Vergleich mehr mit früher, da war einfach alles noch viel besser.

Der Nikolaus schliesst sein Buch und stützt traurig seinen Kopf auf die Hände.
Eigentlich wäre es jetzt höchste Zeit, die guten Sachen bereit zu machen. Im Schrank gibt es bereits viele kleinere und grössere Säckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Auch die Lebkuchen hat er bereits gebacken und natürlich auch die Rute zusammengebunden. All die feinen Sachen sollte er nun aber noch in den Samiklaussack packen.

Doch seit er in seinem Buch gelesen hat, ist dem Samiklaus die Freude einfach vergangen und er hat gar keine Lust mehr, die Kinder zu besuchen. 
So ist es einfach nicht mehr schön“, brummelt er missmutig in seinen Bart. 
Immer öfter muss ich mit den Kindern schimpfen und dann nützt es erst noch meistens nichts. Viel lieber möchte ich den Kindern eine Freude machen, anstatt ihnen mit der Rute zu drohen. Ich würde von ihnen auch lieber schöne Verse und Lieder hören, aber immer mehr Kinder sind zu faul, um welche zu lernen.“
'Sie wollen bloss noch meine Geschenke – und überhaupt, sie glauben ja gar nicht mehr an den Samiklaus. In den Zeitschriften, im Fernsehen und in den Geschäften sind ja, schon lange bevor ich komme, so viele unechte Kläuse zu sehen. Nein, das gefällt mir nicht mehr. Ich denke, dass ich in diesem Jahr lieber Zuhause bleibe.'

Findest du nicht auch, dass früher alles besser war, Eseli? 
Doch das Eseli sagt nichts dazu.....

Nikolaus legt noch Holz im kleinen Ofen nach, zündet seine Backpfeife an und macht es sich im grossen Lehnstuhl gemütlich.
'Was werden die Kinder sagen, wenn ich in diesem Jahr nicht komme?'
Die Sache lässt im doch keine Ruhe.
'Ach, vielleicht merken sie es bei dem heutigen Rummel ja gar nicht und sonst geben sie sich möglicherweise während des Jahres etwas mehr Mühe, so, dass ich im nächsten Jahr etwas weniger Klagen in mein Buch notieren muss.'

Da klopft es leise an das Fenster. Eine Maise steht draussen und pocht mit seinem Schnabel an die Glasscheibe.
Sie hat sich stark aufgeplustert und tanzt von einem Bein auf das andere.
Der Samiklaus öffnet das Fenster und das Vögelchen hüpft geradewegs auf den Tisch.
Dann komm doch herein! Möchtest du dich ein bisschen aufwärmen, du hast sicher kalt? Und Hunger hast du sicher auch – schau hier hast du etwas Futter.
Das Vögelchen pickt dankbar ein paar Körner aus seiner Hand.

Du, Samiklaus“, sagt es dann, „in dem Häuschen am Waldrand – du weisst doch, dort wo ich manchmal ein paar Brosamen holen kann – dort wohnen doch zwei Kinder, der Fritzli und das Meieli.“
Du, deren Mutter ist doch ganz fest krank. Aber du solltest einmal sehen, wie die beiden Zuhause tüchtig helfen. 
Fritzli geht einkaufen und macht am morgen sogar sein Bett selber. Und Meieli hilft beim Putzen und es kann sogar bereits ein bisschen kochen.“
 Das höre ich gerne, liebe Meise, das freut mich wirklich“, sagt daraufhin der Nikolaus.

Kurz nachdem das Vögelchen wieder fortgeflogen ist, hüpft auch noch das Eichhörnchen daher. Auch für das, hält der Nikolaus etwas bereit und streckte ihm eine kleine Nuss entgegen. 
Danke Samiklaus – brr draussen ist es aber kalt und garstig“, und, bereits ist das Eichhörnchen am knabbern. 
Weisst du Nikolaus“, sagt es zwischendurch, „ich gehe doch manchmal auf den grossen Nussbaum, der gerade neben dem Altersheim steht. 
Du solltest einmal hören, wie die Kinder der Spielgruppe dort liebevolle Lieder und kleine Verse lernen. Man hört richtig wie sie sich auf dich freuen, Nikolaus, und wie sie voller Begeisterung mitmachen.
Zudem sagte mir letzthin die Krähe, die dort wohnt, dass die Kinder auch nicht mehr so oft streiten, seit sie eine neue Lehrerin haben. Es wundere sie, wie die das zustande habe.“
Oh, oh“, der Nikolaus ist ganz verwundert, „ja, das ist ja wunderbar.“
Ich danke dir, Eichhörnchen, dass du mir das erzählt hast. Da, nimm noch ein Nüsschen.“ 

