Ausschnitt aus: die Einsiedelei
Sonntag, 18. November 2007
Ausschnitt aus: die Einsiedelei
Samstag, 17. November 2007
Der schönste erste Satz
Der schönste erste Satz
Drei Wörter als Auftakt zu einer Weltgeschichte.
In der Literaturszene gibt es eine neue, weitere Auszeichnung, denn es wurde vor kurzem in Frankfurt, der "schönste erste Satz“ der deutschsprachigen Literatur verkündet.
Seit 2004 kommt mit "Habseligkeiten" auch noch das immerwährend "schönste Wort der deutschen Sprache" dazu und erst vor wenigen Wochen wurde mit dem türkischen Dreiklang "Yakamoz" für "Widerspiegelung des Mondes im Wasser" sogar das "schönste Wort der Welt" gekürt.
Doch nicht genug der Wort-Ehrungen: So erhielt erstmalig im letzten Dezember auch noch das „Kleinod“ den Titel des bedrohtesten Wortes der deutschen Sprache.
Der erste Satz ist sozusagen der Brühwürfel, mit dem die ganze folgende Suppe gekocht wird.
Daher formulieren Erzähler so aufreizende erste Sätze wie «Es war einmal eine alte Geiss» oder «Strapse! Schwarze Strapse!» oder halt «Ich bin nicht Stiller».
Wortfolgen von unglaublicher Aussagekraft die zum Weiterlesen zwingen. Nur, wer sich nicht für Ziegenhaltung interessiert, Strumpfhosen für praktischer hält oder nicht von vorneherein so negativ angesprochen werden möchte, wird mit diesen Anfangssätzen die Brüder Grimm, F. Schulz oder Max Frisch nie kennen lernen.
«Ilsebill salzte nach»
Das ist der ersten Satz aus "Der Butt" von Günter Grass.
Auch werden damit Fragen aufgeworfen:
„Wer ist Ilsebill?“
(Ich kannte bis jetzt nur die Ilsebill aus dem Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm, und tatsächlich verbindet das Buch „Der Butt“ Elemente des alten Märchens mit einem Resümee über die letzten 400 Jahre menschlicher Geschichte: Gezeichnet von Gewalt, entschieden von Männern, aber gestaltet von Frauen)
„Warum salzte sie nach?“ „Wie viel salzte sie nach?“ „Wann salzte sie nach“ und - „hat sie etwa zuviel nachgesalzten?“
Ich glaube nämlich, dass Ilsebill ziemlich tüchtig nachgesalzen hat - so viel, bis der Leser, zumindest kulinarisch, auf den Geschmack kam.
Würde tüchtiges Nachsalzen, meinem Blog auch nützen?
"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."
Na ja, tönt jedenfalls spannend und schauerlich.
"Hamilkar Schaß, mein Großvater, ein Herrchen von, sagen wir mal, einundsiebzig Jahren, hatte sich gerade das Lesen beigebracht, als die Sache losging."
Dieser Satz, das muss ich sagen, der gefällt mir sehr.
Für mich ist nämlich der beste Satz noch immer, der Anfang von George Orwell’s Buch: 1984. Der so lautet:
Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn."
„Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrloster Garten“
aus Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
oder
"Es fiel Regen in jener Nacht, ein feiner, wispernder Regen"
der Anfangssatz aus Cornelia Funkes "Tintenherz", der bei den Kinder und Jugendbüchern immerhin auf den zweiten Platz kam.
Gewonnen hat in dieser Kategorie übrigens, die ausgezeichnete Erzählung "Lari Fari Mogelzahn" von Janosch. Sie beginnt so: "In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Gleisenagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste."
"Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen."
„Vieles fiele leichter, könnte man Gras essen."
von Ernst Bloch in Freiheit und Ordnung
und
„Bisher passierte folgendes: Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen."
von Douglas Adams in “Das Restaurant am Ende des Universums“
Mr und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar."
Richtig erkannt, er stammt von Joanne K. Rowling im „Harry Potter und der Stein der Weisen“
Ich selber, beginne eine neue Geschichte halt immer mit der folgenden ganz einfachen Regel.
