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Dienstag, 26. Juni 2012

Hedy




Hedy

Sie ist halt etwas zurückgeblieben, sagten sie alle über Hedy, solange ich mich erinnern kann.
Sie ist halt behindert, haben sie jedoch damit gemeint - behindert im Kopf, dachten sie doch alle.
Ein bisschen recht hatten sie ja und trotzdem lagen sie falsch.
Denn Hedy war nicht behindert, sie wurde gehindert, zuerst vom Gehör und den Augen, dann von Lehrern, Eltern und der Schwester und später auch noch von einem Mann.
Sie alle haben vieles bei ihr verhindert, weil sie in erster Linie in Hedy, eine Behinderte sahen.

Das kam so, weil Hedy von Anfang an schlecht hörte. Dafür konnte sie nichts, das war nicht ihr Fehler, nein, es war einfach ein Geburtsfehler.
Darum kann man auch niemand anderen dafür beschuldigen. Schuldig machten sich einige erst, als sie vieles falsch machten.
Vielleicht aus Unwissenheit, oft jedoch, aus einer eigennützigen und kurzsichtigen Sichtweise. Doch wirklich kurzsichtig war doch eigentlich Hedy und trotzdem machte sie am wenigsten falsch. Doch sie hatte die fatalen Folgen der Fehler der anderen ein Leben lang zu tragen.

Die Zeiten waren schwer als Hedy zur Welt kam, denn sechs Kinder waren bereits da und als die Jüngste fünf wurde, begann gerade der zweite Weltkrieg.
Ihre Mutter hat wohl nichts von der Schwerhörigkeit der Kleinen gemerkt, auch wenn sie erst spät zu reden begann. Eine Träumerin sei sie halt, sagte Mama manchmal und die Grösseren mussten der Kleinsten helfen.
Der gleichen Meinung waren auch ihre Lehrer, die wegen des Krieges sehr oft wechselten. Kaum waren sie da, da gingen sie wieder und so hat man in der Schule eben nicht bemerkt, dass Hedy nicht gut mitkam, weil sie vieles nicht gehört und verstanden hatte. Doch hätte es einer geahnt, wie gesagt, kaum war er da, war er auch schon wieder weg.
Zu dieser Zeit ging es doch darum, ein ganzes Land zu verteidigen, da konnte ein kleines, stilles Mädchen, das schwerhörig war, halt leicht übersehen werden.
Jeder neue Lehrer wurde gleich darauf aufmerksam gemacht, dass die Kleine halt nicht mit den anderen Schritt halten konnte und das half vermutlich mit, dass keiner auf die Idee kam, dass Hedy eher schwerhörig – als schwer von Begriff war.
Dazu kam, dass sie auch nicht besonders gut sah. So waren die Buchstaben auf der Wandtafel halt etwas verschwommen. Aber man merkte erst (zu) spät, dass nicht ihr Geist umnebelt war, sondern, dass sie nur nicht klar sah. So hat sie eben vieles eher nach Gefühl gemacht – das war sie sich so gewohnt, seit ihrer Geburt. Eine geeignete Brille bekam sie erst nach der fünften Klasse, doch da ging Hedy bereits sechs Jahre zur Schule. Sie wurde einfach immer mitgeschleift, von Klasse zu Klasse, ausser einmal, da blieb sie sitzen. Sonderschulen kannte man damals dort eben noch nicht.


Nach der Schule versuchte man gar nicht erst eine Lehrstelle für Hedy zu finden. Für Mädchen war ein Beruf zu dieser Zeit nicht üblich und für Hedy, die Zurückgebliebene, schon gar nicht. Junge Frauen sollten damals bald heiraten, Kinderkriegen und Haushalten, das genügte für ein Frauenleben in der damaligen Zeit. Zudem hätte so eine Lehrstelle ja noch etwas gekostet, nein, das war für Hedy, nun wirklich nicht nötig
Also nahm Hedy eine Arbeit in einer Fleischfabrik an. Sie verpackte getrocknete Fleischspezialitäten. Diese Arbeit war einfach und verlangte vor allem schnelle Hände – und Hedy war flink, sehr flink sogar. Sie war die Schnellste und bald die Beste. Denn sie verrichtete ihre Arbeit still und sprach wenig mit den Anderen. Klar, sie hätte sie im Lärm der Verpackungsmaschinen ja auch kaum verstanden. Zudem redeten die Mitarbeiterinnen auch nicht so gerne mit ihr, denn mit Hedy musste man immer sehr laut sprechen und sie gab dann noch lauter Antwort. Dadurch hörten alle mit, auch der Chef.
Doch der mochte sie gut. Vor allem, weil sie so schnell war und auch, weil sie nicht auf die Idee kam, nach mehr Lohn zu fragen. Sie war ja eine Behinderte und die hatten froh zu sein, dass sie jemand nahm. So sah man es auch Zuhause und darum fragte Hedy nicht nach mehr Lohn oder kam auf die Idee, sich nach einer andere Arbeit umzusehen.
Die Arbeitstage waren dafür lang. Morgens musste sie nach einem halbstündigen Marsch um halb sieben "auf den Zug" und nach der Arbeit fuhr sie am Abend eine gute halbe Stunde mit der Eisenbahn auch wieder zurück. Zuhause angekommen half sie, wie sie es sich als Jüngstes seit je her gewohnt war, der Mutter im Haushalt. Zu tun gab es viel, denn ihr Vater war schon mit fünfundfünfzig Jahren durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt und konnte nicht mehr arbeiten. Zwei ihrer Brüder wohnten auch noch zu Hause, der eine, weil er mit dreissig noch ledig war, der andere, hatte schon eine Scheidung hinter sich. Für sie war Hedy nützlich, denn sie war flink, kochte ordentlich, machte die Wäsche, wusch Geschirr, putzte Schuhe und sagte nicht viel, weil sie sowieso nichts verstand. Dafür brachte sie von der Arbeitsstelle oft Fleisch mit nach Hause, das sie als Angestellte günstiger einkaufen konnte. Das entlastete das Haushaltungsgeld und darüber war man allgemein froh.

Schon früh warnte man Hedy, dass sie sich vor Männern gut in acht nehmen müsse. Die würden solche Mädchen wie sie, sowieso nur "ausnützen". Männer seien darum gar nicht gut für sie , erst recht nicht, weil sie ja als Behinderte nicht so recht „Bescheid“ wisse. So kam Hedy auch nie auf die Idee, sich mit einen Mann einzulassen oder gar einen Freund zu haben. Sie war froh, geborgen im Elternhaus zu sein.

Eine ihrer älteren Schwestern, die kinderlos in einer grossen Stadt verheiratet war, warnte sie und die Eltern immer besonders eindringlich, wenn sie nach Hause zu Besuch kam. Denn sie kannte sich in „solchen Dingen“ aus und hatte schon oft von derartig schlimmen Schicksalen gehört. Zurückgebliebene Mädchen, verludert, die dann ein Kind bekamen, vielleicht auch noch ein Behindertes, das ohne Vater und später vermutlich verwahrlost und asozial aufwuchs – nein, das durfte nicht sein! Sowieso nicht in diesem Dorf – man hätte sich ja in Grund und Boden schämen müssen!
Denn als Sekretärin bei der halbstaatlichen schweizerischen Stiftung Pro Juventute, wusste sie doch ganz genau, was gut für Kinder ist und in welchen Verhältnissen sie aufzuwachsen haben. Denn dort kümmerte man sich seit 1912 um das allgemeine Kinderwohl und setzte sich unter anderem auch für die Kinderrechte ein. Es ist unbestritten, dass viel Gutes bei dieser Organisation entstanden ist , aber es herrschte zum Teil auch ein Gedankengut, das ethische und rechtswidrige Grenzen überschritten hat und deren Folgen und politische Aufarbeitung bis heute noch nicht abgeschlossen ist.
Davon zeugt das bereits 1926 entstandene Projekt „Kinder der Landstrasse“.
Mit Unterstützung der Vormundschaftsbehörden wurden Kinder von Fahrenden, insbesondere Jenischen, ihren Familien entzogen. Bis 1972, als das Projekt nach öffentlichem Druck eingestellt wurde, waren davon rund 600 Kinder betroffen. Ziel von „Kinder der Landstrasse“ war es, die Kinder dem Einfluss der als asozial beurteilten minderheitlichen Lebensverhältnisse zu entfremden und sie an die vorherrschende mehrheitsgesellschaftliche Lebensweise anzupassen. Ein weiteres Ziel war die Entwicklung der Kinder zu "brauchbaren" Arbeitern für die Gesellschaft. In diesem Zusammenhang muss man auch die, durch eine eugenische Politik motivierte Inhaftierung von sogenannten „liederlichen“, ledigen Frauen sehen, die zu hunderten zwangssterilisiert wurden.

