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Sonntag, 18. November 2007




Wie sich das Herz erweitert
Im engen, dichten Wald!
Den öden Trübsinn heitert
Der traute Schatten bald.
Kein überlegener Späher
Erforscht hier meine Spur;
Hier bin ich frei und näher
Der Einfalt und Natur.

O blieb' ich von den Ketten
Des Weltgewirres frei!
Könnt' ich zu dir mich retten,
Du traute Siedelei!
Froh, dass ich dem Gebrause
Des Menschenschwarms entwich,
Baut' ich hier eine Klause
Für Liebchen und für mich.

Ausschnitt aus: die Einsiedelei  

:-¦

Samstag, 17. November 2007

Der schönste erste Satz



Der schönste erste Satz


oder:
Drei Wörter als Auftakt zu einer Weltgeschichte.

In der Literaturszene gibt es eine neue, weitere Auszeichnung, denn es wurde vor kurzem in Frankfurt, der "schönste erste Satz“ der deutschsprachigen Literatur verkündet.
Begonnen hat dieser „Auszeichnitismus* in der deutschen Sprache (* meine Wortschöpfung 2007), bereits mit dem grossartigen "aufmüpfig", als das "Wort des Jahres“ 1971. Ihm wird seit dem Jahr 1991 (mit der Parole „Ausländerfrei“ - das ans“ judenfrei“ von vor 1945 erinnert) als Kontrast, das „Unwort des Jahres“ entgegengestellt.
Seit 2004 kommt mit "Habseligkeiten" auch noch das immerwährend "schönste Wort der deutschen Sprache" dazu und erst vor wenigen Wochen wurde mit dem türkischen Dreiklang "Yakamoz" für "Widerspiegelung des Mondes im Wasser" sogar das "schönste Wort der Welt" gekürt.
Doch nicht genug der Wort-Ehrungen: So erhielt erstmalig im letzten Dezember auch noch das „Kleinod“ den Titel des bedrohtesten Wortes der deutschen Sprache.
Wen wundert es denn da, dass man vom geehrten Wort zum ausgezeichneten Satz überging.
Ein guter Anfang ist ja wichtig - das ist nun mal im Leben so und bei einem Buch ganz besonders.
Der erste Satz ist sozusagen der Brühwürfel, mit dem die ganze folgende Suppe gekocht wird.
Daher formulieren Erzähler so aufreizende erste Sätze wie «Es war einmal eine alte Geiss» oder «Strapse! Schwarze Strapse!» oder halt «Ich bin nicht Stiller».
Wortfolgen von unglaublicher Aussagekraft die zum Weiterlesen zwingen. Nur, wer sich nicht für Ziegenhaltung interessiert, Strumpfhosen für praktischer hält oder nicht von vorneherein so negativ angesprochen werden möchte, wird mit diesen Anfangssätzen die Brüder Grimm, F. Schulz oder Max Frisch nie kennen lernen.
Darum verständlich, dass nach einem brillanteren Buchanfang gesucht wurde, einem der den Leser geradezu aus der Fassung bringt. Die Prominenten-Jury, der auch Elke Heidenreich angehörte, konnte den schönsten Anfangssatz von Romanen und Erzählungen aus über 17 500 Einsendungen auswählen und nun küren.
Gewonnen hat und als schönster Satz erkoren wurde:
«Ilsebill salzte nach»
Das ist der ersten Satz aus "Der Butt" von Günter Grass.
Aha, na ja, es stimmt: Bei so einem Startsatz will man natürlich unbedingt auch den zweiten, dritten und so fort (sofort) lesen.
Auch werden damit Fragen aufgeworfen:
„Wer ist Ilsebill?“
(Ich kannte bis jetzt nur die Ilsebill aus dem Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm, und tatsächlich verbindet das Buch „Der Butt“ Elemente des alten Märchens mit einem Resümee über die letzten 400 Jahre menschlicher Geschichte: Gezeichnet von Gewalt, entschieden von Männern, aber gestaltet von Frauen)
Weitere Fragen stellen sich:
„Warum salzte sie nach?“ „Wie viel salzte sie nach?“ „Wann salzte sie nach“ und - „hat sie etwa zuviel nachgesalzten?“
Ich glaube nämlich, dass Ilsebill ziemlich tüchtig nachgesalzen hat - so viel, bis der Leser, zumindest kulinarisch, auf den Geschmack kam.
Doch man kann sagen, dass Ilsebill diesen Plattfisch sicher nicht versalzen hat, denn das Gericht scheint gelungen sein und so konnte Günter Grass den „Butt“ (trotz verschwiegener brauner Vergangenheit) über 8 Mio. Mal verkaufen.
Eine Zwischenfrage drängt sich hier natürlich auf:
Würde tüchtiges Nachsalzen, meinem Blog auch nützen?
Auf den zweiten Platz kam Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" die mit folgendem Satz beginnt:
"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."
Na ja, tönt jedenfalls spannend und schauerlich.
Platz drei ging an Siegfried Lenz für die Erzählung "Der Leseteufel" mit dem Anfang:
"Hamilkar Schaß, mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal, einundsiebzig Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging."
Dieser Satz, das muss ich sagen, der gefällt mir sehr.
Es fragt sich nun natürlich, ob der schönste oder der beste Anfangssatz gewählt wurde.
Für mich ist nämlich der beste Satz noch immer, der Anfang von George Orwell’s Buch: 1984. Der so lautet:
Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn."
Für mich der schönste Satz ist aber, entweder (die Entscheidung würde mir schwer fallen)
„Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrloster Garten“

aus Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
oder
"Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen"
der Anfangssatz aus Cornelia Funkes "Tintenherz", der bei den Kinder und Jugendbüchern immerhin auf den zweiten Platz kam.
Gewonnen hat in dieser Kategorie übrigens, die ausgezeichnete Erzählung "Lari Fari Mogelzahn" von Janosch. Sie beginnt so: "In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste."
Der dritte Platz wurde an Ildikó von Kürthys Anfang im Roman "Blaue Wunder" vergeben:
"Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen."
Sehr gut gefallen haben mir auch noch die beiden folgenden Buchanfänge:
„Vieles fiele leichter, könnte man Gras essen."
von Ernst Bloch in Freiheit und Ordnung
und
„Bisher passierte folgendes: Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
von Douglas Adams in “Das Restaurant am Ende des Universums“
Am meisten gelesen, so würde ich sagen, wurde vermutlich der folgende Anfangssatz:
Mr und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar."
Richtig erkannt, er stammt von Joanne K. Rowling im „Harry Potter und der Stein der Weisen“

