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Samstag, 27. Oktober 2012

Socken






Socken 

Von feingliedrigen Händen
aus groben Wollresten
für Söhne gestrickt.
Ich finde zwei kleine Löcher
als mit fortschreitender Demenz
ab und zu eine Masche
fallen gelassen wurde.


® Copyright by Herr Oter




:)

Sonntag, 21. Oktober 2012







Wenn du einem Riesen gegenüberstehst, 
der mit dir kämpfen will, dann sei ohne Furcht.
Untersuche zuerst den Stand der Sonne, dann wirst du sehen,
dass der Riese vielleicht nur der Schatten eines Zwerges ist.

Asiatische Weisheit



:)

Freitag, 19. Oktober 2012






Der Weise sucht, 
was in ihm selber ist, 
der Andere, was ausserhalb.

Konfuzius
(551 - 479 v. Chr.)


:)

Mittwoch, 17. Oktober 2012






Jedes Ding hat drei Seiten: 
Eine, die Du siehst,
eine, die ich sehe
und
eine, die wir beide nicht sehen.




:)

Montag, 15. Oktober 2012






Nichts auf der Welt 
ist so weich und nachgiebig wie das Wasser. 
Und doch bezwingt es das Harte und Starke. 

Laotse




:)

Freitag, 12. Oktober 2012







Nur der Fisch weiss nicht,
dass er im Wasser lebt

Chin. Sprichwort


Anmerkung von Herr Oter:
Genau so wie die Made im Speck oder die meisten Menschen hierzulande.


:)

Donnerstag, 11. Oktober 2012







Wer andere erkennt, ist gelehrt.
Wer sich selbst erkennt, ist weise.

Wer andere besiegt, hat Muskelkraft.
Wer sich selbst besiegt, ist stark.

Wer zufrieden ist, ist reich.
Wer seine Mitte nicht verliert, ist unüberwindlich.

Lao-Tse




:)











Mittwoch, 10. Oktober 2012

Das Leben ist einfach





Das Leben ist einfach,
man darf nur nicht immer glauben
was man so denkt.

aha, ja, da könnte was dran sein. Das merk ich mir! denkt Herr Oter :))





:)

Dienstag, 9. Oktober 2012

Mirjam - Arbeitskraft für allgemeine Küchenarbeiten






Mirjam
Arbeitskraft für allgemeine Küchenarbeiten


Die Wohnungstür fällt hinter ihr ins Schloss. Mirjam dreht den Riegel zweimal nach rechts und lehnt sich dabei erschöpft an das grasgrün Holz der Türfüllung.
Endlich daheim.

Das war wieder ein scheusslicher Tag. Man hatte ihr heute wieder einmal tüchtig zugesetzt. Nichts konnte sie dem Küchenchef recht machen. Für jeden Fehler wurde sie beschuldigt, auch wenn sie gar nichts dafür konnte. Diese ständigen Unterstellungen und Bemängelungen verunsicherten sie immer mehr und jeder Vorwurf hatte sie zusätzlich aus der Fassung gebracht, bis sie wirklich Fehler machte und er somit die Grundlage hatte, sie richtig fertig zu machen.
Ständig wurde sie verhöhnt, ausgelacht und vorgeführt. Nicht nur Mängel bei der Arbeit, auch ihre Oberweite, ihr Umfang, ihr Gang, ihre Dummheit, ihren leicht hörbaren Sprachfehler oder die dicken Brillengläser, alles kam dran. Alle „Schwachpunkte“ wurde von ihm mit bissigen Sprüchen gnadenlos ins Lächerliche gezogen.
Und, gelacht haben sie alle, die ganze Küchenmannschaft, jedes mal. Nicht jeder weil er es lustig fand, aber jeder aus Angst, er könnte das nächste Opfer sein.

Mirjam löst sich mit einem tiefen Atemzug von der Türe.
Ihr schneller Atem ist inzwischen etwas abgeflacht, denn die Wendeltreppe zum fünften Stock raubt ihr jedes mal den Schnauf.
Sie schaltet das Licht ein und Wärme durchflutet sie – Daheim, Gott sei Dank!

Sie wird den warmen Mantel noch etwas anbehalten, denn draussen ging heute eine starke kalte Biese und die zieht auch durch die alten Wohnungsfenster. Aber, auch wenn die kleine Wohnung in der kalten Jahreszeit nie richtig warm wird, so ist Mirjam doch froh, dass sie nun ihre eigene Wohnung hat.

Bei ihrer Mutter Zuhause lief es in letzter Zeit nicht mehr gut, seit sich Vater verzogen hatte. Mama liegt den ganzen Tag auf dem Sofa vor dem Fernseher oder macht Spiele im Internet. Sie lässt sich gehen. Vielleicht vermisst sie ihn ja noch immer, diesen ....
Auch der Alkohol macht ihr zu schaffen und manchmal kommt es Mirjam vor, als ob Mutter kaum noch am Leben teilnehme. Ähnlich wie Frau Steiner im Heim, von der es heisst, sie sei depressiv und fehle darum oft bei der Arbeit.

Wenn Mirjam nach der Arbeit nach Hause kam, musste sie noch haushalten und kochen, denn Mutter konnte sich um diese Zeit kaum mehr vom Sofa erheben.
Auch ihr neuer Freund sass dann bereits in der Unterwäsche vor der Glotze und hatte schon die zweite Flasche Bier in der Hand und verlangte bald nach der Dritten. Auch kam er immer wieder ohne zu klopfen in ihr Zimmer oder schaute sie ständig so an, als ob er sich gleicht bei ihr holen wollte, wozu Mutter nicht mehr fähig war.
Als er sie dann einmal, als Mutter bei einem Arztbesuch war, am Arm packte und zum Sofa drängte, da wusste sie, dass sie so schnell wie möglich ausziehen musste.

