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Sonntag, 15. Dezember 2013

Die Schneekugel





Die Schneekugel



Immer wieder schüttelt Helena die Schneekugel. 
Die Schneeflocken wirbeln wild herum und setzen sich langsam auf den Schneemann in der Glaskugel.
„Es schneit, es schneit“, jauchzt Helena dabei jedes Mal und schaut ganz fasziniert dem Schneetreiben in der Kugel zu.
„Wann schneit es denn endlich auch bei uns, Mama?“ fragt das Mädchen, „es ist doch bald Weihnachten und noch immer keinen Schnee“.
Sie schaut aus dem Fenster auf die menschenleere grüne Rasenfläche zwischen den Wohnblocks. Auch der kleine Spielplatz an dessen Rand ist schon seit Tagen verweist. Das Wetter ist nasskalt und trüb und es beginnt jetzt bereits dunkel zu werden.
„Der kommt schon noch, Helena“, beruhigt die Mutter, „vielleicht nicht bis Weihnachten, aber dann sicher im neuen Jahr“.
„Schau einfach in die Kugel und wünsche dir fest, dass Schnee kommt, das nützt bestimmt!“
„Au ja“, jubelt das Kind, „und dann darf ich einen grossen Schneemann bauen, gell Mama, in diesem Jahr darf ich es, du hast es mir doch schon letztes Jahr versprochen!“
„Wir werden sehen, Liebes, noch hat es keinen Schnee.“
Frau Kroll unterdrückt einen Seufzer, der sich gerade äussern wollte, denn wenn Schnee fällt, wird es für sie nicht einfacher. Sie betrachtet ihre Tochter nachdenklich, geht zwei Schritte zu ihr hin und fährt ihr gedankenverloren durch das gekrauste, kurze Haar. Unbewusst neigt sich Helenas Kopf leicht zu ihr hin, während sie die Glaskugel wieder kräftig schüttelt und mit weit aufgerissenen Augen konzentriert dem Schneetreiben zuschaut. Dabei wispert sie leise, aber nachdrücklich: „Schnee, Schnee, Schnee!“

*

Kurze Zeit später liegt Helena im Bett. Das Nachtlicht spendet spärlich Licht.
Aber das genügt, um den kugelrunden, weissen Mann in der Glaskugel, die das Mädchen noch immer in ihren Händen hält, erkennen zu können.
„Lieber Schneemann, lass es doch auch bei uns schneien“, flüstert sie leise zum weissen Mann mit den grossen, schwarzen Augen und der spitzen, roten Nase. Wie es sich für einen richtigen Schneemann gehört, trägt er auf dem Kopf einen schwarzen Zylinder mit einem roten Hutband. Ein dicker, roter Schal und drei grosse, runde Knöpfe zieren seinen kugeligen Rumpf.
Kräftig schüttelt Helena immer wieder die Glaskugel, sperrt die müden Augen auf und murmelt konzentriert: „Bitte, bitte lieber Schneemann, ich möchte so gerne Schnee, ganz viel Schn...

Hat der weisse Kerl jetzt mit dem linken Auge gezwinkert? Das kann doch gar nicht sein.
Aber, doch, doch, der Schneemann beginnt nun sogar zu lachen und zu winken. Jetzt zieht er seinen Hut zum Gruss und kommt tatsächlich etwas näher.
„Hallo, liebe Helena. Ich habe gehört, was du dir so fest wünscht. Darum schau, ich lasse es für dich tüchtig schneien“, sagt der Eismann mit einer unerwartet warmen Stimme zu ihr. Zwei kräftige Arme lösen sich vom seinem Rumpf und jetzt – streckt er beide Hände gegen den Himmel. Sofort tanzen dicke Schneeflocken der Erde entgegen und in kurzer Zeit ist alles schneeweiss.
Der kleine weisse Mann streckt seine Arme nun dem Kind entgegen.
„Komm Helena, komm zu mir, wir wollen zusammen tanzen.“
Verwundert und etwas zaghaft bewegt das Mädchen seine Beine und nimmt den Schneemann bei der Hand. Schon tanzen sie zusammen übermütig durch den fallenden Schnee. Er hebt sie hoch, wirbelt sie durch die Luft und dann rollen sie sich zusammen in der dichten, weichen Schneedecke, die bereits die ganze Erde überzieht. Helena wird in den starken Armen dieses frostigen, kleinen Mannes ganz warm ums Herz.

Der Schneemann formt nun einen Schneeball und wirft ihn nach Helena, die sofort wieder einen zurück wirft. Nun beginnt eine richtige Schneeballschlacht – darauf hat das Mädchen schon so lange gewartet.
„Komm, jetzt bauen wir zusammen eine Schneefrau“ ruft der Schneemann ganz übermütig und rollt bereits einen Schneeball so lange, bis es daraus eine ganz grosse Kugel für den Rumpf gibt. Danach eine Kleinere für oben drauf und aus der Kleinsten wird der Kopf. Nun modellieren sie zusammen diese noch unförmige Figur bis daraus eine prächtige Schneefrau geworden ist.
„Das wird nun meine Frau“, jubelt der Schneemann begeistert. „Dann bin ich endlich nicht mehr alleine. Bisher war ich doch oft sehr einsam in deiner Glaskugel.“ Sein weisser Körper strahlt jetzt scheinbar noch heller.
„Sieht sie nicht wunderschön aus, meine Schneefrau?“, fragt der Wintermann glücklich und legt stolz seinen Arm um die mollige Eisdame, die gerne näher zu ihm rückt.
Dann gehen die beiden Arm in Arm und werden immer kleiner, je näher sie der Abendsonne entgegen kommen.
Glücklich sieht Helena den beiden Verliebten nach und winkt noch lange......