Ich selber, beginne eine neue Geschichte halt immer mit der folgenden ganz einfachen Regel.
Diese Regel ist zusammengesetzt aus zwei Zitaten:

Erster Teil: von Samuel Goldwyn (Die nackte Kanone) als Anweisung an seine Drehbuchautoren:

Mit einem Erdbeben anfangen
und sich dann ganz langsam steigern, 


Zweiter Teil: Hermann Hesse im Gedicht „Stufen“:

denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“





:-)

Freitag, 16. November 2007

Ein ganz normaler Lebenslauf



Ein ganz normaler Lebenslauf



Wie schnell doch die Zeit vergeht!
Erst noch hiess es: Komm schon endlich!
Ich will nicht - stelle mich quer - nützt nichts! Steisslage - Geburtszange - erster Schrei und ich werde erst blau - dann gelb.

Wohl behütete Kindheit - mit zwei Brüdern - reizendes Bündner Dörfchen mit mildem Klima.
Schulanfang. Ich will nicht - stelle mich quer - nützt nichts! Lehrerin Rietberger - älteres Fräulein in der Bündnertracht. Er ist ein Träumer - und das Bett am Morgen ist noch immer nicht trocken. Ich will - aber ich kann nicht. Ich schäme mich!
Stallbesuche statt Schule. Lehrer Heldstab: Leider kann er nicht in die Fünfte versetzt werden. Er stellt sich quer - hält sich nicht an Linien - eine Zwei im Schreiben. Elternschelte
Als wäre es gestern gewesen.

Freund Werner - Alpsommer - und Ludmilla aus Russland, die Frau des Bauern, pure Weiblichkeit im Kuhstall.
Ich will Senn werden!
Giacomo der Italiener und Christian mit vielen Warzen. Ein Querkopf mit zwei Aussenseitern - die besten Freunde.
Schwesterchen trifft ein. Stolzer Papa, stolze Brüder - endlich ein Mädchen.

Lehrer Nold in der Fünften spielt Geige - interessante Charakterschrift, meint er - ja, der versteht mich - nun geht’s bergauf, in die Sekundarschule.
Schulschatz Rosi und der junge Tunichtgut. Keine Angst - nichts passiert!

Sommerlager - Renate - keine Liebe, aber neue Erfahrung: Komm mit, ich zeig dir was - was macht sie da? - oh schön! Als wäre es gestern gewesen.

Statt Senn - zum Koch. Mit Roland, dem Casanova - meinem Stiffti-Kumpan. Lernen in der Küche und in der Liebe: Vreni - arbeitet am Buffet und schläft bei mir, monatelang. Experimente - Versuche. Hoffentlich nichts passiert dabei. Aber immer alles gut gegangen - aufgepasst.
Warum hast du das gemacht, Bruder? Ich hasse dich!
Liebeskummer - aber nicht für lange - Trost bei Heidi, Vreni 2, Marina - der Zigeunerin und … die Übrigen habe ich vergessen. Ich nenne das Erfahrungen sammeln. Denke dankbar an euch alle.
Ende gut - Lehre gut - auch wenn's für einen Querkopf manchmal hart war.

Neuer Lebensabschnitt: Luzern - Hotelfachschule. Frühstück in der Pizzeria: Wie heisst du? La Perla.
Ich liebe dich!
Als wäre es gestern gewesen.
Rekrutenschule.
Kommst du im Sommer mit nach London? Ja, ich will.
Sechs Monate Studentenleben und erfolgreich Englisch lernen in der Acht-Millionen-Stadt. La Perla hat Heimweh - ich einen neuen Kurs im Januar.
Probleme im Französisch - Verzweiflung - einsamer Entscheid - Kursabbruch - dummer Querkopf.
Kommst du mit nach Neuenburg? Ja, ich will. Acht Monate lang Deutsch gesprochen. Nichts gebracht. Zurück nach Luzern. Marianne - die Kochkünstlerin - ich ihr Küchenchef. Fast zwei Jahre Prominentenluft schnuppern - der Raben aber, ist eine Nummer zu gross für mich.
Aber eins steht fest: mit Dreissig will ich mein eigenes Lokal haben!

Und ich will, nach sechs Jahren, nun endlich heiraten!" - "gut, willst du meine Frau werden?"
Herr Oter willst du La Perla zur Frau nehmen? - Ja, ich will.
La Perla willst du Herr Oter zum Ehemann? Ja, ich will.
War das nicht erst gestern?

Minigolf als Turniersport. Fast vier Jahre vergehen.
Ihr Bauch wird rund - das Gesicht mütterlich und ich nervös. Komplikationen während der Geburt - will der etwa auch nicht? Kaiserschnitt. Glück gehabt - Gott sei Dank! Wir sind eine Familie.
Die Frau wird zur Mutter und ich stolzer Vater. Ist er nicht süss?
Er ist der Schönste! der Liebste! der Beste! Hoppe, Hoppe Reiter …
Wie heisst er denn? Er wird sich später Tschügge nennen.
Kaum zu glauben, das war vor 23 Jahren.

Eigener Betrieb - Willst du? - Ja, ich will.
Sehr geehrte Familie Iten. Wir würden gerne ihr Hotel mieten.
Der Start für die nächsten fünf Jahre erfolgt vier Tage nach dem dreissigsten Geburtstag.
Harte Arbeit - lange Stunden - kaum Freizeit - grossen Erfolg. Zum Glück gibt es Maruschk’a und Sepp als Kindermädchen, Ersatz-Grosseltern, moralische Stütze und zusammen mit Margrith und Moritz, die besten Freunde.

La Perla hat keine Nierenbeckenentzündung, sondern eine geplatzte Eileiterschwangerschaft. Der Tod sagt an einem Sonntagmorgen „Hallo, ich komme“.
Viel zu früh! Hau ab!
Glück gehabt - Gott sei Dank.
Nächste Versuche und endlich ist es irgendwann doch noch soweit. Er kommt problemlos mit Kaiserschnitt. Familienzuwachs - glückliche Eltern.
Ist er nicht süss?
Er ist der Schönste! der Liebste! der Beste! Hoppe, Hoppe Reiter …
Wie heisst er denn? Er wird sich später Flexi nennen.
War das gestern oder vor neunzehn Jahren?

