Der Mittlere
zu sein, ist nicht immer einfach.
(Eine provokative Erkenntnis)
Das Geschlecht, aber auch der Rang in der Geburtenfolge, hatten schon immer einen bedeutenden Einfluss auf die Bestimmung der Kinder. Ihre Chancen und Geltung waren dementsprechend sehr unterschiedlich.
So wurden seit jeher in vielen Kulturen die ältesten Söhne, als Stammhalter, vor allen anderen ausgezeichnet und mit Privilegien bedacht. Sie wurden im Adel mit der Thronfolge oder mit höheren Titeln (Erstgeburtstitel) geschmückt oder bei Handelsleuten für das Weiterführen der Geschäfte besonders gut ausgebildet.
Auch wurden sehr oft die ältesten Söhne oder die jüngsten Erben durch das Anerbenrecht (ehem. schweiz. bäuerliches Bodenrecht oder dt. Höfeordnung) mit Gütern bedacht. Denn mit der üblichen Form des Majorat ging das Hoferbe an den ältesten Sohn. Genau das Gegenteil erreichte das Minorat, eine Erbfolge nach welcher die Vererbung auf das jüngste Kind übertragen wurde. Auch wurde allgemein, oft das Elternhaus dem Jüngsten vermacht, besonders wenn es ein Mädchen war.
Laut neuster Entwicklungspsychologie und Geschwisterforschung hat die Geschwisterfolge aber auch klare Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung und ist ganz allgemein prägend für das spätere Leben. Viele Studien haben gezeigt, dass die Geburtenfolge, viel grösseren Einfluss auf den Charakter hat, als die elterliche Erziehung.
Die Position als Erst-, Zweit- oder Drittgeborener ist also entscheidend; auch wenn grundsätzlich jede Geschwisterposition – der Primus, das „Sandwichkind" oder das Nesthäkchen – seine Vor- und Nachteile hat.
Doch eben nur die Stammhalter und die Nesthäkchen, also das älteste und das jüngste Kind, haben in der Familie klare Funktionen und Aufgaben und damit auch mehr Vorteile.
Der Ältere, der schon Grosse:
erhält als Erstgeborener zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa. Keines der nachgeborenen Kinder wird jemals so viel Achtsamkeit im Frühstadium bekommen wie er wie er.
Darum sind dann die Erstgeborenen oft die Vernünftigsten, übernehmen gerne die Führungsrolle und Verantwortung. Oft sind sie auch eher perfektionistisch. Das mag daran liegen, dass sie als Babys die anfängliche Unsicherheit ihrer jungen Eltern und ihre Bedenken, ja alles richtig zu machen, besonders spüren. Bald merken sie, dass die Zweifel und die Unentschlossenheit der Eltern, eng mit ihren Leistungen zusammenhängen.
Prominente Erstgeborene: Angela Merkel, Winston Churchill, John Wayne, Steffi Graf, Boris Becker
Der Jüngere, das Nesthäkchen:
Mit dem Begriff "Nesthäkchen" wird das jüngste Kind einer Familie, bezeichnet, das dann auch als letztes „aus dem Nest fliegt“. Und das süsse Nesthäkchen, das oft im Mittelpunkt glänzt und verwöhnt wird, sogar noch dann, wenn die älteren Geschwister längst aus dem Haus sind, hat ebenfalls ganz klare Vorteile
Die Verwandtschaft ist vom Jüngsten begeistert, alle finden es süss. Diese Kleinen schaffen es normalerweise mühelos, ihre Eltern, Grosseltern, aber auch ihre grösseren Geschwister um den Finger zu wickeln. Meist verwöhnen sie die Eltern und es wird von ihnen auch weniger verlangt. Möchten die Zwei- oder Dreijährig noch immer öfter getragen werden, erreichen sie meist ihr Ziel. Denn schliesslich muss ihre Mutter weder einen Kinderwagen schieben, noch hat sie einen dicken Babybauch.