Mirjam ist froh, dass sie hier rasch eine günstige Wohnung gefunden hat, die sie mit ihrer Tätigkeit als „Arbeitskraft für allgemeine Küchenarbeiten“, wie es in der Stellenausschreibung des Altersheimes geheissen hatte, finanzieren kann.
So kann sie sich nun schon seit einigen Monaten alleine über Wasser halten, auch wenn man ihr das Gegenteil jahrelang eingeredet hatte, weil man auf den grössten Teil ihres Lohnes nicht verzichten wollte.
Und dieses unabhängige Leben hier lässt sie sich auch nicht mehr wegnehmen, das hat sie sich geschworen. Dafür nimmt Mirjam einiges in Kauf, verzichtet auf Manches und lebt möglichst bescheiden.
Das Bett, einen Tisch mit zwei Stühlen und den Kleiderkasten hat sie aus ihrem Zimmer von Zuhause mitgenommen. Ein Arbeitskollege half ihr dabei. Er ist eigentlich überhaupt ganz nett, aber heute hat er manchmal auch mitgelacht, das hat sie schon gesehen.
Das übrige hat sie sich im Brockenhaus geholt. Da geht sie jeden Samstag hin und schaut, ob es etwas Schönes gibt, dass sie brauchen könnte. Inzwischen kennt man sie dort gut und der eine, ältere Verkäufer, legt ihr oft ein besonders schönes Stück auf die Seite, wenn er denkt, dass es für sie nützlich sein könnte.
So hat sie sich ein gemütliches Zuhause nach ihrem Geschmack geschaffen, auf das sie sich bereits freut, wenn sie es am Morgen verlässt. Eigentlich ihre einzige Freude im Leben.

„Blöde Kuh!“ entfährt es Mirjam. Jetzt hat sie doch glatt vergessen, dass sie noch in den Tankstellenshop wollte, um etwas Kleines für das Nachtessen zu kaufen. Aber nun will sie nicht nochmals in den dunklen, nebelverhangenen Novemberabend hinaus. Sie ist froh Zuhause zu sein und niemanden mehr sehen zu müssen. Zudem ist sie ja sowieso dick genug und bringt ihren „fetten Arsch“ nicht um den Küchenherd herum, wie ihr Chef ihr heute wieder vorgeworfen hat.
Dass sie zu viele Pfunde auf die Waage bringt, das weiss sie selber, das muss man ihr nicht täglich unter die Nase binden. Aber schon als Kleinkind war sie immer etwas dicklich und in der Pubertät, als man sie in der Schule plagte – jeder Spott traf sie bis ins Mark. Als dann das mit Vater und Mutter begann – kaum jemand noch richtig kochte und sie sich in ihrem Kummer fast ausschliesslich von Süssigkeiten ernährte – da wurde es immer mehr. Aber auch dagegen wird sie anzukämpfen haben, das ist sie sich schon bewusst, aber dazu muss sie zuerst etwas Stabilität und Selbstvertrauen finden. Doch mit diesem Arbeitsplatz ist das nicht ganz einfach - und, das war ihr schon klar, aus einer hässlichen Ente wird niemals ein schöner Schwan.

Sofort fühlt sich Mirjam wieder mies und einsam. Niemand ist da, dem sie am Abend etwas erzählen könnte, der sie vielleicht ein wenig trösten würde und von dem sie etwas Wärme oder Geborgenheit zu spüren bekäme. Niemand scheint sich für sie zu interessieren, geschweige denn, sie zu mögen. Alle sind sie doch so selbstsicher, haben eine gute Ausbildung, tun so klug, sehen gut aus und haben ihre Freunde oder Familien. Da braucht man doch nicht noch so eine wie sie.
Dabei hätte sie gerne geredet, gefragt und diskutiert. Sie hätte gerne gewusst, wie andere über das denken, was sie beschäftigt. Aber so kann sie immer weniger ausloten, was richtig oder falsch ist, wo sie ihre Meinungen oder Ansichten zu ändern hatte, weil sie falsch waren und wo sie beharrlich weiter ihren Weg gehen konnte, weil er nicht völlig daneben liegt.

Mit einem heftigen Ruck zieht Mirjam die scheusslichen, dunkelroten Vorhänge zu. Sie sind vom Vorgänger noch in der Wohnung geblieben und Mirjam ist froh darüber, denn sie tun ja ihren Dienst. Irgendwann, davon ist Mirjam überzeugt, trifft sie auf Schöne im Brockenhaus. Am liebsten hätte sie ganz lange, die bis zum Boden reichen, mit viel gelb, wie die Strahlen des Sonnenscheins.

Eigentlich würde sich Mirjam, nach einer warmen Dusche, am liebsten sofort mit einer Wärmefasche ins Bett verkriechen. Denn zum Kochen hat sie heute sowieso keine Lust mehr und Brot ist ja keines da. Also schläft sie am besten ein, bevor sich der Hunger meldet. Vielleicht träumt sie ja etwas Schönes.
Doch, wenn sie bereits um sieben im Bett liegt, dann wacht sie wieder viel zu früh auf und diese schlaflosen Morgenstunden verstärkten nur ihre Angst auf den kommenden Arbeitstag.