Zehn Monate Auszeit im Tessin. Herrliche Erholung.
Neues Restaurant suchen. „Zu alt, zu gross, zu teuer“.
Gefunden! Gekauft. Es heisst „Traube“.
Willst du - ja ich will - unter Bedingungen.
Vierzehn Jahre - Stress, Ärger, Freude - Kinder, Gäste, Mitarbeiter - führen, kochen, servieren, putzen, Geld verdienen.
Wo bleibt die Zeit für unsere Beziehung? Ich liebe dich! - Liebst du mich auch?
Du bist ein Ekel, pedantisch, du gehst mir auf die Nerven, du bist ein Querkopf!
Entschuldigung, ich hab nichts gemerkt - nichts verstanden - nichts gelernt.
Es wird besser - alles wird gut. Liebst du mich noch?
Die Haare grauen an den Schläfen. Ich träume vom Aufhören mit 52, vom Reisen, vom Sozialjahr, von der Alp, vom Kloster, vom Schreiben und Zeichnen. Doch Träume sind Schäume.

Es gibt da einen..., du kennst ihn...., er ist dein Freund..., es ist so schön mit ihm.
Willst du mich noch? - Nein, ich will nicht mehr.
Aber ich liebe dich! - ich brauche dich!! Bitte verlass mich nicht!!!

Ich will das nicht - ich kann das nicht - ich stelle mich quer - es nützt nichts.
Drei dunkle Jahre, Streit, Vorwürfe, Kränkungen, Entschuldigungen, Trauer, Burn-out, Depression.

Mein Papi wir krank. Keine Sorge, ich schau zu ihr - ist ja mein Mami. Papi's Beerdigung.
Ciao, lieber Vater und Danke.

Ich kann nicht mehr - ich will nicht mehr - ich werde mich….. . Nein, die Kinder!
Der Tiefpunkt ist erreicht. Nun kann’s nur noch aufwärts gehen.

Kurze Abwechslung mit Bernadette. „Entschuldigung, ich habe mich getäuscht.“
Traube verkauft - Ausgestritten - faire Scheidung - endlich alles vorbei.
Machs gut, La Perla - du hast mir viel gegeben in den letzten dreissig Jahren.
DANKE für alles.
Wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin 49 und statistisch sind nun zwei Drittel vorbei.
War's das nun?

Zum ersten Mal eine eigene Wohnung. Einsame Tage - Abende - Nächte. Heimweh - was machen meine Buben.
Und was machst du nun? Leben, lesen und viel Zeit haben.


Hallo ich bin Nina-Sue. Wenn du willst - ich bin für dich da.
Fast vierhundert Mails gehen hin und her. Plaudern im Internet, später am Telefon.
Treffen mit dem Sonnenschein auf dem Hirzel.
Ich liebe dich - ich liebe dich auch.
Ab jetzt nenne ich dich Sun - mein Sonnenschein. Ich glaube, du wirst das Glanzlicht meiner späten Jahre. Ich habe Sehnsucht nach dir - wann sehen wir uns wieder?

Meinem Mami geht’s nicht gut. Sie vergisst alles, findet sich immer weniger zurecht. Diagnose: Alzheimer.
Jedes zweite Wochenende ins Tessin.
Was machst du eigentlich? Leben, lesen, lieben, schreiben, Mami betreuen und immer weniger Zeit haben.

Wir sehen uns zu wenig - soll ich zu dir ziehen? Willst du es mit mir versuchen?
Es wird nicht einfach - denn ich bin nicht einfach - ich bin ein Querkopf.
Glück gehabt - kleine Wohnung nebenan wird gerade frei. Neue Leute, neue Freuden, neue Gegend, neue Wege, neue Hügel, neue Hürden - aber auch zwei neue Kinder, Peti und Brösmeli, die ich lieb bekomme - und auch deren Hund.

Mami muss ins Pflegeheim.
Sie zieht sich in ihre innere Welt zurück, sie hat ausgeredet, sie kennt mich nicht mehr. Und trotzdem ist sie meine Mutter. Ich liebe dich - du hattest es nicht immer leicht mit mir - deinem Sorgenkind, diesem Querkopf.

Nach zwei Jahren ziehen Sun und ich zusammen. Fast eine neue Familie. Liebst du mich - ich liebe dich.

Und immer schneller verrinnt die Zeit, verkalken meine Blutbahnen, lässt mein Gedächtnis nach, sehen meine Augen schlechter und hören meine Ohren weniger.
Alles fliesst, sagt Heraklit. Auch der Quarz in der Sanduhr.

Mich nimmt Wunder, was du eigentlich den ganzen Tag machst!
Leben, lieben, lesen, laufen, schreiben, denken, träumen, hoffen, philosophieren und - Hausarbeit. Ich will und ich kann.

Und was schreibst du eigentlich?
Einen ganz normalen Lebenslauf.

:-¦




Aktualisierung (September 2011)

Mami ist leider nicht mehr hier - Sun ist nach wie vor bei mir - auch sonst hat sich nicht viel verändert, ausser: noch schneller verrinnt die Zeit, verkalken meine Blutbahnen, lässt mein Gedächtnis nach, sehen meine Augen schlechter - nur meine Ohren hören jetzt wieder viel besser und mein Blog hat um ca. 170 Post's vergrössert.

Alles fliesst, sagt Heraklit. Auch der Quarz in der Sanduhr des Lebens.

Euch nimmt Wunder, was ich eigentlich den ganzen Tag mache? Leben, lieben, lesen, laufen und manchmal auch Bücher verkaufen, schreiben, denken, träumen, lenken, hoffen, philosophieren und - nach wie vor Hausarbeit.
Ich will und ich kann, mehr denn je.

Und was schreibe ich?
Noch immer an einem ganz normalen Lebenslauf. 


©® Copyright by Herr Oter


:-))

Merkwürdig








 


Dieser Blog ist aber merkwürdig!

Danke für das Kompliment. 
Schön, dass er würdig ist, 
dass man ihn sich  
merkt.