Erster Teil: von Samuel Goldwyn (Die nackte Kanone) als Anweisung an seine Drehbuchautoren:
und sich dann ganz langsam steigern,
Zweiter Teil: Hermann Hesse im Gedicht „Stufen“:
:-)
Freitag, 16. November 2007
Ein ganz normaler Lebenslauf
Ein ganz normaler Lebenslauf
Wie schnell doch die Zeit vergeht!
Erst noch hiess es: Komm schon endlich!
Ich will nicht - stelle mich quer - nützt nichts! Steisslage - Geburtszange - erster Schrei und ich werde erst blau - dann gelb.
Wohl behütete Kindheit - mit zwei Brüdern - reizendes Bündner Dörfchen mit mildem Klima.
Schulanfang. Ich will nicht - stelle mich quer - nützt nichts! Lehrerin Rietberger - älteres Fräulein in der Bündnertracht. Er ist ein Träumer - und das Bett am Morgen ist noch immer nicht trocken. Ich will - aber ich kann nicht. Ich schäme mich!
Stallbesuche statt Schule. Lehrer Heldstab: Leider kann er nicht in die Fünfte versetzt werden. Er stellt sich quer - hält sich nicht an Linien - eine Zwei im Schreiben. Elternschelte
Als wäre es gestern gewesen.
Freund Werner - Alpsommer - und Ludmilla aus Russland, die Frau des Bauern, pure Weiblichkeit im Kuhstall.
Ich will Senn werden!
Giacomo der Italiener und Christian mit vielen Warzen. Ein Querkopf mit zwei Aussenseitern - die besten Freunde.
Schwesterchen trifft ein. Stolzer Papa, stolze Brüder - endlich ein Mädchen.
Lehrer Nold in der Fünften spielt Geige - interessante Charakterschrift, meint er - ja, der versteht mich - nun geht’s bergauf, in die Sekundarschule.
Schulschatz Rosi und der junge Tunichtgut. Keine Angst - nichts passiert!
Sommerlager - Renate - keine Liebe, aber neue Erfahrung: Komm mit, ich zeig dir was - was macht sie da? - oh schön! Als wäre es gestern gewesen.
Statt Senn - zum Koch. Mit Roland, dem Casanova - meinem Stiffti-Kumpan. Lernen in der Küche und in der Liebe: Vreni - arbeitet am Buffet und schläft bei mir, monatelang. Experimente - Versuche. Hoffentlich nichts passiert dabei. Aber immer alles gut gegangen - aufgepasst.
Warum hast du das gemacht, Bruder? Ich hasse dich!
Liebeskummer - aber nicht für lange - Trost bei Heidi, Vreni 2, Marina - der Zigeunerin und … die Übrigen habe ich vergessen. Ich nenne das Erfahrungen sammeln. Denke dankbar an euch alle.
Ende gut - Lehre gut - auch wenn's für einen Querkopf manchmal hart war.
Neuer Lebensabschnitt: Luzern - Hotelfachschule. Frühstück in der Pizzeria: Wie heisst du? La Perla.
Ich liebe dich!
Als wäre es gestern gewesen.
Rekrutenschule.
Kommst du im Sommer mit nach London? Ja, ich will.
Sechs Monate Studentenleben und erfolgreich Englisch lernen in der Acht-Millionen-Stadt. La Perla hat Heimweh - ich einen neuen Kurs im Januar.
Probleme im Französisch - Verzweiflung - einsamer Entscheid - Kursabbruch - dummer Querkopf.
Kommst du mit nach Neuenburg? Ja, ich will. Acht Monate lang Deutsch gesprochen. Nichts gebracht. Zurück nach Luzern. Marianne - die Kochkünstlerin - ich ihr Küchenchef. Fast zwei Jahre Prominentenluft schnuppern - der Raben aber, ist eine Nummer zu gross für mich.
Aber eins steht fest: mit Dreissig will ich mein eigenes Lokal haben!
Und ich will, nach sechs Jahren, nun endlich heiraten!" - "gut, willst du meine Frau werden?"
Herr Oter willst du La Perla zur Frau nehmen? - Ja, ich will.
La Perla willst du Herr Oter zum Ehemann? Ja, ich will.
