.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Wenn es zweimal klingelt…






Wenn es zweimal klingelt…

Wenn es kurz vor dem Mittag zweimal klingelt, dann ist das immer der Postbote.
Aber das kommt selten vor, denn er klingelt nur, wenn er neben der 'normalen' Post – die er sonst einfach in den Briefkasten wirft – auch noch ein 'Einschreiben' dabei hat. Denn diesen Erhalt muss man mit der Unterschrift bestätigen.

'Eingeschrieben' geliefert wurde bisher vor allem Wertvolles oder ganz Wichtiges – vielleicht bedeutende Dokumente oder ganz vertrauliche Papiere. Wichtige Verträge zum Beispiel, Anwalts- oder Gerichtsschreiben, aber auch Kündigungen oder letzte Mahnungen von Inkassofirmen. So bekamen oft die eher Liederlichen und Unredlichen einen  'Chargé' und vielleicht hat sich dann der eine oder andere, je nach Absender, doch beim Empfang manchmal ein bisschen geschämt. Denn rechtschaffene Privatleute hatten eher selten mit dieser Art von Postsendung zu rechnen. 

Das hat sich inzwischen scheinbar stark verändert.
Denn in letzter Zeit, so sagt mir mein Postbote, muss er immer öfter zweimal an Schweizer Haustüren klingeln. Nicht, dass es heute den meisten Eidgenossen gegenüber von früher bedeutend mehr an Gesetzestreue und Rechtschaffenheit mangeln würde. Nein, bestimmt nicht! Darum ist es ja heutzutage auch nicht mehr ein wichtiges Briefkuvert oder ein wertvolles 'Päckli', das der 'Pöstler' zum Unterschreiben bringt. Nein, es sind meistens eingeschriebene, schwarze Versandtaschen, die direkt aus China kommen. Sie enthalten billige Mode-Artikel, die zum Beispiel über die Webseite «Wish» bestellt wurden. Die Wish-App, die mobile Shopping-Plattform aus San Francisco, ist aktuell die Nummer eins im Versandhandel in Amerika und Europa und soll alle anderen mobilen Online-Shopping-Plattformen in den Schatten stellen. Nach Amazons Slogan 'Einfach so einkaufen’ und dem ’Schrei vor Freude' von Zalando, nun das 'Eingeschriebene' von «Wish». Besonders die neue Wish-App «Geek»  soll es den kaufwütigen Schweizern angetan haben und sie in einen wahren Kaufrausch versetzen. Über die Suche findet man (fast) alles, Kleider, Schmuck, Technik, Wohnungseinrichtungen, Geschenke, Kinderartikel und schnell ist bestellt und mit Kreditkarte bezahlt. Die Lieferung dauert dann etwas länger, dafür muss man schon 10 bis 30 Tage lang (manchmal auch etwas mehr) Geduld aufbringen.

So bestellt man online zum Beispiel ein paar schwarze Damen-Freizeitschuhe für 3 Fr./€. Dazu kommen dann noch 2 Fr./€ Porto. Wohlverstanden, transportiert von China in die Schweiz und das EINGESCHRIEBEN!
Ich habe den Postboten gefragt, was bei uns ein eingeschriebener Brief ins Nachbardorf kosten würde – seine Antwort: mindestens 6 Fr./€.

Über den Wert der Schuhe, deren Herstellungsbedingungen in China oder den ökologischen Unsinn des Transportes um die halbe Welt, mag ich heute hier gar nicht schreiben. Aber wie ist es möglich, dass die Schweizer Post für denselben Vorgang  – nämlich die Verteilung und Abgabe einer eingeschriebenen Postsendung – mindestens dreimal weniger verlangt, wenn das Paket aus China kommt?
Auch der 'Pöstler' hat mir bestätigt, dass seine Arbeit immer den gleichen Umfang hat, egal ob die Sendung in der Schweiz oder in China aufgegeben wurde. Aber seine Arbeitsbelastung hat sich dennoch stark vergrössert, weil heute auch 'rechtschaffene Privatleute' viel öfters eingeschriebene Post aus China bekommen. Es sei ein richtiger Boom entstanden. Und: „Es braucht natürlich viel mehr Zeit, bis jeder an der Haustür ist und dann, oft nach einem kurzen Gespräch, endlich für den Erhalt unterschrieben hat. Aber man will dem Kunden gegenüber ja auch nicht unhöflich sein.”
Zum Glück sind die meisten Benutzer dieser Apps tagsüber nicht zu Hause und darum muss er 'nur' einen Abholschein ausfüllen und in den Briefkasten werfen, damit sie ihre ’wertvolle’ oder 'ganz wichtige' eingeschriebene Post aus dem fernen China am Postschalter später abholen können.

Ob sich dabei der eine oder andere wie früher, ob dem Absender auch ein bisschen schämt – das habe ich den 'Pöstler' natürlich nicht gefragt.








:(

Dienstag, 9. Juni 2015

Mein erster Kinobesuch





Mein erster Kinobesuch

 

Der französische Filmschauspieler Pierre Brice ist in Paris, 86-jährig, an einer Lungenentzündung gestorben.
Er wurde als 'Pierre Louis Baron Le Bris' in Brest geboren, war lange Zeit Soldat und gelangte 1962 als Darsteller des 'Winnetou' in den Karl-May-Verfilmungen zu Weltruhm. Nun ist der 'echte' Winnetou, edler Indianer und Häuptling der Mescalero-Apachen, nach mehrfachen schauspielerischen Wiederauferstehungen vor wenigen Tagen endgültig in die ewigen Jagdgründe eingegangen.

Das erinnert mich an meinen ersten Besuch in einem Kino.

 

Ich war damals etwa vierzehn Jahre alt. Wie die meisten kleinen Kinder hatten wir natürlich auch ‘Indianerlis’ gespielt, aber die Karl May Bücher haben mich nie sonderlich interessiert. Mir gefiel nur Winnetous Schwester ausserordentlich gut.
Darum hing bei mir über dem Bett, statt Pierre Brice als Winnetou oder Lex Barker als Old Shatterhand, ein riesengrosses Poster der jungen, damals 24-jährigen, Marie Versini, als bildhübsche Häuptlingstochter Nscho-tschi an der Wand.
Für diese Nscho-tschi ging ich auch zum ersten Mal in meinem Leben in ein Kino – mit dem Velo, im nächst grösseren Ort.

„Bist du schon zwölf?“, fragte die korpulente Kassiererin ziemlich unwirsch. Ich war etwas aufgeregt.
„Ja“, kam es kleinlaut von mir, „dreizehn!“.
„Welcher Rang?“
Was, welcher Rang? Ich kam ins Stottern.
„Oben, unten, vorne hinten?“ knapp und forsch kam die Erklärung.
„Vorne!“, sagte ich erleichtert.
So war man der Leinwand doch am nächsten, oder? Komisch nur, dass das trotzdem die billigsten Plätze waren... Aber das kam mir nicht ungelegen, denn ich hatte gelernt, mein erarbeitetes ‘Sackgeld’ gut einzuteilen.
Natürlich war ich viel zu früh. Im düsteren Kinosaal waren erst wenige Plätze in der Mitte besetzt.
Ein Mann mit Taschenlampe verlangte nach dem Billett, und scheuchte mich dann den langen Gang hinunter: „Erste drei Reihen.“
Scheu setzte ich mich auf den ersten Klappstuhl der zweituntersten, ziemlich langen Bankreihe. Ich stand dann noch einige mal auf, bis sie ganz gefüllt war. Der Holzstuhl war ungepolstert und unbequem. Man musste steil nach oben sehen und die riesige Leinwand konnte man so nahe auch nicht mit einem Blick erfassen. So löste sich dann das Rätsel mit den billigen Plätzen rasch.

Nach einiger Zeit wurde es ganz dunkel. Aber nicht der Film begann, sondern die Reklame.
Ich musste ziemlich lange warten, bis mein Idol endlich zu sehen war. Ihr erster Auftritt war auch nur ganz kurz und in einer dunklen Abendszene. Darum war sie nur schemenhaft zu erkennen. Doch der Ausstrahlung von Nscho-tschi tat das keinen Abbruch.
Danach musste ich mich wieder sehr lange gedulden, bis das schöne Indianermädchen das nächste Mal ins Bild kam. Vorher hatte ich noch einige heftige Explosionen und spektakuläre Kampfszenen mit stürzenden Pferden und vielen Toten über mich ergehen zu lassen. Alles hautnah, übermächtig gross und sehr laut. Doch das Kino-Publikum war begeistert, ich eher 'beeindruckt'. Denn Zuhause hatten wir zu der Zeit noch nicht einmal einen schwarzweiss Fernseher. Darum schloss ich manchmal einfach ein wenig die Augen, wenn mit das Ganze 'zu nahe' kam.

Irgendwann ging das diffuse Licht im Kinosaal wieder an. Ich war enttäuscht, mein Idol nur so kurz und erst noch undeutlich gesehen zu haben. Aber viele blieben sitzen, denn zum Glück war nur Pause. Schüchtern wie ich war, getraute auch ich mich nicht von meinen Platz, obschon ich eigentlich zur Toilette musste. Doch, man konnte ja nie wissen wenn es weiterging.

Nach geraumer Zeit füllte sich dann die grosse Leinwand wieder mit Leben – Indianer, Gauner, Schurken, Spassmacher und Soldaten, auch viele Pferde und wunderschöne Landschaften waren zu sehen, nur meine Nscho-tschi nicht. Wann würde sie denn endlich auftauchen?

Erst musste noch Winnetou vom Marterpfahl befreit und der böse Santer bekämpft werden. Saloons, Zeltlager und weitere Pferde flogen durch die Luft. Auch ein paar Dutzend Rothäute und Weisse wurden noch niedergemetzelt – erst dann kam endlich der nächste Auftritt meiner Favoritin.
Zum Glück, denn meine Blase meldete sich immer heftiger.

Ihr Auftritt war ein Erlebnis, das Warten und der vorangegangene Gräuel hatten sich gelohnt. Hingebungsvoll pflegte sie den am Hals verletzten Old Shatterhand. Rührend tupfte sie dem Verwundeten den Schweiss von der Stirne, während sie ihn mit ihren grossen, dunklen Augen zärtlich ansah. Man sah, dass sich die junge Indianerin zum Todfeind ihres Stammes hingezogen fühlte. Aufopfernd pflegte sie ihn, während er sich im Fieberwahn wälzte. Tag und Nacht sass Nscho-tschi im Schein einer Öllampe an seinem Lager. Dann, kaum war sie kurz eingenickt, erwachte der Genesene und versuchte sich zu erheben. Mit zärtlichen Blicken drückte sie den stämmigen Mann sanft auf die weissschwarze Fellunterlage zurück.
„Wie heisst du, wie dein Name?” fragte der Verwundete. „Sag wie du heisst!”
„In meiner Sprache Nscho-tschi, das bedeutet 'Schöner Tag'.”
Old Shatterhand und ich waren hingerissen.
Im Kino, so gross und so nahe vor mir, erschien sie mir noch viel schöner und strahlender als auf dem Poster Zuhause. Zwischendurch vergass ich sogar meine übervolle Blase.