:-)

Donnerstag, 15. November 2007

Turtelnder Truthahn




Turtelnder Truthahn



Männliche Truthähne bestiegen ein lebensechtes Modell eines Weibchens genauso gierig wie ein lebendiges Exemplar.
Das haben Martin Schein und Edgar Hale von der Pennsylvania State University entdeckt. 
Neugierig wollten die Forscher dann wissen: Was war der sexuelle Minimalreiz am Truthahn-Modell? Sie entfernten nach und nach Federn, Flügel und Füsse. Schlussendlich, auch mit dem einfachen Truthahnkopf auf einem Stock kopulierte das Männchen  unverdrossen weiter.


Mein Senf dazu:
Typisch Männchen!



:-))

Mittwoch, 14. November 2007

Morgenstimmung





Morgenstimmung


Milchige Schlieren am blauen Himmel,
goldene Strahlen über letzten Nebelschwaden.
Rauchende Kamine auf weissen Dächern,
glänzende Perlen an blätterlosen Ästen.

Knirschender Reif unter meinen Schuhen,
kleine Dampfwolken bei jedem Atemzug.
Tränende Augen und eine triefende Nase,
tiefe Glücksgefühle im pochenden Herzen.

Das war gestern.



:-(

Beschossener Bundesrat




Beschossener Bundesrat


An einem Mittagessen habe Herr Bundesrat Blocher erzählt, dass er sich, vor rund einem Jahr, mit einer Taserpistole habe beschiessen lassen. Dies berichtete der Präsident der Schweizerischen Konferenz der Polizeikommandanten, Beat Hensler.

Mein Senf dazu:
Ich finde, manchmal merkt man das.

Infos über die Elektroschockpistole Taser gibt es: HIER

;-0

Montag, 12. November 2007

Frauen




Frauen



Skilegende Bernhard Russi sagt:
«Frauen waren immer schon das Benzin für meinen Motor»
Frauen sind wichtig für den legendären Skirennfahrer.

Er meint damit seine Mutter, seine frühere Frau, seine heutige und die Tochter Jennifer

Mein Senf dazu:
Abgesehen von der mir fehlenden Tochter, teile ich genau seine Meinung.



;-)

Sonntag, 11. November 2007

Friedli Fuchs




Friedli Fuchs


Er hatte nicht viel zu lachen in seinem Leben, denn er ist nicht auf der Sonnenseite geboren.
Friedli Fuchs kam im so genannten "Schattloch", als eines von neun Kindern, in einer der ärmsten Familien der Gegend zur Welt. Auch in der Schule wollte es nicht so recht klappen, sei es nun wegen der Intelligenz, dem ständigen Hunger oder weil man ihm nichts zutraute. So stand er nie zuvorderst und zweimal blieb er sitzen. Dafür stand er oft im "Gschämi-Eggli", weil er wegen des langen Schulweges manchmal zu spät kam. Oder weil er die Aufgaben nicht richtig gemacht hatte, denn zu Hause gab es auch für die Kinder, viel zu tun. Auch war er in der Schule nicht der Schnellste, aber dafür schlief er während der Schulstunde manchmal schnell ein, weil am Abend zuvor, Mutters Heimarbeit noch bis spät in der Nacht zu Ende gemacht werden musste.

Nach der Schulzeit, mit fünfzehn, kam er als Knecht zu einem Bauern. Denn „wärche“ das konnte er, das hatte er gelernt. Nur lesen und rechnen ging nicht gut und darum gab es für ihn weder Arbeitsverträge noch Lohnabrechnungen. Doch reden konnte er noch viel schlechter und so sagte er meistens lieber nichts.

Auch mit einer Frau sollte es nicht klappen. Weil, sie hätte ihn schon fragen müssen. Aber darauf konnte Friedli lange warten. Vielleicht stand er darum manchmal stundenlang, am Sonntag nach der Kirche, mit verschlossener Miene bei der Hofeinfahrt zur Molkerei.
"Ein komischer Kauz, der Friedli" sagten dann die Leute. "Der steht immer herum, als ob er auf etwas warten würde".
Er kannte sie alle, die hoffärtige Frau des Gemeindepräsidenten, den geschwätzigen Herr Lehrer, der sich wichtig machte oder den stolzen Grossbauer, der den Mund nie voll genug bekam. Sie standen beisammen, scherzten und lachten, manchmal auch über ihn. Doch Friedli gehörte dort nicht dazu, so stand er halt besser abseits.
Manchmal sass er auch auf einer Bank entlang der Friedhofmauer und schaute den Auto zu, die vorbeifuhren.
"En Gueni halt" wie die Leute das nannten. Aber so ein Auto hatte er nie, nicht mal ein Velo. Vielleicht hat er davon geträumt, man weiss es nicht.

Unter der Woche oder gar abends ging er nie ins Dorf und schon gar nicht in ein Wirtshaus. Was hätte er dort machen sollen. Nur in die Kirche ging er am Sonntag immer. Nicht weil er verstanden hätte, was der Pfarrer da predigte, aber er spürte, dass er dort - in der "Knechtenbank" auf der „Männerseite“ ganz hinten - akzeptiert war.
Doch Willkommen war Friedli an keinem Ort - geduldet vielleicht, aber darauf wollte er es meistens nicht ankommen lassen. So blieb er lieber für sich und bei seinen Tieren. Die mochten ihn, denn sie machten keinen Unterschied zwischen arm und reich und es schien sogar, als ob der Einfachste ihnen am Liebsten war.

Auf dem Hof konnte er bleiben, auch als er nicht mehr alle Arbeiten verrichten konnte. Denn er war länger auf dem Gut, als der junge Bauer. Das verpflichtete und man behielt ihn, wie auch das alte Pferd, dem man das Gnadenbrot gab.
Aber mit der Zeit wurde es doch immer schwieriger und so musste er mit der Zeit gehen. Er geht ins Altersheim.
Ein eigenes Zimmer, tägliche Dusche, gute Küche und freundliche, weibliche Wesen, die zu ihm "Herr Fuchs" sagen - und das Zimmer wird gereinigt. Friedli strahlt, denn hier gefällt es ihm. Hier ist es schön. Schöner denn je und er freut sich über sein neues wunderbares Leben. Jetzt ist er so richtig glücklich.
Nun isst er mit Leuten am Tisch die er schon lange kennt, denen er aber bisher immer fremd war. Etwa mit der Frau des Gemeindepräsidenten, die halt unzufrieden ist und dauernd nörgelt, dem Schullehrer der schweigt, weil sein Gehirn die Worte nicht mehr findet oder dem übergewichtigen Grossbauer auf Diät, den man nun füttern muss.
Sie alle haben nichts mehr zu lachen, denn hier sind sie am Tiefpunkt angelangt. Sie sind an der Endstation des Lebens angekommen und warten nur noch auf den Tod. Ausser dem Friedli Fuchs, der ist hier aufgeblüht.
Denn nun gehört er auch dazu, jetzt ist er mitten drin und alle sind sie nun gleich.
Darauf hat er schon lange gewartet. Zufrieden lächelt er vor sich hin.