„Ich könnte ja noch schnell einen Blick in den Blog werfen“, sagt Mirjam halblaut und schon drückt ihr Zeigefinger auf den grössten Knopf am PC-Gerät.
Nun hat sie genügend Zeit, sich noch eine grosse Tasse mit heisser Schokolade zu wärmen, denn das alte Internet-Ding ihres früheren Arbeitgebers, braucht gut zehn Minuten bis er gestartet und geladen ist. Sie hat den Computer von ihrer früheren  Chefin zum Abschied geschenkt bekommen. Man hatte sich gerade einen Neuen gekauft.

In der Küche ist es etwas wärmer, weil sie den Rollladen immer geschlossen hält. Denn das Nachbarhaus ist sehr nahe gebaut und dort steht dauernd jemand am Fenster seines Badezimmers und sieht zu ihr herüber. Das ist ihr unangenehm. Zudem muss sie in dieser dunklen Jahreszeit sowieso immer das Licht einschalten.
„Ob ein neuer Kommentar eingetroffen ist?“, fragt sich Mirjam, während sie die Schränke nach etwas Süssem durchsucht. Sie hat sich in ihrer Wohnung das hörbare Denken angewöhnt, denn es unterbricht etwas die Stille. „Ich kann ja nur schnell nachsehen und nachher gleich ins Bett gehen, denn ich bin doch ziemlich müde.“

Aber meistens kann sie sich von ihrem Computer nicht mehr so schnell lösen, denn da tut sich für sie eine andere Welt auf. Ihre eigene Welt oder zumindest ihr kleines Dorf, das sie sich inzwischen erschaffen hat. Da wird getratscht, erzählt und geklönt, wie auf einem richtigen Dorfplatz. Manchmal kann sie lachen und manchmal macht es sie eher traurig. Hier taucht sie ein in die Geschichten und Schicksale und fühlt sich als vollwertiger Teil dieser Gemeinschaft. Man nimmt Anteil am Leben von anderen und erhält Zuspruch und Aufmunterung wenn das eigene Leben wieder einmal unerbittlich ist.
Hier wird sie nicht nach ihrem Äusseren beurteilt, noch will sie jemand ändern. Da darf sie sein, wie sie ist und auch, wenn sie halt manchmal etwas langsamer als andere denkt, hier merkt es niemand.
Es gibt einige die ihr folgen, ein paar die ab und zu etwas anmerken und eine knappe handvoll Bekannte, die sie zwar nicht persönlich kennt, die aber durch einen regelmässigen Austausch von Kommentaren inzwischen ein wenig vertraut sind.

Mit etwas süssem Gebäck und der dampfenden Tasse setzt sich Mirjam vor den Computer und öffnet ihren Internet Blog „Meine Traumwelten“.
Sie hat sich schon immer gerne in diese Welten zurückgezogen und darum hat sie ihrem Blog auch diesen Namen gegeben. Hier ist sie „die Traumfängerin“ und schlüpft in ihren Träumereinen  als Traumfrau in die Personen, die sie gerne wäre und lebt in den Welten, die ihr in Wirklichkeit verwehrt bleiben. Das gefällt vielen, denn die grosse Sehnsucht nach einer anderen, traumhaften Welt bewegt viele.

Daneben beschreibt sie in einem unregelmässigen Tagebuch als „Klops“, das Leben das sie führt. Damit kann sie sich Luft verschaffen, kann erzählen was sie quält und loswerden was sie bedrückt. Natürlich verschleiert sie die Tatsachen so, dass bisher niemand auf die Idee kam, dass die bedrückenden Erlebnisse dieses dummen, dicken „Klopses“ Wirklichkeit sind und nicht bloss das Pendant zur herrlichen Welt der „Traumfängerin“.

Mirjam sieht wie immer zuerst im Tagebuch des „Klopps“ nach, ob ihr jemand zum letzten Eintrag etwas geschrieben hat. Doch hier gibt es nur selten Kommentare, denn die Leserinnen wollen sich nicht mit dieser tristen Welt befassen. Sie lassen sich lieber von ihren fantastischen Geschichten unterhalten.

Ein erstauntes „Oh!“ entwischt Mirjam. „Ein Kommentar wird angezeigt“ wundert sie sich vernehmlich.
Schnell öffnet sie das Kommentarfeld und liest halblaut:

„Liebe Unbekannte
Seit einigen Tagen lese ich immer wieder in deinem Blog. Er gefällt mir gut. Du kannst ganz schöne Geschichten schreiben.
Vor allem dein Tagebuch berührt mich, denn vieles das Du dort als „Klops“ schreibst, kommt mir bekannt vor. Weil manchmal erlebe ich Ähnliches, wie du es beschreibst. Ich bewundere, wie gut du dich in so eine Person versetzten kannst und es tut mir gut, dass du schreibst, was ich manchmal fühle, auch wenn du es nur erfindest. Leider kann ich nicht so schreiben wie du, entschuldige bitte.
Das wollte ich dir nur einmal mitteilen.
Liebe Grüsse“


Mirjam liest es zweimal, dreimal und ein feines Lächeln überzieht ihr Gesicht. Ihr wird warm und sie zieht den Mantel aus.

® Copyright by Herr Oter 2012























:(

Freitag, 5. Oktober 2012

Heute speziell für:




Barbara:

Lieber ein flotter Spruch, 
als eine miese Geschichte.

meint Herr Oter .......

übrigens, es lohnt sich, ein wenig auf den tollen Seiten von Barbara: Wi(e)der-Sprüche
zu verweilen! Man findet dort herrliche Foto's, wunderbare Märchen und kluge Texte.