Der Kleine erlebt seine Eltern oft erfahrener und darum gelassener als die Geschwister vor ihm. Er steht alleine aus zeitlichen Gründen auch nicht mehr so stark unter der Beobachtung der Eltern. Zudem geniesst er oft schon früh Vorrechte und Freiheiten, für die seine älteren Geschwister noch hart kämpfen mussten. Das finden die Geschwister oft ungerecht, weil vieles für sie damals nicht selbstverständlich war. Sehr oft profitiert das ‘Letztgeborene‘ auch davon, dass er „noch nicht kann“ oder „bereits kann“, je nachdem wie es für ihn gerade gelegen kommt.
Prominente Nesthäkchen: Charlie Chaplin, Danny DeVito, Johnny Depp, Eddie Murphy, Julia Roberts, Céline Dion, Janet Jackson
Der Mittlere, der ewige Verlierer?
Das mittlere Kind einer Familie hat es immer etwas schwieriger als seine Geschwister, denn es hat oft beachtliche Nachteile zu tragen und meistens bedeutend weniger Vorteile gegenüber den beiden Anderen. Darüber sind sich natürlich alle Mittleren, aber inzwischen auch die Wissenschaft, so ziemlich einig.
Dem mittleren Kind fehlt es oft am Platz in der Familie. Deshalb benennt die Geschwisterforscher Kevin Leman es als „Zu spät geboren und doch zu früh“. Das heisst, dass mittlere Kinder zu spät geboren werden, um die Vorteile des Ältesten zu geniessen und zu früh, um sich wie die Jüngsten mehr erlauben zu können. Sie kommen also weniger in den Genuss von Privilegien und Grosszügigkeiten der Eltern als das "Nesthäkchen".
Die „Mittelkinder“ haben also, weil sie sowohl ältere wie auch jüngere Geschwister haben, nie diese ungeteilte Aufmerksamkeit von den Eltern und den Verwandten, so wie dies beim Erstgeborenen der Fall war und sie wurden aber auch als Nesthäkchen behandelt, so wie es dem jüngsten Kind zu Teil wird. Im Gegenteil, sie stehen im dauernden Konkurrenzkampf zu einem der beiden.
Diese geringere Aufmerksamkeit kann am Selbstwertgefühl kratzen. Mögliche Folge: Der Mittlere neigt oft zu Ernst, Ängstlichkeit und Depressivität. Auch sind sie oft eher konfliktscheu und man stellt bei ihnen oft einen starken Hang zum Zynismus fest.
Leman hat auch beobachtet, dass es vielen Mittleren sehr schwerfällt, um Hilfe zu bitten. Vielleicht ein Resultat des Gefühls, mehr als die Geschwister auf sich selbst gestellt zu sein. Vor allem in der Kindheit laufen auch manche Gefahr, auf destruktive Art im Mittelpunkt stehen zu wollen.
Denn „Sandwichkinder“ kämpfen durch ihre schwierige Position immer an zwei Fronten gleichzeitig um „Auffallen“ und „Beachtung“ zubekommen.
Dennoch, diese „Dazwischenkinder“ sollte man keinesfalls unterschätzen, weil sie sehr sympathisch sein können.
Berühmte Mittlere: Lady Diana, Pipa Middleton, Michael Jackson
Stimmen die Klischees vom führenden, dominanten Erstgeborenen, dem benachteiligten „Sandwichkind“ und dem verwöhnten und ‘verhätschelten‘ Nesthäkchen also zu?
Ja, das klingt zwar sehr nach Klischee, doch verblüffender Weise haben Wissenschaftler wie die amerikanischen Psychologen Kevin Leman und Frank J. Sulloway herausgefunden, dass diese Eigenschaften tatsächlich immer wieder auftauchen - und zwar in den unterschiedlichsten Familien, in den verschiedenen sozialen Schichten und in allen Ländern und Kulturen.
Trotzdem, das Wesen von mittleren Kindern zu verallgemeinern, ist weit schwieriger als bei den anderen Geschwistern.
Trotzdem, das Wesen von mittleren Kindern zu verallgemeinern, ist weit schwieriger als bei den anderen Geschwistern.
Mittelkinder können sich sehr unterschiedlich entwickeln, denn sie sind „Sowohl als auch“-Typen, wie US-Psychologe Kevin Leman es nennt. Sie sind Einflüssen aus den verschiedensten Richtungen ausgesetzt: von oben, von unten und von den Eltern.