War das nicht erst gestern?
Minigolf als Turniersport. Fast vier Jahre vergehen.
Ihr Bauch wird rund - das Gesicht mütterlich und ich nervös. Komplikationen während der Geburt - will der etwa auch nicht? Kaiserschnitt. Glück gehabt - Gott sei Dank! Wir sind eine Familie.
Die Frau wird zur Mutter und ich stolzer Vater. Ist er nicht süss?
Er ist der Schönste! der Liebste! der Beste! Hoppe, Hoppe Reiter …
Wie heisst er denn? Er wird sich später Tschügge nennen.
Kaum zu glauben, das war vor 23 Jahren.
Eigener Betrieb - Willst du? - Ja, ich will.
Sehr geehrte Familie Iten. Wir würden gerne ihr Hotel mieten.
Der Start für die nächsten fünf Jahre erfolgt vier Tage nach dem dreissigsten Geburtstag.
Harte Arbeit - lange Stunden - kaum Freizeit - grossen Erfolg. Zum Glück gibt es Maruschk’a und Sepp als Kindermädchen, Ersatz-Grosseltern, moralische Stütze und zusammen mit Margrith und Moritz, die besten Freunde.
La Perla hat keine Nierenbeckenentzündung, sondern eine geplatzte Eileiterschwangerschaft. Der Tod sagt an einem Sonntagmorgen „Hallo, ich komme“.
Viel zu früh! Hau ab!
Glück gehabt - Gott sei Dank.
Nächste Versuche und endlich ist es irgendwann doch noch soweit. Er kommt problemlos mit Kaiserschnitt. Familienzuwachs - glückliche Eltern.
Ist er nicht süss?
Er ist der Schönste! der Liebste! der Beste! Hoppe, Hoppe Reiter …
Wie heisst er denn? Er wird sich später Flexi nennen.
War das gestern oder vor neunzehn Jahren?
Zehn Monate Auszeit im Tessin. Herrliche Erholung.
Neues Restaurant suchen. „Zu alt, zu gross, zu teuer“.
Gefunden! Gekauft. Es heisst „Traube“.
Willst du - ja ich will - unter Bedingungen.
Vierzehn Jahre - Stress, Ärger, Freude - Kinder, Gäste, Mitarbeiter - führen, kochen, servieren, putzen, Geld verdienen.
Wo bleibt die Zeit für unsere Beziehung? Ich liebe dich! - Liebst du mich auch?
Du bist ein Ekel, pedantisch, du gehst mir auf die Nerven, du bist ein Querkopf!
Entschuldigung, ich hab nichts gemerkt - nichts verstanden - nichts gelernt.
Es wird besser - alles wird gut. Liebst du mich noch?
Die Haare grauen an den Schläfen. Ich träume vom Aufhören mit 52, vom Reisen, vom Sozialjahr, von der Alp, vom Kloster, vom Schreiben und Zeichnen. Doch Träume sind Schäume.
Es gibt da einen..., du kennst ihn...., er ist dein Freund..., es ist so schön mit ihm.
Willst du mich noch? - Nein, ich will nicht mehr.
Aber ich liebe dich! - ich brauche dich!! Bitte verlass mich nicht!!!
Ich will das nicht - ich kann das nicht - ich stelle mich quer - es nützt nichts.
Drei dunkle Jahre, Streit, Vorwürfe, Kränkungen, Entschuldigungen, Trauer, Burn-out, Depression.
Mein Papi wir krank. Keine Sorge, ich schau zu ihr - ist ja mein Mami. Papi's Beerdigung.
Ciao, lieber Vater und Danke.
Ich kann nicht mehr - ich will nicht mehr - ich werde mich….. . Nein, die Kinder!
Der Tiefpunkt ist erreicht. Nun kann’s nur noch aufwärts gehen.
Kurze Abwechslung mit Bernadette. „Entschuldigung, ich habe mich getäuscht.“
Traube verkauft - Ausgestritten - faire Scheidung - endlich alles vorbei.
Machs gut, La Perla - du hast mir viel gegeben in den letzten dreissig Jahren.
DANKE für alles.
Wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin 49 und statistisch sind nun zwei Drittel vorbei.