:-)

Samstag, 10. November 2007

Neuer Da-Vinci-Code?




Neuer Da-Vinci-Code?


Der italienischer Musiker Giovanni Maria Pala glaubt, in Leonardo Da Vincis Gemälde «Das letzte Abendmahl» aus dem späten 15. Jahrhundert, einen neuen "Da-Vinci Code" entdeckt zu haben.
So habe er zunächst fünf Linien eingezeichnet und dann bemerkt, dass die Brotlaibe und die Hände von Jesus und den Aposteln Noten darstellen könnten. Aber erst nachdem er die Noten von rechts nach links las entstand Musik - eine 40 Sekunden lange «Hymne an Gott».
Natürlich musste ich mir das sofort ansehen. (Und genau darum dauert bei mir am Morgen das Lesen der verschiedenen Zeitungen immer so lange). Also reiste ich virtuell schnell in die Dominikanerkirche „Santa Maria delle Grazie“ in Mailand, um den Höhepunkt in Leonardos malerischem Schaffen dank der Webseite:
HALTADEFINIZIONE
ganz genau anzusehen.

Also, es stimmt, etwas komisch sieht die Anordnung schon aus, jedenfalls bei uns am sonntäglichen Frühstückstisch sind die Brötchen wirklich nicht so schön „ufgreielet“. Aber ob sie Noten darstellen - weiss ich nicht - ich weiss nur, dass „die Püürli“ inzwischen steinhart sein müssen.
Übrigens, könnten die Hände der Apostel nicht auch Gitarrengriffe darstellen ……?
Blöd, dass ich nicht Gitarre spielen kann.



:-)

Freitag, 9. November 2007

Berühmter Dichter




Berühmter Dichter



«Hansli, nenne mir einen berühmten Dichter!»
«Achilles»
«Aber Hansli! Achilles war doch kein Dichter!»
«Wieso? Der ist doch wegen seiner Verse bekannt ...»



Wort-Ursprung: 
Achillessehne:
Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne des Menschen.
Die Namensgebung der Achillessehne, die bei starker Belastung zerreißen kann, ist in Anlehnung an die Sage von Achilles entstanden, einem Held der griechischen Mythologie. Dieser galt als unverwundbar, weil er als Kind in den Fluss Styx getaucht worden war. Nur an der Ferse, an der ihn seine Mutter bei dieser Aktion hielt, blieb er verwundbar. Ein Pfeil des Paris in diese Ferse tötete ihn.

(Quelle/Text: Wikipedia)


:-))

Paradiesvögel




Paradiesvögel

Ich bin in Zürich und sitze mit Freunden am Limmatquai in einem Strassenkaffee. Wir schauen interessiert dem bunten Treiben zu und kommentieren ab und zu die Vorbeigehenden.
"Ouw", sagt der junge Mann an unserem Tisch und schaut amüsiert hinter meinen Rücken.
"Da kommt Eine, nein, da darfst du gar nicht hinschauen. Diese roten Haare, der Hut, die Kleider!
Sein faszinierter Gesichtsausdruck und der Kommentar bewirkt bei mir natürlich genau das Gegenteil. Ich will hinschauen und so riskierte ich einen verstohlenen Blick zur Seite und harre der Dame, die da vorbeikommen soll.
„So wie die aussieht, also wirklich, da muss sie sich nicht wundern, wenn man über sie spöttelt,“ amüsiert sich nun auch mein Gegenüber und reckt belustigt den Kopf. „Die will doch nur auffallen, schau dir das an."
Das möchte ich ja gerne, aber nichts Aussergewöhnliches erreichte mein seitliches Blickfeld. Nur weiterhin modisch gekleidete Frauen, eintönig gewandete Herren und etwas bunter angezogene Touristen ziehen an meiner Seite vorbei.
"Wann kommt sie denn?" frage ich ungeduldig, denn mein Gwunder ist nun geweckt.
"Ach, sie nimmt drei Tische hinter uns Platz."
Blöd, denke ich, da entgeht mir doch prompt etwas Exotisches. Ich drehe mich um - natürlich wie „rein zufällig“, desinteressiert und mit gelangweiltem Gesichtsausdruck.
Ich erkenne sie sofort. La Lupa - die Wölfin - den Namen soll sie schon als Jugendliche bekommen haben, wie mir Wikipedia nachher verrät - eine Sängerin, geboren vor sechzig Jahren im Tessin. Doch nun lebt sie seit langem in Zürich und singt auf kleinen Bühnen und grossen Sälen, in Theatern, Gärten, Schlössern, Museen oder auf Plätzen, Terrassen, Dächern und Schiffen ... meist an kleinen kleinen, oft idyllischen Orten, manchmal aber auch an ungewöhnlichen Plätzen. So zum Beispiel, wenn sie vor dem Karfreitag, ihre Lamenti, die Klagelieder aus der venezianischen Pestzeit, von Stadtzürcher Kirchtürmen verbreitet. Dann singt sie vor grossem Publikum, sonst eher vor treuen Kennern.
Ihr aktuelles Programm heisst „Was für ein Glück glücklich zu sein“ - „Che fortuna essere felici“. Schön, nicht wahr?
Ich kenne sie leider nicht persönlich, nur flüchtig aus den Medien. Aber ich habe ihre kräftige und schöne Stimme schon gehört. Einige Lieder haben mir gut gefallen, aber bedauerlicherweise habe ich das Wichtigste nicht verstanden. Die Feinheiten ihrer Worte - melancholisch-tragische Texte, auf italienisch gesungene Gedichte.
Man sagt auch, La Lupa präsentiere keine Show, sie sei selbst eine - mit ihren farbenfrohen Outfits und ihrem speziellen Aussehen. Ein Paradiesvogel halt.
Aber mich faszinieren Paradiesvögel. Ich bewundere ihren Mut, ihr Selbstbewusstsein, ihre Unabhängigkeit. Oft sind sie halt ein bisschen unangepasst, vielleicht auch etwas schräg, aber immer sind sie sich selbst und meistens tun sie niemandem etwas zu leide.
Sind es nicht gerade diese Originale, die Abwechslung in den öden Alltag bringen? Sie, die Normen sprengen, Grenzen erweitern, Tabus brechen und dadurch für uns alle mehr Freiraum öffnen würden, um vielleicht selbst auch ein wenig individueller sein zu können.