Darum stecken sie oft voller Widersprüche. So können Sandwich-Kinder eher ängstlich sein, andere sind lebhaft, wieder andere ungeduldig oder sogar aggressiv und die meisten haben ständig das Gefühl, nie gut genug zu sein. Das wird dann im späteren Leben von anderen oft ausgenutzt und ist oft mit ein Grund für das Burnout-Syndrom. Um diesem Minderwertigkeitsgefühl entgegenzuwirken hilft oft meist nur viel Liebe, um dem Kind Selbstvertrauen zu geben.
Doch vierzig Prozent der Eltern finden es extrem schwierig, drei Kinder grosszuziehen und erst noch alle gleich zu behandeln. Sie finden es gar so schwierig, dass sie anderen Eltern vom dritten Kind abraten.
Die meisten Eltern behaupten zwar, dass ihnen ihre Kinder gleich lieb und teuer sind. Aufmerksamkeit, Liebe und Geduld, aber auch Zeit und Geld würden gleichmässig unter allen drei Kindern aufgeteilt. Das sehen die Mittleren jedoch meistens ganz anders und neueste Studien zeigen, dass sie damit nicht ganz unrecht haben.
Denn paradoxerweise zeigt sich, dass gerade bei exakter mathematischer Teilung von Zeit, Geld und allen übrigen Ressourcen, die „Sandwichkinder“ insgesamt benachteiligt bleiben. Die Erklärung dafür liefert ein simples mathematisches Modell.
Darum stecken sie oft voller Widersprüche. So können Sandwich-Kinder eher ängstlich sein, andere sind lebhaft, wieder andere ungeduldig oder sogar aggressiv und die meisten haben ständig das Gefühl, nie gut genug zu sein. Das wird dann im späteren Leben von anderen oft ausgenutzt und ist oft mit ein Grund für das Burnout-Syndrom. Um diesem Minderwertigkeitsgefühl entgegenzuwirken hilft oft meist nur viel Liebe, um dem Kind Selbstvertrauen zu geben.
Doch vierzig Prozent der Eltern finden es extrem schwierig, drei Kinder grosszuziehen und erst noch alle gleich zu behandeln. Sie finden es gar so schwierig, dass sie anderen Eltern vom dritten Kind abraten.
Die meisten Eltern behaupten zwar, dass ihnen ihre Kinder gleich lieb und teuer sind. Aufmerksamkeit, Liebe und Geduld, aber auch Zeit und Geld würden gleichmässig unter allen drei Kindern aufgeteilt. Das sehen die Mittleren jedoch meistens ganz anders und neueste Studien zeigen, dass sie damit nicht ganz unrecht haben.
Denn paradoxerweise zeigt sich, dass gerade bei exakter mathematischer Teilung von Zeit, Geld und allen übrigen Ressourcen, die „Sandwichkinder“ insgesamt benachteiligt bleiben. Die Erklärung dafür liefert ein simples mathematisches Modell.
Das theoretische Modell „Gleichverteilungsheuristik“ von Ralph Herwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin basiert auf einer einfachen Berechnung. Dieses belegt: Auch wenn die Eltern versuchen alle ihren Bestand an Nahrung, Geld und Zeit absolut gerecht unter den Kindern aufzuteilen, steht das mittlere Kind am Ende trotzdem als Verlierer da. Der Grund ist: Der älteste Nachwuchs erhält - je nach Altersunterschied - in seiner anfänglichen Einzelkindphase für einige Jahre die ungeteilte Fürsorge der Eltern und kann so einen Vorsprung gegenüber den Nachfolgenden aufbauen. Auch das jüngste Kind erlebt das Privileg der ungeteilten Aufmerksamkeit, sobald die restlichen Geschwister selbstständig oder aus dem Haus sind. Nur das mittlere Kind, das immer teilen muss, kommt somit, mathematisch nachweisbar, immer zu kurz. Hier wäre es manchmal eben fairer, nicht gerecht zu sein.
Aber auch in zahlreichen empirischen Studien zeigt sich, dass die „Zwischenkinder“ oft weniger Aufmerksamkeit bekommen, da der Reiz des Neuen bereits vorbei ist und die natürliche „Fürsorge“ für den Kleinsten nicht gegeben ist. Somit haben Mittlere zu Recht das oftmaligen Gefühl der Vernachlässigung.