War's das nun?
Zum ersten Mal eine eigene Wohnung. Einsame Tage - Abende - Nächte. Heimweh - was machen meine Buben.
Und was machst du nun? Leben, lesen und viel Zeit haben.
Hallo ich bin Nina-Sue. Wenn du willst - ich bin für dich da.
Fast vierhundert Mails gehen hin und her. Plaudern im Internet, später am Telefon.
Treffen mit dem Sonnenschein auf dem Hirzel.
Ich liebe dich - ich liebe dich auch.
Ab jetzt nenne ich dich Sun - mein Sonnenschein. Ich glaube, du wirst das Glanzlicht meiner späten Jahre. Ich habe Sehnsucht nach dir - wann sehen wir uns wieder?
Meinem Mami geht’s nicht gut. Sie vergisst alles, findet sich immer weniger zurecht. Diagnose: Alzheimer.
Jedes zweite Wochenende ins Tessin.
Was machst du eigentlich? Leben, lesen, lieben, schreiben, Mami betreuen und immer weniger Zeit haben.
Wir sehen uns zu wenig - soll ich zu dir ziehen? Willst du es mit mir versuchen?
Es wird nicht einfach - denn ich bin nicht einfach - ich bin ein Querkopf.
Glück gehabt - kleine Wohnung nebenan wird gerade frei. Neue Leute, neue Freuden, neue Gegend, neue Wege, neue Hügel, neue Hürden - aber auch zwei neue Kinder, Peti und Brösmeli, die ich lieb bekomme - und auch deren Hund.
Mami muss ins Pflegeheim.
Sie zieht sich in ihre innere Welt zurück, sie hat ausgeredet, sie kennt mich nicht mehr. Und trotzdem ist sie meine Mutter. Ich liebe dich - du hattest es nicht immer leicht mit mir - deinem Sorgenkind, diesem Querkopf.
Nach zwei Jahren ziehen Sun und ich zusammen. Fast eine neue Familie. Liebst du mich - ich liebe dich.
Und immer schneller verrinnt die Zeit, verkalken meine Blutbahnen, lässt mein Gedächtnis nach, sehen meine Augen schlechter und hören meine Ohren weniger.
Alles fliesst, sagt Heraklit. Auch der Quarz in der Sanduhr.
Mich nimmt Wunder, was du eigentlich den ganzen Tag machst!
Leben, lieben, lesen, laufen, schreiben, denken, träumen, hoffen, philosophieren und - Hausarbeit. Ich will und ich kann.
Und was schreibst du eigentlich?
Einen ganz normalen Lebenslauf.
:-¦
Aktualisierung (September 2011)
Mami ist leider nicht mehr hier - Sun ist nach wie vor bei mir - auch sonst hat sich nicht viel verändert, ausser: noch schneller verrinnt die Zeit, verkalken meine Blutbahnen, lässt mein Gedächtnis nach, sehen meine Augen schlechter - nur meine Ohren hören jetzt wieder viel besser und mein Blog hat um ca. 170 Post's vergrössert.
Alles fliesst, sagt Heraklit. Auch der Quarz in der Sanduhr des Lebens.
Euch nimmt Wunder, was ich eigentlich den ganzen Tag mache? Leben, lieben, lesen, laufen und manchmal auch Bücher verkaufen, schreiben, denken, träumen, lenken, hoffen, philosophieren und - nach wie vor Hausarbeit.
Ich will und ich kann, mehr denn je.
Und was schreibe ich?
Noch immer an einem ganz normalen Lebenslauf.
©® Copyright by Herr Oter
:-))
Merkwürdig
Dieser Blog ist aber merkwürdig!
Schön, dass er würdig ist,
:-)
Donnerstag, 15. November 2007
Turtelnder Truthahn
Turtelnder Truthahn
Männliche Truthähne bestiegen ein lebensechtes Modell eines Weibchens genauso gierig wie ein lebendiges Exemplar.
Das haben Martin Schein und Edgar Hale von der Pennsylvania State University entdeckt.
Mittwoch, 14. November 2007
Morgenstimmung
goldene Strahlen über letzten Nebelschwaden.
glänzende Perlen an blätterlosen Ästen.