Für Hedy's Schwester war ganz klar, es musste unbedingt verhindert werden, dass eine wie das Hedy, ein Kind bekommen konnte. Darum setzte sie alles in Bewegung, ging zu manchem Arzt, setzte sich mit allen Ämter auseinander, damit Hedy unwiderruflich „unterbunden“ wurde, nachdem ihr schon früher die Mündigkeit abgesprochen worden war. Das war gut für Hedy, so konnte ihr nichts passieren. Das war auch gut für ihre Mutter, der eine allfällige Schande erspart bleiben würde und Hedy blieb so auch sicher Zuhause und sorgte, nachdem der Vater gestorben war, wie vorgesehen für die kränkelnde Mutter. Das Geld, das sie alle die Jahre Zuhause abgab, konnte gut gebraucht werden, denn die Rente war klein, das eigene Häuschen kostete und Ersparnisse waren durch die frühe Krankheit des Vaters auch kaum vorhanden.

Als auch Hedy's Mutter starb, verzichteten die übrigen Geschwister zugunsten der jüngsten Schwester auf ihren Erbanteil, damit Hedy bis zu ihrem Lebensende ein gesichertes Zuhause hatte. Hedy war damals achtundvierzig Jahre alt.
Gut zwei Jahre später heiratete Hedy einen Mann, der zwölf Jahre älter war als sie. So ging die Haus- und Pflegearbeit für sie einfach wieder weiter.
Man stellt sich die Frage, wurde sie geliebt oder einmal mehr wieder ausgenützt?

Einige Jahre später verbrachte man sie aus undurchsichtigen Gründen in ein Heim, weit ab von ihrem Zuhause und der Ehemann übernahm nun das Häuschen ganz. Da dessen Unterhalt stark vernachlässigt wurde, musste es, nachdem der Ehemann in ein Pflegeheim eintrat, öffentlich zu einem bescheidenen Preis versteigert werden, um die horrenden Pflegeplatzkosten der beiden bezahlen zu können.

Hedy verstarb mit siebenundsiebzig Jahren – still und leise und ohne, dass die Verwandtschaft ihrer Geschwister etwas davon wusste. Der Zusammenhalt in der Familie war halt nie besonders gewesen.
Einige Monate später erfuhren sie davon durch ein Schreiben des Amtsvormundes. Darin wurde mitgeteilt, dass Hedy einen kleinen Nachlass hinterlassen hat, der nun an die Erben verteilt und nach der Unterzeichnung des Erbvertrages ausbezahlt wird.

Lange habe ich mit der Unterschrift gezögert, denn es machte mir doch etliche Mühe, nun vom „armen“ Hedy noch beschenkt zu werden, einfach, weil sie meine Tante war. Auch ich hatte sie lange Zeit nur als Behinderte wahrgenommen und ich hatte mich seit Jahrzehnten nicht mehr um sie gekümmert.
Dafür schäme ich mich und Hedy, dafür entschuldige ich mich bei Dir.







.))




"Unmögliches wird sofort erledigt -
Wunder müssen noch etwas warten!"

.... und das "Alltägliche" hat im Moment gar keinen Platz.

Bis bald........



;))

Sonntag, 10. Juni 2012




Man kann von mir doch nicht verlangen, 
dass ich mich bei meinem Schatten entschuldige, 
dass die Sonne scheint.




;))

Montag, 4. Juni 2012

Teil 3 von: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?








Die Entscheidung
Teil 3: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?


Sybille wird vom freudigen Jaulen eines Hundes hinter ihrem Rücken aus den Gedanken gerissen.
Sie sitzt bereits eine gute halbe Stunde auf der obersten Holzbank der nördlichen Hangseite in der angenehmen Morgensonne. Dabei wird sie von drei einzelnen hohen Tannen bewacht, die ziemlich schutzlos als Einzige, nach dem heftigen Lothar-Sturm, vom dichten Wald übrig geblieben sind. Die drei arg zerzausten Bäume stehen jedoch trotzig auf der Hügelkuppe, scheinbar sinnlos wie die letzten tabakgebräunten Überbleibsel eines sonst zahnlosen, greisen Mundes. Aber Sybille spürt immer wieder deutlich, welch grosse Widerstandskraft von ihnen ausgeht. Darum sitzt sie gerne da und lässt ihren Blick gedankenverloren über das zu ihren Füssen liegende Städtchen und die mächtige, noch schneebedeckte Bergkette schweifen.
Weitblick und Bodenhaftung, zwei Eigenschaften die Sybille erstrebenswert erscheinen.

Sie dreht sich hastig um und erkennt sofort den kleinen Hund, der seinem Besitzer um eine Leinenlänge voraus rennt. Dabei wedelt er so heftig mit dem Schwanz, dass dadurch das ganze Tier fast ins Trudeln gerät.
Durch das Jaulen und heftige Ziehen seines Begleiters aufmerksam gemacht, hebt nun auch Thomas den Kopf und, als ob er zuerst aus einer weit entfernten Welt zurückkehren müsste, dauert es einen Moment, bis er Sybille wirklich wahrnimmt. Ein Lachen auf seinem Gesicht bestätigt ihr seine Freude und seine Schritte verlängern sich unweigerlich.
Schnell erreicht er ebenfalls die Sitzbank, und nachdem sie den närrisch gewordenen Hund etwas beruhigt und die ausziehbare Hundeleine entwirrt haben, fragt Thomas, ob er sich zu ihr setzten darf.
"Ja gerne, wenn du möchtest?“
Mit einem strahlenden Nicken rückt Sybille etwas zur Seite.
Ich freue mich, dich zu sehen, Thomas, auch wenn ich dich vor einer guten Woche so gemein versetzt habe", sagt sie dabei und senkt beschämt den Blick.
"Hast du?", fragt Thomas milde lächelnd.
"Ja, leider", gesteht Sybille leise. "Ich habe es inzwischen mehrmals bereut. Aber ich habe mich irgendwie nicht getraut, mich bei dir zu entschuldigen. Darum bin ich seither am Morgen immer auf dieser Hangseite laufen gegangen – um dir auszuweichen. Doch dadurch wurde es täglich noch schwieriger, dir zu begegnen. Nun bin ich froh, dass wir uns getroffen haben.“
Thomas lächelt, schweigt aber.
„Nur einmal“, sagt darauf Sybille ergänzend, „bin ich abends, als mich die Unruhe nach draussen getrieben hat, auf der anderen Seite gewesen. Dabei habe ich die Rehgeis mit ihren zwei Kitzen gesehen. Die sind so klein und so härzig.– hast du sie auch schon gesehen, Thomas?"

"Nein, sie haben sich vermutlich wegen des Hundes vor mir versteckt", meint er bedauernd.
Nach einer kurzen Pause fährt er fort: "Ich habe noch zwei-, dreimal am Morgen bei der Hütte auf dich gewartet. Ich dachte zuerst, dass dir vielleicht etwas dazwischengekommen sein könnte. Aber dann habe ich schon angenommen, dass du nicht mehr zusammen mit mir laufen willst."
"Nein, nein Thomas!", entgegnet nun Sybille heftig und ihre Mundwinkel ziehen etwas nach unten.
"Das ist überhaupt nicht der Grund, bitte glaub mir! Ich hatte einfach Angst, dass ich mich... "
Sybille stockt. "Ich meine, dass zwischen uns etwas entstehen könnte, das ich nicht mehr im Griff habe“.
Sybille machte eine kurze Pause. „Ach weisst du, es ist einfach so, dass ich nicht wusste, wie ich mich verhalten soll, was richtig, was falsch ist und ..."
Sybille sucht nach Worten, schaut in die Weite und schiebt dabei ihre aneinander gepresst Hände zwischen die geschlossenen Oberschenkel.
"Ich meine, ich schätze dich sehr Thomas, auch deine Meinungen und, ja, ich bin auch gerne mit dir zusammen. Die Stunde, die wir miteinander laufen, gibt mir viel und ich habe dich..., ähm, also..., das gemeinsame Laufen in den letzten Tagen wirklich sehr vermisst. Ständig bist du mir durch den Kopf gegangen und oft habe ich befürchtet, dass ich dich nun verloren habe.“

Sybille fährt kurz darauf mit gedämpfter Stimme fort: Ich möchte wirklich nicht auf dich verzichten. Ich möchte dich als Freund und Gesprächspartner behalten, denn so jemanden hat mir schon immer gefehlt.“
Sybille wendet sich wieder zu Thomas und meint etwas heftig: „Ist es denn nicht möglich, dass wir einfach nur befreundet sind? Ich möchte einfach nicht, dass jemand dadurch verletzt wird oder, dass daraus eine ..., eine Affäre wird."
Erleichtert, also ob sie Schweres abgeladen hätte, lehnt sich Sybille an die Rücklehne und atmet hörbar aus.

Thomas, der noch immer etwas verkrampft, aufrecht sitzt, wendet seinen Kopf langsam zu ihr hin und sagt: "Ja, von mir aus, gerne. Ich habe mir in den letzten Tagen auch oft Gedanken über Dich und unsere noch junge Freundschaft gemacht. Mir ist der Kontakt mit dir ebenfalls ans Herz gewachsen – ich glaube gar, in dir eine Seelenverwandte gefunden zu haben, so sehr ähneln wir uns. Darum konnte ich einfach nicht verstehen, warum du die Begegnungen abgebrochen hast. Hundert Mal habe ich in der vergangenen Woche überlegt, ob ich beim letzten Mal vielleicht etwas Falsches zu dir gesagt habe. Nun bin ich wirklich erleichtert, dass es nicht daran gelegen hat."