*

„Guten Morgen, meine liebe Helena“ sagt eine vertraute Stimme leise.
„Mir scheint, dass du etwas ganz Schönes geträumt haben musst, denn du hast im Schlaf gelächelt und eine Hand bewegt, als ob du jemandem zuwinken würdest.“
„Ach, Mami, es war so wunderschön im Traum ...“, und wieder überzieht ein glückliches Lächeln das Gesicht des Mädchens mit den noch immer geschlossenen Augen.
„Es hat geschneit, richtig fest geschneit! Genau so, wie du es gesagt hast. Und der Schneemann hat mich in seine Kugel geholt und wir haben getanzt und es gab eine richtige Schneeballschlacht! Wie mit Papa früher, weisst du? Ach, war das lustig.
Und dann haben wir für den Schneemann eine wunderschöne Schneefrau gemacht – damit er nicht mehr so alleine ist.
Ach, war der glücklich. Schade, dass es nur ein Traum war.“

Mutter hat sich inzwischen auf den Bettrand gesetzt und ist mit ihrer Hand der Kleinen liebevoll über die Stirne gefahren.
Nun nimmt sie das Mädchen bei beiden Händen und setzt sie vorsichtig auf.
„Komm Helena, dein Traum ist wahr geworden! Mach schnell die Augen auf und schau, wie viel es in der Nacht geschneit hat.“
Die Mutter stützt ihre Tochter, damit sie aus dem Fenster sehen kann.
„Oh, ist das schön, alles ist ganz weiss. So viel Schnee, genau wie in meinem Traum!“
Das Mädchen sieht mit staunenden Augen fasziniert durch das Fenster.
„Aber nach draussen in den Schnee, werden wir nicht gehen können, stimmt's Mutter? Ich bin zu schwer.....“, sagt sie nach einer Weile traurig und kraftlos lässt die Mutter Helenas Oberkörper wieder langsam ins Bett sinken.
„Ach, meine Kleine“. Mutters Augen füllen sich mit Tränen und Helena umarmt sie jetzt ganz fest.
„Nicht weinen Mama, ich weiss schon, ohne Papa....“, zärtlich fährt sie mit der Hand über Mutters Haar.

*

Am Nachmittag, Helena muss im Wohnzimmer eingeschlafen sein, heben sie zwei kräftige Arme hoch.
Das Mädchen kennt den Mann, Peter heisst er und er kam oft zu Papa, als er noch hier war.
„So, Helena, nun geht es los“, sagt Peter mit sanfter Stimme und trägt sie ins andre Zimmer.
„Wir gehen jetzt zusammen in den Schnee!“ „Schau, Mama hat schon warme Kleider bereit gelegt und während sie dich nun richtig warm anzieht, hole ich schon mal den grossen Schlitten von Papa aus dem Keller“.
Mit einem aufmunternden Nicken verlässt Peter das Wohnzimmer und die Mutter beginnt nun, ihrer Tochter die warmen Kleider für den Schnee anzuziehen.
Bald ist sie warm eingepackt und Peter trägt das Mädchen vorsichtig die vielen Treppen hinunter. Vor der Haustüre steht der Holzschlitten mit dem speziellen Sitz, den Vater damals, extra für sie angefertigt hatte.

Es wird ein traumhafter Nachmittag.
Alles ist so, wie in Helenas Traum von letzter Nacht. Peter tanzt mit ihr ausgelassen durch den Schnee und es gibt eine richtige Schneeballschlacht.
Danach schaut sie zu, wie er zusammen mit der Mutter einen grossen Schneemann baut. Der bekommt auch einen dicken, roten Schal und zwei grosse, schwarze Steine für die Augen. Drei weitere Steine gibt es für die Knöpfe und aus seiner Tasche zaubert Peter auch eine Karotte für die Nase. Statt eines Zylinders trägt der weisse Mann nun Peters karierte Mütze mit dem lustigen Bommel. Danach tanzen ihre Mutter und Peter Arm in Arm ausgelassen um die lustige Figur aus Schnee und dann – haben sich die beiden sogar noch geküsst!
Helena klatscht begeistert in die Hände und jauchzt vor Freude.

*

Am Abend, nach dem Nachtessen, sitzt Helena wieder im Wohnzimmer am Fenster. Sie hält ihre Schneekugel mit dem Schneemann fest in beiden Händen.
Peter ist noch zum Nachtessen geblieben und trinkt jetzt mit Mutter Kaffee in der Küche. Helena hört die beiden viel zusammen lachen und nicht nur das, macht das Mädchen sehr glücklich.
Denn es war ein wunderschöner Nachmittag, genau so wie sie es sich gewünscht hatte. Und Peter hat versprochen, dass sie nun öfters zusammen nach draussen gingen. Ihre Mutter hat dazu genickt und geheimnisvoll gelächelt. Dabei haben sich ihre leuchtenden Augen mit einem glänzenden Schimmer überzogen.

Helena schaut jetzt müde aus dem Fenster. Es beginnt bereits zu dunkeln. Auf der menschenleeren Rasenfläche zwischen den Wohnblocks steht ein kleiner, kugelrunder Schneemann mit einer Bommelmütze, einer spitzen Nase, einem roten Schal, drei dicken Knöpfen und zwei schwarzen, grossen Augen.

Hat nicht soeben das Linke gezwinkert?
© Copyright Herr Oter, Dezember 2013 



Autor: By Tanemori (Hatena Ftolife) 
Lizens: CC-BY-1.0  - via Wikimedia Commons


:) 

Donnerstag, 12. Dezember 2013






Wo kämen wir hin,
wenn jeder sagte,
wo kämen wir hin
und keiner ginge,
um zu sehen,
wohin wir kämen,
wenn wir gingen. 

von 

geboren am 31. Januar 1921 in Bern
ist ein von mir geschätzter Schweizer Schriftsteller und Pfarrer.
Er besuchte zusammen mit Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium Bern.
Der Ehe mit Hanni Morgenthaler wurden drei Söhne und eine Tochter geschenkt.

Sein literarisches Schreiben umfasst: 
Aufsätze, Prosa, Tagebücher, Erinnerungen und Lyrik
sowie in seiner Berner Mundart geschriebene, sprachwitzige und politische Gedichte und Aphorismen.

Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem:
Johann-Peter-Hebel-Preis, Kurt-Tucholsky-Preis, Karl-Barth-Preis
und mehrfach mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung

Kostprobe:
oder zusammen mit diverese Interviews hier:






:)


Dienstag, 10. Dezember 2013

Ein bewegender und ein bedeutender Moment








Ein bewegender und ein bedeutender Moment




Zehntausende Menschen nehmen in Soweto Abschied vom südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela. Eine bewegende Zeremonie, so wie sie nur bei einer Trauerfeier in Afrika möglich ist....

90 amtierende und ehemalige Staatschefs nehmen an der Veranstaltung teil.
So auch US-Präsident Barack Obama.
Er sorgt bei dieser Feier noch für einen zusätzlichen, historischen Moment.
Auf dem Weg zum Podium, wo er eine bemerkenswerte Abschiedsrede für die herausragende Persönlichkeit und Friedensnobelträger, Nelson Mandela, halten wird, kommt er auch beim kubanischen Staatschef Raul Castro vorbei. Die USA und Kuba sind seit mehr als 50 Jahren verfeindet und noch im Vorfeld der Gedenkfeier hatte es geheissen, Obama wollte im Stadion möglichst weit entfernt von Castro sitzen.
Doch Barak Obama bleibt, nach einer kaum bemerkbaren Verzögerung, bei Raul Castro stehen und schüttelt ihm lächelnd die Hand und – Herr Castro lächelt währenddessen zurück.