Nicht selten kämpfen sie darum durch provokatives Verhalten um die Beachtung der Eltern, sind fordernder und auch aggressiver als ihre Geschwister.
Das löst dann meistens einen Teufelskreis aus, der die Lage nur noch verschlimmert. Mittlere Kinder fühlen sich dann umso mehr unverstanden, zurückgesetzt und übergangen - im schlimmsten Fall geradezu zerrissen zwischen den anderen Geschwistern.
Übermässig oft wird dem „Dazwischenkind“ auch vorgeworfen, die übrigen Geschwister zu nachteiligem Verhalten motiviert zu haben. Und, das zeigen Untersuchungen, mittlere Kinder werden in der Wahrnehmung der Eltern“ auch weniger oft als krank oder als Opfer akzeptiert! Das zeigt ihre gefühlsmässig geschwächte Position gegenüber den Eltern.
Nicht unproblematisch ist vor allem ein kleiner Abstand zwischen den Geschwistern: „Das kann dazu führen, dass die Kinder nicht mehr in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen werden“, sagt die Psychoanalytikerin Lehr-Rottmann. In dem Fall werden Geschwister mitunter zu Rivalen - vor allem, wenn sie auch noch das gleiche Geschlecht haben.
Nicht selten kämpfen sie darum durch provokatives Verhalten um die Beachtung der Eltern, sind fordernder und auch aggressiver als ihre Geschwister.
Das löst dann meistens einen Teufelskreis aus, der die Lage nur noch verschlimmert. Mittlere Kinder fühlen sich dann umso mehr unverstanden, zurückgesetzt und übergangen - im schlimmsten Fall geradezu zerrissen zwischen den anderen Geschwistern.
Übermässig oft wird dem „Dazwischenkind“ auch vorgeworfen, die übrigen Geschwister zu nachteiligem Verhalten motiviert zu haben. Und, das zeigen Untersuchungen, mittlere Kinder werden in der Wahrnehmung der Eltern“ auch weniger oft als krank oder als Opfer akzeptiert! Das zeigt ihre gefühlsmässig geschwächte Position gegenüber den Eltern.
Nicht unproblematisch ist vor allem ein kleiner Abstand zwischen den Geschwistern: „Das kann dazu führen, dass die Kinder nicht mehr in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen werden“, sagt die Psychoanalytikerin Lehr-Rottmann. In dem Fall werden Geschwister mitunter zu Rivalen - vor allem, wenn sie auch noch das gleiche Geschlecht haben.
Ein wenig einfacher haben es da nur die mittleren Kinder, die der einzige Junge oder das einzige Mädchen in der Familie sind. „Als ‚Prinz‘ oder ‚Prinzessin‘ haben sie eine recht klare Position“, schreibt Sulloway im „Psychological Bulletin“
Die Geschwister-Konstellation setzt sich also aus mehreren Faktoren zusammen.
Dazu gehören die Anzahl der Geschwister, das Geschlecht und eben der Altersunterschied.
Sozusagen das Schlimmste was passieren kann, der „Supergau“ der Familienplanung, sind also
drei gleichgeschlechtliche Geschwister,
Die Geschwister-Konstellation setzt sich also aus mehreren Faktoren zusammen.
Dazu gehören die Anzahl der Geschwister, das Geschlecht und eben der Altersunterschied.
Sozusagen das Schlimmste was passieren kann, der „Supergau“ der Familienplanung, sind also
drei gleichgeschlechtliche Geschwister,
alles Knaben –
und das innerhalb von 5 Jahren
Das setzt eigentlich ein beinahe studiertes Wissen der Eltern in der Erziehungspsychologie voraus.
Und genau diese Schlimmste aller Schlimmen, ja geradezu die fatale Konstellation, traf nun genau bei mir zu.
Eigentlich ein nicht lösbares Problem für meine Eltern – oder sagen wir mal, sicher ein sehr schwieriges, erzieherisches Unterfangen nebst Geschäft, Haus und Garten.
Ich war also ein „Sandwichkind" ersten Güte und ja, ich glaube, dass mich das mitgeprägt hat!