"Nein, Thomas, das hat es wirklich nicht!", bekräftigt Sybille ernsthaft. "Du hast dich absolut korrekt verhalten.
Es sind meine Gefühle, die mich verunsichert haben und aus Angst, dass ich mich ernsthaft in dich verlieben könnte, wollte ich dir aus dem Weg gehen.“ Sybille seufzt. „Aber, dass das hier nicht möglich sein kann, ist mir schon klar. Wir mussten uns ja zwangsläufig irgendwann wieder über den Weg laufen, sowieso, wenn wir wirklich Seelenverwandte sein sollten.“
Bereits lacht Sybille bei den letzten Worten wieder und für sie scheint die Sache damit geklärt zu sein.

Doch Thomas will die Gunst der Stunde nun gleich nutzen und bei Sybille Klarheit schaffen.
"Ich freue mich natürlich auch, wenn wir wieder gemeinsam statt einsam laufen“, sagt er bestätigend. „Ich finde auch, dass wir uns auf Anhieb doch sehr gut verstanden haben. Wir haben trotz des grossen Altersunterschiedes die gleiche Wellenlänge und sicher einen besonderen Draht zueinander. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mir dir befreundet zu sein.“
„Doch deine Bedenken sind schon nicht ganz unberechtigt. Die Gefahr des Verliebtseins besteht natürlich, nicht nur bei dir. Dass ich dich etwas verunsichert habe, war nicht zuletzt auch meine Schuld und ich muss zugeben, dass ich es auch genossen habe. Ich habe es herausgefordert, mit dir geflirtet und ehrlich gesagt auch ziemlich mit deinen Gefühlen gespielt. Das ist nicht in Ordnung und soll auch nicht wieder vorkommen. Versprochen!
Aber ich würde wirklich gerne ein väterlicher Freund zu dir sein und dabei soll es auch bleiben. Eine weitergehende Beziehung kann es für mich auf keinen Fall geben.“
Sybille nickt, ohne Thomas anzusehen.
„Siehst du das auch so?“, fragt Thomas darum nach. „Abgemacht?“
„Ja klar, abgemacht, Thomas. Und sollte ich es wieder vergessen, erinnerst du mich bitte daran“, sagt Sybille lachend.
„Was ist mit deinem Mann?“, fragt Thomas, „meinst du, das geht auch mit ihm so in Ordnung?“
„Ja, ich habe ihm bereits gesagt, dass ich dich kennengelernt habe und, dass wir oft zusammen vormittags laufen. Auch wenn er erst mürrisch reagiert hat, glaube ich schon, dass er nichts dagegen hat. Er meinte jedenfalls, dass er nun an den Wochenenden ebenfalls ab und zu mit mir in den Wald kommen würde und er dich dann ja vielleicht mal kennenlernen würde.“
„Ja, klar“, meint Thomas darauf. „Das ist sicher gar nicht schlecht. Es ist auch gut, dass er es von dir direkt erfahren hat, bevor es jemand anderes ihm gesteckt hätte. Offenheit schafft Vertrauen.“

Der Hund ist inzwischen aufgestanden und schnuppert am Boden herum, während die beiden schweigend nebeneinandersitzen und über die letzten Minuten nach denken.
„So, ich muss zurück, es ist schon spät“. Sybille steht auf und fragt Thomas: „Kommst du auch gleich mit hinunter, oder willst du noch hier bleiben?“
„Nein, ich komme mit – und morgen treffen wir uns wieder bei der Hütte?“
„Ja, gerne und dann zeige ich dir die jungen Rehe..........“

©® Copyright by Herr Oter



;)

Freitag, 1. Juni 2012

Erste Bilder der Rehkitze




Erste Bilder der Rehkitze:





Es sind zwei! Schade, dass Thomas nicht dabei war.
Liebe Grüsse von Sybille




:))

Donnerstag, 31. Mai 2012

Mittwoch, 30. Mai 2012




Glück

Glück
ist eine stille Stunde
Glück
ist auch ein gutes Buch
Glück
ist Spaß in froher Runde
Glück
ist freundlicher Besuch.
Glück
ist niemals ortsgebunden
Glück
kennt keine Jahreszeit
Glück
hat immer der gefunden
der sich seines Lebens freut.

Clemens von Brentano

(1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz) bis 1842 in Aschaffenburg) war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik.


:)

Dienstag, 29. Mai 2012

Teil 2 von: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?





Wann beginnt eigentlich ein Seitensprung?
Teil 2 von: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?

Vielleicht kommt sie ja auch heute wieder etwas früher, denkt Thomas und streckt ungeduldig den Hals, damit er etwas weiter, als nur bis zur Wegbiegung sehen kann. Aber von Sybille, seiner Laufpartnerin, ist noch weit und breit nichts auszumachen.
Thomas ist extra etwas früher zum vereinbarten Treffpunkt beim offenen Waldarbeiterunterstand gekommen, weil Sybille in den letzten Tagen immer bereits schon hier war und auf ihn gewartet hatte. Ihm ist es ja durchaus angenehm, wenn sie etwas mehr Zeit zum gemeinsamen Wandern haben. Denn Zeit hat er ja genug und schon oft sind sie vor lauter Trödeln und Tratschen, diversen Umwegen oder nicht enden wollenden Gesprächen, etwas spät vom Rundgang zurückgekommen.
Doch vom Schönen bekommt man halt nie genug, denkt Thomas und ein leises Lächeln huscht über sein sauber rasiertes Gesicht.

Thomas hat seit Tagen eine ausgesprochen gute Gefühlslage und das hat eindeutig nur mit Sybille zu tun. Seit Wochen ist sie ihm ab und zu begegnet und nicht ganz ohne sein Zutun und seinem Zeitmanagement wurde immer etwas mehr Absicht aus dem Zufälligen.
Doch damit hat Thomas zu Beginn gar nicht rechnen dürfen. Er wagte anfangs nicht einmal, sich irgendwelche Hoffnungen darüber zu machen, dass ihn diese nette Frau — die in schlichten Kleidern und mit schnellen Schritten, fast etwas scheu durch den Wald marschierte — auch nur beachten würde. Die Aussichten waren mehr als hoffnungslos und trotzdem wurde er von Anfang an, wie mit einem Magnet von ihr angezogen und mit der Zeit ging er nur noch auf der Südseite mit seinem Hund spazieren — in der Hoffnung, vielleicht doch wieder auf sie zu stossen.
Auch schien es ihm noch vor kurzem undenkbar, dass so eine junge Frau — die ja seine Tochter hätte sein können — mit ihm reden, geschweige denn laufen würde, auch wenn sie ihn jedes mal freundlich grüsste und dabei anlächelte. Und was für ein Lächeln, das ging ihm durch Mark und Bein, ganz hinunter und gerade nochmals hinauf. Ja, sie machte ihn beinahe etwas „wuschig“.
Alleine die Vorstellung, mit ihr gemeinsam durch die Wälder zu streifen, versetzte ihn dann den ganzen Tag über in ein Hochgefühl.

Aber es ist nicht eine körperliche Anziehungskraft die seine Fantasie beflügelt - denn das ist ihm im Gegensatz zu früher, in den letzten Jahren zu einem immer weniger wichtigen Bedürfnis geworden. Zudem ist er in puncto Erotik, Zuhause bei seiner Partnerin bestens aufgehoben.
Nein, es ist der immer grösser werdende Wunsch nach Begleitung, Abwechslung und guten Gesprächen. Er spürt zunehmend eine innere Einsamkeit, die sich manchmal wie eine kalte Faust um sein Herz schliesst. Immer öfter befällt ihn eine tiefe Sehnsucht nach einer richtig guten Freundschaft.
Oder, macht er sich bei ihr vielleicht ganz unbewusst die Hoffnung, dass sie seine, bei der Geburt verstorbene Tochter, würde wenigstens etwas ersetzen können? Die wären ja etwa gleich alt und so ganz hat er diese Tragödie, obschon er noch zwei tolle Söhne hat, nie verkraften können. Manchmal war er überzeugt, dass eine Tochter noch heute für ihn da wäre, als Bindeglied zur Familie sozusagen. Die Töchter bleiben immer dem Vater, die Söhne eher der Mutter, sagt man doch, oder?