Ein bedeutender Moment! Der hier zu sehen ist.
Denn diese Geste zwischen einem amerikanischen und einem kubanischen Staatschef ist in der jüngeren Geschichte einmalig. So ist es erst der zweite Handschlag zwischen den Staatsoberhäuptern der beiden Länder seit der Kubakrise 1962, also vor mehr als 50 Jahren.
Der erste fand im Jahr 2000 in New York statt, als sich der damalige US-Präsident Bill Clinton und Raul Castros Bruder, der langjährige Staatschef Fidel Castro, die Hände reichten.


Eine Frage für mich bleibt:
Sind solche historisch bedeutende und bewegende Momente wirklich immer ganz spontan oder eben doch "etwas" geplant?
Bei Barak Obama bin ich mir dessen eigentlich ziemlich sicher – er entscheidet oft aus dem Moment heraus. Aber wer weiss, vielleicht hat auch „Mandelas Geist“ noch mitgespielt.






 :)

Sonntag, 8. Dezember 2013

De Samichlaus wot nüm so recht / Der Nikolaus will nicht mehr so recht







De Samichlaus wot nüm so recht
E wieteri Gschicht us mina Läsiga im Altersheim



Hinweis
Eine für alle verständliche Übersetzung findet ihr im Anschluss!

Amena chalta, gruusiga Morga sitzt de Samichlaus in sim warma, gmütlicha Stübli. D'Uhr an dr Wand hät gliechmässig „Tick-Tack“ gmacht und uf em Kalender danäba, chama gseh, dass morn de 6. Dezember isch, also de Samichlaustag.
Im Stall näba dra stoht sis Eseli und streckt dur es chlieses Fensterli sin Kopf ins Stübli vom Samichlaus.
Jo wüssender, de Samichlaus wär susch jo immer allai – und er wott doch au öppe mit sim brave Tierli chöna pläuderla.

Aber hüt isch im gar nit zum Pläuderla zmuet. Er hät sis dicka, grossa Buach uf de Chneu und blätteret und blätteret und schüttlet immer wieder de Chopf. Was stoht ächt in dem Buach, wo ihm so fäscht z'denka git?

In dem Buach hät er dur s'Johr dura, immer alles ufgschriba, wo är vo sina Chind erfahra hät. Ob si lieab gsi sind, ob sie em Mami und em Papi gfolget händ oder öb sie in dr Schuel guat ufpasst händ – halt eifach alles, was so en Samichlaus wüssa sött, wänn er zu de Chind goht.
Aber jetzt hät er halt schon viel gläsa, wo ihm gar nit gfallt.
Es dunkt ne, d'Chind heiget sich sit sim letschta Bsuach jo gar nüt bessert!
De Seppli wot em Obet no immer nit ins Bett, so das ds Mami mit ihm immer zerscht schimpfa muess. Defür isch er denn am Morga in dr Schuel müed, und schient's schriebt er no immer ganz wüescht ins Schualheft.
Und au s'Vreneli, sini Schwöster. Si tuet no immer umemuhla, wenn s'Mammi im e chlini Arbet git – zum Biespiel dr Tisch zdecka oder z'Zimmer ufzruma.
De Karl macht no immer mängisch d'Husufgabe nit und letzhin hät er sogar uf em Heimwäg sis Läsibuach verlore.
De Peter chunt immer wieder mit kaptttna Hose und Jacka heim vo der Schuel; statt, dass er zehrscht giengti, die schöna Chlaider go abzieh und defür Älteri azlegga.
Ach“, stöhnt jetzt de Samichlaus, „dia hütiga Chind händ eifach überhaupt kei Sorg meh zum Züg“.
Au köhrt me immer meh Chlaga, dass sie uf em Schuelwäg düend mitenand strieta und sie nüt Gschieders wüessend zmache, als die chlinera Chind zbloga.
Es dunkt de Samichlaus, es wärdi immer schlimmer mit dena Junga. Uf jeder Site in sim Buach sind immer wieder so ungfreuti Gschichta gschrieba. Kei Verglich mit frühner, do isch eifach no alles viel besser gsi.
De Samichlaus macht sis Buach zue und stützt ganz truurig de Chopf in d'Händ.

Eigentlich wär jetz höchsti Zit die guata Sacha grüschtet zmache. Im Chaschta sind scho viel chlini und grössari Säckli mit Nüss, Mandarinli und Schöggali dina. Auch d'Läbchuacha hät er bereits bachet und natürli hät er au d'Ruta scho zämabunda. Er söt di feina Sacha jetzt nur no in de Samichlaussack verpacka.

Aber jetz, wo er in sim Buach e chli gläsa hät, isch em Samichlaus d'Freud eifach verganga und er hät gar nümm recht Lust, zum zu de Chind zgo.
Es isch eso eifach nümma schön“ brummlat är missmuatig in sina Bart.
Immer meh muass i mit de Chinder schimpfa und nütza tuet jo sowieso meistens nüt.“
'I wett de Chind doch viel lieber e Freud mache, als ne mit de Fitza zdroha.
I möcht vo ihne lieber schöni Versli und Liedli losa – aber immer meh sind jo zful, überhaupt eis z'lehra. Sie wänd nur no mini Gschenkli und überhaupt – sie glauben jo gar nümma recht an de Samichlaus. In allna Heftli, im Fernseh und in de Läda häds jo scho, bevor ich chuma, scho so vil unächti Chläus ...
Nei das gfallt mer nümma! Ich glauba, ich blieba das Johr emol daheim.'
Gell Eseli, frühener isch es eba scho no besser gsi?“ 
S'Eseli, das seit aber nüt!

De Samichlaus hät no es Holzschietli ins Öfali gleit, sis Tubakpfiffli azünd und denn hät er sich's im grossa Lehnstuahl gmüetlich gmacht.
Was wärdet ächt d'Chind säga, wenn i nümma chuma?“ 
Dia Sach loht im glich kei Ruah!
Jo, viellicht merken sis bi dem Rummel wo hüt überall isch, io gar nit. 
Und susch gänd si sich viellicht de durs Johr dura e chli meh Müeh und, ich muess im nöchsta Johr weniger Chlaga in mis Buach ina schrieba.

Do chlöpfelets liesli ans Fensterli. Es Maisli stoht dussa und pöpperlet mit sim Schnäbbali ad Schiaba. Es hät sich ganz fescht ufplusteret und tanzt vo eim Bei uf's andera.
De Samichlaus machts Fensterli uf und ds Vögeli hüpft grad uf de Tisch.
Jo de chum halt inna! Möchtisch di e chli cho ufwärma, häsch sicher chalt? Und Hunger häsch denk au – luagdo häsch e chli Fuatter?“ 
Ds Vögeli pickt em Samichlaus dankbar es paar Chörnli us dr Hand.