Nach dem eindrücklichen Dialog der Beiden musste Old Shatterhand essen, damit er wieder zu Kräften kam. Dazu löffelte die Schönheit dem Helden mit zärtlichem Blick eine rote, dünne Suppe ein. Danach musste er schlafen, damit er wieder gesund wurde – nur, damit man ihn und seine beiden Kollegen später tüchtig martern und dann töten konnte. Old Shatterhand versicherte ihr zwar glaubhaft, dass er Winnetou aus den Händen der Kiowas gerettet hatte, aber er konnte es nicht beweisen.
„Aber ist es war? Schwörst du es?“, fragte darauf die angebetete Schönheit den inzwischen bereits bärtigen Patienten.
„Ich schwöre es.“
In der schönsten Szene des Films schaute das bezaubernde Indianer-Mädchen den Helden mit ihren grossen dunklen Augen nachdenklich an und sagte dann leise mit ihrem unvergleichlich 'indianischen' Akzent: „Isch glaube dir.“ Trotzig fügte sie dann noch hinzu: „Wenn du sterben musst, dann will auch isch nicht leben – das schwöre isch".
Mich betrübte diese Ankündigung nicht. Hauptsache, das Ganze dauerte nicht mehr allzu lange, denn meine Blase meldete bereits Notstand!

Nscho-tschi wollte also für ihren Old Shatterhand kämpfen und seine Unschuld und gute Gesinnung beweisen. Doch den dramatischen Rest des Filmes habe ich dann leider nicht mehr richtig mitbekommen. Ich führte meinen persönlichen Kampf – gegen den Harndrang. Sogar der tragische Tod meiner Heldin liess mich vollkommen unberührt und während das halbe Kino mit den Tränen kämpfte, kämpfte ich gegen das Auslaufen.

Was war ich froh, als der Film endlich zu Ende war!
Mit einem unglücklichen Ende für die schöne Nscho-tschi, aber zum Glück mit einem 'Happy End' für mich. Ich hatte den Kampf gegen meine übervolle Blase gewonnen und mein erstes Kinoerlebnis ging zum Glück nicht in die Hose.





Marie Versini als Nscho-tschi
© Copyright Bild-Autor: unbekannt /  Lizenz:  GNU 1.2 / Quelle: Karl-May-Wiki  




:)

Mittwoch, 27. Mai 2015

Einsamkeit





Einsamkeit

 

Verwundert bleibt Flandrina stehen und schaut sich um.
Ihr Atem geht rasch, das letzte Wegstück ging steil bergan.
„Bin ich jetzt wirklich so weit gelaufen?“ fragt sie sich.
Doch da sie nun hier oben steht, muss sie weit über eine Stunde gegangen sein.
Eigentlich wollte sie ja einfach nur ein wenig der allmählich untergehenden Frühlingssonne entgegengehen. Denn nach dem hartnäckigen Hochnebel der letzten Tage, war ihr Sonnenlicht jetzt wichtig.
Tranceartig ist sie bis hierher gekommen. Auf dem ganzen Weg war sie in sich gekehrt, in trübe Gedanken versunken gewesen. Doch wie immer hatte es keine Klärung gegeben. Da konnte sie grübeln so lange sie wollte.

Flandrina setzt sich auf die lange Bank am Wegrand, genau in die Mitte unter das Kreuz mit der geschundenen Holzfigur. Einatmen, ausatmen, ruhig werden und sich entspannen. Sie lehnt sich etwas zurück, berührt das Holz mit ihrem Rücken. Einatmen, ausatmen. Sich fallen lassen. Die Atmung wird schnell regelmässiger, das Pochen im Hals ruhiger.

Die Frau in den Fünfzigern sitzt gerne hier. Da ist der Blick weit – über die braungrünen Matten mit den vereinzelten Schneeresten bis hin zu den majestätischen Berggipfeln in der Ferne. Noch sind sie schneebedeckt und zeichnen sich darum in der untergehenden Sonne umso kontrastreicher vom tiefblauen Himmel ab. Das grelle Weiss untermalt ihre Erhabenheit.
Flandrina schliesst die Augen und nimmt die Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht bewusst war. Ein Gefühl von wohliger Wärme und angenehmer Schwere macht sich breit.
„Alles halb so schlimm“, denkt sie.

„Sollte ich hier beten?“
Flandrina atmet tief ein, setzt sich aufrecht hin und verwirft den Gedanken sofort wieder. Nein, sie kann sich nicht vorstellen, hier mit gefalteten Händen zu sitzen und mit einem Gott zu sprechen an den sie gar nicht mehr recht glaubt. Schnell öffnet Flandrina die Augen wieder und sucht die Berge.
„Die haben Bestand, sind Wirklichkeit und Realität!“
„Sie sind etwas, woran man sich halten könnte“, denkt Flandrina.
Wie ein 'Fels in der Brandung'  – unerschütterlich gegen die Wogen des Lebens, gegen das Auf und Ab, das Hin und Zurück.

Unweigerlich kommt Flandrina der Begriff vom 'unerschütterlichen Glauben' in den Sinn. Warum verbindet sie diese beiden Worte immer wieder mit den Bergen? Vielleicht durch den Spruch: 'Der Glaube versetzt Berge' – aber welcher Glaube?
Der kindliche Glaube an den allmächtigen Mann mit dem weissen Bart im Himmel?
Flandrina schaut nach oben und muss lächeln. Früher hatte sie sich immer vorgestellt, wie dieser gütige Mann mit dem rosa, faltigen Gesicht die Wolkenballen auseinander schiebt und wohlwollend zu ihr hinab lächelt. Das hatte lange Zeit etwas Tröstliches für sie, doch heute?
So einfach ist das alles nicht mehr. Sie hat zu viel erlebt und erfahren. Sie weiss inzwischen einfach zu viel, auch vom Leben. Zu viele Prognosen wurden gestellt und mindestens so viele Rezepte lagen bereit und doch hat sie noch keines gefunden, das ihr geschmeckt oder geholfen hätte. Alles ist jetzt fast nur noch kompliziert. Oft wünscht sich Flandrina darum diese kindliche Einfachheit zurück.
Man müsste wieder unbeschwert und ohne Gedanken durch das Leben gehen können, denkt sie sich manchmal – das wäre das richtige Rezept! Aber Gedankenlosigkeit ist das Vorrecht kleiner Kinder.

„Dann müsste man eben einfach 'das Richtige' denken,“ massregelt sich Flandrina halblaut selbst. Es erscheint ihr einfach logisch, dass sich die Zukunft eigentlich nur nach dem Verhalten der Gedanken richten kann. Trotzdem fällt es ihr schwer, immer 'das Richtige' zu denken. Immer wieder verfällt sie der Spirale der negativen Gedanken und Gefühle. Das hat ihr gerade die letzte Stunde wieder deutlich gezeigt.
Zuerst kam die Wut und die Enttäuschung, dann das Hadern mit dem vermeintlichen Schicksal, danach das Gefühl der Hilflosigkeit. Sie kam sich wieder verkehrt und minderwertig vor.
Darauf kamen die Vorwürfe gegen sich selbst: „Es ist deine Schuld, 'du' musst dich ändern, 'du' machst es falsch!
Doch eigentlich weiss sie schon gar nicht mehr, was Richtig oder Falsch ist.
Dann folgt jeweils die matte Hoffnungslosigkeit, danach die Trauer und dann die innere Einsamkeit. Dieses Gefühl von allen verlassen zu sein - der letzte Akt im Flandrin’schen Drama - sie kennt das Szenario zur Genüge. 
Würde da der Glaube helfen? Wenigstens wäre dann bestimmt immer einer da …

Flandrina sinkt wider zurück. Sie wünscht sich, ihre Gedanken besser kontrollieren zu können. Sie möchte sich doch am Positiven freuen, statt dem Negativen soviel Raum zu geben. Aber das braucht so viel Kraft, das schafft sie einfach nicht immer. Sie müsste sich doch bloss mit dem zufrieden geben, das sie hat und nicht dem nacheifern, das so schwer zu erreichen ist. Doch dazu müsste sie einen grossen Teil ihrer Wünsche und Bedürfnisse, Hoffnungen und Träume hintanstellen. Den Kampf aufgeben – sich selber ein Stück aufgeben – den Willen zügeln und sich dem Schicksal einfach fügen.
Flandrina bewundert Menschen, die das können.

Genauso wie diese unverbesserlichen Optimisten, die nichts erschüttern kann. Menschen, die überall das Gute sehen, bei denen das Glas immer halb voll und nie halb leer ist. Starke Menschen, keine Schwächlinge.
Oder sind es die, die einen starken Glauben haben. Den unerschütterlichen Glauben an das Gute, das Richtige, das Hilfreiche und das Beschützende. Menschen die diesen Glauben auch immer wieder bei einem Gott oder an einem besonderen Ort finden und ihn dort bestärken können.

Vielleicht faszinieren sie darum Plätze wie diesen hier immer wieder.
Wie viele Menschen haben hier schon gesessen und gebetet, vielleicht auch geklagt, gefleht oder geweint?
Haben sie hier Kraft und Trost gefunden oder hier gar Linderung des Schmerzes in ihrer Seele erfahren?
Können solch magische Orte Knoten lösen und den rechten Weg weisen? Aber wo sind diese Menschen. Flandrina hat hier noch kaum Menschen gesehen, obschon sie schon oft hier gesessen ist.
Genau wie heute, Flandrina sitzt wieder alleine da – wieder kein Mensch weit und breit.
In ihrer der Brust zieht sich erneut etwas zusammen.
Einsamkeit schmerzt!





Die lange, leicht gerundete Sitzbank, auf der bestimmt über zwanzig Personen Platz finden, lässt darauf schliessen, dass hier auch Messen abgehalten werden. Gemeinschaft! Dieses Wort schiesst jetzt Flandrina durch den Kopf. Wäre das, das Gegenteil von ihrer Einsamkeit? „Vielleicht“, denkt sie, „aber nicht um jeden Preis …“
Zudem hat sie genug Leute um sich, die ganze Zeit. Es fehlt ihr nicht die Unterhaltung, ihr fehlt die Tiefe.