Jedenfalls ist es ihm gar nicht unangenehm, dass es nun eine Frau ist, die diesem aufkeimenden Wunsch nach einer soliden Freundschaft gerecht wird.
Denn, er kann mit Frauen einfach besser umgehen und schon immer hat er auch lieber mit Frauen zusammengearbeitet. Das geklappt einfach besser als mit den Männern, deren Macho-Gehabe er nicht ausstehen kann.
Auch kommt er mit Frauen komischerweise viel eher ins Gespräch und kennt sich darum in deren bevorzugten Themen besser aus, als bei den üblichen Männer-Diskussionen über Autos, Fussball, Militär und damals flachgelegten Frauen. Ein „Frauenversteher“ sei er halt, hat man ihm auch schon gesagt, aber dieses Wort mag er gar nicht.
Aus seiner Sicht sind Frauen in ihren Haltungen einfach oft viel diplomatischer und kompromissbereiter — wenigstens die meisten –  oder die Reiferen oder einfach die, die nicht um jeden Preis "ihren Mann stellen" wollen.
Auch hat er oft die Erfahrung gemacht, dass gemischtgeschlechtlicher Gedankenaustausch meistens spannender und lehrreicher ist, weil die Diskussionspunkte aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln eingebracht werden. Auch beim Philosophieren im monatlichen Café Philo schätzt er es, dass immer einige Frauen mit dabei sind. Und wenn es beim Debattieren dann noch etwas knistert, findet Thomas, gibt das dem Ganzen doch erst das richtige Feuer und gleichzeitig verhindert die grössere weibliche Diplomatie, dass sich die Fronten verhärten.

Aber natürlich birgt eine innige Freundschaft mit dem andere Geschlecht auch gewisse Gefahren in sich. Das mehr daraus entstehen kann, dessen ist er sich voll bewusst. Es gibt sogar nicht wenige die behaupten, dass Hetero-Freundschaften gar nicht möglich sind, ohne, dass der eine mehr vom anderen will.
Aber diese Gefahr scheint ihm bei Sybille berechenbar. Denn einer möglichen Verliebtheit seinerseits, steht für ihn ganz klar ihre Jugendlichkeit im Weg.
Er ist sich bewusst, das es sich bei einer körperlichen Annäherung höchstens um eine zeitlich begrenzte Affäre würde handeln können und dafür ist ihm seine langjährige Beziehung zu seiner zwar fast gleichalterigen, aber dennoch sehr attraktiven Lebens-Partnerin zu schade. Auch würde er, davon ist er überzeugt, bei einem Liebesverhältnis bloss eine Partnerschaft gegen eine andere austauschen und damit vermutlich, die vielleicht neu gewonnene und lange ersehnte Freundschaft mit Sybille gleich wieder kaputt machen. „Liebe zerstört Freundschaft“, sagt doch der Volksmund. Das aber, konnte für ihn doch langfristig kein Zugewinn sein. Sondern vermutlich eher ein schlechter Tausch, denn als "Liebhaber" kann er mit seinen bald fünfundsechzig Jahren langfristig doch sowieso nicht mit ihrem dreissig Jahre jüngeren Mann konkurrieren.
Aber als väterlicher Freund kann er ihr vielleicht durch seine Lebenserfahrung, seine Gelassenheit und seine etwas anderen Ansichten doch etwas Attraktives bieten. Denn das ist ihm schon noch wichtig, dass in einer ausgeglichenen Freundschaft jeder vom anderen profitieren kann. Er von ihrer spritzigen Jugendlichkeit, sie von seiner Altersweisheit.

Aber eben, würde es auch für Sybille bei einer zwar innigen, aber dennoch begrenzten Freundschaft bleiben?
Dass sie sich in letzter Zeit etwas verändert hat, mit ihrem Äusseren und bestimmten Bemerkungen ihre gewachsene Sympathie zu ihm durchblicken lässt, das ist ihm schon auch aufgefallen. Aber er wollte sie bisher noch nicht stoppen — zu schön ist dieses mystische Spiel des Flirtens, zu sehr streicheln ihre warmen Blicke seine Seele und zu gross ist die Angst, dass sie einen Rückzieher machen könnte. Aber, dass er das Thema ansprechen muss, das ist ihm ganz klar und eigentlich hat er es sich bereits für heute vorgenommen. Noch bevor es auch ihm den Ärmel ganz hineinnimmt und er die Distanz oder die Kraft für einen Stopp nicht mehr hat. Er ist der Ältere, er muss der Vernünftigere sein und er hat ganz klare Grenzen zu ziehen und Abmachungen einzufordern.

Ein Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass die vereinbarte Stunde bereits klar überschritten ist.
Vielleicht ist ja etwas dazwischen gekommen und nun bedauert er bereits, dass er ihr nicht seine Mobiltelefon-Nummer gegeben hat. Aber gerade das ist ihm bisher zu persönlich gewesen, wenigstens vorläufig.
Zudem, wie soll er diese neue Bekanntschaft seiner Partnerin erklären, wenn Sybille ihn in ihrem Beisein anrufen würde oder er ein schellendes Telefon einfach nicht beantwortet?
Seine Liebste ist manchmal sonst schon ziemlich empfindlich wenn er seine Mail-Kontakte zu offensichtlich pflegt oder zu häufig in ihrem Beisein twittert. So ein heikles Gespräch würde sowieso nicht einfach, denn bei schwierigen Themen wie ihre Beziehung, den jeweiligen Kindern oder anderen delikaten Diskussionen ist sie doch ziemlich introvertiert.

Aber manchmal ist er ja selber ziemlich unsicher darüber, ob er seine Partnerin bereits betrügt, wenn er mit Sybille ohne ihr Wissen täglich eine Stunde harmlos gemeinsam durch den Wald spaziert oder wenn dabei halt auch ziemlich Persönliches aus ihrer Beziehung zur Sprache kommt.
Er hat sich schon oft besorgt gefragt, ob man seinen Partner in Gedanken betrügen kann?
Wann beginnt ein Seitensprung eigentlich? Ab wann betrügt man? Bereits beim Denken, beim Flirten, mit Briefen, bei heimlichen Treffen mit tabulosen Gesprächen oder erst beim offensichtlichen Begehren und wenn es körperlich Intim wird?

Bei seinem ehemaligen Freund hatte er sich darüber gar nie Gedanken gemacht. Vermutlich einfach, weil der ein Mann war und ein Seitensprung gar nicht in Betracht gezogen wurde, von niemandem. Gegenseitig hat man gedankenlos über seine Ehefrauen geredet, mal geschwärmt, öfter geklagt. Dass die dabei ausgeplauderten Eheprobleme bereits eine Verletzung des gegenseitigen ehelichen Vertrauens darstellen würde, oder, dass daraus Konsequenzen entstehen könnten, darauf ist Thomas damals gar nicht gekommen.
Doch auch daraus hat er gelehrt. Denn solche ausgeplauderten Intimitäten können einem später zünftig schmerzen, wenn sie wie ein Bumerang, einem selber wieder treffen. Auch den besten Freunden ist nicht immer zu trauen, musste er sich damals eingestehen.

Etwas sorgenvoll blickt Thomas auf seinen Hund, der nach einer Maus gräbt und heftig schnaubend fast zur Hälfte kopfvoran im Erdloch verschwunden ist.
Warum erinnert er sich jetzt plötzlich an den betörenden Körpergeruch von Sybille, den er gestern, zusammen mit einer Spur eines lieblichen Parfüms in einer sinnlichen Mischung wahr genommen hat, als sie sich zufällig beide gleichzeitig zum Hund bückten, als dieser jaulend aufschrie, weil ihn sein rheumatisches Hüftgelenk schmerzte.

Ein Schatten legt sich plötzlich auf die Seele von Thomas. Eisige Kälte und der bekannte innere Schmerz breiten sich aus. Sind es die, wieder einmal aufgetauchten Erinnerungen von früher, die Thomas gerade hinunterziehen wollen? Oder ist es die plötzliche Erkenntnis, dass Sybille vermutlich nicht mehr kommt?

Doch Thomas will jetzt nicht, wie sein Hund zu grübeln beginnen und dabei riskieren, dass dabei auch er den Kopf in den Sand steckt, wie er das gerne tut, wenn etwas Unangenehmes auf ihn zu kommt
Bewusst dreht er sich der immer höher am Himmel stehenden Sonne entgegen und beobachtet zur Ablenkung interessiert, wie zwei Pferde von oben her auf dem Fahrweg auf ihn zureiten. Synchron und rhythmisch schieben dabei die beiden aufrecht sitzenden Reiterinnen ihre Becken auf den Pferderücken vor und zurück. Einer Welle gleich setzt sich diese Bewegung durch den Oberkörper fort und endet in einem ständigen Nicken mit dem Kopf. Thomas fragt sich dabei, ob man bei diesem steilen Gelände nicht besser absteigen sollte.

"Komm Hund", sagt Thomas mit einem unterdrückten Seufzen, "das war wohl wieder einmal nichts. Schade, wirklich schade. Aber deswegen lassen wir uns den Spaziergang nicht entgehen – stimmt's mein alter Freund?"
Etwas widerwillig, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, setzen sich die Beiden in Bewegung und wandern den sonnenbeschienen, ansteigenden Fahrweg hinauf. Der entschwindende penetrante Pferdeduft und der Pferdemisthaufen auf der linken Strassenseite erinnern an die beiden Reiterinnen von vorhin, vielleicht sind sie ja "Beste Freundinnen".

©® Copyright by Herr Oter





Liebe Leserin, lieber Leser:
Wann beginnt eigentlich ein Seitensprung? Beim Denken, beim Flirten, mit Briefen, bei heimlichen Treffen oder erst beim Begehren und wenn's körperlich Intim wird?

Eure Meinung interessiert mich und könnte für den dritten Teil der Geschichte einen entscheidenden Einfluss haben.