Kurz danach trippelt auch noch das Mäuschen daher.
Es scheint, dass sich heute, weil es draussen so kalt ist, alle seine Freunde beim Nikolaus aufwärmen wollen.
Nachdem es das Stückchen Käse, das der Nikolaus extra bereit hielt, aufgegessen hatte, sagte das Mäuschen:
„Weisst du Nikolaus, wenn es draussen so kalt ist, dann bleibe ich schon gerne in meinem Mäusehaus.“ „Dort, unter dem Zuhause vom Seppli und dem Vreneli sitze ich dann ganz nahe beim Mäuseloch in der Küche, weil es dort so schön warm ist. Manchmal fällt ja auch etwas Essbares auf den Küchenboden und dann sieht man es auch sofort, nicht war?“
Der Nikolaus muss lachen und nickt. 
Also, weisst du Nikolaus, ich muss schon sagen, dass die beiden Kinder in letzter Zeit sehr grosse Fortschritte gemacht haben. Der Seppli ist jetzt jeden Abend wie ein Blitz im Bett, seit er die neue, schöne Nachttischlampe besitzt – und, ich habe gerade gestern gehört, dass auch der Lehrer mit seiner Schrift jetzt viel besser zufrieden ist. Und auch Vreneli ist ganz brav geworden. Sie widerspricht nicht mehr und auch ihr Zimmer ist jetzt ordentlich aufgeräumt, seit ihre Schulfreundinnen manchmal nachmittags, zu ihr zum Spielen kommen.
Oftmals braucht es einfach ein wenig Geduld, bis die Kinder etwas grösser sind, nicht war Nikolaus?“

Der Nikolaus ist sprachlos. Er bedankt sich auch beim Mäuschen ganz herzlich und gibt im noch ein Stückchen Käse mit auf den Heimweg.
Die Backpfeife ist inzwischen erkaltet, so gespannt hatte er den Besuchern zugehört.
Also, das hätte ich schon nie gedacht“, murmelt er in den weissen, langen Bart. „Vielleicht ist ja alles doch nicht so schlimm!“
Was meinst du dazu, Eseli?“
Das Eseli nickt und meint: „Weisst du Nikolaus, auch du bist inzwischen etwas alt geworden.“ „Ich glaube, dass du vergessen hast, dass die Kinder auch früher nicht immer nur brav waren. Schau einmal in deine alten Bücher, die noch auf dem Dachboden liegen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass du bereits damals nebst dem Erfreulichen auch immer Unerfreuliches hinein schreiben musstest.“
Ja, ich denke du hast recht, Eseli! Es hat wirklich schon immer Gutes und Schlechtes gegeben. Früher habe ich vielleicht bei den Kindern eher das Gute gesehen, weniger das Schlechte – und jetzt im Alter.....
Nun muss ich mich aber beeilen. Denn die Kinder wären sicher stark traurig, wenn ich nicht mehr zu ihnen kommen würde.“
Oder, was meinst du dazu, Eseli?“ 
Das Eseli nickt mit dem Kopf und macht freudig: „J-aaaa“.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013








:)

Sonntag, 18. November 2007

Friedhof der vergessenen Worte?




Friedhof der vergessenen Worte?


Immer wieder stosse ich auf Worte, die mir in unserer Alltagssprache vergessen scheinen.
Denn, nur weil sie vielleicht alt, verbraucht und abgenutzt sind oder weil sie nicht mehr gebraucht werden, wurden sie sozusagen entlassen, abgeschoben, ausgesondert, weggesperrt und dann halt vergessen.
Weil ich die Worte liebe, liegt mir aber jedes einzelne am Herzen, mag es auch noch so altmodisch und unmodern sein. Denn jedes dieser Wort hatte mal seine Bedeutung, seinen Sinn und somit seinen Wert. Sind nicht gerade diese Worte - weil nicht mehr in aller Munde - besonders wertvoll?
Damit sie nicht vergessen werden, werde ich sie hier auflisten. Es soll, zumindest für mich, auch ein Ansporn sein, vergessene oder selten gewordene Worte vermehrt wieder zu verwenden, um somit einen kleinen Beitrag zu leisten, dass sie lebendig erhalten bleiben und um vielleicht zu verhindern, dass diese Seite zum „Friedhof der vergessenen Worte“ wird.
Ich freue mich auch sehr, wenn mir selten gebrauchte, fast vergessene Worte gemeldet werden (wenn möglich mit Erklärung), damit sie hier ihren wohlverdienten Platz erhalten.