Möglicherweise hätte sie halt damals doch den Rat befolgen sollen und sich auf den Jakobsweg begeben.
Es sei eine gute Möglichkeit sich selbst zu finden; auch um sich klar zu werden wohin der Lebensweg führen soll, hat man ihr erklärt. Es müsse ja gute Gründe geben, weshalb sich Millionen von Menschen seit Jahrhunderten auf diese uralten Wege begeben würden. Pilgerwege seien zudem eine gute Möglichkeit, gleichgesinnte Suchende zu treffen, sich mit denen auszutauschen und dabei auch ernst genommen zu werden.

„Nicht so wie hier“, denkt sich Flandrina, „wo sie alle immer so selbstsicher und selbstbewusst sind und sofort einen 'guten Rat' bereit halten: ‚Du musst dich einfach zusammenreissen!’ Du musst einfach positiv denken und optimistisch sein’.“
Diese Ratschläge kennt Flandrina zur Genüge und immer wieder kommen sie ihr vor, als ob man einem Lahmen den Rat geben würde: ”Steh auf und gehe!”

Flandrina gibt sich einen Ruck! „Aber ich bin nicht lahm“, denkt sie trotzig. „Ich kann gehen – und irgendwann sitzt hier jemand, ganz bestimmt!“
Flandrina fröstelt leicht. Die Sonne hat sich von der Bank zurückgezogen und langsam wird es kalt.
Ihr beengtes Herz hat sich nun plötzlich geöffnet und einer gewissen Zuversicht Platz gemacht.
Noch einmal lässt sie ihren Blick über auf die majestätischen Berge schweifen, dann steht sie auf und marschiert entschlossen vorwärts. Da vorne gibt es noch etwas Sonne und wenn sie sich beeilt, dann umgibt sie bald wieder die Wärme des kommenden Frühlings.
© Copyright by Herr Oter




Über „Das Gegenteil von Einsamkeit” habe ich hier geschrieben
Weitere Geschichten zum Thema Einsamkeit:
- Theo

:(

Freitag, 1. Mai 2015

Drei Brüder und drei Schwestern






Drei Brüder und drei Schwestern


Wann und wie sie kamen, das weiss ich gar nicht mehr, weil ich damals noch ziemlich klein war. In meiner Kindheitserinnerung sind sie einfach plötzlich da.
Woher sie kamen, das hat man mir dann später erzählt; aus einem hoch gelegen, bekannten Bündner Winterkurort muss es gewesen sein. Ich nenne ihn hier einfach mal „Büren“ und die drei zugezogenen Schwestern dementsprechend unverbindlich „DieVonBüren“.

„DieVonBüren“ waren drei verhuschte Jungfern, ledig gebliebene Schwestern, die in meinen Erinnerungen schon immer alte Frauen waren, von Anfang an. Aber trotz eintretendem Lebensherbst wurden sie von allen „Fräulein” genannt. Natürlich auch von uns drei Brüdern, denn darauf legten die drei Schwestern Wert, bis zum Schluss. Zwar soll eine von ihnen mal verheiratet gewesen sein - diese schien uns auch die Umgänglichste - doch Genaueres wussten man nicht, zumindest wir nicht.

Diese drei alten Jungfern hatten nun also den anderen Hausteil unseres Doppel-Einfamilienhauses dem Briefträger abgekauft. Über ihn habe ich hier bereits geschrieben.  Somit waren sie jetzt unsere nächsten Nachbarn – drei alte Schwestern neben uns drei, heranwachsenden Brüdern – Seite an Seite unter einem Dach, nur getrennt durch eine gemeinsame Hauswand und einem niederen Gartenzaun.
Ob das gut gehen konnte? – Es konnte natürlich nicht!

Anfangs verlief alles noch harmonisch. Man grüsste sich gegenseitig freundlich über den hölzernen Kreuzzaun. Wir sagten zu ihnen „Fräulein“ und sie nannten uns bei unseren Vornamen. Flog mal ein Ball über den Zaun, lag er später wieder in unserem Garten. Manchmal reichten uns „dieVonBüren“ auch mal eine Tafel Schokolade hinüber. Es war vermutlich ein jahrealter Restbestand des kleinen Gemischtwarenladens in Büren, den sie von ihren Eltern übernommen und vor ihrem Zuzug zusammen jahrelang betrieben haben sollen.
Denn innen waren diese Schokoladentafeln immer bereits weisslich angelaufen. Ein Zeichen der unsachgemässen Lagerung oder des Alters? Denn eine Datierung gab es damals noch nicht. Essen durften wir die Schokolade nie, Mami misstraute der Verträglichkeit. Aber bedanken mussten wir uns dafür immer, Mami wollte das so. Manchmal gab es von den „Fräuleins“ auch Beeren, direkt von einem Strauch aus ihrem Garten, zumindest eine knappe Handvoll für uns drei.  Diese Früchte durften wir immer essen, nur gründlich gewaschen mussten sie vorher werden. Im Gegensatz zu unseren, die meistens direkt in den Mund wanderten.
Vielleicht gab es von den Nachbarinnen auch mal eine kleine Birne vom einzigen Baum, der mitten auf der Wiese zwischen unserem Grundstück und unserem Schulweg, dem Bahndamm entlang, lag. Dieses Grundstück, durch unseres von ihrem getrennt, hatten die drei extra noch dazugekauft. War es einfach Bauland, als weitsichtige, gewinnbringende Landreserve? Oder spekulierte die eine oder andere der ledigen Jungfern vielleicht doch noch auf einen eigenen Hausstand mit Partner? Gebraucht haben sie die Wiese jedenfalls nichtw. Sie wurde von einem Bauern zweimal im Jahr gemäht. Betreten durften wir sie nie, auch wenn sie sich nach dem letzten Abmähen hervorragend für Ballspiele der Quartierjugend geeignet hätte.



© Copyright Bild-Autor: Antiker / Lizenz: CC BY-SA 3.0 / aus Wikimedia Commons  



 

Überhaupt wurden die drei Jungfern im Quartier zunehmend als kauzige, unumgängliche Weiber wahrgenommen, die nur mit wenigen Kontakt hatten. Für uns Kinder aber, wurden die „Fräuleins“ mit der Zeit zu bösen Hexen. Wir waren uns einig, dass sie Kinder hassen mussten. Genau so, wie wir es aus den Märchen kannten. Eine Zeitlang hatten wir sogar richtig Angst vor ihnen.

Auch ihre Kleider sahen wie in den Grimm'schen Märchen aus. Immer dunkel und immer etwas schäbig. Dunkelblaue, bodenlange Kittelkleider – hochgeschlossen und mit Ärmeln. Darüber meistens noch ein feines, graues Jäckchen. Auch bei der grössten Hitze. Dazu eine gemusterte Schürze und ein dunkles Kopftuch. Jedoch im Gegensatz zu den Märchen, im Nacken, statt vorne zusammengebunden. Darunter leicht ergraute, schwarze Haare, zu einem Huppi (Dutt, Knopf) hinter dem Kopf zusammengebunden. Ihr langen Harre sah man jedoch selten und nie offen getragen. Ich glaube, die drei hatten all die Jahre auch immer dasselbe an. Ausser sonntags, da trugen sie stets eine braunrote Tracht mit weisser Bluse, wenn sie zur Kirche gingen. Alle drei, hurtig hintereinander her laufend.

Wir Kinder konnten uns gar nicht vorstellen, dass diese drei „Fräuleins” jemals fröhlich sein oder freundlich lächeln konnten. Missmutig, grimmig und etwas unheimlich, so habe ich die drei in Erinnerung. Und ständig huschten sie irgendwo im Garten herum. Meistens alle drei – eine hinter der anderen her trippelnd. In ihren bodenlangen Kleidern folgten sie einander mit schnellen, kurzen Schrittchen, husch, husch, wie graue Mäuse.
Schaute eine in ein Gartenbeet – kam sicher bald die Nächste angewuselt und schaute ebenfalls hinein. Dabei bewegten sich ihre Kopftücher Eulen gleich, ruckartig hin und her und murmelten dazu Unverständliches. Manchmal hörte man sie auch nur unsichtbar zwischen den Büschen brummeln. Richtig gespenstisch war das dann für uns. Doch in Wirklichkeit waren sie wohl einfach kleiner als die Büsche und sprachen leiser miteinander, als wir es uns gewohnt waren.

Arm waren „DieVonBüren“ wahrscheinlich nicht – aber sparsam. Man munkelte, dass sie sogar die getrockneten Kuhfladen gezügelt hätten, die sie an ihrem alten Ort nicht mehr zu verfeuern vermochten. Ob das wirklich stimmte, kann ich nicht sagen.
Doch beim Badewasser traf es ganz sicher und offensichtlich zu, das beobachteten wir ganz genau:
Gebadet haben „DieVonBüren“ auch einmal wöchentlich, wie wir. Das war damals so üblich. Und genau wie wir drei Brüder, badeten auch die drei Schwestern im Nachbarhaus immer am späteren Samstagnachmittag. Wir fanden auch heraus, dass die Frauen ebenfalls, wie wir Kinder auch, alle drei  im selben Badewasser badeten – wenn auch vermutlich nicht alle drei zusammen, wie wir es taten, als wir noch klein waren. Das entnahmen wir der Tatsache, dass sie danach immer nur einmal, das Badewasser „kübelchenweise“ hinausgetragen haben, um damit auch noch das Gemüse und die Blumen im Garten zu wässern. Im Gegensatz zu uns, da wurde am Ende einfach der Stöpsel gezogen.

Gewaschen wurde bei den „Fräuleins“ nur etwa einmal im Monat, damals noch im mit Holz befeuerten Waschhafen. Trotzdem hing bei ihnen nach einem Monat nicht mehr Wäsche zum Trocknen hinter dem Haus, als bei uns jede Woche. Vielleicht etwas mehr als ein Dutzend Kleidungsstücke,  ein bisschen Haushaltswäsche und sonst noch das eine oder andere. Doch an Unterwäsche an ihrer „Wöschhänki“, kann ich mich nicht erinnern. Die hätte uns Buben schon noch interessiert. Aber diese kindliche Neugier wurde von den drei Schwestern nicht befriedigt.
Dafür erinnere ich mich noch gut an ihre Bettwäsche. Denn die weissen Barchent-Ober- und Unterleintücher wurden jeweils im Frühling und im Herbst von ihnen sorgfältig zum Bleichen in der Sonne ausgelegt, ein herrlicher Kontrast auf der sattgrünen Wiese.

So wussten wir vieles von ihnen, weil wir sie genau beobachtet haben. Doch ich bin überzeugt, dass sie es mit uns genau so machten. Wir waren sicher ein Teil ihres Lebensinhaltes, sorgten vermutlich für viel Gesprächsstoff und leider zunehmend auch für Ärger.