Freitag, 25. Mai 2012







Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande.
Liegenbleiben ist beides.

(Konrad Adenauer)




:)

Donnerstag, 24. Mai 2012





Epikur sagt:
„Von allem, was die Weisheit 
für die Glückseligkeit des Lebens bereitstellt,
ist das weitaus Grösste, 
der Erwerb der Freundschaft.“



:)

Mittwoch, 23. Mai 2012




„Die Liebe 
geht darauf aus, 
aus zweien 
eins zu machen, 
die Freundschaft hingegen darauf, 
aus jedem zwei zu machen.“ 
(Schleiermacher)

Anmerkung: Passend zum Post von gestern!



Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher 
21. November 1768, (Breslau) bis 12. Februar 1834, (Berlin)

war protestantischer Theologe, Altphilologe, Philosoph, Publizist, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker und Pädagoge. Quelle: Wikipedia


:)

Dienstag, 22. Mai 2012

Teil 1: Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?








Kann Mann und Frau „nur“ befreundet sein?

Schwacher Pferdegeruch hängt zwischen den taufeuchten Tannenästen und auf dem nassen Waldweg sind die Abdrücke von Pferdehufen auszumachen. Ausser einer Maus – oder ist es doch ein junges Eichhörnchen gewesen, das vorhin verschreckt einen Baumstamm hinauf gerannt ist – sind Sybille jedoch keine weiteren Tiere begegnet. Auch die drei Rehe, die sie sonst fast täglich, während ihres Waldspazierganges irgendwo in einem Hang oder im Geäst ausmacht, hat sie bisher noch nicht erspäht. Doch, wie der Jagdaufseher letzthin meinte, könnte das Muttertier in den letzten Tagen auch bereits etwas abseits im dichten Unterholz ihre neuen Kitze gesetzt haben. Dann hätten sich auch ihre beiden Ricken aus dem Wurf vom letzten Jahr aus dem elterlichen Heimgebiet entfernt, um erst im Spätherbst wieder zur Mutter zurückzukehren, damit sie gemeinsam den Winter verbringen können.

Sybille erkennt, dass es zwei Reiter gewesen sein müssen, die vor kurzem, ihr voraus auf diesem schmalen Pfad entlang geritten sind.
Sie jedoch ist wie früher, wieder alleine unterwegs auf ihrem täglichen Spaziergang durch den Mischwald auf der südlichen Seite des idyllischen Städtchens. Sie hat heute Morgen auch – obschon sie absichtlich eine gute halbe Stunde früher aus dem Haus gegangen ist – nach der kleinen Brücke am Waldrand, den direkten, steileren Weg gewählt, damit sie ihm nicht doch noch begegnet, falls er verfrüht schon bei der Waldhütte auf sie wartet.
Denn ihre Entscheidung steht fest und wenn es sie auch etwas schmerzt, so ist es sicher vernünftiger, wenn sie in Zukunft wieder ohne ihn Laufen geht.
Jahrelang ist es ja auch ohne Begleitung gegangen und sie kann es auch geniessen, nur mit sich zu laufen. Aber immer öfter hat sie sich zwischendurch auch mal eine Begleitung gewünscht. Auch spürt sie manchmal eine kleine Eifersucht, wenn sie andere zu zweit oder zu dritt, schwatzend und lachend ihr entgegenkommen sieht. Aber irgendwie hat sie den Anschluss an eine dieser Frauengruppen einfach nicht geschafft. Vielleicht hat es mit ihrem Alter zu tun oder weil sie nicht von hier ist.

Sybille geht rasch und versucht nicht an ihn zu denken, aber es gelingt ihr nicht. Ihre Gedanken kreisen ständig um ihn und um ihre Begegnungen während den letzten drei, vier Wochen. Wie kurzweilig und abwechslungsreich sind ihre Waldspaziergänge doch plötzlich geworden, als sie zusammen gelaufen sind. Sie haben sich so gut verstanden und hatten sich immer soviel zu erzählen, dass sie kaum gemerkt hat, wie schnell so ein Vormittag verflogen ist und oft muss sie etwas verspätet nach Hause eilen, damit die Morgenarbeit erledigt und das Mittagessen rechtzeitig auf den Tisch kommt.
Erst traf man sich nur ab und zu und rein zufällig. Aus einem kurzen „Hallo“ wurde jedoch mit der Zeit ein „ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“ und dann schon bald ein verbindlicheres „Hallo, wie geht's ?“. Dabei konnte man etwas stehen bleiben und ein paar Worte über das Wetter, den Hund oder die Wildbeobachtungen austauschen. Mit der Zeit achtete sie dann darauf, dass sie immer zur selben Stunde und auch häufiger auf der südlichen Hangseite laufen ging.
„Ihm sei es genau gleich ergangen“, hat er später einmal mal lachend gestanden und so traf man sich mit der Zeit unweigerlich fast täglich scheinbar zufällig und doch gewollt. Bis man begann, sich für den nächsten Tag beim Unterstand der Waldarbeiter zu verabreden. Denn man könne doch gleich... und von Anfang an... wenn man sich doch sowieso immer... und zudem mache es doch mehr Spass zusammen.
Das war doch nichts als logisch, oder?
So wurden ihre gemeinsamen Spaziergänge zu einem täglichen Ritual, ausser am Samstag und am Sonntag, denn dann waren seine Kinder und beider Partner Zuhause und da ging es natürlich nicht.

Sybille ist inzwischen oben angelangt und nimmt nun in einem grossen Bogen den linken Waldweg, um auf der anderen Seite des Baches wieder ins Städtchen zu gelangen. Dabei kreuzt sie den Fitnessparcours beim Übungsplatz 7, der mit dem Reck. Gewohnheitsmässig hängt sie sich für einen Moment an eine der beiden Metall-Stangen, aber kraftlos lässt sie sich schnell wieder fallen. Auch für die Dehnübungen, die sie hier normalerweise macht und die sie in letzter Zeit ebenfalls vernachlässigt hat, findet sie heute nicht die nötige innere Ruhe. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass die Zeiger unweigerlich auf die mit ihm abgemachte Stunde zugehen.

Sybille setzt sich einige Meter weiter vorne, für einen Moment auf den Baumstrunk, der wie ein Thron in einer sonnenbeschienen Baumlichtung steht. Das ist ihr Lieblingsplatz und schon oft hat sie hier gesessen um Probleme zu zerlegen oder den Gedanken einfach freien Lauf zulassen.

Die Treffen mit ihm wurden ihr immer wichtiger, stellt Sybille fest. Denn sie kann sich perfekt mit ihm austauschen. Er nimmt sie ernst, wo sich ihr Partner verweigerte, er kann gut zuhören, aber auch sinnvoll reden. Er ist belesen, klug und hat natürlich mehr Lebenserfahrung als sie, denn vom Alter her, könnte er auch ihr Vater sein. Bei ihm fühlt sie sich gut aufgehoben. Eigentlich eine perfekte Freundschaft.
Aber, er ist ein Mann!
Schon bald hat sie bemerkt, dass sie nun auch zum Laufen vermehrt auf ihr Aussehen und ihre Kleidung achtet, während sie früher die ältesten Klamotten in den Wald anzog und sich erst nach dem Waldspaziergang duschte und aufhübschte. Zudem drängte sich dieser Mann zunehmend auch während des Tages zwischen ihre Gedanken. Das macht ihr Angst. Was könnte daraus entstehen?

Bleibt es bei einer Laufbekanntschaft? Sich traut sie das zu, aber was ist mit ihm?
Ist es möglich, dass ein Mann und eine Frau "nur" befreundet sein können, fragt sie sich?
Gibt es die reine Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt, so wie sie unter Frauen oder Männern möglich ist oder wird daraus nicht immer – zumindest mit der Zeit und vielleicht auch nur von einer Seite – Liebe? Ist zwischen den Geschlechtern nicht immer auch Begehren mit im Spiel?

Sybille will das nicht. Sie hat einen Partner, den sie liebt und sie will nicht, dass aus dieser Lauf-Gemeinschaft mehr entsteht. Sie will ihre Partnerschaft nicht aufs Spiel setzen, sondern möchte einfach ab und zu mit jemandem laufen und sich dabei gut unterhalten! Nichts weiteres soll daraus entstehen.
Aber ist das möglich mit einem Mann? Traut sie ihm das zu? Traut sie sich selber das überhaupt zu?

Sybille ist hin und her gerissen. Sie weiss einfach nicht, wie sie sich verhalten soll. Am Morgen war sie sich noch so sicher und nun zweifelt sie bereits wieder an Ihrer Entscheidung.
Sie steht mit einem Ruck auf und nimmt den Rest des Weges unter die Füsse.
Kurze Zeit später sieht sie hinüber zur Waldhütte – ihrem Treffpunkt.
Daneben steht ein älterer Mann mit seinem kleinen Hündchen und wartet noch immer auf sie.

©® Copyright by Herr Oter



Liebe Leser:
Ist eine reine Freundschaft zwischen Mann und Frau, so wie sie Sybille vorschwebt, überhaupt möglich – oder ist immer mehr im Spiel?
Eure Meinung interessiert mich und je nach dem, könnte es eine Fortsetzung der Geschichte geben.