:)

Mittwoch, 3. Oktober 2012




Im Leben lernt der Mensch
zuerst gehen und sprechen.
Es kann vorkommen, dass man froh wäre, 
er hätte nur Ersteres getan.


:))

Freitag, 28. September 2012





Willst Du wissen, 
wer Du warst, 
so schau, wer Du bist. 

Willst Du wissen, 
wer Du sein wirst, 
so schau, was Du tust.

Buddhistische Weisheit



:)

Donnerstag, 27. September 2012




Worte
haben die Kraft zu verändern!
Sie können aufbauen oder zerstören.

Wir sollten uns wieder vermehrt für das Erste entscheiden
wünscht sich Herr Oter





:) 

Mittwoch, 26. September 2012






Ein Abschied verleitet immer dazu, 
etwas zu sagen, 
was man sonst nicht ausgesprochen hätte.

Michel de Montaigne
Michel Eyquem de Montaigne (1533 - 1592) war franz. Politiker, Philosoph und Begründer der Essayistik.





:(

Dienstag, 25. September 2012





Wasser erstarrt zu Eis, 
Eis schmilzt zu Wasser. 
Wasser verdunstet durch die Sonne,
der Regen bringt es wieder.

Was geboren ist, stirbt wieder; 
was gestorben ist, lebt wieder. 

Leben und Tod, beides ist gut so!

Buddhistische-Weisheit






:)








Wer nicht lächeln kann, 
sollte kein Geschäft eröffnen


Chinesische Weisheit




;)

Sonntag, 23. September 2012



«Die Nacht ist still, 
und in ihrer Stille verbergen sich 
die Träume
Kahlil Gibran




;/






Mittwoch, 19. September 2012



Manchmal glaube ich,
Gott ist ein Spieler.
Er würfelt!

und irgendwann sagt er:
Rien ne va plus!

bei Dir, Marie, nach neunzig Jahren. Danke für alles

Marie



:((

Dienstag, 18. September 2012





Es ist weniger schwierig, 
Probleme zu lösen, 
als mit ihnen zu leben.

 Teilhard de Chardin
 französischer Theologe, Philosoph, Anthropologe



;)

Sonntag, 16. September 2012




Ein erfolgreiches Leben,
bedingt ein zufriedenes Leben.
Ein zufriedenes Leben,
bedingt ein gewisses Mass an Bescheidenheit.

denkt sich heute Herr Oter


;)

Montag, 10. September 2012

Eindrückliche Wanderung im "Feenwald"






Eindrückliche Wanderung im "Feenwald"


Es gibt ihn wirklich, den Feenwald. Rein zufällig habe ich ihn gefunden.

Weil der Nebel sich bei uns nur mühsam auflösen wollte, beschloss ich, in ein Seitental zu fahren, das etwas höher gelegen ist und dort mit unserem kleinen Hund eine leichte Wanderung in der Spätsommersonne zu machen.

Es traf sich gut, dass ich auf dem Parkplatz neben der Kirche eine Einheimische antraf, denn so konnte ich sie nach einer schönen Wanderung in ihrer Heimatgemeinde fragen.
Sie gab mir dann den Tipp mit der gut 200 Jahre alten Brunegg Kapelle.
Ein Weg von einer guten Stunde Wanderzeit hatte sie gesagt. Zuerst über satte Weiden und Wiesen, an stattlichen Bauernhöfen und wohlgenährten Kühen vorbei und dann durch einen zauberhaften Wald bis hinauf zu der schmucken Kapelle am Waldrand.

Sie hatte recht, denn selten führte mich eine Wanderung an so märchenhaft vermoosten Waldlichtungen vorbei. Zum Teil führte sogar der Wanderweg über dicke Moosteppiche und man getraute sich fast nicht darauf zu treten. Zwischen den Baumstämmen hingen riesige Spinnennetze in denen sich die Sonnenstrahlen brachen und in deren Mitte die fette Spinne hockte und auf ihre Beute wartete. Auf der ganzen Waldstrecke wimmelte es überall nur so von kleinen und grossen Pilzen, reifen Beeren und vielfarbigen kleinen Blümchen. Es gab auch einen kleine Tümpel mit Libellen und allerlei Insekten. Ich konnte mich kaum satt sehen an diesem Paradies und musste sehr oft an meine letzte Geschichte vom Feenwald denken.
Manchmal setzte ich mich einfach inmitten diesen Mikrokosmos auf einen bemoosten Baumstamm und liess diese harmonische Stimmung einige Minuten auf mich wirken. Ein wenig kindisch vielleicht, aber ich fühle mich dabei sehr geborgen und vom etwas Grösserem getragen. Ein Teil eines ganz grossen Ganzen. Ich hörte dabei in die Stille hinein, in das Summen und Zwitschern, ins Rauschen und Knacken und in mein Innerstes, diese zufriedene Seele, die in dieser Glückseligkeit zu schwimmen schien.


© Herr Oter
Die Kapelle selber steht auf einer sonnigen Krete, beschützt von einem mächtigen Lindenbaum, umgeben von frischgemähten Matten auf dem das Heu zum Trocknen liegt. Sie ist Maria gewidmet und wunderbar renoviert. Aussen sind an ihren Seitenwände zwei schattige Bänke angebracht. Auf der einen Seite der Kapelle der weite Blick auf das Napfgebiet und auf der anderen Seite sieht man übers Entlebuch in die Innerschweizer Berge.