Aber Paradiesvögeln geht’s halt fast wie einem ausgebrochenen Kanarienvogel, der, wie man sagt, in Freiheit nicht gut überleben kann. Denn die grauen Spatzen oder die schwarzen Raben hacken gerne auf bunte Sonderlinge.


:-)

Donnerstag, 8. November 2007




Übrigens.....



..... nur meine Lesebrille hat den Durchblick.




:-)

Bildbetrachtung




Bildbetrachtung




 Bildquelle: Andreas Dengs  / pixelio.de / Nr. 568781





Zuerst, liebe Freundin, ganz herzlichen Dank für deine elektronische Postkarte.
Sicher hast du ganz besonders sorgfältig, genau dieses sinnige Bild - mit dem aufgeschlagenen Buch auf einem kleinen Tischchen und der darauf abgelegten Lesebrille - für mich ausgewählt. Damit hast du, vermutlich wie beabsichtigt, meine Sehnsucht berührt. Denn als ich dieses Bild betrachtet habe, wurde mir warm ums Herz und meine Stimmung wurde für einen Moment besonders hoffnungsvoll, ja, fast feierlich. Weisst du auch warum?
Ich habe beim Betrachten, auf dem Bild noch viel mehr als die drei Elemente gesehen, die darauf abgebildet sind.
So sehe ich rechts neben dem Tisch mit der aufgeschlagenen Lektüre, einen Mann - etwas älter als ich - in einem ganz bequemen Stuhl sitzen. Ich vermute, dass er seit einiger Zeit im Buch gelesen hat. Dazu hat er ja nun nicht mehr viel Zeit, denn er weiss, dass seine Zeit bereits nahezu abgelaufen ist.
Im Hintergrund zählt das gleichmässige Ticken einer alten Standuhr unerbittlich die letzten Sekunden eines Lebens ab, während rechts von ihm ein grosses Holzscheit im offenen Kamin knistert und wohlige Wärme spendet. In seiner Front befindet sich ein grosses Fenster. Er hat die feinen Vorhänge zur Seite gezogen, damit die letzten spätherbstlichen Sonnenstrahlen sein entspanntes, ebenmässiges Gesicht noch etwas wärmen können. Seine ausgeprägten Gesichtszüge spiegeln die schicksalhafte Vergangenheit und die tiefblauen, warmen Augen ruhen mit einer gereiften Gelassenheit auf seinem besten Freund - der bereits kahlen, grossen Eiche - die mitten im abgeernteten Feld auf dem Hügel vor seinem Fenster steht. Ihre nackten, schwarzen Äste zeigen wir Mahnfinger in den blauen Himmel, und sie warten, im Gegensatz zu ihm, darauf, dass ihr Leben - dem Kreislauf der Natur entsprechend - in wenigen Monaten wieder aus dem Winterschlaf erwacht und weitergeht.
Der Mann, im ruhig stehenden Schaukelstuhl, trägt ein kariertes Hemd aus verschiedenem Blau und darüber eine halboffene, grauen Strickjacke. In der Hand hält er gedankenverloren eine Tasse Kaffee aus der er vorhin, einen kleinen Schluck genommen hatte, während seine Nase gleichzeitig das würzige Aroma einzog. Er wunderte sich dabei wie schon oft, dass ihm dieser aromatische Duft - auch nach so vielen Jahren und tausenden von Tassen - immer noch einen kurzen Moment der Glücks bescheren konnte.
Der Holztisch, auf dem nun das Buch liegt, ist mit einem naturfarbenen Tuch aus grober Leine bedeckt. Das Tischtuch ist mit mittelgrossen Quadraten bedruckt, in deren Mitte abwechselnd die Sonne, der Mond, Sterne oder Teile des Himmels dargestellt sind.
Genau dieser Bezug zum Unvergänglichen - der Erde, der Gestirne, der unendlichen Weite des blauen Himmels mit seinen wiederkehrenden Gesetzmässigkeiten, hat ihn angesprochen und bewogen, gerade heute dieses Tischtuch zu wählen.
Vielleicht zufälligerweise, passt es auch genau zum Inhalt, des aufgeschlagenen Buches, das er für diesen Moment zusammen mit seiner Lesebrille zur Seite gelegt hat, damit er über das soeben Gelesene nachdenken kann. Denn, nachdem er nun fast die Hälfte durchgelesen hat, weiss er, dass es sich dabei um ein sehr gutes und weises Werk handelt. Er ist sich sogar sicher, dass es für ihn das wertvollste und wichtigste Buch ist, das er je in die Hand genommen hat und er nun endlich gefunden hat, wonach er all die Jahre in hunderten von Büchern gesucht hatte...........


:-¦

Mittwoch, 7. November 2007





Was für eine super Idee!
(oder: Die besten Ideen haben immer die anderen)



Ich bin ganz begeistert von der Ausstellung von Beatrice Wicki.
Ich sah einen breiten Querschnitt durch ihr gesamtes Schaffen.