Du, Samichlaus“, saits de, „in dem Hüsli am Waldrand – weisch döt woni ame e chli Brotbrösmali cha go hola – döt wohnend doch zwei Chind, de Fritzli unds Maiali.
Du, dene ihres Mami isch doch so fescht chrank.
Aber du söttisch einisch gseh, wie die zwei Daheim ganz tüchtig tüend helfa.
De Fritzli got go poschta und macht sogar am morga selber si Bett.
Und's Maiali hilft putza und es cha au scho e chli chocha.“
Jo, das ghöri gärn, liabs Maisli, das freut mi aber würklich“, sait druf de Samichlaus.

Kurz nochdem s'Vögeli wieder furtgfloga isch, chunt au no ds Eichhörnli zgumpa. Au für ins hät de Samichlaus öppis parat und streckt em es Nüssli hera.
Danka Samichlaus – brr, isch das chalt und grusig dussa“, und – scho isch s'Eichhörnli am chnabbara.
Weisch, Samichlaus“, seits denn zwüscha dura, „ich gohn doch öppa uf de grossi Nussbaum wo grad näb em Altersheim isch, gell.“ 
Waisch, du söttisch einisch ghöra, wie dia Chind döt in dr Spielgruppa herzigi Liedli und chlini Versli lehrend.
Mi ghört richtig, wie die sich uf di freuend, Samichlaus – und, wie die mit Begeisterig debi sind.
Und dia Kräia, gell, wo doch döt wohnt – die hät mer gseit, dass die Chind au gar nüm soviel düend stritte, sit si die neu Lehrerin händ. Es nähm si scho Wunder, wie dia das ächt fertigbrocht heig.“

Oh, Oh“, de Samichlaus isch ganz verwundert, „jo, das isch jo wunderbar – danka Eichhörnli, dass du miar das verzellt häsch. Do nümm no einisch es Nüssli.“

Churz druf aba chunt au no z'Müsli cho träbbala. Es schint, dass sich hüt – wills dussa so kalt isch – all sini Fründa bim Samichlaus wänd cho ufwärema.
Nochdem, dass es das Stückli Chäs, wo de Samichlaus bereit ka hät, ufgässea hät, seit z'Müsli:
Weisch Samichlaus, wenns dussa so kalt isch, denn blieb ich halt scho meh in mim Musahüsli. Döt, unter em Daheim vom Seppli und em Vreneli höckle ich denn ganz noch bim Musalöchli in der Chuchi, wills döt halt so schön warm isch. Und mängisch gheit jo au öppis Essbars uf de Chuchiboda und, de gseht mes jo grad, gell?“ 
De Samichlaus muess lache und nickt.

Also weisch Samichlaus, ich muess scho säga, dia zwei Chind döt, händ de scho Fortschritt gmacht in letschter Zit. De Seppli isch jetzt am Obet wie de Blitz im Bett, sit er das neua, schöna Nachttischlämpli hät – und, i han grad geschter ghört, dass au de Lehrer mit sinera Schrift viel besser zfrida isch.
Und au s'Vreneli isch ganz es liabs worda. Sie mulet gar nümma uma und und au ihres Zimmer rummt si jetzt tiptop uf, will öppa sini Schuelgspänli zu ihm chömed cho spiela.
Mängisch muess ma halt eifach e chli Geduld ha, bis die Chind e chli grösser sind, gell Samichlaus.“

De Samichlaus isch sprochlos. Er bedankt sich au bim Müsli ganz herzlich und git em no es Schniffeli Chäs mit uf de Heimwäg.
Tubakpfiffa isch inzüscha usganga, so gspannt hät er sine Bsuech zueglosat.
Also das hät i scho nit dänkt“, murmlet er in de wiess, lang Bart. 
Vielleicht isch jo alles gar nit so schlimm! Was meinsch du dezue, Eseli?“
S'Eseli nickt und meint: „Weisch Samichlaus, au du bisch jetz scho chli alt worda. Ich glauba, du häsch vergässa, dass d'Chind au frühner nit immer numa brav gsi sind. Luag einisch in dieni alta Bücher, wot no uf em Estrich häsch. I cha mi scho no erinnera, dass du döt näb em Erfreulicha, auch mängs Unerfreulichs ina geschriba häsch.
I glauba, du häsch scho recht, Eseli, i ha mi glaub do scho chli verrent. 
Es hät würkli scho immer Guats und Unguats gäh.
Früehner hani viellicht eifach s'Guata in de Chind meh gseh als Schlechti, und jetzt im Alter.....“
Jetzt muass i aber pressiera. D'Chind während sicher ganz fescht truurig, wenn i nüma würdi zu ihne cho, oder was meinsch du, Eseli. 
S'Eseli nickt mit em Chopf und macht es freudigs, J-aaaa.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013 









Der Nikolaus will nicht mehr so recht
Eine weitere Geschichte aus meinen Lesungen im Altersheim


An einem kalten, ungemütlichen Morgen, sitzt Nikolaus in seinem warmen, gemütlichen Stübchen.
Die Uhr an der Wand macht gleichmässig „Tick-Tack“ und auf dem Kalender daneben ist zu sehen, dass der 6. Dezember, also der Nikolaustag, schon morgen da sein wird.

Im Stall nebenan steht sein Esel und streckt seinen Kopf durch ein kleines Fensterchen ins Stübchen des Nikolaus. Ja, wisst ihr, der Nikolaus wäre sonst ja immer alleine – und er möchte doch auch ab und zu mit seinem braven Tierchen plaudern.

Aber am heutigen Tag ist ihm überhaupt nicht ums Plaudern zu Mute. Er hat sein dickes, grosses Buch auf den Knien und blättert und blättert und dazu schüttelt er immer wieder den Kopf. Was mag in dem Buch stehen, das ihm so sehr zu Denken gibt?
In diesem Buch hat er während des ganzen Jahres immer alles aufgeschrieben, das er über „seine“ Kinder erfahren hat. Ob sie lieb waren, ob sie Mutter und Vater gehorchten oder ob sie in der Schule gut aufgepasst haben – halt einfach alles, was so ein Nikolaus wissen sollte, wenn er die Kinder besucht.