Ich setzte mich auf jede Seite, ass etwas Trauben und einen Apfel und liess den Blick und die Gedanken über diese herrliche Hügellandschaft in die grenzenlose Ferne schweifen. Die absolute Ruhe, die gute Luft, der würzige Duft von frischem Heu und die angenehme herbstliche Wärme liessen dem Glücksgefühl freien Lauf.
Ich hatte natürlich auch ein Buch mitgenommen und so war schnell über eine Stunde vorbei und mit dem Hund an der Leine trat ich fast etwas widerwillig den Rückweg an. Die erste Hälfte wanderten wir nochmals durch diesen wunderschönen mystischen Wald. Es war wirklich nochmals sehr beeindruckend, erfasste alle Sinne und liess einem ob der Schönheit ziemlich demütig und bescheiden werden. Wie wenig braucht es doch für das ganz grosse Glück.

Für den zweiten Teil des Rückmarsches wählte ich dann einen Wanderweg, der durch eine eindrucksvolle Schlucht führt, deren wilde Schönheit sich in der untergehenden Sonne in goldigen Farben aber ganz sanft und romantisch präsentierte. Querliegende Baumstämme und tiefe Wasserrinnen zwischen nackten Felsklötzen lassen jedoch vermuten, dass aus dem silbrigen, sprudelnden Bergbächchen auch schnell ein reissender zerstörerischer Wildbach werden kann. Doch heute gab sich alles ganz friedlich und unterstützte die harmonischen Eindrücke der zurückliegenden Wanderung.
Es wunderte mich nicht, dass sich unweit daneben der runde Platz eines Waldkindergartens blicken liess. Farbige Steine grenzten die Wildnis von den mit Weidenruten gestalteten Sitzbänken um die Feuerstelle ab. Welch ein Glück für Kinder, die in solch einer natürlichen Umgebung sanft auf die bevorstehende Schule vorbereitet werden.
Der restliche Weg nach dem Wald, der Landstrasse entlang bis zur Dorfkirche, war nur noch ein Katzensprung.

Während des ganzen Ausfluges von über fünf Stunden begegnete uns keine Menschenseele. Das hat mich gewundert. Gerne hätte ich diese Eindrücke mit jemandem geteilt, aber scheinbar hat man am Samstag anderes zu tun. Mir jedenfalls wird dieser aussergewöhnliche Spätsommertag unvergesslich bleiben.



:))

Samstag, 8. September 2012





Es gibt erfülltes Leben 
trotz vieler unerfüllter Wünsche.


Dietrich Bonhoeffer
lutherischer Theologe, im KZ Flossenbürg erhängt




:/

Mittwoch, 5. September 2012




Glücklichsein
ist nicht der Zweck unseres Lebens, 
sondern das Ergebnis unserer Lebensweise.


Darió Lostado




;)

Montag, 3. September 2012



Eine mit Stolz getragene Niederlage
ist auch ein Sieg.

Marie von Ebner-Eschenbach

... auch fast! ein Sieg, präzisiert Herr Oter



;)

Freitag, 31. August 2012

Donnerstag, 30. August 2012






An sich ist ein Ding 
weder gut noch schlecht; 
das Denken macht es erst dazu.

William Shakespeare




:)

Dienstag, 28. August 2012

Anna, eine Kinderseele trifft ihren Vater




Anna, 
eine Kinderseele trifft ihren Vater

Sein Atem wird nun etwas ruhiger, nachdem sich seine Schritte verlangsamt haben.
Paul war solange bergan gerannt, bis seine Lungen nicht mehr mitmachten und in seinem verhärmten Zustand - er hatte in den letzten Monaten fast zehn Kilo an Gewicht verloren - japste er bereits nach wenigen Minuten wie ein Ertrinkender nach Luft. Nun ist er völlig ausgepumpt, seine Luftröhren brennen und sein kopfloses Voranstürmen hat sich in ein kraftloses Dahinschleichen gewandelt. Seine Füsse, die noch immer in den Hausschuhen stecken, wie er eben feststellt, schlurfen jetzt beinahe schlaff über den mit bunten Herbstblättern bedeckten Waldweg.
Aber, endlich kann er wieder einige folgerichtige Gedanken aneinander reihen, nachdem sich das Karussell im Kopf in den letzten Stunden sinnlos immer schneller gedreht hatte, bis er schier wahnsinnig wurde.  Auch die fast unerträgliche Spannung in seinem Innern, ist nun einer zaghaften Unsicherheit gewichen. Nur der ständige Druck im Magen, der zentnerschwere Klotz, der ihn wie ein riesiges Geschwür auszufüllen scheint und ihm den Appetit raubt, hat noch nicht nachgelassen.

Lange vor dem ersten Grauen des Tages, schreckte Paul, wie so oft im letzten halben Jahr, ruckartig aus dem mit beklemmenden Träumen gestörten Schlaf auf, weil er vermeintlich Annas Stimme nach ihm rufen gehört hatte. Nach solchen Alpträumen war sein Nachtanzug jedes mal schweissgebadet. An ein nochmaliges Einschlafen war nicht mehr zu denken. Doch heute, am Geburtstag von Anna, war seine Verfassung besonders schlimm und seine Gedanken drehten sich vor Kummer und Schmerz  immer schneller. So, dass er befürchtete, die bröckelnde Fassung, die ihn normalerweise zusammenhielt, heute vollends zu verlieren.
Nachdem er sich über eine Stunde lang im feuchtwarmen Bett gewälzt, gekrümmt und ins Kopfkissen verbissen hatte, war er entnervt aufgestanden und hatte über den Schlafanzug einfach einen alten Trainer angezogen.
Noch immer so bekleidet, ist er jetzt im Wald unterwegs und langsam beginnt er zu frösteln, weil sein Pyjama bei der Rennerei nicht trockener geworden ist und der dicke Herbstnebel von aussen durch die dünne Kleidung dringt.