Mundart:
(Umgangssprache: Die Kunst seine Identität auszudrücken)

Ändifinken (LU) - Filzpantoffeln
bäcke (LU) - husten
Bagaschi (GR) - Gepäck
Baischtmilch (GR) - erste Milch der Kuh nach dem Kalben
Bätti (LU) - Rosenkranz
Biecht (LU) - Nebelreif an Bäumen
Bränta (GR) - holziges Tragfass für Milch oder zur Traubenernte
buschper - munter
Bütschgi (GR), Bätzi - Kerngehäuse des Apfels
Chabishäubtli (LU) - Chabiskopf / Kabiskopf 
Chutz (LU) - borstiges, struppiges Haupthaar
Couraschiert (GR) - Mutig
Drugglimuser / Duggimüser - Duckmäuser (verschlagen o heimlifeiss sein) 
gattlig (AR) - artig
Gautsch, Gutschi, Gusch, Guschi - Kanapee, Diwan, Nachtlager
Gutschli - Kinderstubenwagen
Gigampfi - Wippschaukel
Gitznäpper (LU) - Geizhals
Göggla (GR) - Schlittenfahren
Grüpi, Gräubi - Rest beim Schmalz auslassen (für Rösti verwendet)
Grüba (GR) -   unsympathische Frau

gvätterlen - spielen
Grampol - Lärm, Krach
hablich - wohlhabend
Häbi (LU) - Henkel
Hampeissihuife (LU) - Ameisenhaufen
Häpperä (FR) - Kartoffeln
Heibbi (LU) Haiddi - Heidelbeeren
Heilandsandale - Holzsandalen, Holzschuhe
Hienah - auf dieser Seite
Hogge - Hacken (auch für spindeldürre, nicht schöne Frau)
Daschali (GR) - unbeholfene Frau 
Dienig - praktisch
Düüssala (GR) - schleichen
Finöggli - zartes Wesen
igsotta (GR) - einkochen/eingekocht
Karisiera (GR) - Flirten
Kommeedi - Umstände machen, Affentheater
Kommod - Praktisch
Lätt - Schlamm, Lehm  
luuter (LU) - Hell, durchsichtig
nit luuter (LU) - nicht vertrauenswürdig 
maadig - schlecht, wurmstichig, depressiv/traurig
Molta (GR) - Sand mit Zement und Wasser, Pflastermasse,
Muchla (GR) - kleines Schüsselchen, grosse Tasse ohne Henkel
Muggadüsseler - siehe Drugglimuser
Mungga (GR) - Murmeltier 
Niffi - saure Miene machen
Nudedie, Sakerili-Nundelie - Fluchwort - Sakerli v Sakrement - die v Dieu (franz. Gott)
Omues (LU) - Plage, Mühe, Umstände haben / machen
pfletsche - spritzen, planschen 
räbbla - Lärm machen
rübisstübis - ganz alles, restlos alles
Scarnutz (GR) - Papiertüte
Schämali - Schemel
Scheube, Scheuba, Schüba - Schürze
Seiliplampi - Kinderschaukel
Siebasiach - cleverer schlauer Kerl
spienzla - einem halb versteckt zeigen
süferli (GR) - vorsichtig, langsam
Tausa (GR) - holziges oder metallenes Tragfass für Milch oder zur Traubenernte
Titiblacke - gemeine Pestwurz, Moorpflanze
törla, vertörla - Zeitvertreiben, herumtrödeln
Törlibueb - Trödler
tschuddara, tschuderre - vor Grauen/Kälte schütteln
ugatlig, ugatliga Iidruck (AR) - unartig, ungepflegtes Aussehen
umaplämperla (GR) - Zeitvertreiben, herumtrödeln
usus - gewohnheitsmässig, Traditionell
Wängerli (LU) - Kleines Zierkissen auf d Kopfkissen (wo man d Wange drauflegt)
weidli - schnell sofort
zäntume - überall