Ich stand immer zwischen Ro dem Älteren und Ri dem Jüngeren. Wenigstens während 10 Jahren, bis dann das wirkliche Nesthäkchen der Familie, meine Schwester Ri auf die Welt kam. Heute hat das keine Bedeutung mehr für mich, aber als Ro noch „der Grössere“ und Ri „der Kleinere“ war, da war es für mich, den „Mittleren“ nicht immer ganz einfach.
Denn der Mittlere zu sein, ist so etwas wie „das fünfte Rad am Wagen" – einfach überflüssig!
Das mittlere Kind hat immer einen schweren Stand denn es ist nichts – zumindest nichts Bestimmtes. Weder der „schon Ältere“ mit seinen Vorteilen, noch „der grosse Vernünftige“. Auf der anderen Seite auch nicht mehr der „noch Jüngere“, oder der „noch Kleine mit Bonus“.
Darum wird gerade von mittleren Kindern behautet, dass sie in der Familienkonstellation oftmals nicht zur Geltung kommen. Einfach, weil sie nicht “speziell“ sind. Sie ziehen im Alltag einfach so mit, werden nicht mit der besonderen Aufmerksamkeit und dem Stolz des Erstgeborenen bedacht, geschweige denn mit dem oftmals liebevollen Verhätscheln des Nesthäkchens. Höchstens wenn dann mal was ganz schief läuft beim Mittleren, dann wird es zur grossen Katastrophe.
Als „Sandwichkind“ gehört man darüber hinaus auch zu einer aussterbenden Minderheit, denn nur noch etwa 20% aller Familien in der Schweiz haben mehr als 2 Kinder. Somit wird die Anzahl an „Leidensgenossen“ immer kleiner – und die Möglichkeit sich zu solidarisieren oder zu verbünden immer geringer. Auch wird damit die Problematik „Sandwichkinder“ so vermehrt nur noch am Rande wahrgenommen und thematisiert.
Man kann es drehen und wenden wie man will, „Sandwichkinder" haben also den zweiten Platz eingenommen und müssen sich somit immer mit der Silbermedaille zufrieden geben?
Nein, so schlimm ist es nun wirklich auch nicht. Die US-Psychologin Kathy Nessel, selbst ein Sandwich-Kind, sagt: „Wir Mittelkinder hegen keine zu grossen Erwartungen und sind folglich bereit, viele Dinge hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.“
Denn das mittlere Geschwisterkind zu sein, kann natürlich auch Vorteile haben. Vorallem dann, wenn die Eltern darauf achten, dass auch dem Mittleren niemals
Liebe, Beachtung, Wohlwollen, Geborgenheit und Nestwärme fehlt.
So lange sich das Sandwichkind von den Eltern nicht ungeliebt, unwillkommen oder sogar minderwertig fühlt, haben gerade diese mittleren Kinder die besten Möglichkeiten sich eigenständig und selbstbewusst entwickeln zu können. Weil sie merken sehr früh, instinktiv, dass sie keine spezielle Stellung innerhalb der Familie einnehmen. Das spornt sie ganz besonders an, sich Anerkennung, Beachtung und Lob zu verdienen.
Denn sie wollen immer die Guten und Lieben sein. Sowohl innerhalb der Familie wie auch ausserhalb. Das ist auch der Grund, weshalb mittlere Kinder in der Geschwisterkonstellation oft auch überaus kontaktfreudig, tolerant und einfühlsam sind. Sehr oft sind sie auch reifer, eigenverantwortlicher und authentischer. Denn sie orientieren sich – oft unbewusst – nicht an ihrem Geschwistern.
Da sie auch weder ganz schnell gross, wie die Erstgeborenen, noch so lange wie möglich klein und schutzbedürftig, wie die Nesthäckchen, sein müssen bleibt ihnen dafür mehr wertvolle Zeit, um immer wieder mit sich und der Umgebung zu experimentieren und so herauszufinden wer sie wirklich sind und welche Möglichkeiten sie in Zukunft haben werden.
Manchmal bringt der Platz in der «goldenen Mitte» auch besondere Vermittlerqualitäten hervor und Sandwich-Kinder entwickeln sich zu regelrechten Diplomaten. Sie werden dann in der Familie gerne gebraucht, um Konflikte zu lösen, bei schwierigen Problemen zu vermitteln oder als Überbringer von schlechten Nachrichten.