Am meisten beeindruckt bin ich von ihren „Sitzaufgaben“.
Dabei zerlegt (oder zertrennt, zersägt, zerteilt, zerkleinert und zerstückelt) sie Stühle in Einzelteile. Dadurch verliert der Stuhl seine Aufgabe als Sitz und somit auch seine Bezeichnung - wird aber, durch das kunstvolle Zusammensetzen der Stuhlteile, zu einem neuen Objekt und erhält die Bezeichnung Kunstobjekt.
Einfach erstaunlich, was für Künststücke solche Ruhemöbel vollführen können und welche interessanten Kunstwerke, mit viel Fantasie und der richtigen Bezeichnung aus gebräuchlichen Stühlen entstehen können. Welch ein Glück für jede alte, langweilige Sitzgelegenheit, die durch die schöpferischen Hände von Beatrice Wicki, zu einem vollkommenen Kunststück wird und nicht als Rauch durch den Kamin diese Welt verlassen muss, sondern mit einem fantasievollen Namen versehen, als teures Meisterwerk in der Kunsthimmel aufsteigen darf.
Einen Eindruck, dessen ich so beeindruckt bin, bekommt man auf der Webseite der Künstlerin:
http://www.be-a.ch/sitzaufgabe_n/index.html
Dabei sollte man es nicht versäumen, die Bilder der Objekte anzuklicken, damit man die neuen, äusserst kreativen Bezeichnungen von alten Stühlen erfahren kann.

So blöd !, dass ich nicht auf diese lukrative Idee gekommen bin, denn ich habe in meinem Leben doch schon so manchen alten Stuhl ausgemustert und manchmal sogar noch
dafür bezahlt.
Aber, mal überlegen - - - man könnte doch alte Möbelstücke auch zerhacken, zermahlen, zerbröckeln, zersplittern, zerhauen, zerbrechen, zerschneiden, zerschlagen, zerplatzen, zerdrücken, zermalmen, zerbeissen (?), zerknicken, zerstören, zerquetschen ………... oder einfach - - sprengen!


:-(




Faszinierend!


In einer zwölfstündigen Fotosession wurde die Christus-Passion von Gaudenzio Ferrari in der Kirche Santa Maria delle Grazie im italienischen Varallo auf 1.145 Einzelfotos digitalisiert.
Das Mega-Foto besteht aus 96.679 mal 89.000 Bildpunkten und hat eine Auflösung von 8,6 Milliarden Pixel. Es ist damit das wahrscheinlich größte digitale Foto weltweit.
Mit Zoomify ist es möglich, ähnlich wie von Google Earth gewohnt, die Flash-Anwendung stufenlos zu Zoomen - bis hin zum einzelnen Pinselstrich des Meisters.
So exakt lässt sich das Bild nicht einmal am Original-Schauplatz betrachten.
http://www.haltadefinizione.com/en/santamariadellegrazie/look.asp
Unter anderem, ebenfalls auf dieser Webseite:
Das letzte Abendmahl von Leonardo Da Vinci
http://www.haltadefinizione.com/en/cenacolo/index.asp



:-)

Montag, 5. November 2007






 


Wer will - der kann

Wer will - der kann
wer kann - der mag
wer mag - der beginnt
wer beginnt - der macht
wer macht - der zweifelt
wer zweifelt - der fragt
wer fragt - der weiss
wer weiss - der hat
wer hat - der darf
wer darf - der muss
wer muss - der soll
wer soll - der kann
Wer kann - was er will - will selten - was er kann.
©® Copyright by Herr Oter



:-)

Sonntag, 4. November 2007




Alles gesagt?



........ somit ist nun alles gesagt, was gesagt werden musste. Aber vielleicht, noch nicht alles, was gesagt werden sollte. Und ganz sicher ist noch nicht alles gesagt, was gesagt werden könnte. Denn gesagt werden könnte noch Einiges.....

Aber ich denke, man sollte nicht immer alles sagen, was man sagen könnte. Denn stell dir einmal vor, man würde nun wirklich alles sagen, was es zu sagen gäbe.......
Unvorstellbar wie viel „Gesagtes“, dass das ergeben würde. Haufenweise Gesagtes würde da um uns herumliegen. Und danach gäbe es ja gar nichts mehr zu sagen, wenn doch alles gesagt wäre. Also wenigsten für einige Zeit. Solange bis es wieder Neues zu sagen gäbe und das könnte dauern. Denn heutzutage denken doch viele, man sage besser nichts. Denn wenn man zuviel sagt, „sagt“ man sich vielleicht den Ast ab, auf dem man gerade sitzt.

Ich frage mich jetzt nur: Was würde wohl mit all dem Gesagten nun gemacht? Würde man es verwerten können oder einfach sinnlos herumliegen lassen? So, kreuz und quer, hier und dort, drunter und drüber..... Oder würde all das Gesagte einfach vergraben oder gar verbrannt? Gut, so wäre man es natürlich schnell los - ohne, dass es einem noch lange beschäftigen würde. So gäbe es wieder Platz und Ordnung und man wüsste davon nur noch vom Hörensagen.

Doch ich hätte lieber, man würde all das Gesagte etwas ordnen. So könnte man es doch zum Beispiel zwischen zwei Buchdeckel binden. So entstehen Bücher und nach einiger Zeit werden daraus Sagenbücher. Dann würde Ihr Inhalt - wie bei Sagen üblich - bald niemand mehr so richtig ernst nehmen.

Oder man könnte all das Gesagte doch auch einfach aufschichten. Einfach zu Beigen aufschichten wie das Holz. Dann würden daraus Holzbeigen. Aber nein, das geht leider nicht. Denn Holzbeigen sind nicht aus Gesagtem sondern aus Gesägtem.

So, das musste nun einfach mal zu diesem Thema noch gesagt werden.



:-)