Aber nun hat er viel gelesen, das ihm gar nicht gefällt.
Es scheint ihm, als ob sich die Kinder seit seinem letzten Besuch gar nicht gebessert hätten.
Der Seppli will am Abend noch immer nicht ins Bett, ohne, dass die Mutter mit ihm zuerst schimpfen muss.
Dafür ist er dann morgens in der Schule müde und ins Schulheft soll er auch noch immer liederlich schreiben.
Auch Vreneli, seine Schwester, widerspricht noch immer, wenn ihm seine Mutter eine kleine Aufgabe überträgt, zum Beispiel den Tisch zu decken oder in ihrem Zimmer Ordnung zu schaffen.
Karl macht seine Hausaufgaben auch noch nicht immer und kürzlich hat er sogar sein Lesebuch auf dem Heimweg verloren.
Peter kommt mit zerrissenen Hosen und Jacken von der Schule nach Hause, anstatt zuerst die schönen Kleider abzulegen und Ältere anzuziehen. 
Ach“, stöhnt nun der Samiklaus, „diese heutigen Kinder tragen zu ihren Sachen einfach keine Sorge mehr.“ 
Auch hört man immer öfter Klagen, dass sie auf dem Schulweg immer wieder streiten und nichts Gescheiteres zu tun wissen, als die Kleineren zu plagen.
Es kommt dem Nikolaus vor, als ob es mit der heutigen Jugend immer schlimmer würde. Auf jeder Seite in seinem Buch sind immer wieder solche unschönen Geschichten aufgeschrieben. Kein Vergleich mehr mit früher, da war einfach alles noch viel besser.

Der Nikolaus schliesst sein Buch und stützt traurig seinen Kopf auf die Hände.
Eigentlich wäre es jetzt höchste Zeit, die guten Sachen bereit zu machen. Im Schrank gibt es bereits viele kleinere und grössere Säckchen mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Auch die Lebkuchen hat er bereits gebacken und natürlich auch die Rute zusammengebunden. All die feinen Sachen sollte er nun aber noch in den Samiklaussack packen.

Doch seit er in seinem Buch gelesen hat, ist dem Samiklaus die Freude einfach vergangen und er hat gar keine Lust mehr, die Kinder zu besuchen. 
So ist es einfach nicht mehr schön“, brummelt er missmutig in seinen Bart. 
Immer öfter muss ich mit den Kindern schimpfen und dann nützt es erst noch meistens nichts. Viel lieber möchte ich den Kindern eine Freude machen, anstatt ihnen mit der Rute zu drohen. Ich würde von ihnen auch lieber schöne Verse und Lieder hören, aber immer mehr Kinder sind zu faul, um welche zu lernen.“
'Sie wollen bloss noch meine Geschenke – und überhaupt, sie glauben ja gar nicht mehr an den Samiklaus. In den Zeitschriften, im Fernsehen und in den Geschäften sind ja, schon lange bevor ich komme, so viele unechte Kläuse zu sehen. Nein, das gefällt mir nicht mehr. Ich denke, dass ich in diesem Jahr lieber Zuhause bleibe.'

Findest du nicht auch, dass früher alles besser war, Eseli? 
Doch das Eseli sagt nichts dazu.....

Nikolaus legt noch Holz im kleinen Ofen nach, zündet seine Backpfeife an und macht es sich im grossen Lehnstuhl gemütlich.
'Was werden die Kinder sagen, wenn ich in diesem Jahr nicht komme?'
Die Sache lässt im doch keine Ruhe.
'Ach, vielleicht merken sie es bei dem heutigen Rummel ja gar nicht und sonst geben sie sich möglicherweise während des Jahres etwas mehr Mühe, so, dass ich im nächsten Jahr etwas weniger Klagen in mein Buch notieren muss.'

Da klopft es leise an das Fenster. Eine Maise steht draussen und pocht mit seinem Schnabel an die Glasscheibe.
Sie hat sich stark aufgeplustert und tanzt von einem Bein auf das andere.
Der Samiklaus öffnet das Fenster und das Vögelchen hüpft geradewegs auf den Tisch.
Dann komm doch herein! Möchtest du dich ein bisschen aufwärmen, du hast sicher kalt? Und Hunger hast du sicher auch – schau hier hast du etwas Futter.
Das Vögelchen pickt dankbar ein paar Körner aus seiner Hand.

Du, Samiklaus“, sagt es dann, „in dem Häuschen am Waldrand – du weisst doch, dort wo ich manchmal ein paar Brosamen holen kann – dort wohnen doch zwei Kinder, der Fritzli und das Meieli.“
Du, deren Mutter ist doch ganz fest krank. Aber du solltest einmal sehen, wie die beiden Zuhause tüchtig helfen. 
Fritzli geht einkaufen und macht am morgen sogar sein Bett selber. Und Meieli hilft beim Putzen und es kann sogar bereits ein bisschen kochen.“
 Das höre ich gerne, liebe Meise, das freut mich wirklich“, sagt daraufhin der Nikolaus.

Kurz nachdem das Vögelchen wieder fortgeflogen ist, hüpft auch noch das Eichhörnchen daher. Auch für das, hält der Nikolaus etwas bereit und streckte ihm eine kleine Nuss entgegen. 
Danke Samiklaus – brr draussen ist es aber kalt und garstig“, und, bereits ist das Eichhörnchen am knabbern. 
Weisst du Nikolaus“, sagt es zwischendurch, „ich gehe doch manchmal auf den grossen Nussbaum, der gerade neben dem Altersheim steht. 
Du solltest einmal hören, wie die Kinder der Spielgruppe dort liebevolle Lieder und kleine Verse lernen. Man hört richtig wie sie sich auf dich freuen, Nikolaus, und wie sie voller Begeisterung mitmachen.
Zudem sagte mir letzthin die Krähe, die dort wohnt, dass die Kinder auch nicht mehr so oft streiten, seit sie eine neue Lehrerin haben. Es wundere sie, wie die das zustande habe.“
Oh, oh“, der Nikolaus ist ganz verwundert, „ja, das ist ja wunderbar.“
Ich danke dir, Eichhörnchen, dass du mir das erzählt hast. Da, nimm noch ein Nüsschen.“ 