Luzerner Hinterland 
(zusammengetragen v Maria Kunz, Sagenerzählerin, Waldegghüsli 2, 6125 Menzberg)
Aarbiisser - Westwind von der Aare
abhöutig - steil nach unten
alewanti - rasch
beite - warten
Bloschti - einfältiger Prahlhans
Brosi - beleibte Kreatur
Chnuuppesager - Geizhals
Chrääze - schwere Erkältung
Chuttlesack - Magen
Chuuz Höiu - unfrisiert
dörhar - überall
dörgänd - durchgehend
ghöusem - heilsam
gli äne - bald darauf
Gliger - Nachtlager
gmenkli - meistens
Greubiheuscher - unbeliebter Jammersack 
gschlacht - gut gebaut
Gschlüecht - Gesindel
hääluuf - gut gelaunt
haberhebsch, aberhebsch - sehr komisch, - schräg
haleegere, runggusse - übermütig festen
hantli - schnell sofort
Hambeckigeischt - quirliger kleiner Geist
hämu - gesund, erholt
Hüehnerbrönz - Eiermilchschnaps-Gesöff (Eierlikör)
Hösli - unbeholfene einfältige Frau
iharet - auf dieser Seite
im Schwick - sehr schnell
Komäsch - Affentheater, o Umstände machen
Konzine - Belehrung
Länderböde - Holzsandalen
Lättöggu - Hampelmann
luuterlötig - rein echt
madleidig - deprimiert, traurig
Malästen - Beschwerden, Unannehmlichkeiten, Umstände
Näppu - zwanzig franken
nuefer, chärsch - munter aufgeweckt
Nundediesiech - gewitzter schlauer Kerl
ogattli - nicht praktisch
onerchannt - unerhört
onkamplet - grob, ohne Anstand
Pfünggu - schwerfälliger Bub, Pflock
pletsche - fallen
puusse - unwohl sein, kränkeln
Räbu - wildes Wesen
ranschima - sofort, auf der Stelle
Richti - Nachgeburt bei Vieh
schmatzgere - schlemmen
Schnörggu - vorwitziger Junge
Sente - Herde
spanifle - auf etwas warte
staarig - starr
Steighogge - Leiter ins Obergeschoss
sübberli - sorgfälltig
trabante - helfen (zur Hand gehen)
Truschali - einfaches, liebenswürdiges Mädchen
Unmuess -   Mühe, Plage, Umstände    
verfluemet - verflucht
versaaret - verwüstet
Wörzlibörschte - Bürste mit starken Borsten
Wöuanki - unentschlossener Mensch
zänggele - reizen


Schriftdeutsch:
(Standartsprache: Ein Kompromiss damit uns jeder versteht)

Ausbaldowern - auskundschaften
anbändeln - Liebesverhältnis beginnen
barfuss - ohne Schuhe
bezirzen - jemanden charmant zu etwas überreden
blessiert - verletzt, lädiert
Brente - Holzgefäss (Brenta Romanisch)

burschikos - knabenhaft,lässig flott
Contenance behalten - Haltung (Anstand) behalten
derangiert - völlig in Unordnung, zerzaust,
dünkelhaft - Synonyme für aufgeblasen, blasiert, hochnäsig

dümpeln dahin dümpeln - schaukeln, vor sich hin schaukeln
Eingemachtes - Lebensmittelkonsevierung im Glas
Fabulös - schleierhaft, unklar, unwahrscheinlich
gebauchpinselt - sich geschmeichelt, geehrt fühlen

habituell -
a) gewohnheitsmäßig, ständig,
b) verhaltenseigen; zur Gewohnheit geworden, zum Charakter gehörend

Habenichts - besitzloser Mensch
Habseligkeit - dürftiger, kümmerlicher Besitz
 
Hagestolz - mittelloser Junggeselle, d sich m frauenlosen Schicksal abfindet.
                 - weder hager noch stolz – ist er aber zu arm für ein stolzes Weib?

hanebüchen - als unglaubliche Handlung angesehen
Kienspan - abgespaltetes Holzstück, event. Fackel


Kleinod - etwas Kleines, eine Kleinigkeit, zierlich gearbeitete Sache, etwas Wertvolles (Als "Das bedrohte Wort" 2007 geehrt)

kapriziös - launisch, unberechenbar -->
kredenzen - anrichten
lädiert - verletzt, blessiert

Maulaffen feilhalten - rumstehen (Maulaffen oder Gähnaffen waren im Mittelalter tönerne, kopfförmige Halter für Kienspäne, in deren offenes Maul man den Kienspan steckte)

Mumpitz - Unsinn

Müssiggang - Faulheit, Trägheit
Milchmädchenrechnung - einfache Rechnung, Trugschluss-Rechnung

niederträchtig - gemein, unfreundlich
Ölgötze - sich stumm verhaltender u verständnislos dreinblickender Mensch
Palaver - bezeichnet ein langwieriges, meist sinnloses Gespräch. 

putzig - härzig
ramponiert - beschädigt, angeschlagen, kaputt
Schabernack - übermütiger Streich
Schriftgut, Schrifttum - Literatur

Sperenzien / Sperenzchen - Mätzchen, Theater, Getue, Ausflüchte unechtes Gehabe ( „sperren“ im Sinne von „sich vor etwas sperren“ und „sich zieren“.)
er macht Sperenzchen/Sperenzien / mach keine Sperenzchen/Sperenzien


stoffelig, Stoffeligkeit - ungehobelt, lümmelhaft, Unmanierlichkeit


töricht - albern, dümmlich, einfälltig
Superkalifragilistischexpiallegetisch - Wortkreation bei Mary Poppins
Taugenichts - für nichts zu gebrauchen

unprätentiös - unauffällig, uneingebildet
vermaledeien - verfluchen, verwünschen
verkrümeln - davonstehlen, davonmachen, auflösen
Wiesenschaumkraut - Pflanze



(Werkstatt heisst: Dieser Text ist nicht abgeschlossen)



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