 © Bild von: Utoplec  / Lizenz: CC0 / by: pixabay


Wann der nachbarschaftliche Frieden kippte, kann ich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen. Ich glaube, dass es keinen triftigen Anlass dafür gab. Es hat sich einfach mit der Zeit hochgeschaukelt. Irgendwann kamen die Bälle immer später zurück. Mit der Zeit holten wir sie dann selber durch das Gartentor. Als es verschlossen wurde, kletterten wir über den Zaun. Das bescherte uns dann ein heftiges Geklopfe am Fenster. Später kamen dann  noch Schimpfwörter dazu. Deswegen holten wir uns die Spielbälle einfach nach dem Eindunkeln. Daraufhin verschwanden sie bereits vor dem Eindunkeln aus ihrem Garten und blieben dafür tagelang verschwunden. Mit der Zeit, sahen wir unsere verschossenen Bälle oder anderen Spielsachen dann zusätzlich tagelang ausgestellt hinter dem Fliegengitter auf ihrer Fensterbank im zweiten Stock. Ich erinnere mich noch gut, dass mein blauer Hula-Hoop-Reifen mindestens drei Wochen lang an einem ihrer Fensterladen angehängt war. Das war schon sehr bitter, den beliebten Ring tagtäglich unerreichbar ansehen zu müssen. Irgendwann hatte Vater dann genug und er hat dem üblen Spiel der „Hexen“ mit einem energischen Besuch bei den „Fräuleins“ ein Ende gesetzt.

Aber von da an, war es mit dem Nachbarschaftsfrieden ganz vorbei. Wir drei Buben haben die drei Schwestern mit allen Mitteln geärgert und umgekehrt genau so. Die Frauen wurden zu alten Hexen, wir Kinder zu unerzogenen, rotzfrechen "Gofa" (bösen Kinder). Unsere kleinen Unarten wurden zu untolerierbaren Ungezogenheiten, ihre fehlende Toleranz zu Kriegserklärungen. Ein Pingpong-Spiel der Feindseligkeiten. Kinderkram und doch nichts, worauf man heute noch stolz sein könnte.

Kürzten wir auf dem Schulweg die Ecke ihrer Baulandreserve ab, provozierte das wieder ein heftiges Geklopfe ans Küchen- oder Schlafzimmerfenster und machten wir noch eine „Zusatzschleife“ erzeugte es dazu noch wüstes Geschimpfe. Immer wieder probierten wir es aus und jedes Mal funktionierte es. Denn sie sahen uns immer! Die müssen den ganzen Tag hinter dem Vorhang gesessen haben, oder zumindest eine der dreien. Vielleicht nach einem festen „Sitzplan”… Ich muss bei dem Gedanken heute noch Schmunzeln, obschon es für die drei Schwestern sicher nicht lustig war, uns auszuhalten. Dieser unschönen Sache wurde dann mit einigen dicken Holzposten und einem dazwischen gespannten Draht ein Ende gemacht. Scheinbar! Denn wie es Kinder so haben, schlenderten wir auf dem Heimweg dem Zaun entlang und liessen den Draht durch die geballte Faust schleifen. Das hatte die gleiche Wirkung, wie vorher, als wir den Weg abkürzten – die Fensterscheiben mussten wieder daran glauben.

Ich muss gestehen, wir drei Brüder haben die drei Schwestern im Nachbarhaus mit gemeinsamem Dach, zunehmend absichtlich geärgert. Waren unsere Eltern abends mal abwesend, was nicht oft vorkam, so haben wir das natürlich ausgenutzt und spät am Abend ziemlich viel Lärm in unserem Haus gemacht, Türen geschlagen und die Rolling Stones aufgedreht, was das Radio hergab. Klar wussten wir längst, dass die drei Frauen mit den Hühnern zu Bett gingen und die Fensterläden zuzogen, wenn wir im Sommer abends draussen noch gespielt haben. Aber was kümmerte das uns? So dauerte es jeweils nicht lange, bis es an der gemeinsamen Wand energisch klopfte – wir haben dann nicht weniger heftig zurück geklopft.
Die Reklamationen, am nächsten Morgen bei unserer Mutter, blieb natürlich nicht aus. Anfänglich wurden wir von ihr ermahnt, mit der Zeit hingegen, hat uns Mami nur noch gebeten, es nicht zu übertreiben.

Dramatisch wurde die Lage, als wir von den herrlichen Schwarzen Johannisbeeren der Nachbarinnen naschten. Die Büsche wuchsen zwar in ihrem Garten, aber die Zweige streckten sich, dick behangen mit den feinen süssen Früchten, durch den Zaun weit in unseren. Dem Vater waren diese Zweige sowieso ein Dorn im Auge und so erlaubte er uns, von den Beeren zu naschen. „Schliesslich hängen sie auf unserem Grund und Boden“, meinte er lakonisch dazu. Unser Vater war in solchen Sachen immer ganz genau und konsequent. Zwar hatten wir Johannisbeeren auch in unserem Garten, aber vor allem die Roten und die aus dem Nachbargarten waren doch einfach viel süsser…
Nachdem wir das erste Mal davon genascht hatten, waren die Zweige auf unserer Seite am nächsten Tag mit einer seltsamen, weissgrauen Schicht dick „überzuckert”. Das kam uns schon etwas komisch vor und Mami wurde zu Rate gezogen. Zum Glück, denn unsere lieben Nachbarinnen hatten die Zweige dick mit Pirox, einem hochgiftigen Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge, eingestäubt. Mutters Rebschere machte der hochgiftigen Abwehrmassnahme gegen den vermeintlichen Mundraub der Nachbarskinder ein radikales Ende. Die Büsche waren damit zugleich auch wieder auf die nachbarliche Grenze zurückgeschnitten.

Mit der Zeit liess unser Interesse an den drei alten Frauen aber immer mehr nach. Jüngere weibliche Geschöpfe wurden interessanter. Später wurde auch das Verhältnis unserer Mutter mit den Frauen eher besser, aber gepflegte Nachbarschaft wurde nie daraus. 




Hula-Hoop-Reifen
 © Copyright Bild-Autor: Ljame015 / Lizenz: CC BY-SA 3.0 / aus Wikimedia Commons  



;)






Donnerstag, 23. April 2015

Wie heisst das Gegenteil von Einsamkeit?





Was ist das Gegenteil von Einsamkeit?


„Das Gegenteil von Einsamkeit” („The Opposite of Loneliness”) ist ein Text, den die junge Yale-Absolventin Marina Keegan kurz vor ihrem Tod im Mai 2012 geschrieben hatte. Während der Autofahrt auf dem Weg zur Geburtstagsfeier ihres Vaters schlief ihr Freund am Steuer ein. Der Wagen fuhr gegen eine Leitplanke und überschlug sich. Marina Keegan starb sofort, mit 22, ihr Freund überlebte, leichtverletzt. Eine Schriftstellerin «mit Haut und Haar» zu werden, das war Marina Keegans grosses Ziel. Als sie starb, hatte sie eine Praktikumsstelle in der Literaturredaktion des „New Yorker“ auf sicher. Ihre Eltern veröffentlichten dann 2014 postum ein Buch, dem dieser Text den Namen gab: „Das Gegenteil von Einsamkeit“. Es ist eine Sammlung ihrer Erzählungen, in denen sie oft idealistisch die Gedanken einer jungen Frau zu ihren alltäglichen Beobachtungen und ihren Zweifeln in einer manchmal doch irrationalen Welt beschreibt. Der Band stand monatelang auf der Bestsellerliste der „New York Times“ und ist jetzt auch in Deutsch erhältlich.


 

Der Titel des Buches brachte mich zur Frage:
Wie heisst das Gegenteil von Einsamkeit -
und was ist das überhaupt?

Klar – Zwei­sam­keit – werden jetzt viele denken. Aber genügt das gegen Einsamkeit? Der Duden definiert die Zwei­sam­keit mit «zweisames Leben oder Handeln». Aber wer kennt es nicht, dieses schwer zu fassende, undefinierbare Gefühl der Einsamkeit trotz Partnerschaft und vielen Arbeitskollegen. Wer fühlt sich nicht ab und zu gefühlsmässig „alleine gelassen”, trotz glücklicher Zweisamkeit. Sind wir nicht gerade in den schwersten Lebensphasen im Innersten ganz oft alleine, trotz Anteilname und Zuspruch von aussen. Sind es nicht gerade die schwierigsten Probleme, die wir einfach mit uns ganz alleine ausmachen müssen.


Nein, Zweisamkeit alleine genügt nicht gegen Einsamkeit. Denn das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht ˈnurˈ Liebe, ˈnurˈ Partnerschaft oder Familie, es sind auch nicht ˈnurˈ Arbeitskollegen, Freunde oder irgendeine eine andere Form von Gesellschaft. Jubel, Trubel und Betriebsamkeit sind zwar hilfreich, doch auch das genügt nicht, gegen das gelegentlich Aufkommen von innerer Einsamkeit.

Es ist also von allem etwas und doch nichts Konkretes.

Das Gegenteil von Einsamkeit ist also eine Mischung aus Gemeinschaft und Geborgenheit, Wohlwollen, Respekt, Anerkennung und Wertschätzung.
 

Darum – es gibt kein Wort für das Gegenteil von Einsamkeit!
Trotzdem glaube ich, wir wüssten eigentlich alle, was damit gemeint ist.


Weiter geht es mit der Einsamkeit hier

;)

Samstag, 18. April 2015

So ein Käse




So ein Käse


Eine Schlagzeile auf Twitter erregt mich - zuerst meine Aufmerksamkeit, dann mein Interesse und dann meinen Ärger:




Darunter sieht man ein Bild vom Gala-Dinner, das anlässlich des Staatsbesuches des französischen Präsidenten François Hollande in der Schweiz, abgehalten wurde. Auf dem Foto wird unsere Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bei Tisch sitzend gezeigt; umrahmt von zwei attraktiven Frauen – links Marie-Ségolène Royal, die französische Umwelt-Ministerin und rechts Najat Vallaud-Belkacem, Frankreichs Bildungsministerin.

Diese Schlagzeile der Online-Abendausgabe unserer grössten Boulevard-Zeitung:
«Bsoffnige» beim Gala-Dinner: Sommaruga sass neben Hollandes Ex
sticht mir natürlich sogleich in die Augen und weckt sofort mein Interesse.
Denn sie sagt doch aus, dass eine ‘Bsoffnige’ (Betrunkene) beim Hollande-Galadiner anwesend war, oder nicht?
Das ist doch unerhört? Ich bin schockiert!
Wer war das und hat sich die ‘Bsoffnige’ etwa auch noch ungebührlich aufgeführt? Vielleicht gelallt, geschimpft oder sich gar unsittlich benommen? Kam es zum Eklat? Kommt es noch zu einem Skandal?
Der zweite Teil der Meldung lässt mich sogar vermuten, dass es sich dabei um die frühere Frau von Präsident Hollande handeln könnte - Ségolène Royal - die, die sich für eine Präsidentenkandidatur zur Nachfolge ihres Ex-Ehemannes in Frankreich bereit macht?
DAS IST ein Skandal!

