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Donnerstag, 6. Juni 2013

Hansruedi







Hansruedi

Ein schlanker, kräftiger Mann steht an die ziegelrote Mauer von Grossmutters Haus gelehnt und zieht süchtig an einer filterlosen "Gitanes bleu"(*1); die er aussergewöhnlich zwischen Daumen und Zeigefinger hält, als müsste er auch jetzt noch die rötliche Glut vor dem Feind abdecken.
Sein dunkles Haar ist kurz geschnitten und er trägt eine blaue Jeans-Hose, was damals, insbesondere bei Männern in meiner bergigen Heimatgegend, eher ungewöhnlich war.
Die unerwartet dunkle Hautfarbe des gut Dreissigjährigen wird durch das blütenweisse, kurzärmelige Hemd, das er trägt, kraftvoll unterstrichen.
Mein Onkel - ein Neger!


Das ist meine früheste Erinnerung an Hansruedi, den legendenumwobenen Bruder meiner Mutter und, auch das erste Bild, das mir heute in den Sinn kommt, wenn ich an meinen illustren Onkel denke.
Er hat mich damals auf den ersten Blick fasziniert, denn er hatte etwas "Exotisches" an sich – das Abenteuerliche an ihm fiel mir erst später auf – und, für das Erkennen seines schwierigen Charakters brauchte ich viele Jahre.

Ich nehme an, dass seine Rückkehr aus dem Krieg der Hauptgrund für die damals – vor knapp fünfzig Jahren – vierstündige Reise vom Bündnerland an die Birs war.
Die Begrüssung war herzlich, nachdem mein Vater unseren weissen Ford „Anglia 105E“ – der mit dem roten Dach und dem schrägen Heckfenster – schwungvoll wie immer, auf den gekiesten Hofplatz meiner Grosseltern gelenkt hatte.
Hansruedi umfasste die schmale Hüfte seiner fünf Jahre älteren Schwester, hob sie auf Augenhöhe an und drehte sich mit ihr im Kreis – so, dass ihr knöchellanger Plissee-Faltenrock wie ein Teller abstand.
„Irmali“, so nannte er sie immer, „wie geht's dir? Du siehst gut aus“.
Ja, Komplimente machen konnte er, denn er war ein Charmeur erster Güte, sein Leben lang.

Und noch ein eindrückliches Bild von diesem Wochenende, das mir unauslöschlich in Erinnerung geblieben ist – das, wie Onkel Hansruedi  in einer unglaublichen Geschwindigkeit die scharfe Spitze seines Sackmessers zwischen die gespreizten Finger seiner linken Hand in Grosi's Schneidebrett gestochen hat – vom Zeigefinger zum Daumen und zurück und das mehrmals, immer präzise in die Zwischenräume.
Das war für mich damals die Fremdenlegion, dort wo man solche Kunststücke lernt und das war auch das Bestechende an Hansruedi, dass er immer wieder zu beeindrucken wusste – nicht nur weltfremde Zweitklässler aus einem Bergdorf.



Alle waren froh, dass er wieder da war. Heil und gesund.
Aber eigentlich hätten sie ihm schon damals alle böse sein müssen.
Denn Jahre zuvor war er eines Nachts klammheimlich von Zuhause abgehauen – über die nahe Grenze ins Elsass nach Strasbourg, wo er sich in einem Rekrutierungsbüro der französischen Fremdenlegion gemeldet hat.

Diese Rekrutierungsbüros waren damals während 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden geöffnet. In der Schweiz wusste man über die Legion wenig Genaues, es waren vor allem Legenden und Geschichten.
Im Vertrauen darauf, ja jederzeit wieder umkehren zu können, betraten die gewillten Jugendlichen unbesorgt eine dieser Rekrutierungsstellen. Dort versuchte man ihnen zuerst das Gefühl zu vermitteln, dass die Fremdenlegion (frz.: Légion Étrangère) sie nicht unbedingt haben wollte und man schon gar nicht auf sie gewartet hatte.  Man erzählte ihnen von einer Probezeit und, dass scheinbar keineswegs eine sofortige Verpflichtung verlangte wurde. Sie wurden jedoch danach so raffiniert psychologisch bearbeitet, dass schliesslich jeder Interessent davon überzeugt war, dass die Legion für ihn genau das Richtige war. Sie glaubten, ihre Neugier und Abenteuerlust ohne allzu grosses Risiko befriedigen zu können.
So wurde oft bedenkenlos zugestimmt. Die Burschen unterschrieben dabei zahllose Papiere, deren Text man ihnen nicht übersetzte. Sie erfuhren auch nicht, dass sie erst in Marseille endgültig verpflichtet wurden. Ausserdem  versprach man ihnen auch grosszügige Prämien, die allerdings nur sehr selten ausgezahlt wurden. Um vor Absprüngen auf dem Transport sicher zu sein, nahm man ihnen ihre Zivilkleidung, Pässe, Dokumente und alles weitere "Persönliche" ab und steckt sie in alte Uniformen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.
Sie "durften" ihr Hab und Gut der Fremden-Legion entweder "schenken" und erhielten dafür den späteren Anspruch auf Wiedereinkleidung bei der Rückkehr ins Zivilleben - oder sie konnten es der Legion" verkaufen". Für Kleider und vielleicht noch einen kleinen Koffer mit Habseligkeiten erhielt man einige Päckchen Zigaretten und die waren hochwillkommen, denn Zigaretten gehörten erst nach einigen Monaten Ausbildung zur Verpflegungs-Ration.