Knirschender Reif unter meinen Schuhen,
kleine Dampfwolken bei jedem Atemzug.
tiefe Glücksgefühle im pochenden Herzen.
Das war gestern.
:-(
Beschossener Bundesrat
Beschossener Bundesrat
An einem Mittagessen habe Herr Bundesrat Blocher erzählt, dass er sich, vor rund einem Jahr, mit einer Taserpistole habe beschiessen lassen. Dies berichtete der Präsident der Schweizerischen Konferenz der Polizeikommandanten, Beat Hensler.
Mein Senf dazu:
Ich finde, manchmal merkt man das.
Montag, 12. November 2007
Frauen
Frauen
Skilegende Bernhard Russi sagt:
«Frauen waren immer schon das Benzin für meinen Motor»
Frauen sind wichtig für den legendären Skirennfahrer.
Er meint damit seine Mutter, seine frühere Frau, seine heutige und die Tochter Jennifer
Mein Senf dazu:
Abgesehen von der mir fehlenden Tochter, teile ich genau seine Meinung.
;-)
Sonntag, 11. November 2007
Friedli Fuchs
Friedli Fuchs
Er hatte nicht viel zu lachen in seinem Leben, denn er ist nicht auf der Sonnenseite geboren.
Friedli Fuchs kam im so genannten "Schattloch", als eines von neun Kindern, in einer der ärmsten Familien der Gegend zur Welt. Auch in der Schule wollte es nicht so recht klappen, sei es nun wegen der Intelligenz, dem ständigen Hunger oder weil man ihm nichts zutraute. So stand er nie zuvorderst und zweimal blieb er sitzen. Dafür stand er oft im "Gschämi-Eggli", weil er wegen des langen Schulweges manchmal zu spät kam. Oder weil er die Aufgaben nicht richtig gemacht hatte, denn zu Hause gab es auch für die Kinder, viel zu tun. Auch war er in der Schule nicht der Schnellste, aber dafür schlief er während der Schulstunde manchmal schnell ein, weil am Abend zuvor, Mutters Heimarbeit noch bis spät in der Nacht zu Ende gemacht werden musste.
Nach der Schulzeit, mit fünfzehn, kam er als Knecht zu einem Bauern. Denn „wärche“ das konnte er, das hatte er gelernt. Nur lesen und rechnen ging nicht gut und darum gab es für ihn weder Arbeitsverträge noch Lohnabrechnungen. Doch reden konnte er noch viel schlechter und so sagte er meistens lieber nichts.
Auch mit einer Frau sollte es nicht klappen. Weil, sie hätte ihn schon fragen müssen. Aber darauf konnte Friedli lange warten. Vielleicht stand er darum manchmal stundenlang, am Sonntag nach der Kirche, mit verschlossener Miene bei der Hofeinfahrt zur Molkerei.
"Ein komischer Kauz, der Friedli" sagten dann die Leute. "Der steht immer herum, als ob er auf etwas warten würde".
Er kannte sie alle, die hoffärtige Frau des Gemeindepräsidenten, den geschwätzigen Herr Lehrer, der sich wichtig machte oder den stolzen Grossbauer, der den Mund nie voll genug bekam. Sie standen beisammen, scherzten und lachten, manchmal auch über ihn. Doch Friedli gehörte dort nicht dazu, so stand er halt besser abseits.
Manchmal sass er auch auf einer Bank entlang der Friedhofmauer und schaute den Auto zu, die vorbeifuhren.
"En Gueni halt" wie die Leute das nannten. Aber so ein Auto hatte er nie, nicht mal ein Velo. Vielleicht hat er davon geträumt, man weiss es nicht.
Unter der Woche oder gar abends ging er nie ins Dorf und schon gar nicht in ein Wirtshaus. Was hätte er dort machen sollen. Nur in die Kirche ging er am Sonntag immer. Nicht weil er verstanden hätte, was der Pfarrer da predigte, aber er spürte, dass er dort - in der "Knechtenbank" auf der „Männerseite“ ganz hinten - akzeptiert war.