Oder wie sehr ihr das? Wie interpretiert ihr diese Twitter-Meldung? Liest ihr diese Meldung vielleicht anders als ich? Es könnte ja sein, dass ich eine richtig niederträchtige Fantasie habe, überall das Dramatische sehe und die menschlichen Abgründe bei mir einfach immer im Vordergrund stehen.
Jedenfalls schwirren mir die wildesten Vermutungen durch den Kopf – kommt Frau Royal vielleicht doch nicht über die Trennung hinweg? Ist ihr an dem Abend mit dem Ex-Mann alles wieder hochgekommen? War vielleicht das Essen so schlecht, dass sie dauern nachspülen musste oder haben sie gar unsere beiden Bundesrätinnen links und rechts so beelendet?

Ich kann nun einfach nicht anders, als leicht angewidert, aber dafür umso ’gwunderiger’, auf den Link zum Artikel zu klicken. Nun will ich es genau wissen…

Doch dieses Mal reicht nicht einmal meine unbändige Fantasie aus, um den wirklichen Begebenheiten gerecht zu werden: Es war nichts als Käse!
Denn besoffen war offenbar nur der Hartkäse aus dem Kanton Bern, den die Schweiz dem französischen Staatsgast beim Gala-Diner zum Dessert servierte. Der trägt den „unstaatsmännischen” Namen «Dr Bsoffnig», weil er während der Reifung mit Wein übergossen wird.
So ein Käse! Es hat also überhaupt nichts mit Frau Royal zu tun, die sich bestimmt „staatsfraulich” zwischen unserer Bundespräsidentin und unserer Verkehrsministerin benommen hat und sicher nur ab und zu, am Weinglas nippte.

Es handelt sich einfach wieder einmal mehr um eine Effekthascherei von Journalisten, denen zum Teil jede schändliche Schlagzeile gelegen kommt, um ihre Artikel an den Mann oder die Frau zu bringen - auch wenn sie dabei erst noch den Namen des unsäglichen Dessertkäses abändern und in eine weibliche Form bringen müssen. Das ist doch einfach Käse, oder nicht?

Übrigens: Vor dem „beschwipsten” Käse gab es beim Hollande-Gala-Diner im altehrwürdigen „Bernerhof” - Saiblingfilet zur Vorspeise, dann Brasato al Merlot (Rindsbraten im Merlot geschmort) und Älplermagronen (Maccaroni an Käserahmsauce) 


©® Copyright by Herr Oter


;)

Mittwoch, 15. April 2015

Eine Idee, die 150 Millionen Menschen die Augen öffnen könnte









Eine Idee


Eine Idee, die das Leben von 150 Millionen Menschen komplett verändern könnte. Eine Idee, die die Ärmsten der Welt unterstützt. Eine Idee, die neue Einblicke bietet. Eine Idee, die 150 Millionen Menschen die Augen öffnen könnte.

 

Gemäss WHO bräuchten 150 Millionen arme Menschen auf der Welt dringend eine Brille. Sie können nicht lernen, nicht arbeiten und nicht für ihre Familien sorgen. 150 Millionen Menschen haben Nachteile in der Bildung, im sozialen Miteinander oder einfach im täglichen Überleben – nur weil sie schlecht sehen. Denn diese Menschen können sich schlicht keine Brille leisten.
Was bei uns, in den reichen Ländern, einfach zu haben ist, gibt es in diesen armen Ländern nämlich nicht – eine einfache Brille für 1 Euro.

Einer wollte sich mit diesen Gegebenheiten nicht abfinden!
Denn der Deutsche Martin Aufmuth, ein Lehrer aus Erlangen, konnte nicht begreifen, warum es gerade für diese Menschen in den Drittweltländern, die mit einem Tagesverdienst von nur rund einem Euro (1 €!) auskommen müssen, diese günstigen 1-€-Sehhilfen nicht gibt. Er wollte das ändern!

Nach intensivem Studium, monatelangem Tüfteln erfindet er einen Wunderkasten; eine 30x30x30 cm grosse und etwa drei Kilogramm schwere, unscheinbare Holzkiste, aus dessen Innenleben tausende Brillen hergestellt werden können. Die Herstellung einer Brille dauert bloss zwischen 10 Minuten und etwa einer halben Stunde – und die Kosten: ein Dollar.
Die „Ein-Dollar-Brille” ist geboren, die Idee von Martin Aufmuth verwirklicht und eine simple Lösung für ein gigantisches Problem gefunden.

Im „Wunderkasten” gibt es nebst allen notwendigen Vorrichtungen und Werkzeugen zur Herstellung der Brillen auch eine Biegemaschine, die wartungsfrei ist und ohne Strom auskommt. So kann sie auch im abgelegensten Ort eingesetzt werden. Denn der Brillenrahmen ist aus gebogenem Federstahldraht, so stabil wie bei einer teuren Brille aus Titanflex und, obwohl das Material sehr günstig ist, rostet es nicht. Die gehärteten Linsen aus bruchsicherem Polykarbonat sind bereits in 25 verschiedenen Gläserstärken geschliffen auch im Kasten vorhanden und können ohne Werkzeug nur noch eingesetzt werden.

Ansässige Frauen und Männer werden vor Ort als Techniker oder Optiker angelernt. Nach einem 14-tägigen Intensiv-Training können sie die Sehhilfen selbstständig und eigenverantwortlich herstellen. Die ausgebildeten Optiker gehen zu den Menschen in die Dörfer und versorgen sie vor Ort sofort mit den passenden Brillen. Die Brillen werden für 2-3 ortsübliche Tageslöhne verkauft. So sind sie auch für die Ärmsten dieser Welt erschwinglich. Den einheimischen Fertigern bleiben nach den Materialkosten noch je 60 Cent pro verkaufter Brille. Auf diese Weise soll ein System in Gang kommen, das den Menschen im Ort dauerhaft hilft und den Fertigern eine sichere Existenz bietet. Martin Aufmuth und die Entwicklungshelfer verdienen nichts daran.

Das ist doch eine grossartige Idee, die hoffentlich vielen Menschen die Augen öffnet.



Für weitere Informationen bitte hier





:)

Mittwoch, 8. April 2015

Ewige Liebe






Ewige Liebe

 

“Wir haben immer alles zusammen gemacht – mein Mann und ich – fast 60 Jahre lang.

Es gab für mich keinen Grund, alleine etwas zu unternehmen – mit ihm gemeinsam war es immer am Schönsten. Mit ihm zusammen zu sein, ihn in meiner Nähe zu haben, das war immer mein grösstes Glück, seit ich ihn kennengelernt habe.

Er war ein flotter junger Mann, viele wollten ihn haben…
Etwas schüchtern – aber das habe ich zu meinen Gunsten genutzt.
Ich bin auf ihn zugegangen, ganz behutsam und mit viel Geduld…

Ich habe ihm immer Zeit gelassen, sich an etwas zu gewöhnen. Ich wollte ihn nie mit etwas Neuem vor den Kopf stossen. Behutsamkeit und Rücksichtnahme, das war uns immer wichtig. Trotzdem konnten wir die meisten unserer Wünsche erfüllen – er und ich… Wir haben unsere Ziele einfach nicht zu hoch gesteckt.

Uns war es wichtig, die Dinge zusammen zu erleben…
Darum habe ich immer darauf geachtet, dass ich seine Interessen mit ihm teilen konnte. Manchmal brauchte es etwas Zeit oder Überwindung bis es auch mir Freude gemacht hat…
Aber ich habe es immer versucht – und wenn keine Vorliebe aufkommen wollte, dann habe ich es ihm gesagt. Wir fanden immer eine Lösung.
Auch bei ihm dauerte es natürlich ab und zu länger, bis er mit einem Vorschlag oder Wunsch von mir einverstanden war. Aber ich habe ihm immer Zeit gelassen, sich an meine Vorschläge zu gewöhnen. Es kam auch vor, dass mir dann das Anliegen mit der Zeit gar nicht mehr so wichtig war und dann habe ich es einfach gelassen. Geschadet hat das nie.
Es gibt soviel Schönes im Leben, da kann man doch auch einmal auf etwas verzichten, wenn der andere Mühe damit hat. Schon bald findet sich etwas Neues.

Das Zusammenleben war immer ein Geben und Nehmen,  und die Achtung vor dem Anderen – und das Reden; ja das Reden ist besonders nötig! Damit man einander versteht…  
Mir war es eben wichtig, mit jemandem zusammen zu sein, der mich versteht, auf den ich mich verlassen kann, der da ist – ganz gleich was kommt. Jemand der sich für mich interessiert, dem ich wichtig bin, der zu mir steht und der mir hilft. Dafür habe ich geheiratet…

Wir haben uns gegenseitig immer geholfen. Ich habe oft im Betrieb mitgearbeitet. Eine schwere Arbeit…
Doch so war er schneller damit fertig und wir hatten mehr freie Zeit gemeinsam.
Ich habe durch ihn viel gelernt, er war ein guter Handwerker. Miteinander weiterzukommen, gemeinsam etwas aufzubauen, die Familie, den Betrieb… Wir haben uns gut ergänzt, er und ich…
Natürlich musste er keine Hausarbeit machen, dafür habe ich schon selber gesorgt. Aber als die Kinder aus dem Haus waren, hat er immer das Geschirr abgetrocknet, während ich abwusch. Das waren schöne Momente – zweimal am Tag – so Seite an Seite.
Mit der Erziehung der Kinder gab es fast nie Meinungsverschiedenheiten. Wir waren beide eine konsequente, liebevolle Erziehung ‘von Haus aus’ gewohnt.

Wir hatten auch schwierige Zeiten, vor allem am Anfang. Aber die Liebe und der Wunsch zusammenzubleiben hat das alles ertragen. Mit etwas gutem Wille ging es immer.
Wir versuchten einfach, die Dinge nicht kompliziert werden zu lassen – frühe, einfache Lösungen zu finden. Je länger wir zusammen waren und je mehr Schwierigkeiten wir miteinander überwunden hatten, desto einfacher wurde das Zusammenleben. Unsere Liebe wuchs! Wir haben uns einfach immer respektiert und in Ruhe die Dinge besprochen.