Kurz danach trippelt auch noch das Mäuschen daher.
Es scheint, dass sich heute, weil es draussen so kalt ist, alle seine Freunde beim Nikolaus aufwärmen wollen.
Nachdem es das Stückchen Käse, das der Nikolaus extra bereit hielt, aufgegessen hatte, sagte das Mäuschen:
„Weisst du Nikolaus, wenn es draussen so kalt ist, dann bleibe ich schon gerne in meinem Mäusehaus.“ „Dort, unter dem Zuhause vom Seppli und dem Vreneli sitze ich dann ganz nahe beim Mäuseloch in der Küche, weil es dort so schön warm ist. Manchmal fällt ja auch etwas Essbares auf den Küchenboden und dann sieht man es auch sofort, nicht war?“
Der Nikolaus muss lachen und nickt. 
Also, weisst du Nikolaus, ich muss schon sagen, dass die beiden Kinder in letzter Zeit sehr grosse Fortschritte gemacht haben. Der Seppli ist jetzt jeden Abend wie ein Blitz im Bett, seit er die neue, schöne Nachttischlampe besitzt – und, ich habe gerade gestern gehört, dass auch der Lehrer mit seiner Schrift jetzt viel besser zufrieden ist. Und auch Vreneli ist ganz brav geworden. Sie widerspricht nicht mehr und auch ihr Zimmer ist jetzt ordentlich aufgeräumt, seit ihre Schulfreundinnen manchmal nachmittags, zu ihr zum Spielen kommen.
Oftmals braucht es einfach ein wenig Geduld, bis die Kinder etwas grösser sind, nicht war Nikolaus?“

Der Nikolaus ist sprachlos. Er bedankt sich auch beim Mäuschen ganz herzlich und gibt im noch ein Stückchen Käse mit auf den Heimweg.
Die Backpfeife ist inzwischen erkaltet, so gespannt hatte er den Besuchern zugehört.
Also, das hätte ich schon nie gedacht“, murmelt er in den weissen, langen Bart. „Vielleicht ist ja alles doch nicht so schlimm!“
Was meinst du dazu, Eseli?“
Das Eseli nickt und meint: „Weisst du Nikolaus, auch du bist inzwischen etwas alt geworden.“ „Ich glaube, dass du vergessen hast, dass die Kinder auch früher nicht immer nur brav waren. Schau einmal in deine alten Bücher, die noch auf dem Dachboden liegen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass du bereits damals nebst dem Erfreulichen auch immer Unerfreuliches hinein schreiben musstest.“
Ja, ich denke du hast recht, Eseli! Es hat wirklich schon immer Gutes und Schlechtes gegeben. Früher habe ich vielleicht bei den Kindern eher das Gute gesehen, weniger das Schlechte – und jetzt im Alter.....
Nun muss ich mich aber beeilen. Denn die Kinder wären sicher stark traurig, wenn ich nicht mehr zu ihnen kommen würde.“
Oder, was meinst du dazu, Eseli?“ 
Das Eseli nickt mit dem Kopf und macht freudig: „J-aaaa“.

© Copyright Herr Oter, Dezember 2013








:)

Freitag, 6. Dezember 2013

Schmutzli





Schmutzli

Heute, am Samiklaustag, werde ich am Nachmittag wieder, wie bereits gestern, hier in einem Altersheim unterwegs sein. Ich begleite nämlich den Samiklaus – als Schmutzli.

Schmutzli“, so nennt man in dieser Gegend hier den Knecht Ruprecht.

Eine „gfürchige“ Gestalt – die mir eigentlich völlig zuwider ist. Denn, während der Samiklaus als Himmelsbote die „Gschenkli“ bringt, muss ich als Höllenvertreter oder gar als der „gezähmte Teufel“, die drohende und strafende Rolle übernehmen. Dabei wäre ich doch viel lieber ein Lieber, aber es fehlte nun mal ein Schmutzli. Also mache ich das, obwohl ich bisher fest überzeugt war, dass ich mich ganz sicher nie als „Beelzebub“, wie er an manchen Orten auch genannt wird, zur Verfügung stellen würde, und nun das:



Aber, ich konnte der Anfrage einfach nicht widerstehen, wenn man mich schon so nett bittet.

Also bin ich nun, zusammen mit dem prächtigen Samiklaus und seinem stattlichen Helfer, als gefürchteter Schmutzli bei den betagten Bewohnern in unseren beiden Heimen zu Besuch; schwarz von unten bis oben, mit einem „Schellenkranz“ (Glöckchen) um den Bauch, der „Fitze(Rute) in der einen Hand und dem „Brämi“ in der anderen.

Das „Brämi“ ist ursprünglich ein Stück Kohle – doch heute verwende ich einen schwarzen Wachsstift, der lässt sich nachher besser wieder entfernen. 

Denn „Brämi“ gibt es auf die Backen, auf die eine oder in ganz schlimmen Fällen halt auf beide. „Brämi“ macht man(n) vor allem den Frauen – am liebsten den jungen Mädchen – und eigentlich nur den „Bösen“ – aber da nimmt man es nicht so genau. Man „brämt“ was man(n) bekommt, denn sie wehren sich alle und rennen unter Gekreische wenn möglich davon, aber meistens halt doch vergebens, den früher oder später bekommt man(n) sie alle.

Doch dieses „Problem“ habe ich im Altersheim natürlich nicht. „Gebrämt“ werden sie von mir aber trotzdem – auch wenn sie bereits „etwas älter“ sind und nicht mehr davon rennen können. Dafür zieren sie sich jetzt, wenigstens anfangs und dann..... lassen sie sich nicht ungern unter dem Gelächter der anderen, einen schwarzen Strich auf die "Backe" (Wange) malen. Den tragen sie dann stolz den ganzen Abend, wie eine Jagdtrophäe.

Im Altersheim lobt der Samiklaus vor allem und tadelt wenig. Sein guter Helfer verteilt liebevoll Schokolade, Nüssli und Mandarinli. Auch meine „Fitze“ kommt natürlich nicht zum Einsatz. Auch schweige ich immer, hüpfe höchstens ab und zu oder stampfe selten mal kräftig, sei es zum Applaus oder zur Schelte, damit die „Schellen“ so richtig „schellen“.

In meiner Kindheit kam bei uns Zuhause der Samiklaus immer allein. Ein Knecht Ruprecht durfte zu meiner Zeit nie kommen. Denn Mami hatte auch als Erwachsene noch immer etwas Angst vor dem Samiklaus. Heute würde man vermutlich von einem „Trauma“ sprechen.

Schuld war ein Erlebnis aus ihrer Kindheit, als sie als kleines Kind in den Sack gesteckt und bis auf die Strasse mitgenommen wurde. Das muss einen furchtbaren Schock bei dem kleinen Mädchen ausgelöst haben, den sie das ganze Leben lang nie mehr ganz los wurde.

Darum wurden bei uns die „Kläuse“ von ihr immer sehr sorgfältig ausgelesen. Ein ganz lieber musste es sein! „Einfach irgendeiner“ (z.B. aus dem Turnverein oder dem Männerchor) wäre von ihr nie bestellt oder ins Haus gelassen worden. Es musste immer jemand aus dem Freundeskreis sein, den sie gut kannte und der höchstens ein wenig tadelte, aber nie richtig böse schimpfen durfte.