Hatte man einmal unterschrieben, so musste der französische Legionäre mindestens fünf Jahre lang durchhalten und bereit sein, überall auf der Welt zu kämpfen und zu sterben. Wurde es auch noch so hart oder unmenschlich, man musste bleiben. Ausser vielleicht, man versuchte eine risikoreiche und sehr gefährliche Desertion – aber das gelang bei weitem nicht jedem, der es versucht hat.
Nach der Unterschrift gab es also nur noch einen Weg, den Überlebenskampf im gefährlichen Kriegsgebiet, mit knallharten Regeln, viel Kameradschaft und ganz wenig Sold.
Der Legionär verzichtete damit auch auf den Genuss sämtlicher Rechte in der Heimat und begab sich voll und ganz in eine Leidensgemeinschaft, deren Wappeninschrift lautet:
«Legio patria nostra»  – «Die Legion ist unsere Heimat».
Dafür durfte er nach drei Dienstjahren französischer Staatsbürger werden und für immer in Frankreich bleiben.


Im Rekrutierungsbüro fand also auch für Hansruedi eine erste Musterung statt und dort gab er seine Unterschrift zu einer jahrelangen Verpflichtung in einem lebensgefährlichen, fremden Land auf einem anderen Kontinent.
Nach dieser ersten Unterschrift wurde der vermeintliche "Bewerber" über Paris nach Südfrankreich geschickt. In Aubagne, in der Nähe von Marseille, wurde dann im Bewerbungszentrum der Fremdenlegion die eigentliche "Musterung" vorgenommen. Bei einer vollständigen ärztlichen Untersuchung wurde die Gesundheit überprüft und bei einem Sporttest die Tüchtigkeit abgeklärt. Ob weitere Tests zu bestehen waren, ist mir nicht bekannt. Aber vermutlich kam man damals recht schnell zum Gespräch vor der Verpflichtungskommission, und danach mit einer zweiten Unterschrift zum gültigen Vertrag.
Hansruedi bekam seine Dienstnummer (mie 118 087) und einen neuen Namen:
Hans Reucher.

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Was hat Hansruedi zu diesem einschneidenden Schritt getrieben?
Warum hat er sein friedliches und gesichertes Leben für ein waghalsiges Vabanquespiel mit ungewissem Ausgang getauscht? Wieso hat er eine geachtete Anstellung mit gutem Gehalt als erfolgreicher Laborant in einer der beiden grossen "Chemischen" in Basel für einen schlecht bezahlten, hochgefährlichen Dienst aufgegeben?
War es das Abenteuer und der Nervenkitzel oder der Drang, sich zu bestätigen?
Waren es die Klischees von Dschungel und Wüstensand, von Kameradschaft bis in den Tod und von der bedingungslosen Befehlsausführung, die immer wieder heraufbeschworen und verherrlicht wurden?
Oder wollte er einfach eine unbekannte Vergangenheit hinter sich lassen, vielleicht vor irgendwelchen "krummen Sachen" davonlaufen und ein neues Leben beginnen…?

Denn die Fremdenlegion bot jedem diese einmalige Chance.
Als in den französischen Kolonien noch Tausende von Legionären benötigt wurden, war man bei der Rekrutierung oft ziemlich unzimperlich mit der Vergangenheit der Männer umgegangen. Es wurden keine Ausweispapiere verlangt, noch viele Fragen gestellt.
Egal welcher Herkunft, Religion, Schulausbildung oder berufliche Situation, die Fremdenlegion bot damals jedem eine neue Chance für ein neues Leben. Selbst Vorstrafen oder eine polizeiliche Fahndung waren kein Hinderungsgrund, denn jeder wurde ohne Nachfrage aufgenommen, auch der, der etwas „ausgefressen“ hatte und allen wurde eine neue Identität verschafft
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Ich glaube nicht, dass Hansruedi "Schweres" auf dem Kerbholz hatte.
Auch aufgrund seines späteren Lebens, vermute ich eher irgendwelche "Frauengeschichten" und/oder Abenteuerlust.
Möglicherweise wollte sich der etwa 25-jährige mit dem Eintritt in die Legion vor einer Verantwortung drücken, die er im September 1952 durch die Verlobung mit Hedy Hammel eingegangen war. Oder ging es um Elsa Michel oder Frau Schiffmann, die Hansruedi beide in einem seiner spärlichen Briefe erwähnt hat? Man sprach auch immer wieder von einer angeblichen Tochter, die es geben soll und für die er "zahlen musste". Das wäre immerhin meine Cousine; doch Genaues wusste niemand und die, die es vielleicht gewusst haben, schwiegen – für immer.