Denn sie lernen bald, Kompromisse einzugehen oder auch Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern zu schlichten. Mittelkinder sind auch oft bereit, andere Wege auszuprobieren, das macht sie zu unabhängigen Denkern, so Leman.
Englische Forscher kamen auch zu dem Schluss, dass „Sandwichkinder“ im Alter glücklicher seien als ihre Geschwister, weil sie nicht so stark bemuttert und verwöhnt wurden, sondern früh selbstständig werden mussten, meistens gut mit Menschen umgehen können und realistische Erwartungen an ihre Umgebung haben.
Und übrigens:
66 Prozent der „Sandwichkinder“ haben ihren Eltern für die Ungerechtigkeiten verziehen. Immerhin.
Ich gehöre auch dazu, denn durch das Befassen mit der Problematik habe ich gemerkt, dass Eltern kaum etwas dafür können, denn das Ganze ist zu komplex.
Das setzt eigentlich ein beinahe studiertes Wissen der Eltern in der Erziehungspsychologie voraus.
Und genau diese Schlimmste aller Schlimmen, ja geradezu die fatale Konstellation, traf nun genau bei mir zu.
Eigentlich ein nicht lösbares Problem für meine Eltern – oder sagen wir mal, sicher ein sehr schwieriges, erzieherisches Unterfangen nebst Geschäft, Haus und Garten.
Ich war also ein „Sandwichkind" ersten Güte und ja, ich glaube, dass mich das mitgeprägt hat!
Ich stand immer zwischen Ro dem Älteren und Ri dem Jüngeren. Wenigstens während 10 Jahren, bis dann das wirkliche Nesthäkchen der Familie, meine Schwester Ri auf die Welt kam. Heute hat das keine Bedeutung mehr für mich, aber als Ro noch „der Grössere“ und Ri „der Kleinere“ war, da war es für mich, den „Mittleren“ nicht immer ganz einfach.
Denn der Mittlere zu sein, ist so etwas wie „das fünfte Rad am Wagen" – einfach überflüssig!
Das mittlere Kind hat immer einen schweren Stand denn es ist nichts – zumindest nichts Bestimmtes. Weder der „schon Ältere“ mit seinen Vorteilen, noch „der grosse Vernünftige“. Auf der anderen Seite auch nicht mehr der „noch Jüngere“, oder der „noch Kleine mit Bonus“.
Darum wird gerade von mittleren Kindern behautet, dass sie in der Familienkonstellation oftmals nicht zur Geltung kommen. Einfach, weil sie nicht “speziell“ sind. Sie ziehen im Alltag einfach so mit, werden nicht mit der besonderen Aufmerksamkeit und dem Stolz des Erstgeborenen bedacht, geschweige denn mit dem oftmals liebevollen Verhätscheln des Nesthäkchens. Höchstens wenn dann mal was ganz schief läuft beim Mittleren, dann wird es zur grossen Katastrophe.
Als „Sandwichkind“ gehört man darüber hinaus auch zu einer aussterbenden Minderheit, denn nur noch etwa 20% aller Familien in der Schweiz haben mehr als 2 Kinder. Somit wird die Anzahl an „Leidensgenossen“ immer kleiner – und die Möglichkeit sich zu solidarisieren oder zu verbünden immer geringer. Auch wird damit die Problematik „Sandwichkinder“ so vermehrt nur noch am Rande wahrgenommen und thematisiert.
Man kann es drehen und wenden wie man will, „Sandwichkinder" haben also den zweiten Platz eingenommen und müssen sich somit immer mit der Silbermedaille zufrieden geben?
Nein, so schlimm ist es nun wirklich auch nicht. Die US-Psychologin Kathy Nessel, selbst ein Sandwich-Kind, sagt: „Wir Mittelkinder hegen keine zu grossen Erwartungen und sind folglich bereit, viele Dinge hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.“
Denn das mittlere Geschwisterkind zu sein, kann natürlich auch Vorteile haben. Vorallem dann, wenn die Eltern darauf achten, dass auch dem Mittleren niemals
Liebe, Beachtung, Wohlwollen, Geborgenheit und Nestwärme fehlt.