Somit habe ich nur die schönsten Erinnerungen an den Samiklaus und das will ich auch weiterhin so halten, Schmutzli hin oder Schmutzli her.






;)

Montag, 2. Dezember 2013

Er ist wieder da!






Er ist wieder da!

Der bemerkenswerte
Adventskalender aus 
rotzloeffel´s stuebchen  


Man findest dort allerlei 
Unterhaltendes, Amüsantes, Rätselhaftes und Poetisches
zur Advents- und Weihnachtszeit,
und täglich gibt es ein amüsantes Rätsel 
(Empfehlung: bei jedem Türchen unbedingt: Weitere Informationen antippen)


Ich würde mich freuen, viele von Euch in
anzutreffen.



:)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Eine warme Decke für einen alten Esel





Eine warme Decke 
für einen alten Esel


Nikolaus machte sich Sorgen. 
Sein treuer, alter Esel Fridolin gefiel ihm in letzter Zeit gar nicht. Es schien, als ob sich der betagte Esel in diesem Jahr so gar nicht recht auf die kommende Adventszeit freuen wollte.
Auch liess er seinen Kopf immer öfter tief hängen – besonders, wenn er sich unbeobachtet fühlte.

Es war ja nicht so, dass sein langjähriger Mitarbeiter seine Aufgaben vernachlässigt hätte. Im Gegenteil, er war trotz seines hohen Alters noch immer sehr gewissenhaft und pflichtbewusst. Auch wenn er keine grossen Lasten mehr zu tragen hatte, dafür waren jüngere Esel da, so war Nikolaus doch auf die grosse Erfahrung dieses verdienten Mitarbeiters weiterhin angewiesen.
Seit so vielen Jahren stand Fridolin nun an seiner Seite, er kannte den Weihnachtsbetrieb, wusste auf was es ankam und genoss darum bei den jüngeren Eseln grosses Ansehen.
Trotzdem fiel Nikolaus schon seit einigen Tagen auf, dass den Esel etwas zu bedrückt schien.


Das Tagwerk für heute war getan und so füllte Nikolaus zwei Tassen mit heissem Glühwein und setzte sich zu seinem alten Freund in den Stall. Der hatte sich wieder einmal still in die hinterste Ecke verzogen, während die Jüngeren noch immer draussen übermütig waren.


„So Fridolin, schau, ich habe dir hier etwas zur Stärkung mitgebracht“, sagte Nikolaus freundlich.
Dieser nickte mit dem Kopf ohne aufzuschauen.
„Sag, mein Guter, freust du dich in diesem Jahr nicht auf die kommende Weihnachtszeit?“ fragte Nikolaus vorsichtig.
„Doch, doch“, murmelte der Esel, „ich bin nur etwas müde.“
„Ja, ich weiss, im Moment ist es bei uns wieder sehr hektisch, halt wie jedes Jahr im November, du kennst das ja.
Doch wenn es dir zu viel wird, dann gönne dir doch ruhig ein Mittagsschläfchen oder eine Pause zwischendurch. Du musst doch nicht mehr ständig bei der Arbeit helfen“.
Nikolaus tätschelte seinem alten Kumpel aufmunternd den Hals und dieser drückte seinen Kopf an dessen Mantel.
„Die Arbeit hier ist schon in Ordnung, Samiklaus“, erwidert der Esel.
Samiklaus, so nannte Fridolin seinen Chef schon immer.
„Ich mache sie noch immer gerne, für die vielen Kinder, es ist bloss....“, Fridolin liess den Kopf wieder tiefer hängen.
„Ja, was bedrückt dich denn, mein alter Freund“, fragte Nikolaus einfühlend und schlang den Arm um den Hals des treuen Gefährten um ihn auch auf der anderen Seite zu streicheln.
„Ach, es ist nichts, Samiklaus“, erwiderte der Esel störrisch. „Du hast so viel um die Ohren, da kannst du dich nicht auch noch um einen alten Esel wie mich kümmern.“
Nikolaus fuhr mit seinen beruhigenden Liebkosungen fort. Er kannte seinen alten Freund und wusste, dass er ihm etwas Zeit lassen musste.


„Aber ich komme in diesem Jahr nicht mit auf die Tour, Samiklaus“, sagte Fridolin nach einer Weile leise aber mit fester Stimme, als wäre er froh, es endlich gesagt zu haben.
Nikolaus erstarrte. „Was sagst du da, Fridolin!“ „Das geht doch nicht – ich brauche dich auf meinem Rundgang. Du musst auch nichts tragen, das weisst du doch“, sagte Nikolaus und verlor nun doch etwas seine Ruhe.
„Ja, das weiss ich schon, Nikolaus, aber ich bin alt und zu nichts mehr zu gebrauchen. Wer will schon noch etwas mit einem alten Esel wie mir zu tun haben?“
„Aber Fridolin, das stimmt doch nicht“, rief Nikolaus beinahe verzweifelt. „Du bist zwar alt, das stimmt, aber wir brauchen dich. Du hast grosse Erfahrung, du weisst wie der Karren läuft und du bist ein grossen Vorbild für die Jungen. Sie schätzen dich!“


Fridolins Rücken spannte sich und sein Kopf richtete sich beinahe auf.
Nikolaus verstärkte seine Massage und beide schwiegen für einen Moment.
„Es ist ja nicht nur das, Samiklaus“, unterbrach Fridolin dann die Stille.
„Es ist auch so, dass ich in letzter Zeit draussen immer öfter friere, jetzt wo der Winter da ist. Ich bin halt alt und da friert man eben mehr.“
Nikolaus musste lächeln. „Aha, darum bist du in letzter Zeit nicht mehr draussen. Ich dachte schon.....“
Erleichtert tätschelte Nikolaus seinen Freund auf den Hintern.
„Ja, in dem Fall, Fridolin, muss für dich eine warme Decke her“, rieft Nikolaus kurz entschlossen.
„Dann kannst du wieder nach draussen und auch mit uns auf unsere Weihnachtstour.“
Nikolaus war ganz zufrieden, dass er Fridolin auf einfache Weise helfen konnte.