Ich wollte nie einen anderen – nein, nie! Für was auch – er hat mir gegeben was ich brauchte und was es nicht gab, hätte ich auch von einem anderen nicht bekommen. Oder ich hätte auf etwas anderes verzichten müssen. Alles kann man einfach nicht haben. Etwas Bescheidenheit hilft bei solchen Dingen meistens.
Wir hatten oft nicht viel, aber die Liebe, das Vertrauen und die Geborgenheit waren mir stets mehr wert als Geld und andere Dinge.
Wir genügten uns…. Unsere Kinder, die Arbeit und unsere Liebe zur Natur, das füllte uns aus.
Viel sind wir gewandert, später haben wir auch mal ein ’Reisli‘ gemacht– aber immer in der Schweiz oder im nahen Ausland. Weiter fort zog es uns nie, hier gibt es genügend schöne Orte.

Dann habe ich ihn lange Zeit gepflegt. Vor vier Jahren ist er dann gegangen – das erste Mal ohne mich und gerade für immer. Das war schon schwer…
Aber man wusste ja, das es mal so sein wird. Nun bin es eben ich…
Aber er wird auf mich warten, das haben wir uns versprochen…”

[Ein betagter Mund wird von einem geheimnisvollen Lächeln liebevoll umspielt….]

©/® Copyright by Herr Oter





;)

Sonntag, 5. April 2015

Was ist ein Fenster?






Was ist ein Fenster?


Wikipedia definiert es so:
«Ein Fenster ist eine Öffnung in der Wand eines Gebäudes und dient der Lichtzufuhr und der Aussicht.»

Ist ein Fenster also einfach «ein Loch in der Wand» wie es bei Wikipedia heisst oder sind es «die Augen der Häuser«, wie der französischer Schriftsteller Jules Amédée Barbey d’Aurevilly, die Fenster poetisch beschreibt?

Ich tendiere zu den Augen und gehe sogar noch einen Schritt weiter:
Ein Haus ohne Fenster ist ein Gebäude ohne Seele!
Denn erst die Fenster geben einem Wohnhaus Charakter, Charme und Liebreiz.

Die ältesten Behausungen waren noch fensterlos. Tageslicht fiel nur durch die kleine Tür und durch Firstöffnungen (Rauchabzug) ein. In jungsteinzeitlichen Häusern (8. - 6. Jahrtausend v Chr.) gab es bereits schlitzartige Lichtöffnungen. So fand man in der altpersischen Residenzstadt Persepolis in der Lehmmauer eines 6’000 Jahre alten Hauses bereits erste kleine Fenster. Bei den späteren Lichtdurchlässen, handelte es sich dann bereits um kleine, ovale oder rechteckige Öffnungen. Mit der Zeit wurden durch immer transparentere Füllungen, die Lichtverhältnisse und auch die Witterungseinflüsse im Hausinneren verbesserten. So wurden anfangs die Öffnungen mit Verschlüssen aus Stroh, dann geölten und gewachsten Leintüchern, gegerbte dünnen Tierhäuten (Darm und Blase), dünn geschabten Hornplatten, geöltem Papier und durchscheinenden gefirnisten Pergamenten, sowie Wachstüchern vermacht.

Erst im letzten Jahrhundert vor Christus beginnt die Epoche der Fenster aus Glas.
Glas kennt man zwar schon seit etwa 8'000 Jahren (Obsidian) und wurde bereits seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und Ägypten geschmolzen und verarbeitet. Doch erst die Römer brachten dieses Kunsthandwerk zu seiner Blüte. Erste Funde von kleinen, gegossenen Glasfenstern (ca. 20 - 30 cm) wurden aus der Zeit um 30 v. Chr. in den reichen Häusern von Pompeji belegt.
Später wurde solcher Luxus auch im Kirchenbau verwendet und um das Jahr 290 wurden die ersten Kirchenfenster mit Glas versehen. Von Gregor von Tours wurden 591 erstmals bronzene Kirchenfenster mit einer farbigen Glasausfüllung erwähnt. Auch in römischen Kastellen sollen bereits damals schon, vereinzelt Glasfenster eingesetzt worden sein. Im späten 12. Jahrhundert (1180) sind erste Glasfenster als besonderer Luxus hin und wieder auch in englischen Privathäusern zu finden. 1330 entwickelte ein Glasmacher in Rouen (Frankreich) das Prinzip des Mondglases, das auch Bụtzenglas genannt wird. Fenster konnten nun in grösserem Rahmen hergestellt werden. Später wurden Fensterscheiben jahrhundertelang mit der Glasmacherpfeife geblasen, aufgeschnitten und flachgewalzt. Erst 1688 wurde in Frankreich das Gussglasverfahren entwickelt. Fensterglas wurde dann gegossen, geschliffen und poliert. In England wurde es nun bei Schlössern in grösserer Stückzahl verwendet, um Reichtum zu zeigen.
Das Fenster oder zumindest das Glas darin, war also schon von Beginn weg, neben dem Lichteinlass auch immer eine Demonstration von Macht und Reichtum.

Somit stellt sich die Frage nach dem heutigen Sinn von Fenstern?
Dienen sie dazu, dass man ins Freie hinausschauen kann oder damit der Blick ins luxuriöse Innere freigeben wird?

Bis ins frühe Mittelalter waren Fensteröffnungen nur dazu bestimmt, Licht in die Räume zu lassen. Bis dahin begann die Fenstersohle erst in Kopfhöhe. Mit dem Aufkommen von transparenten Fensterverschlüssen wurden dann jedoch die Fensterbrüstung so tief gelegt, dass man auch hinausblicken konnte. Was vor dem Haus vorging wurde zum eigentlichen Zeitvertreib. Dazu sparte man bereits im 12. Jahrhundert Fensternischen aus, in denen Seitenbänke angebracht wurden. Diese Fensternischen wurden im 13. Jahrhundert allgemein üblich und blieben es bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. In dieser Zeit gipfelte der Müssiggang und die Neugierde hinter Fenstern in den wohnlicheren Erkern und prunkvollen Ausluchten, den Vorgängern der heutigen, vollverglasten Wintergärten. Jetzt ist die Grenze zwischen Privatheit und öffentlichem Raum beinahe ganz aufgehoben.

Das unverhüllte Fenster als Einblick, als Öffnung nach innen, in den privaten Bereich. Ein „Schau-Spiel", das die zufällig vorbeikommenden Passanten und Passantinnen auf der Strasse zu Zuschauern, zu Voyeuren macht.
Diese grossflächige Transparenz führt mich nun von der neugierigen Aussicht zur indiskreten Einsicht:

Ein Mensch mit Anstand schaut nicht in fremde Fenster, heisst es.
Doch seien wir mal ehrlich, wer von uns wirft nicht gerne einen verstohlenen Blick in ein erhelltes und unverhülltes Fenster, wenn es in einer nächtlichen Strasse uns dazu einlädt? Es ist der Drang, „fremden Leuten ins Fenster gucken“ zu wollen, dem neugierigen, möglicherweise auch voyeuristischen Blick in die private Sphäre der Hausbewohner freien Lauf zu lassen, ohne dabei selbst entdeckt zu werden. Die simple Lust in fremde Fenster zu schauen und heimlich Menschen zu beobachten, die sich unbeobachtet fühlen. Nicht wenige Menschen haben doch eine gewisse voyeuristische Veranlagung. Der Begriff steht heute längst nicht mehr nur in Verbindung mit einer sexuellen Vorliebe. Der abgeschwächte Begriff könnte man als blosse Neugierde bezeichnen, Neugierde am Leben anderer Individuen.
War es früher der diskrete Blick in einen verschwiegenen Garten, ist es inzwischen bereits der intime Blick in die hellerleuchteten Wintergärten und Wohnzimmer.

Man sieht den unbekannten Bewohnern bei der Hausarbeit, beim Essen, beim Lesen, beim Telefonieren oder beim Dösen vor dem Fernseher zu. Kinder spielen am Boden, Frauen kochen am Herd und Männer hocken am Tisch vor dem Laptop. Szenerien, die jedem von uns bekannt vorkommen spielen sich in einem fremden, anscheinend privaten Raum öffentlich ab. Manchmal wird dazu gestikuliert und lautlos gesprochen und man ist versucht, auch noch ihre Worte anhand der sich bewegenden Lippen und Gesten zu erraten; ja das Gesehene gar in eine Szene einer vermeintlichen Handlung einzubinden. 
Unser voyeuristischer Blick durch eine erleuchtete Scheibe, ist ja vom Fernsehen bereits geschult. Er verlangt nur nach kurzen Fragmenten und sensationellen Einblicken in kurzen Schnitten, um sich nach der schnellen Sättigung wieder zurückzuziehen und sich eigene Gedanken zu machen. Der abendliche Spaziergänger fragt sich angesichts der vielen, live stattfindenden häuslichen Szenen in Wohnzimmerfenstern vielleicht nur noch, in welchem Film er das schon mal gesehen habe.
Denn was wir in Fenstern sehen, wird uns doch wie im Fernsehen oder wie auf einer hellerleuchteten Bühne präsentiert, wird zum Fernsehfilm oder Theaterstück dessen Regisseur wir selber sind. Ich frage mich oft, ob sich die Akteure ihrer Rollen bewusst sind. Denn wie auf der Bühne im Scheinwerferlicht, sind die Zuschauer vor dem Fenster bei Dunkelheit ja nicht sichtbar und den Bewohnern darum vermutlich auch nicht jederzeit bewusst.

Doch selbst ein menschenleeres, vielleicht kurz verlassenes Zimmer, vermag uns zu bannen. Man ist geneigt die Einrichtung wildfremder Menschen zu werten, sich über ihren Geschmack Gedanken zu machen und das alles, zusammen mit ihrem Ordnungssinn auf ihre vermeintlichen Charaktere umzumünzen.

Was wir erleben, ist die Kehrseite des Begriffs «Fenster», als „ein Loch in der Wand zum Herausschauen“. Denn genau so einfach und unverblümt, lässt sich heute auch hineinschauen - offen und ungehindert.
Im Gegensatz zu einer Türe, die auch ein Loch in der Wand ist, uns aber durch viel Holz und wenig Glas den ungehinderten und ungefragten  Eintritt verwehrt.  Doch die unverhüllten Fensterfronten lassen den ungefragten Einblick einfach gewähren, während früher feiner, seidener Tüll tagsüber und schwere Vorhänge in der Nacht, die Geschehnisse im Hausinnern noch schamhaft verhüllten, fehlt den heutigen, dreifach verglasten Fenster dieser Sichtschutz völlig oder zumindest teilweise. Der „alte“ Vorhang jedoch teilte, die Welt noch in Drinnen und Draussen, er war ein Instrument zur fein dosierbaren Privatheit.