.)

Montag, 21. Mai 2012




Manchmal vermag uns 
ein durch den Asphalt
brechender Löwenzahn 

die tägliche Frage nach
dem Sinn des Lebens eindrücklicher und

überzeugender zu beantworten,
als eine ganze Bibliothek
philosophischer Schriften.


Thornton Wilder
US-amerikanischer Erzähler und Dramatiker
1897 - 1975




:)

Sonntag, 20. Mai 2012

Freitag, 18. Mai 2012

Freitag, 27. April 2012




Mir gefallen meine terroristischen Einzel-Angriffe auf die friedlichen Buchstaben der Tastatur.  
Wieso soll ich auf die alten Tage hin noch das Zehnfingersystem lernen?
meint Herr Oter und lächelt genüsslich vor sich hin.


:-))

Mittwoch, 25. April 2012






Inder haben den Ruf, es mit der Pünktlichkeit nicht so genau zu nehmen. Dazu folgende Anekdote:

Ein Indischer und ein Schweizer Geschäftsmann sind auf Geschäftsreise.
Im Flugzeug sitzen sie nebeneinander und kommen ins Gespräch, ein Wort gibt das andere:
„Woher sind Sie?“ fragt der Inder.
Als sein Schweizer Nachbar geantwortet hat, sagt er:
„Ach, aus der Schweiz?“ „Das ist aber ein schönes Land!“
„Ja“, antwortet der Schweizer, „und wir machen die genausten Uhren der Welt“, sagt er stolz und erkundigt sich bei seinem Sitznachbarn:
„Und woher kommen Sie? Aus Indien? Da war ich auch einmal. Auf Geschäftsreise.
Ach, überall diese Warterei! Sagen Sie, wieso geht bei Ihnen alles immer so langsam?“
Der Inder überlegt kurz und sagt:
„Wissen Sie, Sie haben zwar die Uhren. Aber wir haben Zeit!“




:))

Sonntag, 22. April 2012

Die Arterienverkalkung hiess Fräulein Frey





Ich erinnere mich:
Die Arterienverkalkung hiess Fräulein Frey



Von einer Alzheimer-Erkrankung hatte damals, als ich ein Bub war, noch niemand gesprochen.
„Die hat „Arterienverkalkung“ flüsterte man hinter vorgehaltener Hand, wenn sich jemand im fortgeschrittenen Alter etwas komisch benahm. Ich meine mich auch erinnern zu können, dass man noch gerne dazu beide Augen ziemlich aufriss, um dem komischen Wort etwas Brisanz zu verleihen.
Doch unter dieser Bezeichnung, Arterienverkalkung, konnte ich mir als Kind nichts konkret vorstellen.
Kalk, ja, das war mir ein Begriff, aber Arterie – hatte das etwas mit Schiessen im Krieg zu tun? Nein, das hiess ja Artillerie.

Aber „die Arterienverkalkung“ hatte für mich ein handfestes Erscheinungsbild.
Sie hatte einen Familiennamen, einen Hund, ein Nachthemd und einen Wecker.
Fräulein Frey
 

Eine altledige Jumpfer, wohnhaft im Einfamilienhaus in der Kurve, am Beginn unserer Strasse, die eine Sackgasse war.
Fräulein Frey war alt, immer schon. Niemand von uns jungen „Stampfäckeler“ – so nannte man im Dorf die vom Quartier unter der Bahnlinie – wären je auf die Idee gekommen, dass Fräulein Frey einmal jung war. Nein, sie war schon immer alt, sehr alt.
Und sie hatte einen „Bless“ – einen schwarzweissen, giftigen Kläffer, vor dem wir immer unheimliche Angst hatten, auch wenn er nie jemandem etwas zu Leide getan hatte. Doch bis ich ein „grosser Junge“ war, getraute ich mich nie an ihm vorbei und regelmässig verliess mich in Anbetracht dieses Hundes alle neu dazugekommene Grösse, schlagartig.
Das hatte jedoch auch Vorteile für meine Mutter, denn sie musste uns, bis wir „gross“ waren, nie dazu ermahnen, uns nicht zu weit vom Haus zu entfernen – denn da war das Ende der Sackgasse und dort der bellende Bless.
Das änderte sich erst mit Rosi, die nach der Strassenkurve im Haus neben Fräulein Frey wohnte. Durch sie wurde ich ein grosser Junge, aber das ist eine andere Geschichte.

Es kam also vor, dass Fräulein Frey manchmal abends – wenn wir Kinder des „Stampfackers“ in der Sackgasse „Völkerball“ spielten, bis uns die  „Bettzeitglocke“ vom Kirchturm nach Hause schickte, – dass also besagtes Fräulein an uns vorbei, in Nachthemd und Hausschuhen schnellen Schrittes zum Bahnhof eilte, um dort an der grossen Bahnhofsuhr die genaue Zeit abzulesen und darauf ihren mitgebrachten, stehengebliebenen Wecker richtig einzustellen.
Das, war die Arterienverkalkung!
Denn damit wurde uns das komische Tun dieser Frau erklärt und jeder von uns wusste nun, was Arterienverkalkung war, nämlich Fräulein Frey.



Nachtrag:
Aus heutiger Sicht, sehe ich diese Marotte von Frau Frey schon etwas differenzierter.
Man muss bedenken, dass es nebst dem Radio, der damals nur alle paar Stunden mittels eines piep-piep-Tones vor den Nachrichten die genaue Zeit ansagte, keine Möglichkeit für Frau Frey gab, im Haus eine genaue Zeit für den stehengebliebenen Wecker zu erhalten. Es gab keinen Fernseher, noch hatten damals alle mehrere Uhren. So war für die alleinstehende Frau der Gang zum Bahnhof am nächsten.
Aber vermutlich sahen die Erwachsenen schon noch einige andere Anzeichen für eine Demenz.

©® Copyright by Herr Oter


:)












Samstag, 14. April 2012

Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken





Zwei schreckliche Ereignisse geben zu Denken

Zwei schreckliche Ereignisse der letzten acht Monate haben mich nachhaltig erschüttert.
Beide Male gab es leider sehr viele Tote zu beklagen und die Opfer waren vor allem Kinder und Jugendliche.

Das erste Ereignis geschah am 22. Juli 2011:
Das Massaker von Utøya
Nach einem schweren Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo – mit acht getöteten und zehn verletzten Menschen – hat der 32-jährige Attentäter aus islamfeindlichen Motiven heraus, zwei Stunden später auch ein Ferienlager mit 560 norwegischen Jugendlichen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei AUF, auf Utøya – einer kleine idyllische Insel rund 30 Kilometer westlich der norwegischen Hauptstadt – in ein Blutbad verwandelt. Dabei schoss der Täter etwa 90 Minuten lang mit einer halbautomatischen Waffe wahllos auf die unbewaffneten Opfer und so kamen bei diesem Massenmord nochmals 69 junge, unschuldige Menschen ums Leben. Dazu wurden viele verletzt und unzählige nachhaltig traumatisiert.
Der Attentäter (den ich hier bewusst nicht namentlich erwähnen möchte) steht zu seiner Tat und kommt in den nächsten Tagen vor Gericht.


Das zweite Ereignis war dann am 13. März 2012:
Das Car-Unglück im Kanton Wallis
Bei diesem tragischen Unfall – des mit 58 Personen besetzten, belgischen Reisecars – kommen 28 Menschen ums Leben.
Bereits nach zwei Kilometern prallt der Bus auf der Heimfahrt von einem Skilager im richtungsgetrennten Walliser Sierre-Tunnel auf der A9 in Sierre/Siders (Schweiz) ungebremst frontal in eine Wand.
Unter den Toten, die im Val d’Anniviers in den Skiferien waren, sind 22 belgische und niederländische Kinder, deren Lehrer und die beiden Busfahrer. 24 weitere Personen wurden verletzt, davon drei besonders schwer. Die getöteten Schüler im Alter von etwa zwölf Jahren stammten vorwiegend aus zwei Schulen in Heverlee (Flämisch-Brabant) und Lommel (Limburg).

Der Unfallhergang wurde umfassend untersucht, aber es konnte keine eindeutige Unfallursache gefunden werden. Alle Kinder waren angegurtet, der Bus in einem einwandfreien Zustand, man fand auch keinen technischen Defekt und die Auswertung des Fahrtenschreibers ergab, dass die vorgeschriebenen Ruhezeiten sowie die Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten wurden. Eine Interaktion mit anderen Verkehrsteilnehmern wurde nach Sichtung der Überwachungsbilder des Tunnels ausgeschlossen und die Autopsie des Fahrers ergab bei ihm kein gesundheitliches Problem, das zum Unfall geführt haben konnte. Es bleibt also ungeklärt, warum es zu diesem schrecklichen Unfall kam.