In einem seiner wenigen Briefen schrieb er ein paar Jahre später an seine Schwester:
«Ich habe mir vorgenommen, soviel wie möglich von der Welt anzugucken und ich bin sichert, dass ich auch noch weit rumkommen werde……., man kann auf zwei Arten glücklich sein, die eine ist, wie du dir* das Leben gestaltet hast.
Und das ist bestimmt keine schlechte Art. Die andere Art dürfte die sein, das Leben als ein Spiel zu betrachten, hie und da "ma va banque" zu spielen und den Gewinn oder Verlust mit einem Lächeln einzustecken.»

So war er, der Hansruedi, mein Onkel.
(* Anmerkung: wie meine Mutter – Mann, Kinder, Haus und Geschäft)


Alle Neu-Eintretenden wurden sogleich in die eigentliche Metropole der Legion, nach Sidi bel Abbés, ungefähr 300 km südlich von Oran (Algerien), verbracht; wo ihnen in einer "wenige Wochen" dauernden Rekrutenschule die nötige Kampfausbildung beigebracht wurde. Diese "Ausbildung" muss unglaublich hart gewesen sein. 

Ich las dazu: «Man hat auch Faustschläge ins Gesicht abbekommen, zur Strafe, oder einen Schlag mit dem Gewehrkolben auf den Kopf. Man ist zum Arzt gegangen, um die Platzwunden nähen zu lassen. Den andern hat man dann etwas von einem Sturz erzählt. C'est normal.»
Die Übergabe des traditionellen  weissen Hutes (képi blank) und das Aufsagen des während der entbehrungsreichen Grundausbildung erlernten "Ehrenkodexes" der Fremdenlegion, bildet im Anschluss an den "marche képi blank" (Képi blank Marsch), einem traditionellen, etwa 50 bis 70 Kilometer langen Orientierungsmarsch, den Abschluss der Ausbildung.
Danach kamen die Legionäre unverzüglich in eines der 11. Regimenter und somit direkt an die Front.
Zum Aufnahmeritual der Legion gehörte es auch, dass einem der Kontakt nach außen für 4 Monate komplett versperrt wurde: kein Telefon, keine Briefe, nichts.
Der einmal aufgenommene Legionär galt laut der Musterungsbroschüre «unabhängig von seiner realen Familiensituation als ledig und ungebunden.» Deshalb gab es auch keinen Anlass jemanden zu benachrichtigen.




Hansruedi, alias Cpl. Hans Reucher, wurde etwa 1955 zuerst dem Regiment III/2e R. E. I. (cie portée)  und dann später  dem 4e  Régiment d'infanterie in Algerien zugeteilt.
Weil Hansruedi, wie so viele andere auch, niemanden über seine Pläne informiert hatte, galt er daheim monatelang lang als unauffindbar. Man hatte zwar bei der Polizei eine Vermisstmeldung aufgegeben, aber seine Spur blieb verwischt und man hatte keine Ahnung, was passiert war, ob er noch lebte oder wo man nach ihm noch suchen konnte.
Schrecklich für alle; und ich weiss von meiner Mutter, welche grossen Ängste und Sorgen bei allen damals ausgelöst wurden.
Doch auch nach dem ersten Lebenszeichen aus Algerien, das nach langen Monaten endlich eintraf, blieb die Angst bestehen.

Das war nicht unbegründet, wusste man doch aus dem Indochinakrieg (1945-1954, er umfasste die Gebiete der heutigen Länder Laos, Kambodscha und Vietnam), dass dort offiziell mehr als 11.000 Legionäre ihr Leben für die "Grand Nation" verloren hatten, nicht zuletzt, weil Legionäre damals auch als sogenanntes "Kanonenfutter" galten.