Die moderne Architektur kennt zum Teil sogar überhaupt keine Fenster mehr, sondern nur noch Glaswände.
Diese gläsernen Fassaden neuzeitlicher Mehrfamilienhäuser lassen so die beleuchteten Wohnungen wie ein überdimensioniertes Puppenhaus aussehen.
Diese Transparenz bietet zwar ein Optimum an Lichteinlass, aber zugleich sind die überdimensionierten „Fenster“ zu „Augen in die Seele eines Wohnhauses” geworden. Nur verfehlen, wie mir scheint, diese modernen, gläsernen Wohntürme sowohl den Begriff des „Wohnhauses”, da ich sie nicht als wohnlich empfinde, wie auch den Begriff des „Fensters”; denn es fehlt hier die Prämisse seiner Definition – «ein Loch in der Wand des Hauses zu sein, um aus ihm herauszusehen.«
©/® Copyright by Herr Oter



Man meint, ein Haus ohne Fenster sei kein wohnliches Haus…. oder doch?
Seht selbst: Wohnen im Haus ohne Fenster



 Bild von ncartraining7 / Lizenz: CC0 / by: pixabay 




;)

Mittwoch, 1. April 2015

Das Paradies auf Erden






Wenn Du ein Dach über dem Kopf hast,
ein eigenes Bett besitzt,
Deine Kleider in einem Schrank aufbewahrst und
sogar die Esswaren in einem Kühlschrank kühlst 

––––

dann bist Du statistisch gesehen
reicher als 75 Prozent der
 Weltbevölkerung.

 

Wenn Du auch Geld auf der Bank und in Deinem Portemonnaie hast,
dann gehörst Du sogar zu den privilegiertesten 8 Prozent dieser Welt.

Also Grund genug 
um zufrieden und dankbar zu sein 
– 
denn:
 33 % sind ohne Stromanschluss
 16 % besitzen keinen eigenen Wasseranschluss
 22 % keinen Zugang zu Trinkwasser
 15 % können weder lesen noch schreiben
 13 % unterernährt

––––

Sorge Dich, als hättest Du keine Sorgen.
Arbeite, als bräuchtest Du kein Geld.
Tanze, so wie Du tanzen kannst.
Singe, als ob niemand es höre.
Liebe, als hättest Du noch nie geliebt.
Lebe, als sei das Paradies hier auf Erden.



;)

Samstag, 28. März 2015

Auch wenn es nur sehr schwer auszuhalten ist….





Ein Flugzeug zerschellt nach einem kontrollierten, fast 10-minütigen Sinkflug in den französischen Alpen in kleinste Einzelteile. 150 Personen werden dabei getötet. Schockierend!

Der Voice-Recorder wird nach wenigen Stunden gefunden und die aufgezeichneten Stimmen und Geräusche innert 24 Stunden grob ausgewertet. Ein französischer Staatsanwalt tritt vor die versammelte Weltpresse und gibt bekannt, was die ersten, provisorischen Auswertung ergeben haben. Demnach soll der Pilot kurz vor dem Einleiten des Sinkfluges das Cockpit verlassen haben. Später versuchte er vergeblich ins Cockpit zurückzukehren. Der Kopilot reagiert auf die Rufe des Piloten, die Schreie der Passagiere, verschiedene Aufrufe der französische Flugsicherung und die Warnsignale der Überwachungstechnik im Flugzeug nicht. Normale Atmungsgeräusche sind jedoch bis am Schluss hörbar.
Soweit die Fakten.

Jetzt beginnt der Staatsanwalt (gemäss Wikipedia: meistens ein Staatsbediensteter, der bei Gericht oberster Vertreter der Anklage ist, [also der Ankläger, nicht der Richter] zu spekulieren. Er nimmt auf Grund der Geräusche an, dass dem Piloten der Zutritt in das Cockpit durch den Kopiloten willentlich verwehrt wurde. Auch muss absichtlich der Sinkflug der Maschine eingeleitet und auf Warnsignale nicht reagiert worden sein. Also folgert der Staatsanwalt daraus, dass der Ko­pi­lot das Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte. Das Wort Selbstmord erachtet er dabei als falsch, weil der Ko­pi­lot zusätzlich 149 andere Insassen zu Tode brachte; also ist er nun ein Mörder!

Dann buchstabiert der franz. Ankläger den vollen Namen des Ko­pi­lot in die Mikrofone und Kameras der ganzen Welt. Innert Minuten werden Bilder des Mörders und Selbstmord-Attentäters weltweit verbreitet. Einige der Bilder zeigen dummerweise auch falsche Person mit gleichem oder ähnlichem Namen. Innert einer halben Stunde werden zudem 14 FB-Profile mit dem Namen des Ko­pi­lot neu aufgeschaltet und zum Teil mit islamischen Parolen versehen. Das echte FB-Profil des Ko­pi­lot wird erst mehr als eine Stunde danach gelöscht. Fatalerweise werden innert einer Stunde auch Bilder, TV-Aufnahmen und die genaue Adresse des Elternhauses des mutmasslichen Mörders – in einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt (mit ca. 13’000 Einwohnern) im Westerwald – veröffentlicht. Das zieht sofort eine dutzendfache Reporterschar dorthin nach sich. Der Beschuldigte bewohnte jedoch seit einiger Zeit eine eigene Wohnung, 130 Kilometer entfernt am Düsseldorfer Stadtrand.

Der Lufthansa-CEO spricht dann wenige Stunden später auf der Pressekonferenz, von einem mehrmonatigen Unterbruch während der Ausbildung des Ko­pi­lot. So ein Unterbruch sei nicht aussergewöhnlich und der Grund dafür sei ihm nicht bekannt. Eine Journalistenfrage nach einem möglichen medizinischen Grund, beantwortet der CEO damit, dass er aufgrund des Arztgeheimnisses, das in Deutschland auch über den Tod hinaus gilt, darüber nicht in Kenntnis gesetzt wurde.

Trotzdem wird innert Minuten, befeuert durch die Selbstmord-Theorie, über eine mögliche, psychische Erkrankung des Ko­pi­lot spekuliert. Depressionen werden von Reportern diagnostiziert und es werden auch irgendwelche „Freunde” oder Kollegen gefunden, die diese Theorie „bestätigen”. Zum Teil wird ihnen dafür angeblich 70 € angeboten.

Am Tag danach wird bei der Hausdurchsuchung ein zerrissenes Arztzeugnis für den Unfalltag gefunden. Was darin stand? Arztgeheimnis! Auch wird bekannt, dass der 27-jährige Kopilot unter Sehstörungen gelitten haben soll und sich wegen einer möglichen Einschränkung des Sehvermögens Sorge um seine Pilotentauglichkeit gemacht haben soll und sich darum in ärztliche Behandlung begeben haben soll...

So, nun ab gilt der 
„150fache Mord unter Inkaufnahme der Selbsttötung” durch einen ein Flugzeug steuernden, depressiven Mörder mit Augenproblemen und Sorgen,  
als gesicherte und bestätigte Tatsache.



Selten, wie in diesem tragischen Fall, sind mir die üblen Machenschaften der Medien bewusst geworden: Spekulationen werden zu Vermutungen und die Vermutungen werden durch neue Spekulationen zu Tatsachen. Bausteinartig wird ein Täterbild auf wackeligen Elementen konstruiert. Durch das ständige Wiederholen setzen sich diese Spekulationen und Theorien dann nachhaltig im Gedächtnis fest. Doch Beweise dafür gibt es eigentlich keine.

Ich meine, auch wenn die französische Staatsanwaltschaft sagt, der Ko­pi­lot habe die Maschine willentlich zum Absturz gebracht, heisst das noch lange nicht, dass es wirklich so war. Staatsanwälte haben schon oft etwas behauptet und angeklagt, das sich später als unrichtig herausgestellt hat und dementsprechend auch ganz andere Urteile, als die von ihnen geforderten, daraus resultierten. Das sieht man ganz explizit auch am Fall Knox, aber dazu später mehr.

Der wirkliche Hergang im Cockpit des Airbus A320, die technischen Voraussetzungen und die genauen Manipulationen, aber auch die Befindlichkeit des Piloten und erst recht seine wirklichen Beweggründe sind absolut unbewiesen. Der Flugdatenschreiber, der diese Beweise liefern könnte, ist scheinbar nach vier Tagen immer noch nicht gefunden. (Warum wohl?) Somit bleibt alles nur Spekulation und Theorie.

Aber auch wenn sich diese Theorien vermutlich im Nachhinein als richtig erweisen, so darf aus meiner Sicht, der seriöse Journalismus, trotz des Drucks aus der voyeuristischen Öffentlichkeit, ethische Grundregeln nicht ausser Kraft setzen.

So ist eine menschenunwürdige Hetzjagd auf die Angehörigen (in diesem Fall die Eltern und ein Bruder), durch eine sofortige Herausgabe des vollen Namens zu vermeiden. Für sie gilt die gleiche Regel wie für die Angehörigen der Opfer. Denn auch sie sind genau so Opfer und nicht Täter.
Auch die Aufbauschung von möglichen Szenarien und unbewiesenen Tatsachen sollte mit der nötigen Sorgfalt erfolgen. Denn durch eine ‘sensationsgetriebene’ Berichterstattung werden Erinnerungen und Bilder in den Köpfen der Öffentlichkeit produziert, die sich nie mehr ganz korrigieren lassen.

Das zeigt ein weiterer schamloser Fall von Sensationsjournalismus, der in den gleichen vier Tagen leider durch das Grossereignis in den französischen Alpen etwas in den Hintergrund gedrängt wurde.
In diesem absolut unseriös und schlampig ermittelten Mordfall, wurde die Amerikanerin Amanda Knox von der italienischen Staatsanwaltschaft in verschiedenen Verfahren um Sex, Drogen und einer barbarischen Bluttat, zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft wegen Mordes verurteilt. Ihr damaliger Freund erhält dafür 25 Jahre. Vier Jahre davon sitzen die beiden ab. Dann musste man sie auf Grund von zwei Rekurs-Verfahren (nach einer erneuten Verurteilung) freilassen. Gestern wurden die beiden nun vom höchsten Gericht Italiens in letzter Instanz «wegen erwiesener Unschuld» endgültig freigesprochen. [Bericht]
Bei diesen verschiedenen, spektakulären Verfahren wird Amanda Knox von den Medien während Jahren als «eiskalter Engel von Perugia» bezeichnet und dabei entweder als bildschöne, unschuldige Madonna oder als kaltblütige, blutrünstige Mörderin dargestellt.
Trotz diesem nun vollumfänglichen Freispruch und der bewiesenen Unschuld, kommt einem sofort wieder das Bild des „Engel mit den Eisaugen” -  wie die schöne Amanda Knox in den Medien auch bezeichnet wurde – in den Sinn und man ist darum sogleich wieder nicht mehr ganz davon überzeugt, dass eine, mit solchen Augen, wirklich nichts mit dem Mord an ihrer Mitstudentin zu tun hat.