Nachdem er im Dunkeln, mit der leergetrunkenen Kaffeetasse in der Hand, Runde um Runde um den Küchentisch gedreht hatte und dabei wieder einmal immer tiefer in den Sumpf der Trauer gezogen wurde, war er um nicht ganz durchzudrehen, im anbrechenden Morgengrauen völlig kopflos aus dem Haus und über die Landstrasse gestürmt und gerannt bis er nicht mehr konnte. Erst als sich seine Lungenflügel nach aussen kehren wollten, brachte das Davonrennen etwas Linderung und klärte seinen Verstand. 

Er merkt, dass er unbeabsichtigt auf den steilen Weg zur Ruine gelangt ist.
Abrupt bleib er reflexartig stehen, denn dieser Waldpfad führt ihn auch zum Feenwald. Und dorthin kann er nicht mehr!  Unmöglich! Nicht an den Lieblingsplatz seiner Tochter. Das geht nicht – nie mehr! Nein!
Alles schreit in ihm und sein Magen zieht sich wieder schmerzhaft zusammen.
Am liebsten hätte er sich jetzt auf dem Waldweg gelegt, sich zusammengerollt wie ein Wurm und sich in seinem Schmerz gesuhlt.
Soll er umkehren oder doch weiter laufen? Alles hat sich bisher immer vehement dagegen gesträubt.
Doch trotz der Zweifel, weiss Paul, dass er es heute, zum ersten Mal nach Annas Tod vielleicht schaffen könnte.
Es wäre möglicherweise eine Linderung seiner Sehnsucht, überlegt er und je tiefer er nun in den Wald kommt, umso mehr zieht es ihn zum Platz, den er meinte, nie mehr betreten zu können.

Der Weg wird schmaler und schon bald kommt die enge Kurve, nach der sich, verdeckt durch das Dickicht, ein fadendünner Trampelweg seitlich vom Wanderweg der zur Ruine führt, trennt.
Seine Tochter wollte vor etwa drei Jahren trotz Pauls Bedenken unbedingt diesen schmalen Weg durchs Dickicht gehen. Vielleicht in der Hoffnung eine Abkürzung zur Ruine zu finden oder einfach um wiedereinmal einen neuen, interessanteren Weg zu entdecken.
Doch der unwegsame Pfad führte sie bald zu einer undurchdringlichen Hecke aus wilden Brombeerstauden und für Paul war somit der Abstecher beendet. Doch Anna fand, als Paul bereits auf dem Weg zurück war, eine kleine Öffnung und schlüpfte behände durch.
„Papi, Papi, schau, da ist ein Tunnel“ rief Anna aufgeregt und schon war sie verschwunden.
„Anna, komm zurück!“, doch Pauls Rufen brachte Anna nicht zur Umkehr und so zwängte er sich ziemlich widerwillig und mühsam, tief gebeugt ebenfalls durch die Stauden. Überall zerkratzten ihn die stacheligen Zweige und das ärgerte ihn. Warum konnte seine Tochter manchmal einfach nicht folgsam sein?

Dahinter, wie durch den grünen Schutzwall behütet, sah Paul einen sorgsam verborgenen Pfad, der nach einem kurzen Anstieg und ein paar Biegungen zu einer sonnigen Waldlichtung führte. Als er dort ankam, sass Anna bereits mit verträumten Augen auf einem moosbewachsenen Baumstamm, der wie eine gepolsterte Sitzbank am Stamm eines mächtigen Eichelbaumes lag.
Anna hatte den Kopf auf den Knien abgestützt und liess den Blick staunend über die Waldlichtung streifen. Paul, der eben noch mit Anna schimpfen wollte, setzte sich, ebenfalls tief beeindruckt von dieser traumhaften Welt, sprachlos neben seine Tochter auf den Baustamm und liess diesen geheimnisvollen Ort still auf sich wirken. So etwas Zauberhaftes hatte er noch nie gesehen.
Es schien, als ob dieser märchenhafte Platz noch nie von einem Menschen betreten worden wäre. Mitten durch die zum Teil mit feinem Moos bewachsenen Steine floss ein silbrig glänzendes Bächlein und überall blühte es in den herrlichsten Farben. Ein paar Schmetterlinge und dicke Hummeln flogen von Blüte zu Blüte und oft sah man unterschiedlich schimmernde Käfer über das mit Moos überzogene Geäst am Boden krabbeln. Grosse Waldameisen waren eifrig am Werk und ab und zu flatterte ein Vogel von Baum zu Baum. Zwischen den Ästen glitzerten im Sonnenschein grosse Spinnennetze und überall summte und zwitscherte es wie in einem mondänen Konzertsaal. Der friedliche Einklang aller Lebewesen und Elemente schien hier in Vollkommenheit zu existieren.
Nichts schien dieses behutsame Idyll zu stören und Paul war, als sei hier die Zeit ewig stehen geblieben. Diese Harmonie schien das Universum und die Ewigkeit zu verbinden. Eine bisher unbekannte Seligkeit überkam ihn.  So stellte er sich zukünftig das Paradies vor.