„Aber, Samiklaus, wir haben gar keine Decke – und, du hast gerade erst gestern gesagt, dass du nun den letzten roten Rappen für die Weihnachtsgeschenke der Kinder ausgegeben hast.“
Nikolaus erschrak! Ja, das stimmte. Er hatte sein Budget für dieses Jahr bereits ziemlich überzogen, weil immer grössere Weihnachtswünsche der Kinder bei ihm eintrafen. Kein Kind wollte sich noch mit einer warmen Mütze, ein paar winterfesten Stiefeln, einer kleinen Eisenbahn aus Holz oder einem einfachen gestrickten „Bäbi“ zufrieden geben. Heute wurde Elektrisches und Elektronisches bei ihm bestellt oder es wurden andere teure Spielsachen von ihm erwartet.
Nikolaus strich sich bedächtig über den langen weissen Bart und er hatte tiefe Falten auf der Stirne.
Fridolin kannte diesen Anblick und es war unverkennbar, dass Nikolaus jetzt konzentriert nachdachte.
„Mach dir doch keine Sorgen, Samiklaus, es geht auch ohne eine Decke für mich. Es ist viel wichtiger, die vielen Kinder nicht zu enttäuschen. Bald kommt doch der Frühling wieder und dann wird es auch wieder wärmer.“
„Du bist ein Guter, Fridolin, du würdest sogar noch frieren, für die Kinder. Aber ich glaube, ich habe bereits eine Idee.“


Am nächsten Nachmittag stiefelte Nikolaus durch den Wald dem Städtchen entgegen. Seine Wangen waren von der Kälte gerötet und der Bart vom „Biswind“ zerzaust, als er über die schmale Brücke auf das Alterszentrum zuschritt.
Sorgsam klopfte er vor dem Eingang den Schnee von den schweren Stiefeln, bevor er durch die beiden Schiebetüren in das Altersheim eintrat. Ein wohlige Wärme schlug ihm entgegen und ein ziemliches Stimmengewirr deutete darauf hin, dass die Cafeteria voll war. Das kam ihm gerade recht.


„Haha, der Samiklaus“, riefen ein paar Frauen, die beim Eingang auf einer weichen Couch sassen.
„Hast du dich in der Zeit vertan, Samiklaus? Es ist doch erst November.“
„Du kommst viel zu früh“, sagte die eine – „der wird auch langsam alt“, witzelte eine andere.


Viele Augenpaare richteten sich nun verwundert auf den Klaus und inzwischen war es auch ziemlich still im Heim-Café geworden. Wenn der Nikolaus bereits Mitte November ins Heim kam, dann musste etwas Wichtiges vorgefallen sein.
Dieser schlug nun etwas umständlich die Kapuze zurück, hob dann freundlich die Hand zum Gruss und räusperte sich.
Mucksmäuschenstill war es nun geworden und eine spürbare Spannung lag in der Luft.
Nur ein lautes „Hicks“ hörte man zwischendurch, das war Frau Kalbermatten mit ihrem Schluckauf.


„Guten Abend, meine lieben Bewohner“, sagte der Klaus nun bedächtig mit seiner tiefen Stimme und lockerte die Spannung mit jenem freundlichen, warmherzigen Lächeln, das ihm so eigen war.
„Ja, es ist richtig, ich komme zu einer aussergewöhnlichen Zeit. Aber dafür gibt es auch einen aussergewöhnlichen Grund, denn ich brauche für einmal eure Hilfe.“
Ein Tuscheln und ein Raunen ging durch den Raum und die Verwunderung unter den Bewohnern und Besuchern des Altersheimes wurde nicht kleiner.
Nikolaus brauchte ihre Hilfe, sie wurden gebraucht?
Nikolaus räusperte sich wieder und erzählte dann vom Leiden seines alten Freundes Fridolin, seinen eigenen Geldsorgen und dass er gehört habe, dass es hier viele fleissige Hände gab, die schnell und gut stricken konnten.
„Nun habe ich mir gedacht“, sagte Nikolaus mit einem verschmitzten Lächeln, „dass ihr vielleicht Zeit und Lust habt, eine warme Decke für den armen Fridolin zu stricken.“
Nikolaus schaute in die Runde und überall sah er Köpfe nicken.
„Ja klar, das machen wir“, rief Frau Döss als erste und holte bereits ihr Strickzeug aus der Handtasche. „Zeit haben wir genug“, bemerkte Frau Korner und „genau, das schaffen wir doch noch“ tönte es aus der der Ecke von Frau Minder. Nun gab es Zustimmung von allen Seiten, währenddessen Frau Weingartner noch immer den alten Esel bemitleidete: „Frieren ist doch schrecklich, besonders für uns Alte“.
So waren sich alle rasch einig, dem armen Fridolin musste geholfen werden.
Sogar ein paar Männer boten an, auf ihre alten Tage noch stricken zu lernen, nur damit das Werk bis zum ersten Advent sicher fertig sein würde.
Nikolaus musste schmunzeln. „Ich kenne viele von Euch ja schon ziemlich lange“, sagte er daraufhin „und ich wusste, dass ihr mich nicht im Stich lassen würdet.
Ich danke euch allen ganz herzlich.“


Kaum war Nikolaus gegangen, begannen die Frauen mit der Arbeit. Viel Wolle wurde gesammelt und schon bald hörte man von früh bis spät im ganzen Haus die Stricknadeln klappern. Alle die konnten beteiligten sich daran. Während die einen strickten, sorgten andere für die Unterhaltung und wieder andere sahen einfach wortlos zu. Auch die Männer halfen was sie konnten.
Sie sprangen den heruntergefallenen „Wullechlüngeli“ nach, wickelten sie wieder auf und ab und zu lobte einer die fleissigen Frauenhände. Plätzchen um Plätzchen wurde gestrickt, in allen Farben und bald konnte man sie zu einer pferdegrossen Decke zusammennähen. Weil noch Wolle übrig war, wurde daraus auch eine warme Decke für die Knie vom Nikolaus gemacht. Es war eine eindrückliche, vorweihnachtliche Stimmung im Heim und man beschloss, diesen Schwung auch mit ins neue Jahr zu nehmen und wieder wie früher, viel mehr für den Bazar im Sommer und den alljährlichen Weihnachtsmarkt zu stricken und zu basteln. Denn etwas Geld konnte man doch immer gut gebrauchen – wer weiss, wann es nötig würde, wieder jemanden zu helfen.


Dann, am 6. Dezember, als das Glöcklein draussen vor der Tür erklang und der Nikolaus mit seinen Tieren vor dem Heim stand, waren alle sehr gespannt, wie gut die Decke dem Fridolin passten würde und ob sie ihn genügend wärmte.
Darum durfte Fridolin in diesem Jahr für einmal, als einziger Esel ins weihnächtlich geschmückte Heim eintreten.
Das war für Fridolin eine ganz grosse Ehre. Sein fröhliches i-ah! – i-ah! – i-ah! löste unter den glücklichen Bewohner viel Freude, Zufriedenheit und grossen Applaus aus.
© Copyright by Herr Oter November 2013


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