Darum meine ich, Mörder sind erst Mörder, wenn es endgültig bewiesen ist!
Somit müsste die Unschuldsvermutung auch im aktuellen Flugzeugabsturz gelten, bis das Gegenteil mit eindeutigen Belegen bewiesen ist – auch wenn das für Journalisten und die Medien-Öffentlichkeit nur sehr schwer auszuhalten ist.

©® Copyright by Herr Oter




:|



Montag, 23. März 2015

In der Schweiz wird es immer gefährlicher!





Fast jeden zweiten Tag einen Mord hierzulande. Es wird geballert was das Zeug hält! Auch die schweren Körperverletzungen, Raub und Diebstähle häufen sich massiv. Es wird ständig vergewaltigt und Kinder werden immer öfter missbraucht.

In der Schweiz wird es immer gefährlicher!

Die Jugendlichen – keinen Vergleich zu früher! Brutalisiert durch stundenlange, verrohende Videospiele am PC, schlagen sie immer öfter und immer kaltblütiger zu. Die gewalttätigen und bluttriefenden Filme im Fernsehen tun das Übrige dazu. Die durch das Internet sexualisierte Gesellschaft und der Druck und die Verrohungen in der Arbeitswelt haben inzwischen jegliche Moral und  Wertmassstäbe ausser Kraft gesetzt. Nicht zu reden von den vielen Ausländern im Lande …. Dazu kommen jetzt auch noch massenhaft Asylbewerber – die klauen doch alle wie die Raben. Es wird einfach alles gestohlen was nicht Niet- und Nagelfest ist, um es dann auf einer Plattform im Internet zu Geld zu machen.

Mir ist ganz klar, die Straftaten in der Schweiz nehmen dramatisch zu und die Delikte werden immer brutaler. Die einst schöne und friedliche Schweiz ist in den letzten Jahren zum Tummelplatz von Mördern, Gangstern und Ganoven geworden –vor allem von Ausländischen natürlich.
Wo führt das bloss hin? Man ist sich hierzulande doch seines Lebens nicht mehr sicher. Viele getrauen sich Abends schon gar nicht mehr auf die Strasse.

Genau so nehme ich die Kriminalität in der Schweiz wahr, schliesslich lese ich täglich Zeitungen.

Aber ich habe mich täuschen lassen!
Denn die neuste Medienmeldung des Bundesamtes für Statistik (BFS) belehrt mich eines besseren:

Die Schweiz ist so sicher wie noch nie.
Immer weniger Mord, Todschlag, Raub und übrige Straftaten geschehen hierzulande. Auch weniger Straftaten von Asylbewerbern und die Jungen sind ebenfalls weniger straffällig und gewalttätiger als früher. Auch geklaut wird fast nichts mehr, ausser Fahrzeuge. Fast alle Straftaten sind in den letzten Jahren in der Schweiz zurückgegangen; insgesamt sanken die Straftaten im letzten Jahr um ganze 8,5 Prozent.

Bei den „Vollendeten Tötungsdelikten“ wurde sogar der tiefste Wert seit 30 Jahren erhoben.
Waren es 1990 noch 110 Tötungen (1.6 pro 100’000 Einwohner) so waren es im 2014 „nur” noch 41 Getötete (0.5 pro 100’000 Einwohnern).
Auch sind mehr als die Hälfte der Tötungen (23 von 41) innerhalb der eigene vier Wänden geschehen und dabei griffen die Täterinnen und Täter weniger zu Schusswaffen als im Vorjahr. Also nichts mit dem zunehmenden Mehr an ballernden Ausländern oder Asylbewerbern auf offener Strafe.

Bei den ‘bis 24-jährigen‘ Erwachsenen sank die Zahl der Beschuldigten um 8,9 Prozent, bei den älteren hingegen nur um 1 Prozent. Auch bei den beschuldigten Straftaten der Kinder und Jugendlichen ging die Anzahl um 1,2 Prozent zurück. Das sind 40 Prozent weniger beschuldigte Minderjährige seit 20091. Also ist meine Wahrnehmung, dass die heutige Jugend immer straffälliger und brutaler wird einfach falsch!
Auch die Zahl der straffälligen Asylbewerber war seit 20091 nie mehr so tief wie im letzten Jahr (-30,9 %), trotz massiv höherem Anteil an der Bevölkerung. Also auch nichts mit den klauenden Flüchtlingen. Denn der zweitgrösste Rückgang der Straftaten entfällt auf die Diebstähle. Sie gingen 14,3 Prozent zurück. Nur die Zahl der entwendeten Autos, Mofas und Velos stieg um 8,4 Prozent.
Auch bei den einfachen Körperverletzungen (-8,7 %), bei Raubdelikten (-25,9 %) und bei den Drohungen (-7,5 %), den Nötigungen (-2,8 %), den sexuellen Handlungen mit Kindern (-2,3 %) und Vergewaltigungen (-2,6 %) gingen die Straftaten im letzten Jahr zum Teil wieder massiv zurück.

Demgegenüber sind die „Krawatten-Delikte”, die Straftaten der „noblen” Herren und Damen, weiter angestiegen:
Betrug (+ 2,8 %), Erpressung (+ 19,5 %) und Urkundenfälschung (+ 14,4 %).

Fazit:
Ich habe mich gewaltig getäuscht! Die Schweiz ist friedlicher denn je und (fast) alles ist besser geworden.
Ich habe viele (Gruppen) zum Sündenbock gestempelt, die es nicht verdient haben und die, die es verdienten, habe ich nicht wahrgenommen. Aber eben, man stellt sich den gemeinen Verbrecher auch nicht im noblen Anzug und Krawatte oder auf einer Teppichetage vor.

Aber wie konnte ich mich so täuschen lassen?
Ich vermute, dass ich von den Medien geimpft und von der Politik manipuliert wurde!
Denn die Medien befriedigen mit einer unverhältnismässigen Berichterstattung die Sensationslust ihrer Konsumenten. So bauschen sie jedes Verbrechen ganz gross auf. Zuerst wird, zum Teil in grossen Lettern, tagelang über das Verbrechen berichtet, danach noch lange über irgendwelche scheinbaren Hintergründe spekuliert. Irgendwann wird über eine Verhaftung informiert und wieder ausführlich spekuliert. Später kommt es zum Prozess, darüber die nächste ausführliche Berichterstattung und nach einem allfälliges Urteil ist meistens auch noch nicht Schluss. So werden die gleichen Verbrechen immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gezerrt und der Eindruck von einer zunehmenden, überproportionalen Gewalt bleibt haften, wenigstens bei mir. Danach kommen dann noch gewisse Politiker und warnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor den Gefahren, die von bestimmten Gruppen ausgehen würden und schon wird mein Eindruck, dass alles immer schlimmer und gefährlicher wird, wieder zementiert.

Aber die Statistik beweist etwas ganz anderes:
Die Schweiz war nie ungefährlicher, friedlicher und sicherer als heute!


Übrigens:
In der ersten Stunde, nach Aufhebung der Veröffentlichungsperrfrist des BFS, hat nur eine Zeitung (watson.ch) über die erfreuliche Entwicklung im Schweizerischen Strafwesen berichtet ...

1 Beginn der differenzierten Erhebung
©® Copyright by Herr Oter 





:)

Sonntag, 22. März 2015







„Reich ist nicht, 
wer viel hat, 
sondern wer wenig braucht – 
arm ist nicht, 
wer wenig hat, 
sondern wer viel begehrt.“


(Johannes Chrysostomos)


Er wurde als
Johannes von Antiochia 
349 oder 344 in Antiochia am Orontes geboren 
(Stadt im antiken Syrien - heute Antakya in der Türkei)
und starb
 am 14. September 407 in Comana Pontica 
(antike Stadt in der kleinasiatischen Landschaft Pontos)

Er war 
Erzbischof von Konstantinopel 
und gilt als einer der grössten christlichen Prediger. 
Im 6. Jahrhundert wurde ihm 
der Beiname Chrysostomos (griech.: „Goldmund“) 
gegeben, unter dem er heute bekannt ist. 

(Quelle: Wikipedia





;)



Freitag, 20. März 2015

Liebesdrama





 
Liebesdrama
Eine Fabel

 

Mohammed, ein Moslem und Maria, eine Katholikin, verlieben sich ineinander. Beide sind sie hier geboren, jung und aufgeschlossen. Keiner stört sich an der Religion des anderen und auch die unterschiedlichen Lebensansichten aufgrund ihrer Herkunft glauben sie miteinander meistern zu können. Nach einem langen Versteckspiel beschliessen sie zu heiraten.

Doch der religiöse Eifer ihrer konservativen Familien verhindern eine gemeinsame Zukunft. Man droht Mohammed mit der Entlassung aus dem Familienbetrieb und Maria mit der Enterbung und dem Ausschluss aus der Familie („Du bist nicht mehr unsere Tochter“). Man versucht alles, um ihre Beziehung zu unterbinden. Das Leiden der beiden ist unbeschreiblich.

Maria wird schwer krank vor Kummer und muss sich einer Chemotherapie unterziehen. Der junge Spital-Seelsorger nimmt Maria an und begleitet sie durch die schweren Tage. Er versucht bei den beiden Familien zu vermitteln, aber erfolglos. Er trifft auf wenig Verständnis und Einsicht. Stur beharren sie in Gottes Namen auf einem längst überholten Kirchenbild – entgegen jeder Vernunft und dem Wohl ihrer Kinder.
Leider schlägt auch bei Maria die Behandlung nicht an. Sie wird sterben.

Kurz vor ihrem Tod beschliesst Maria, dem Christentum zu entsagen, damit sie wenigstens im Jenseits mit ihrem Mohammed vereint sein kann. Sie bittet den jungen Geistlichen, ihren Entscheid Mohammed mitzuteilen und kurze Zeit nach dem sie ruhig und sanft entschlafen ist, eilt der erschütterte Pfarrer zum Haus von Mohamed.

Dort trifft er ebenfalls auf eine versammelte Trauergemeinde. Laut und hemmungslos beweint die Familie ihren Sohn Mohamed. Der junge Rabbi, den der christliche Geistliche schon lange kennt und schätzt, erklärt ihm, dass sich Mohammed wenige Stunden zuvor, vor lauter Kummer aus dem Fenster gestürzt habe. In seinen Armen habe er sich sterbend von der Lehre des Propheten entsagt und sei für Maria im Glauben an das alleinseligmachende Christentum gestorben, damit er wenigstens im Jenseits mit ihr vereint sein könne.

Bei den später getrennt stattfindenden Bestattungen des Paares, weisen beide Geistlichen darauf hin, dass durch den religiösen Starrsinn der beiden Familien, die zwei Liebenden durch den jeweiligen Glaubenswechsel selbst im Jenseits nicht zueinander finden könnten – wäre da nicht ein alleiniger, gütiger Gott.
©® Copyright by Herr Oter












:(