Nach einer geraumen Zeit des Sehens und Staunens fragte Anna mit ehrfürchtig gedämpfter Stimme:
„Gibt es hier Feen, Papa?“
Paul, ganz verzaubert von diesem mystischen Ort, flüsterte zu Anna:
„Wenn es Feen gibt, dann hier!“

Seitdem hatte Anna die abgelegene Waldlichtung den Feenwald genannt.
Paul musste mit Anna fortan bald täglich mit ihr dorthin. Sie wurde vom Paradies regelrecht angezogen. Sogar wenn es regnete, stiefelten die Beiden in ihren farbigen Pelerinen hinauf zu Anna's Lieblingsplatz und immer wieder musste ihr der Vater neue Geschichten über Feen, Elfen, Wassernymphen, Zwerge und andere Fabelwesen erzählen. Anna bekam nie genug davon und so hatte er für die gwundrige Kleine ständig neue Geschichten zu erfinden, denen sie völlig fasziniert zuhörte, während sie mit den Augen unablässig die Waldoase nach ihnen absuchte. Leider immer vergebens.
Es gelang ihr nie, auch nur eines dieser fabelhaften Lichtgestalten wirklich zu sehen. Sie konnte noch so leise und vorsichtig diesen mystischen Platz betreten, immer waren die Geister bereits unsichtbar verschwunden, nur spüren konnte man sie noch allenthalben. Anna suchte sie hinter den herumliegenden kleinen Felsbrocken, unter grossen Blättern und in morschem Holz. Manchmal meinte sie, dass sich eine dieser blickscheuen Gestalt in einem grossen Wassertropfen spiegeln würde – aber auch wenn sie sich dann schnell umdrehte, der Naturgeist war bereits verschwunden. Oft sass sie minutenlang mit geschlossenen Augen im Moos und hoffte, dass wenn sie nur schnell genug die Lider öffnete oder den Kopf aus den verschränkten Armen hob, so könnte sie einen Blick auf ein geheimes Fabelwesen oder eine rätselhafte Lichtgestalt erhaschen, bevor es Zeit hatte zu verschwinden. Doch nie gelang es ihr und Paul musste sie oft damit trösten, dass es halt nur mit langer Übung und festem Glauben daran, möglich war.
So war sie manchmal etwas traurig, wenn sie den Feenwald wieder verliessen und noch einige Male drehte sie sich ganz rasch um – bis sich die geheimnisvolle Welt vor ihr wieder verschloss, bis zum nächsten Besuch.


Paul war inzwischen bei der Brombeerhecke angekommen. Jedes Mal musste er sich ziemlich ducken, damit er durch die kleine Öffnung im Gestrüpp hindurchschlüpfen konnte. Es war, als dürfte in das dahinter Verborgene nur eintreten, wer klein war oder sich ganz klein machen konnte.
Doch heute kroch Paul gar auf allen Vieren rasch durch die Stauden, als hätte er Angst zu spät zu kommen. Dabei hatte er sich in den letzten Monaten, nachdem Anna so plötzlich an einer unerklärlichen Infektionskrankheit gestorben war, überhaupt nicht vorstellen können, dass er auch nur noch einmal durch dieses Schlupfloch kriechen würde. Nur schon der Gedanke daran, dass er jemals wieder den Lieblingsort seiner Tochter betreten würde, liess bisher seinen Atem stocken und Schweissperlen auf die Stirne treten.

Nachdem er das natürliche Hindernis überwunden hat und er sich auf dem gewundenen Pfad der nebelverhangenen Lichtung nähert, beschleicht ihn eine grosse Traurigkeit. Noch nie hat er ohne Anna diesen himmlischen Ort betreten.
Ach, wie er sein Mädchen vermisste. Sein Sonnenschein, sein grösstes Glück das ihm noch geblieben war. Grosse Tränen rinnen über Pauls Backen und er fühlt sich wieder richtig mies. Unsicher stolpert er zur Waldlichtung.
Ob er es ohne sein Liebstes überhaupt schaffen würde, ihren Feenwald zu betreten?

Dicke Nebelschwaden hängen zwischen den mächtigen Tannen und Laubbäumen. Alles scheint unwirklich, verschlossen und geheimnisvoll.
Etwas zaghaft und bange betritt Paul die Waldlichtung, atmet tief ein und füllt seine Lungenflügel mit der würzigen Waldluft. Wie früher ist Paul augenblicklich vom geheimnisvollen Anblick dieser kleinen, mystischen Welt verzaubert.
Langsam setzt er sich auf den Baumstamm unter dem Eichelbaum, der noch etwas feucht ist. Just in diesem Moment lichtet sich der Nebel über den Baumwipfeln und die ersten goldenen Sonnenstrahlen breiten sich auf Paul's Gesicht aus. Er zieht die Trainer-Jacke aus und schiebt sie sich zusammengerollt ins Kreuz. Schutzbedürftig lehnt er sich an die rauhe Rinde des kräftigen Baumstammes, der ihm Schutz und Kraft spendet.
Paul schliesst geblendet vom Sonnenlicht die müden Augen, spürt die wohlige Wärme auf seinem Gesicht und sein Atem wird ruhiger. Ein matte Trägheit breitet sich in seinem Körper aus.  In Gedanken ist er nun ganz nahe bei seiner Tochter Anneli. Er meint, sie förmlich neben sich wahrzunehmen. Als sei es wie früher, als sie noch gemeinsam hier sassen und träumten.