Traumferien


Herrlich diese Wärme!
Endlich dem nassgrauen Novembernebel entflohen, räkle ich mich wohlig auf dem Badetuch und geniesse die feuchtwarme Atmosphäre. Statt der kalten Bise, huscht hier, einem Schatten gleich, ab und zu eine leichte, laue Brise über meinen Körper.
Die Zunge spürt auf den Lippen noch das Salz des ausgedehnten Bades und eine angenehme Müdigkeit breitet sich nun im ganzen Körper aus. So gönne ich ihm eine ausgedehnte Erholung, gebe meinen Gedanken freien Ausgang und lasse meine Seele baumeln. Ferienstimmung!
Fasziniert verfolge ich das Gezwitscher und die Rufe fremder Vögel, vermutlich aus dem Urwald, und lausche dem beruhigenden Rauschen des Wassers. Die hohe Luftfeuchtigkeit in diesem Klima lässt Schweisstropfen mit einem angenehm puppernden Gefühl an meinem Körper herunter perlen.
Trotz geschlossenen Augen schweift mein Blick über die wunderbare Landschaft und ich betrachte im Geiste den schier endlosen, weissen Strand mit dem feinkörnigen Sand und den drei schlanken Palmen rechts von mir. Auch sehe ich die lautlose Brandung mit seinen weissen Schaumkronen und dahinter verliert sich in einem nahtlosen Übergang das Meer, im tiefblauen Horizont. Ein ausgeglichener Farbverlauf vom ruhigen Ozeanblau zum wolkenlosen Himmelblau.
Postkartenidylle vor meinem geistigen Auge.
Ab und zu hört man das sachte Knarren von Holz, vermutlich von einem Fischerboot, das nach der getanen Arbeit des frühen Morgens, vertäut am Ufer vor sich hinträumt. Leise vernimmt man flüsternde Stimmen, vielleicht von rücksichtsvollen Einheimischen.
Erholung pur! Ein Gefühl des Glücks durchflutet den Körper und die salzigen Lippen bewegen sich stumm zu einem dankbaren Gebet.
Nun wird die Hitze aber langsam doch unerträglich und so schlage ich die Augen auf, raffe mein Badetuch zusammen und verlasse das Sanarium. Traumferien in einer Sauna, mitten in der Stadt, an einem trüben Novembertag.



;-)

Samstag, 3. November 2007




Small World 

von Martin Suter




Kurzbeschreibung
(ein Fremdtext)
Konrad Lang steht seit Jahren im Dienste der Familie Koch. Die Kochs sind sehr reich, den sie führen einen riesigen Konzern. Elvira Koch, Witwe des Gründers der Kochwerke, nahm Konrad als Kleinkind zu sich auf, als dessen Mutter sich einfach aus dem Staub gemacht hat. Doch sie bevorzugt ständig ihren eigenen Sohn, Thomas Koch. So musste Konrad (genannt Koni) schon als Kind immer das mitmachen, was Thomas auch tat. Ausgemacht hat das Koni jedoch nie allzu viel. Auch später steht er der Familie Koch stets als Handlanger zu Diensten. Er ist Hausmeister von Ferienhäusern der Familie, etc.. Warum die Kochs Koni immer mit durchziehen, versteht eigentlich keiner so recht. Elvira begründet es immer damit, dass sie Mitleid mit ihm habe. Aber eigentlich steckt ganz was anderes dahinter. Etwas, das schon lange Zeit zurückliegt und an das sich am besten niemand mehr erinnert soll, da dies für die Kochwerke gefährlich werden kann. Wie unpraktisch, dass Koni im fortgeschrittenen Alter an Alzheimer erkrankt und sich immer mehr in den vergangen Tagen wieder findet und davon plaudert... So nimmt das unheil seinen Lauf

Mein Kommentar:
Eines der besten Bücher die ich gelesen habe.
Positiv:
Verständnis für Alzheimer, Einsicht in Industriellengesellschaft, Gesellschaftskritik und alles verpackt in einen Krimi, ab dem ersten Drittel spannend, sehr grosses Fachwissen, sehr gut recherchiert
Negativ
Am Anfang ziemliche Verwirrung durch sehr viele Namen. (oder leide ich etwa auch schon an…)
Auch oft abrupte Wechsel von Ort, Zeiten und Geschehen

Meine Bewertung:
6 von 6
Suter, Martin: Small World
Taschenbuch:
323 Seiten
Verlag:
Diogenes Verlag; Auflage: 25., Aufl. (Oktober 2000)
Sprache:
Deutsch
ISBN-10:
3257230885
ISBN-13:
978-3257230888


:-)



Zusammen ist man weniger allein 

von Anna Gavalda






Kurzbeschreibung:

Philibert (36) ist eigentlich ein Genie. Doch sobald er mit anderen Menschen spricht, gerät er gewaltig ins Stottern. Camille (26), dürr wie eine Bohnenstange, arbeitet als Putzhilfe. Keiner, der sie einmal malen gesehen hat, versteht das, denn sie ist ein Genie. Und Franck (34), der als Koch in einem Gourmet-Lokal schuftet, ist ein kleines, ruppiges Großmaul, mit einem grossen Herz.
Zu dieser illustren Wohngemeinschaft gesellt sich eines Tages noch Francks Großmutter, die 83-jährige Paulette. Nach einem Unfall sollte sie eigentlich ins Altersheim abgeschoben werden. Diese vier, denen im Leben noch nicht allzu viel Menschlichkeit oder gar Glück begegnet ist, teilen miteinander bald mehr als nur Wohnung und Kühlschrank, denn ''zusammen ist man weniger allein''.

Mein Kommentar
Eines der schönsten Bücher, die ich gelesen habe. Jeder Satz ist liebevoll geschrieben und die wunderschönen Beschreibungen der Charaktere und Handlungsplätze versetzen einem ins Geschehen als ob man dabei wäre.
Kein spektakuläres Buch, aber eines, bei dem man sich während des Lesens immer wieder wünscht, dass einem solche Menschen begegnen möchten, wenn man alleine ist oder sich alleine fühlt.
Kein Wunder also, dass es über 50 Wochen auf der Bestseller-Liste des Spiegel stehen durfte.
Zwei Bemerkungen noch, die mich speziell betreffen:
Beim Lesen dieses Buches habe ich wieder einmal mehr gemerkt, dass ich den schönsten Beruf der Welt hatte. Vielleicht hätte ich ihn einfach etwas anders ausüben sollen, mehr als Kunst statt als Broterwerb. Z
udem sind Köche vielleicht einfach auch andere Menschen, Menschen mit einer harten Schale und einem gefühlvollen Kern.
Zweitens, hätte ich bis heute je ein Buch geschrieben, dann am liebsten dieses und würde ich je ein Buch schreiben, dann hoffentlich ein solches.
Übrigens gibt es inzwischen auch ein Film davon. (Etwas zu vergleichen mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und ebenfalls mit der anmutigen Audrey Tautou in der Titelrolle)


Meine Bewertung: 6 von 6

Gavalda, Anna: Zusammen ist man weniger allein

Broschiert:
558 Seiten
Verlag:
Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 10., Aufl. (Oktober 2006)
Sprache:
Deutsch
ISBN-10:
3596173035
ISBN-13:
978-3596173037



:-)