So lange sich das Sandwichkind von den Eltern nicht ungeliebt, unwillkommen oder sogar minderwertig fühlt, haben gerade diese mittleren Kinder die besten Möglichkeiten sich eigenständig und selbstbewusst entwickeln zu können. Weil sie merken sehr früh, instinktiv, dass sie keine spezielle Stellung innerhalb der Familie einnehmen. Das spornt sie ganz besonders an, sich Anerkennung, Beachtung und Lob zu verdienen.
Denn sie wollen immer die Guten und Lieben sein. Sowohl innerhalb der Familie wie auch ausserhalb. Das ist auch der Grund, weshalb mittlere Kinder in der Geschwisterkonstellation oft auch überaus kontaktfreudig, tolerant und einfühlsam sind. Sehr oft sind sie auch reifer, eigenverantwortlicher und authentischer. Denn sie orientieren sich – oft unbewusst – nicht an ihrem Geschwistern.
Da sie auch weder ganz schnell gross, wie die Erstgeborenen, noch so lange wie möglich klein und schutzbedürftig, wie die Nesthäckchen, sein müssen bleibt ihnen dafür mehr wertvolle Zeit, um immer wieder mit sich und der Umgebung zu experimentieren und so herauszufinden wer sie wirklich sind und welche Möglichkeiten sie in Zukunft haben werden.
Manchmal bringt der Platz in der «goldenen Mitte» auch besondere Vermittlerqualitäten hervor und Sandwich-Kinder entwickeln sich zu regelrechten Diplomaten. Sie werden dann in der Familie gerne gebraucht, um Konflikte zu lösen, bei schwierigen Problemen zu vermitteln oder als Überbringer von schlechten Nachrichten.
Denn sie lernen bald, Kompromisse einzugehen oder auch Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern zu schlichten. Mittelkinder sind auch oft bereit, andere Wege auszuprobieren, das macht sie zu unabhängigen Denkern, so Leman.
Englische Forscher kamen auch zu dem Schluss, dass „Sandwichkinder“ im Alter glücklicher seien als ihre Geschwister, weil sie nicht so stark bemuttert und verwöhnt wurden, sondern früh selbstständig werden mussten, meistens gut mit Menschen umgehen können und realistische Erwartungen an ihre Umgebung haben.
Und übrigens:
66 Prozent der „Sandwichkinder“ haben ihren Eltern für die Ungerechtigkeiten verziehen. Immerhin.
Ich gehöre auch dazu, denn durch das Befassen mit der Problematik habe ich gemerkt, dass Eltern kaum etwas dafür können, denn das Ganze ist zu komplex.
Zudem, was soll’s, fast alle Kinder fühlen sich im Vergleich zu ihren Geschwistern benachteiligt.
Doch in Wirklichkeit, profitieren alle Geschwister voneinander – ganz gleich, ob sie nun die Älteren, die Jüngeren oder die Mittleren sind, sagt der Geschwister-Experte am Staatsinstitut für Frühpädagogik, Hartmut Kasten. „Sie trainieren Kompromisse zu verhandeln, Bündnisse zu schmieden, konstruktiv zu streiten - das ist soziales Training für das ganze Leben.“
Noch ein paar praktische Hinweise für Mittlere:
Partner für „Sandwichkinder": Mit praktisch jedem Partner ist eine gute Beziehung möglich, da sie es von klein an gewohnt sind, zu vermitteln und Harmonie zu erzeugen. Aber Achtung: Die Gefahr, den Respekt des Partners zu verlieren ist latent gegeben, wenn der Sandwich-Geborene nie für seine Rechte und seinen Standpunkt eintritt.
Berufe für „Sandwichkinder": Arbeiten im Team kommen ihnen sehr entgegen, Gefahr des Ausgenutztwerdens ist aber immer da, daher sollten sie sich ein Unternehmen suchen, das um das Wohl ihrer Mitarbeiter bemüht ist. Sie sind oft in sozialen Berufen zu finden, nicht so sehr in akademischen Bereichen.