Paul spürt die grenzenlose Harmonie dieser kleinen, stillen Welt, als wäre er mit ihr verwoben. Er hört das leise Rauschen der Baumkronen, bemerkt das ruhige Atmen der Pflanzen und spürt die feinen Schwingungen der Baumseelen, die ihm mit ihrer starken Verwurzelung Erdkraft spenden. Der wundervolle, mit kleinen farbigen Blumen bestickte Moosteppich zu seinen Füssen wird mit dem goldenen Licht der Sonne übergossen und dazwischen fliesst munter das kristallklare Wasser des silbern glänzenden  Bächleins über die moosbedeckten Steine. In dessen Strom, bestehend aus lauter feinen, weichen Perlen tummeln sich purzelnd lustige Zwerge und liebliche Waldschraten, der kaum spürbare Wind trägt ihr Lachen und Jauchzen zu Paul. Auch hört er das friedliche summen der Bienen, das sanfte Schlagen der bunten Schmetterlingsflügel und das ständige Wispern und Säuseln der übrigen Insekten. Auf dem flauschigen Moosteppich sitzen schwatzende Elfen, mit sich selbst beschäftigt und in Spinnennetzen liegen zierliche Feen und erholen sich, sachte hin und her schaukelnd, von ihrer wundertätigen Arbeit. Sie werden von putzige Wichteln mit herrlichem Nektar und anderen Köstlichkeiten aus dem Wald verwöhnt.

Anna, schiesst es Paul durch den Kopf. Ach, könnte sie das alles nur sehen! Endlich könnte sie es sehen! Wie wäre sie doch glücklich!

Plötzlich legen sich zwei dünne Ärmchen um seinen Hals und Paul hört Annas vertraute Stimme an seinem Ohr.
„Papa, mein lieber Papa, endlich bist du gekommen. Ich warte hier schon so lange auf dich.“
Anna drückt ihren Vater und setzt sich wieder federleicht neben ihn auf den Baumstamm.
„Siehst du, du hattest recht. Es ist genau so, wie du es mir immer erzählt hast und endlich kann ich es auch sehen.“
Die Kleine sieht zu Paul hinauf und ihre sanftblauen Augen leuchten, wie er es noch nie bei jemandem gesehen hat.
„Papa, ich bin hier so glücklich!  Hier ist es so wunderschön und mir geht es wirklich gut, mit allen meinen neuen Freunden. Ich wurde erwartet und liebevoll aufgenommen und nun ich bin ein Teil von ihnen.
Schau dort drüben, noch jemand den du kennst!“

Paul dreht den Kopf und sieht eine etwas grössere Lichtgestalt näher kommen. Sie stand schon eine geraume Weile an den mächtigen Stamm einer sehr alten knorrigen Tanne gelehnt.
Freundlich lächelnd sagt sie: „Hallo Paul, wie schön, dass du gekommen bist.“
Paul wird unwillkürlich an seine Mutter erinnert. „Mutter?“ fragt er, die Gestalt lächelt, streckt die Hand aus und ein zarter Hauch streichelt sein Haupt.
„Auch meine Mutter hat hier auf mich gewartet und mich in Empfang genommen“, sprudelt es weiter aus Annas Mund. Sie ist auch jetzt ganz in unserer Nähe, aber sie möchte sich heute nicht zeigen, damit es für dich nicht zu viel wird. Aber ich soll dich von ihr ganz lieb grüssen.“

„Komm Anna“, unterbricht nun das grössere Wesen mit sanfter Stimme. „Nun ist es Zeit, Paul gehen zu lassen. Er wird noch gebraucht und hat noch wichtige Dinge zu erledigen. Aber irgendwann wird er wieder bei uns sein.“
„Ja, ich komme“, sagt Anna mit einem Lächeln zu ihrer Oma. „Ich glaube, dass nun alles gut sein wird und ich jetzt mit dir weiter gehen kann.“
Anna wendet sich wieder zu Paul um sich von ihm zu verabschieden.
„Sei nicht mehr traurig, mein lieber Papa. Ich bin hier wohl und du brauchst Dir um mich wirklich keine Sorgen zu machen.“
„Schau, ich habe hier ein kleines Geschenk für dich, das Dir immer Trost und Zuversicht schenken soll.“
Anna öffnet ihre kleine Hand und legt ein kurzes Ästchen mit vier Eicheln auf die Bank neben ihren Vater. Noch einmal drücken ihre schlanken Arme seinen Hals.
Die beiden nehmen sich an der Hand und gehen, ohne kaum den Boden zu berühren. Noch einmal drehen sie sich um, winken lächelnd und dann werden sie immer kleiner, mischen sich unter die anderen und sind bald von ihnen nicht mehr zu unterscheiden.

Paul öffnet mit einem seligen Lächeln im Gesicht die Augen. Die Nebel haben sich ganz aufgelöst und die Sonne steht etwas höher am blauen Himmel.
Paul ist es ganz leicht ums Herz, so wie schon seit Monaten nicht mehr. Ein tiefes Glücksgefühl und eine mächtige Kraft durchströmt seinen Körper.

Hat er geschlafen und geträumt?
Paul greift nach seiner Jacke und sieht, dass neben ihm eine dünnes, kräftiges Ästchen mit vier Eicheln liegt.

©® Copyright by Herr Oter







;)






Man sollte viel öfter bunt träumen,
als schwarzsehen!


schreibt sich Herr Oter dick hinter die Ohren.
(Aber ob's nützt?)



…}

Sonntag, 26. August 2012





"Ein frei denkender Mensch
bleibt nicht da stehen,

wo der Zufall ihn hinstösst."

Heinrich von Kleist


Richtig, Herr von Kleist, aber es kann ihn manchmal auch auf "sonderbare" Pfade führen,
denkt sich Herr Oter dazu.



:)