Wo sind die Parallelen in diesen beiden schrecklichen Ereignissen?
Beide Male sind junge Menschen die Opfer, was uns immer besonders bewegt.
Bei beiden Begebenheiten ist die Opferanzahl ausserordentlich hoch und besonders viele Angehörige, Verwandte und Freunde sind bei den Jugendlichen vom grossen Leid betroffen.
Bei beiden Tragödien gibt es viele Helfer, die unmittelbar mit diesem unsäglichen Leid in Berührung kommen und jeder muss irgendwie diese enorme Belastung und diese äusserst schrecklichen Eindrücke auf irgendeine Weise verarbeiten.
Beide Vorkommnisse sind in Ferienlagern geschehen und treffen also unerwartet Menschen, die in diesem Moment gerade besonders fröhlich, ausgelassen und glücklich waren.
Bei beiden Vorfällen ist die Anteilnahme enorm. Man sieht beeindruckende Bilder von endlos aufgereihten weissen Särgen, Menschenmengen die weinen und trauern, riesige Blumenmeere und tausende Kerzen und Beileidsbezeugungen. Personen in höchsten politischen Ämter halten tiefgründige Reden, der Papst gibt auch seinen Segen dazu und Sachverständige und Psychologen helfen uns, das alles zu begreifen und einzuordnen.


Was sind die Unterschiede bei den beiden Geschehnissen?
Beim Busunglück gibt es keinen Schuldigen – nichts, das man für die Tragödie verantwortlich machen könnte. Die ganze Aufmerksamkeit gilt somit ungeteilt den Opfern und deren Angehörigen, den stark geforderten Hilfskräften und allen übrigen Betroffenen. Wochen danach wird berichtet, dass nun die ersten Überlebende wieder in die Schule gehen und drei von ihnen in eine Klasse zurückkehren, in der vor dem Unfall 22 Schüler beisammen sassen. Davon werden 15 Stühle für immer leer bleiben. Das macht mich sehr betroffen!

Beim Attentat hingegen gibt es einen eindeutigen Täter.
Dieser Schuldige nimmt nach meiner Wahrnehmung mehr als die Hälfte der Aufmerksamkeit der Medien ein. Man mutmasst über den Attentäter, man sucht bei ihm nach Beweggründen, man bietet ihm Raum für seine abstrusen Behauptungen und Wahnvorstellungen und man spekuliert über den Terrorismus auf der ganzen Welt, was sich im Nachhinein als unbegründet erweist.
Dabei vergisst man nach recht kurzer Zeit schon fast die einzelnen Opfer. Die tausenden tragischen Schicksale, denen von einem Idioten in wenigen Minuten, zum Teil lebenslängliches Leid und unvergessliche, grässliche Erinnerungen zugefügt wurden. Wer berichtet in den Medien denn heute noch ausführlich von Opfern, die noch immer unter den traumatischen Folgen leiden und die zum Teil nach wie vor jede Nacht in Alpträumen diese schrecklichen Minuten wieder und wieder durchleben müssen? Wer schreibt noch von Angehörigen, die mit einem Mitglied der Familie weniger, für den Rest ihres Lebens auskommen müssen. Wer redet mit Helfern, die die Bilder, die sie gesehen haben, nicht mehr aus dem Kopf bringen.
Ich frage mich, interessiert sich die grosse Öffentlich nach nur acht Monaten wirklich nur noch für den Täter?

Denn für ihn nimmt man sich ausführlicher Zeit. Wöchentlich wird mehrmals über den Mörder berichtet. Man veröffentlicht sein über 1500 Seiten umfassendes, vor der Tat geschriebenes, abstruses Pamphlet. Man befasst sich mit seinen nicht nachvollziehbaren Beweggründe für den Massenmord an norwegischen Jugendlichen. Man untersucht seine Jugend und rapportiert ausführlich jeden Schritte des Attentäters zu einem Gerichtstermin oder einer Anhörung. Es wird über jedes Gutachten oder Gegengutachten berichtet oder man diskutiert seinen fragwürdigen, geistigen Zustand.
Man bietet damit dem Massenmörder die gewünschte Plattform, um seine absurden Ideen zu verbreiten und Anhänger oder Nachahmer möglicherweise zu motivieren. Man ermöglicht ihm seinem Geltungsdrang genüge zu tun und die sich gewünschte Öffentlichkeit zu erreichen.
Genau wie auch seinen mediengeilen vier (!!) Anwälten, die sich neustens, wie die amerikanischen TV-Stars der US-Anwaltserie "Boston Legal", in Gruppenfotos präsentieren und diesen Prozess mit völlig absurden Anträgen (z.B. plädieren sie auf Freispruch, weil der Täter aus Notwehr gehandelt hätte, gegen eine islamische Überwanderung) ins Lächerliche ziehen und sich bekannt machen wollen.

Ich muss die Frage stellen:
Braucht man bei einem unbelehrbaren und unverbesserlichen Massenmörder überhaupt noch über Geisteszustand, Beweggründe, Haftdauer und allfällige Wiedereingliederungsmassnahmen zu debattieren? Braucht dieser geständige und „hieb- und stichfest“ überführte 77-fache Massenmörder überhaupt vier Pflichtverteidiger, die er nicht will und die er auch nie wird bezahlen können?
Aus meiner Sicht genügt einer, der die Einhaltung der Rechte des Angeklagten, in diesem Verfahren überprüft und in Anspruch nimmt.
Wo beleibt bei solchen aberwitzigen Anträgen und befremdlichen Gutachten noch die Würde der Opfer und deren Angehörigen?
Wie muss es für die Beteiligten sein, solche bizarre Gründe für ihren Schmerz verantwortlich zu machen?
Dabei hat der Prozess noch gar nicht begonnen. Was blüht uns dann?


Ich frage mich,
interessiert sich
überhaupt jemand für die Details dieses Prozesses?

Ich nicht!
 
Mich interessieren die Einzelheiten dieses Prozesses überhaupt nicht.
Ich will nur noch zur Kenntnis nehmen,
dass dieser Massenmörder, nie mehr jemandem Schaden zufügen kann und dass er,

für den Rest seines Lebens weggesperrt wird.

® Copyright by Herr Oter



:((

Dienstag, 10. April 2012

Die nächste Blase ist kurz vor dem Platzen





Zu meinem Post von gestern, passt doch der Bericht des Infosperber ausgezeichnet:

Neue Zahlen im April lassen das Schlimmste befürchten:
Die Studenten-Darlehen in den USA belaufen sich auf über 1 Billion Dollar.

Die Summe aller geschuldeten Ausbildungs-Darlehen – die Studenten oder deren Eltern vom Staat als rückzahlbares Darlehen bekommen, damit sie die z.T. sehr teuren Colleges und Universitäten  besuchen können – ist mittlerweile höher als eine Billion Dollar – oder anders: höher als tausend Milliarden Dollar!


Erinnern sie sich noch an das
das diese Summe eindrücklich darstellt


Die Summe der Schulden für Ausbildungs-Darlehen ist somit höher als die Summe der Kreditkarten-Schulden und höher als die Summe der Schulden für auf Kredit gekaufte Autos.

Genau so, wie bei der Immobilienkrise vor wenigen Jahren, könnte auch diese Blase, wenn sie platzt, wieder einen grossen Teil der Weltwirtschaft betreffen und auch wir würden wieder, unverschuldet, mitbezahlen.

Und das Besondere daran: 
Von den Schuldnern sind viele bereits über 65 Jahre alt.
Allein diese Altersgruppe schiebt 36 Milliarden Dollar Schulden vor sich her.
Mit wenig Chance, je schuldenfrei zu werden.
 

Am besten liest man den gesamten Artikel bei Infosperber, denn er enthält einige interessante Fakten und Zahlen zu diesem Thema bereit.





:))

Sonntag, 8. April 2012

Amerikanische Schulden - sehr eindrücklich



Sich die amerikanischen Schulden bildlich vorzustellen ist gar nicht so nicht einfach ....



Um die Bilder zu sehen, 
bitte auf den Link: («Bild») drücken!



Das kennen Sie, eine 100-Dollar-Note
(«Bild»


Also etwas grösser sind die Schulden der USA schon.
Aber, diese berühmte und überall bekannte Banknote wird uns helfen, den Schuldenberg bildlich darzustellen.


Hundert dieser 100-Dollar-Scheine ergeben
dieses nette Bündel im Wert von 10.000 $. («Bild»


Mit diesen 10.000$ erfüllt man sich doch schon den einen oder anderen Wunsch.
Vielleicht Ferien oder ein kleines Auto?


Hundert dieser Bündel 
ergeben 1.000.000$ (eine Million). («Bild»)


Eine riesige Summe, die für uns reichen würde um sich viele Träume zu erfüllen, aber für die Meisten von uns ist dieses Scherflein nicht erreichbar.


Hundert dieser obigen Stapel 
sind demnach 100.000.000$ (einhundert Millionen). («Bild»)



Einhundert Millionen (100.000.000$) passen
noch gut auf eine genormte Transport -Palette.
Im Vordergrund zum Vergleich noch einmal das 10.000$-Bündel 
und der 1.000.000$-Stapel.


Nur zehn Paletten ergeben 
dann schon 1.000.000.000$ (eine Milliarde)  («Bild»)


Für eine Milliarde Dollar reicht eine Garage nicht mehr, denn zum Transport braucht man bereits einen Lastwagen.