Doch in Wirklichkeit, profitieren alle Geschwister voneinander – ganz gleich, ob sie nun die Älteren, die Jüngeren oder die Mittleren sind, sagt der Geschwister-Experte am Staatsinstitut für Frühpädagogik, Hartmut Kasten. „Sie trainieren Kompromisse zu verhandeln, Bündnisse zu schmieden, konstruktiv zu streiten - das ist soziales Training für das ganze Leben.“
Noch ein paar praktische Hinweise für Mittlere:
Partner für „Sandwichkinder": Mit praktisch jedem Partner ist eine gute Beziehung möglich, da sie es von klein an gewohnt sind, zu vermitteln und Harmonie zu erzeugen. Aber Achtung: Die Gefahr, den Respekt des Partners zu verlieren ist latent gegeben, wenn der Sandwich-Geborene nie für seine Rechte und seinen Standpunkt eintritt.
Berufe für „Sandwichkinder": Arbeiten im Team kommen ihnen sehr entgegen, Gefahr des Ausgenutztwerdens ist aber immer da, daher sollten sie sich ein Unternehmen suchen, das um das Wohl ihrer Mitarbeiter bemüht ist. Sie sind oft in sozialen Berufen zu finden, nicht so sehr in akademischen Bereichen.
©/® Copyright by Herr Oter
Nachweise:
Ich beziehe mich nebst eigenen Erfahrungen und diversen Internet-Recherchen auf Veröffentlichungen folgender Personen (Zitate, Studien, Bücher):
Alfred Adlers
Buch: „Individualpsychologie"
Eine systematische Darstellung seiner Lehre in Auszügen aus seinen Schriften Herausgegeben und bearbeitet von Heinz L. Ansbacher und Rowena R. Ansbacher 1956, Reinhardt Verlag München/Basel 1982 (Adlers, einer der drei Begründer der Psychologie in Deutschland (neben Freud und Jung)
Gleichverteilungsheuristik:
Die Original-Studie von Ralph Heftig, Jennifer N. Davis und Frank J. Sulloway ist unter dem Titel "Parental Investment: How an Equity Motive Can Produce Inequality" in der aktuellen Ausgabe des Psychological Bulletin (Bd. 128, Nr. 5, S. 728-745) erschienen.
Psychologe und Geschwisterforscher Kevin Leman:
Buch: „Geschwisterkonstellationen“ - Die Familie bestimmt Ihr Leben
Psychoanalytikerin Dr. phil. Eleonore Lehr-Rottmann, Konstanz.
US-Forscher Frank J. Sulloway, Wissenschaftshistoriker am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei Boston
Buch: „Der Rebell der Familie“ - Geschwisterrivalität, kreatives Denken und Geschichte
Psychologin Linda Blair:
Buch: „Großer Bruder, kleine Schwester“ - Wie unsere Position in der Familie unseren Charakter prägt
:))
Nachweise:
Ich beziehe mich nebst eigenen Erfahrungen und diversen Internet-Recherchen auf Veröffentlichungen folgender Personen (Zitate, Studien, Bücher):
Alfred Adlers
Buch: „Individualpsychologie"
Eine systematische Darstellung seiner Lehre in Auszügen aus seinen Schriften Herausgegeben und bearbeitet von Heinz L. Ansbacher und Rowena R. Ansbacher 1956, Reinhardt Verlag München/Basel 1982 (Adlers, einer der drei Begründer der Psychologie in Deutschland (neben Freud und Jung)
Gleichverteilungsheuristik:
Die Original-Studie von Ralph Heftig, Jennifer N. Davis und Frank J. Sulloway ist unter dem Titel "Parental Investment: How an Equity Motive Can Produce Inequality" in der aktuellen Ausgabe des Psychological Bulletin (Bd. 128, Nr. 5, S. 728-745) erschienen.
Psychologe und Geschwisterforscher Kevin Leman:
Buch: „Geschwisterkonstellationen“ - Die Familie bestimmt Ihr Leben
Psychoanalytikerin Dr. phil. Eleonore Lehr-Rottmann, Konstanz.
US-Forscher Frank J. Sulloway, Wissenschaftshistoriker am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei Boston
Buch: „Der Rebell der Familie“ - Geschwisterrivalität, kreatives Denken und Geschichte
Psychologin Linda Blair:
Buch: „Großer Bruder, kleine Schwester“ - Wie unsere Position in der Familie unseren Charakter prägt
:))