Doch Willkommen war Friedli an keinem Ort - geduldet vielleicht, aber darauf wollte er es meistens nicht ankommen lassen. So blieb er lieber für sich und bei seinen Tieren. Die mochten ihn, denn sie machten keinen Unterschied zwischen arm und reich und es schien sogar, als ob der Einfachste ihnen am Liebsten war.
Auf dem Hof konnte er bleiben, auch als er nicht mehr alle Arbeiten verrichten konnte. Denn er war länger auf dem Gut, als der junge Bauer. Das verpflichtete und man behielt ihn, wie auch das alte Pferd, dem man das Gnadenbrot gab.
Aber mit der Zeit wurde es doch immer schwieriger und so musste er mit der Zeit gehen. Er geht ins Altersheim.
Ein eigenes Zimmer, tägliche Dusche, gute Küche und freundliche, weibliche Wesen, die zu ihm "Herr Fuchs" sagen - und das Zimmer wird gereinigt. Friedli strahlt, denn hier gefällt es ihm. Hier ist es schön. Schöner denn je und er freut sich über sein neues wunderbares Leben. Jetzt ist er so richtig glücklich.
Nun isst er mit Leuten am Tisch die er schon lange kennt, denen er aber bisher immer fremd war. Etwa mit der Frau des Gemeindepräsidenten, die halt unzufrieden ist und dauernd nörgelt, dem Schullehrer der schweigt, weil sein Gehirn die Worte nicht mehr findet oder dem übergewichtigen Grossbauer auf Diät, den man nun füttern muss.
Sie alle haben nichts mehr zu lachen, denn hier sind sie am Tiefpunkt angelangt. Sie sind an der Endstation des Lebens angekommen und warten nur noch auf den Tod. Ausser dem Friedli Fuchs, der ist hier aufgeblüht.
Denn nun gehört er auch dazu, jetzt ist er mitten drin und alle sind sie nun gleich.
Darauf hat er schon lange gewartet. Zufrieden lächelt er vor sich hin.
® Copyright by Herr Oter
Samstag, 10. November 2007
Neuer Da-Vinci-Code?
Neuer Da-Vinci-Code?
HALTADEFINIZIONE
ganz genau anzusehen.
Blöd, dass ich nicht Gitarre spielen kann.
:-)
Freitag, 9. November 2007
Berühmter Dichter
Berühmter Dichter
«Achilles»
«Aber Hansli! Achilles war doch kein Dichter!»
«Wieso? Der ist doch wegen seiner Verse bekannt ...»
Die Achillessehne ist die dickste und stärkste Sehne des Menschen.
Die Namensgebung der Achillessehne, die bei starker Belastung zerreißen kann, ist in Anlehnung an die Sage von Achilles entstanden, einem Held der griechischen Mythologie. Dieser galt als unverwundbar, weil er als Kind in den Fluss Styx getaucht worden war. Nur an der Ferse, an der ihn seine Mutter bei dieser Aktion hielt, blieb er verwundbar. Ein Pfeil des Paris in diese Ferse tötete ihn.
(Quelle/Text: Wikipedia)
Paradiesvögel
"Ouw", sagt der junge Mann an unserem Tisch und schaut amüsiert hinter meinen Rücken.
"Da kommt Eine, nein, da darfst du gar nicht hinschauen. Diese roten Haare, der Hut, die Kleider!
Sein faszinierter Gesichtsausdruck und der Kommentar bewirkt bei mir natürlich genau das Gegenteil. Ich will hinschauen und so riskierte ich einen verstohlenen Blick zur Seite und harre der Dame, die da vorbeikommen soll.
„So wie die aussieht, also wirklich, da muss sie sich nicht wundern, wenn man über sie spöttelt,“ amüsiert sich nun auch mein Gegenüber und reckt belustigt den Kopf. „Die will doch nur auffallen, schau dir das an."
Das möchte ich ja gerne, aber nichts Aussergewöhnliches erreichte mein seitliches Blickfeld. Nur weiterhin modisch gekleidete Frauen, eintönig gewandete Herren und etwas bunter angezogene Touristen ziehen an meiner Seite vorbei.
"Wann kommt sie denn?" frage ich ungeduldig, denn mein Gwunder ist nun geweckt.