1000 LKW's braucht es für 1.000.000.000.000$ (eine Billion)  («Bild»)


Achtung: Die Paletten sind in doppelter Lage gestapelt, 
sonst reicht ein Fussball-Platz für die Billion nicht ...


Sogar eine Boing 747-400 kommt mit weniger Platz aus, 
das sieht dann ungefähr so aus: («Bild»)


15 mal mehr, das sind 15.000.000.000.000$ (fünfzehn Billionen) («Bild»)


15 Fussballfelder mit einer Billion, schön aufeinander gestapelt – dazu müssen wir bereits die Freiheitsstatue bemühen.



Wollen wir der Freiheitsstatue verraten,
wie hoch die Schulden ihres 

Amerikanischen Staates tatsächlich sind?    



Achtung, es sind ...

114.5 mal mehr




114.500.000.000.000$    114.5 Billionen
114.500.000.000.000$    
114.5 Billionen

114.500.000.000.000$    114.5 Billionen




und das sieht dann so aus:
(«Bild»)



 Wo ist denn die Palette (100 Millionen)?      
Wo der Lastwagen (1 Milliarde)




Wissen Sie noch, 
was das höchste aller Gebilde darstellt? 

Ja, es sind die Schulden der USA




Herr Oter meint noch dazu:
Und dann gehen die amerikanischen Rating-Agenturen hin und kritisieren die europäischen Staatsfinanzen...
Es ist wirklich unglaublich, wie gross die Schulden der USA sind.
Wer soll die je wieder einmal abbauen?

Wenn man so über seine Verhältnisse lebt, ist es aus meiner Sicht nicht sehr schwer,
die Nr. 1 auf der Welt zu sein und sich als Weltpolizist aufzuspielen.


Ich befürchte auch, dass durch die Abgeltung der 
amerikanischen Steuerfluchtgelder auf Schweizer Banken (die ich befürworte), 
sich dieser Schuldenturm nicht abbauen lässt  

©® Copyright by Herr Oter





:))






Wenn du einen Garten 
und dazu noch 
eine Bibliothek hast, 
wird es dir an nichts fehlen 
Cicero, Philosoph (106-43 v. Chr.) 





.

Samstag, 7. April 2012





Ist Zeit das Kostbarste unter allem, 
so ist Zeitverschwendung
die allergrösste Verschwendung.
Benjamin Franklin




:))

Freitag, 6. April 2012

Ein Schiff wird kommen




Ich erinnere mich:

Ein Schiff wird kommen

ist der Titel eines Schlagers der deutschen Sängerin Lale Andersen. Sie war bekannt geworden durch ihre millionenfach verkauften Seemanns- und Heimwehlieder. Die damals 55-jährigen Sängerin nahm mit ihrer rauchigen Altstimme, das zu ihr passende Seemannslied „Ein Schiff wird kommen“ mit dem Orchester Friedel Berlipp und dem Bernd Hansen-Chor im Jahr 1960 auf.
Dieser Erfolgshit beruht auf der Filmmusik zum griechische Film Ποτέ την Κυριακή („Pote tin Kyriaki“; deutscher Filmtitel Sonntags… nie!). Veröffentlicht wurde er im September 1960 und erreichte bereits am 22. Oktober 1960 für 10 Wochen Rang 1 der deutschen Hitparade und wurde damit Lale Andersens zweitgrösster Erfolg mit weltweit 1,2 Millionen verkauften Exemplaren.

Heute morgen wurde "Ein Schiff wird kommen" wieder einmal im Radio gespielt und wie jedes Mal, wenn ich ihn höre, zauberte mir eine kleine Anekdote dazu ein Lächeln ins Gesicht.

Der nachträglich verfasste deutsche Songtext des Evergreen's handelt von der erwartungsvollen Sehnsucht einer Prostituierten, die im Hafen von Piräus auf Schiffe mit Kunden wartet.
Der etwas holperige Liedtext beginnt mit den Worten:
„Ich bin ein Mädchen von Piräus
Und liebe den Hafen, die Schiffe und das Meer
Ich lieb das Lachen der Matrosen
Und Küsse die schmecken nach See und Salz und Teer........“

Bild: Wikipedia

Wir hatten dieses berühmte Seemannslied auf einer kleinen, schwarzen 45er Vinylschallplatte und ich hörte diesen Hit als damals 6-Jähriger völlig fasziniert hunderte Male. auf unserem kleinen Lenco-Plattenspieler. Mich faszinierte diese rauchige Stimme der Lale Andersen und auch lange Zeit eine ganz besondere Textstelle, auch wenn sie mich immer etwas "gruselet hät":
..... Ich lieb das Lachen der Matrosen
Und Küsse die Schnecken......



Hören sie das Lied auf Youtube in der Version von Dalida 
(leider fehlt der Rauch in der Stimme, aber wenn man genau hinhört, küsst auch sie die Schnecken...)



;)

Donnerstag, 5. April 2012

Jemandem den Garaus machen





Jemandem den Garaus machen

bedeutet, jemandem sein Leben zu einem Ende bringen.
Der Ausdruck Garaus entstand aus dem Ruf „gar aus!“ (vollständig aus!), der im 15. Jahrhundert in Süddeutschland die Polizeistunde ankündigte. Später erhielt der Begriff allgemein die Bedeutung "Ende".

In einigen Städten des 15. Jahrhunderts wurden der Beginn und das Ende eines Arbeitstages mit dem Garaus-Glockenläuten angezeigt.
Ein Arbeitstag zu dieser Zeit dauerte zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Die Arbeitszeit variierte daher zwischen acht Stunden im Dezember und sechzehn Stunden im Juni.


:-))




Dienstag, 3. April 2012

Ich habe alles!



Ich habe alles!
Alles was bezahlbar ist!
Alles was ich im Moment brauche!
Ich habe sogar mehr als ein Mensch braucht!
Auch mehr als die meisten Menschen auf der Welt haben!

Ich gebe zu, das ist vielleicht eine etwas provokative Aussage, aber sie stimmt für mich und meine Bedürfnisse und Ansprüche zum jetzigen Zeitpunkt. Doch es kann auch gut sein, dass sich das wieder ändert – später, vielleicht.

Nun kommt jedoch immer wieder die Frage auf:
Was sollen wir dir schenken? – zum Geburtstag, an Weihnachten......

Oft werden dann Geschenke gemacht, die ich nicht wirklich brauchen kann, Staubfänger oder Unpassendes, Gutscheine von Geschäften die ich nicht besuche oder Kleidungsstücke, die ich nie selber gekauft hätte.

Um das zu verhindern, habe ich allen – zum Zeitpunkt als ich zur Erkenntnis kam, dass ich alles habe –meine „Wunschliste für Geschenke“ mitgeteilt:

Ich wünsche mir von Dir/Euch bis auf weiteres nur noch folgendes Geschenk:
Zeit
Zeit mit Dir/Euch also „Gemeinsame Zeit“


Das kann ein Besuch, eine Einladung, ein Ausflug, eine Wanderung, ein Skitag, ein Wellness- oder Saunatag oder auch ein grösserer Spaziergang sein.
(Dabei lasse ich mir gerne auch ein Dessert oder ein Mittagessen spendieren, dazu sage ich sicher nicht Nein ;)) )

Mit solchen „Zeitgeschenken“ kann man mir eine grosse Freude machen. Mich freut es immer, wenn ich eingeladen werde, wenn etwas bereits organisiert ist und ich mich einfach mal überraschen und verführen lassen darf. Das ist eben mit Geld nicht zu bezahlen.

Aber man glaubst gar nicht, wie viel Mühe es allen macht, so etwas zu schenken.
Mann o Mann, das hätte ich nie gedacht. Das ist für alle eine echte Herausforderung.
Es fehlt an Ideen, es fehlt aber vor allem an der Zeit. Es ist scheinbar viel einfacher, irgend etwas, (meistens für mich Unnützes) in einem Laden zu kaufen, einpacken zu lassen und zu bringen oder zu senden. Damit ist die Sache dann erledigt.
Aber sich etwas auszudenken, etwas zu organisieren und sich dann für mich einen halben oder ganzen Tag Zeit zu nehmen, das scheint viel viel schwieriger zu sein.
Darum habe ich auch bereits einige Gutscheine hier liegen, für einen Skitag, für eine Wanderung auf den Säntis, für eine Tageskarte mit der Eisenbahn und so weiter und ich sage Euch, wenn ich es nicht selber organisiere, dann sind die bis zu meinem Ableben nicht eingelöst.

Somit siehst man, das Wertvollste im Leben ist die ZEIT, die wird immer rarer und die kann man nicht einfach kaufen auch nicht so einfach verschenken.

Man kann sie sich nur mit viel Aufwand holen oder eben stehlen.




Nachträglich noch ein passendes Zitat:
Die Zeit ist für den Menschen da, 
nicht der Mensch für die Zeit.
Johann Gottfried Seume




:))

Montag, 2. April 2012





Die Geizigen sind den Bienen zu vergleichen: 
sie arbeiten, als ob sie ewig leben würden.
Demokrit

mit H.O's Senf dazu:
... und gegen Ende nimmt man ihnen alles weg.




:-)