"Ach, sie nimmt drei Tische hinter uns Platz."
Blöd, denke ich, da entgeht mir doch prompt etwas Exotisches. Ich drehe mich um - natürlich wie „rein zufällig“, desinteressiert und mit gelangweiltem Gesichtsausdruck.
Ihr aktuelles Programm heisst „Was für ein Glück glücklich zu sein“ - „Che fortuna essere felici“. Schön, nicht wahr?
Aber mich faszinieren Paradiesvögel. Ich bewundere ihren Mut, ihr Selbstbewusstsein, ihre Unabhängigkeit. Oft sind sie halt ein bisschen unangepasst, vielleicht auch etwas schräg, aber immer sind sie sich selbst und meistens tun sie niemandem etwas zu leide.
Sind es nicht gerade diese Originale, die Abwechslung in den öden Alltag bringen? Sie, die Normen sprengen, Grenzen erweitern, Tabus brechen und dadurch für uns alle mehr Freiraum öffnen würden, um vielleicht selbst auch ein wenig individueller sein zu können.
Aber Paradiesvögeln geht’s halt fast wie einem ausgebrochenen Kanarienvogel, der, wie man sagt, in Freiheit nicht gut überleben kann. Denn die grauen Spatzen oder die schwarzen Raben hacken gerne auf bunte Sonderlinge.
Donnerstag, 8. November 2007
Bildbetrachtung
Bildbetrachtung
| Bildquelle: Andreas Dengs / pixelio.de / Nr. 568781 |
Sicher hast du ganz besonders sorgfältig, genau dieses sinnige Bild - mit dem aufgeschlagenen Buch auf einem kleinen Tischchen und der darauf abgelegten Lesebrille - für mich ausgewählt. Damit hast du, vermutlich wie beabsichtigt, meine Sehnsucht berührt. Denn als ich dieses Bild betrachtet habe, wurde mir warm ums Herz und meine Stimmung wurde für einen Moment besonders hoffnungsvoll, ja, fast feierlich. Weisst du auch warum?
Ich habe beim Betrachten, auf dem Bild noch viel mehr als die drei Elemente gesehen, die darauf abgebildet sind.
Vielleicht zufälligerweise, passt es auch genau zum Inhalt, des aufgeschlagenen Buches, das er für diesen Moment zusammen mit seiner Lesebrille zur Seite gelegt hat, damit er über das soeben Gelesene nachdenken kann. Denn, nachdem er nun fast die Hälfte durchgelesen hat, weiss er, dass es sich dabei um ein sehr gutes und weises Werk handelt. Er ist sich sogar sicher, dass es für ihn das wertvollste und wichtigste Buch ist, das er je in die Hand genommen hat und er nun endlich gefunden hat, wonach er all die Jahre in hunderten von Büchern gesucht hatte...........
Mittwoch, 7. November 2007
Was für eine super Idee!
(oder: Die besten Ideen haben immer die anderen)
Ich bin ganz begeistert von der Ausstellung von Beatrice Wicki.
Am meisten beeindruckt bin ich von ihren „Sitzaufgaben“.
http://www.be-a.ch/sitzaufgabe_n/index.html
So blöd !, dass ich nicht auf diese lukrative Idee gekommen bin, denn ich habe in meinem Leben doch schon so manchen alten Stuhl ausgemustert und manchmal sogar noch dafür bezahlt.
:-(
Faszinierend!
http://www.haltadefinizione.com/en/santamariadellegrazie/look.asp
Das letzte Abendmahl von Leonardo Da Vinci
http://www.haltadefinizione.com/en/cenacolo/index.asp
:-)
Montag, 5. November 2007
Wer will - der kann
Sonntag, 4. November 2007
Alles gesagt?
........ somit ist nun alles gesagt, was gesagt werden musste. Aber vielleicht, noch nicht alles, was gesagt werden sollte. Und ganz sicher ist noch nicht alles gesagt, was gesagt werden könnte. Denn gesagt werden könnte noch Einiges.....
Aber ich denke, man sollte nicht immer alles sagen, was man sagen könnte. Denn stell dir einmal vor, man würde nun wirklich alles sagen, was es zu sagen gäbe.......
Unvorstellbar wie viel „Gesagtes“, dass das ergeben würde. Haufenweise Gesagtes würde da um uns herumliegen. Und danach gäbe es ja gar nichts mehr zu sagen, wenn doch alles gesagt wäre. Also wenigsten für einige Zeit. Solange bis es wieder Neues zu sagen gäbe und das könnte dauern. Denn heutzutage denken doch viele, man sage besser nichts. Denn wenn man zuviel sagt, „sagt“ man sich vielleicht den Ast ab, auf dem man gerade sitzt.
Doch ich hätte lieber, man würde all das Gesagte etwas ordnen. So könnte man es doch zum Beispiel zwischen zwei Buchdeckel binden. So entstehen Bücher und nach einiger Zeit werden daraus Sagenbücher. Dann würde Ihr Inhalt - wie bei Sagen üblich - bald niemand mehr so richtig ernst nehmen.
Oder man könnte all das Gesagte doch auch einfach aufschichten. Einfach zu Beigen aufschichten wie das Holz. Dann würden daraus Holzbeigen. Aber nein, das geht leider nicht. Denn Holzbeigen sind nicht aus Gesagtem sondern aus Gesägtem.
So, das musste nun einfach mal zu diesem Thema noch gesagt werden.
:-)
Endlich dem nassgrauen Novembernebel entflohen, räkle ich mich wohlig auf dem Badetuch und geniesse die feuchtwarme Atmosphäre. Statt der kalten Bise, huscht hier, einem Schatten gleich, ab und zu eine leichte, laue Brise über meinen Körper.
Die Zunge spürt auf den Lippen noch das Salz des ausgedehnten Bades und eine angenehme Müdigkeit breitet sich nun im ganzen Körper aus. So gönne ich ihm eine ausgedehnte Erholung, gebe meinen Gedanken freien Ausgang und lasse meine Seele baumeln. Ferienstimmung!
Fasziniert verfolge ich das Gezwitscher und die Rufe fremder Vögel, vermutlich aus dem Urwald, und lausche dem beruhigenden Rauschen des Wassers. Die hohe Luftfeuchtigkeit in diesem Klima lässt Schweisstropfen mit einem angenehm puppernden Gefühl an meinem Körper herunter perlen.
Postkartenidylle vor meinem geistigen Auge.
Ab und zu hört man das sachte Knarren von Holz, vermutlich von einem Fischerboot, das nach der getanen Arbeit des frühen Morgens, vertäut am Ufer vor sich hinträumt. Leise vernimmt man flüsternde Stimmen, vielleicht von rücksichtsvollen Einheimischen.
Erholung pur! Ein Gefühl des Glücks durchflutet den Körper und die salzigen Lippen bewegen sich stumm zu einem dankbaren Gebet.
;-)
Samstag, 3. November 2007
Small World
von Martin Suter

Kurzbeschreibung (ein Fremdtext)
Mein Kommentar:
Verständnis für Alzheimer, Einsicht in Industriellengesellschaft, Gesellschaftskritik und alles verpackt in einen Krimi, ab dem ersten Drittel spannend, sehr grosses Fachwissen, sehr gut recherchiert
Am Anfang ziemliche Verwirrung durch sehr viele Namen. (oder leide ich etwa auch schon an…)
Auch oft abrupte Wechsel von Ort, Zeiten und Geschehen
Meine Bewertung: 6 von 6
Taschenbuch: 323 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 25., Aufl. (Oktober 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257230885
ISBN-13: 978-3257230888
Zusammen ist man weniger allein
von Anna Gavalda

Kurzbeschreibung:
Beim Lesen dieses Buches habe ich wieder einmal mehr gemerkt, dass ich den schönsten Beruf der Welt hatte. Vielleicht hätte ich ihn einfach etwas anders ausüben sollen, mehr als Kunst statt als Broterwerb. Zudem sind Köche vielleicht einfach auch andere Menschen, Menschen mit einer harten Schale und einem gefühlvollen Kern.
Gavalda, Anna: Zusammen ist man weniger allein
Broschiert: 558 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 10., Aufl. (Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596173035
ISBN-13: 978-3596173037
:-)