Der "grausame Heckenkrieg der Banditen", wie der Algerienkrieg auch oft genannte wurde, den die Fremdenlegion anschliessend an der Seite der Franzosen auszufechten hatte, war nicht weniger schrecklich.
Es war ein ungleicher Krieg um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich, in den Jahren 1954 bis 1962, der hauptsächlich zwischen dem französischen Militär und der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN geführt wurde. Gleichzeitig tobte ein Bürgerkrieg zwischen algerischen Loyalsten und der FLN.
Die 35 000 Soldaten zählende Fremdenlegion kämpfte nach dem Ende des Indochinakrieges ab dem Sommer 1954 bis 1962 auf der Seite der französischen Besatzungsmacht. Zunächst nur zu Sicherheitszwecken vor Ort; aber bald beteiligten sich die Söldner aktiv am Kriegsgeschehen: Die Legion sandte Interventionstruppen aus, nahm an Grossoperationen teil und kümmerte sich um die Grenzverteidigung.
Oft sahen sie sich dabei keinem offenen Frontenkrieg, sondern hinterlistigen Meuchelmordattacken der Partisanen, ausgesetzt.
Doch die französische Armee und die Legionäre gingen auch nicht gerade zimperlich mit ihren Gegnern um. Die Gräueltaten
bei der "Schlacht um Algier", sowie die bei der sogenannten "Französischen Doktrin" eingesetzten Methoden – unter anderem Folter und ungesetzliche Hinrichtungen von algerischen Verdächtigen – zogen massive innen- und aussenpolitische Proteste nach sich.
Hunderttausende von Algeriern sind dabei umgekommen. Davon nur ein kleiner Teil bei militärischen Operationen - der größte Teil bei Vergeltungsaktionen der Franzosen, denen fast ausschließlich Zivilisten zum Opfer fielen.
Das alles machte aus den Legionären vielfach Menschen, denen das skrupellose Morden zur Gewohnheit wurde.
Nach einem vom französischen Militär personell und materiell weit überlegenen und mit großer Härte geführten Kampf war die Unabhängigkeitsbewegung praktisch geschlagen.
Die Zahl der Verluste an französischen Soldaten betrug laut Angaben des französischen Militärs ca. 18.000. Laut französischer Aussage betrug die Todesopferzahl der Algerier 350.000, algerische Quellen gehen von über einer Million Toten aus.
Die Entlassung Algeriens in die Unabhängigkeit aus politischen Gründen im Jahre 1962, beendete den Einsatz der Fremdenlegion in Nordafrika, welches 130 Jahre lang ihre Heimat war.
 

Während seines jahrelangen Kriegseinsatzes waren Briefe von Hansruedi spärlich, oft nur kurz und meistens ziemlich allgemein gehalten. So hat er nie konkret darüber geschrieben, was er dabei erlebt hat. Einmal erfuhr man, dass er 1959 ziemlich verletzt wurde, wie schwer und wie lange, darüber wurde nicht geschrieben. Denn das vereinbarte sich nicht mit der "Legions-Ehre". Familie, Freunde und Bekannte durften, meist auch aus Sicherheitsgründen, sowieso nicht darüber informiert werden, wo der jeweilige Legionär sich genau aufhielt, wo er stationiert war und was er bei den Kampfhandlungen erlebte.

Aber manchmal gab es Ausnahmen:
So schreibt er am 4. April 1961:
«Im Moment sind wir ca 15 km von Ain-Sefra entfernt…. auf 2000 Metern Höhe und bei so 40° Hitze! Sand, soviel du willst, Wasser so gut, dass man meint, es hätten sich schon x Leute damit gewaschen. Aber keine Sorge, getrunken wird es trotzdem….»

oder um die Weihnachtszeit 1962:
«Wir liegen wieder einmal mehr direkt an der Schusslinie in einem grossen Forsthaus, das zum Glück bald in eine Betonfestung umgebaut ist und nur knappe 100 Meter von der marokkanischen Grenze und ca. 5 km von der Grenzstadt Marnia entfernt ist auf der Lauer.  Natürlich bereit, jeden durch den Radar gemeldeten illegalen Grenzübertritt auf das Schnellste zu vereiteln….. So weit das Auge reicht, elektrisch geladener Stacheldraht, Leuchtminen- und andere Minenfelder…..
Die Rebellen kommen so 2-3-mal pro Woche bis an den mit 5000 Volt geladenen Stacheldraht und schicken uns Grüsse von Marokko mit herrlich schnellen und verdammt ins Auge gehenden Minenwerfern.»



Ich habe für diese Geschichte viele Artikel und Berichte zum Algerienkrieg der Fremdenlegion gelesen und festgestellt, wie hart und oft grausam die Legion für jeden der Beteiligten damals war; aber auch, wie gefährlich es sein konnte.
Das illustriert auch ein weiterer Briefausschnitt vom 5. März 1962:
«Letzte Woche hatte ich sehr viel Glück. Wollte doch so ein "Salzneger" von algerischem Rebell mich doch tatsächlich mit seinem Gewehr zu einer Freifahrt ins Jenseits einladen. Welch wonniges Gefühl, wenn so 5 cm unter meinem angezogenen Bein 12 Schüsse sich in die Erde bohren. Aber jetzt bin ich froh, dass ich bei Willi dem Tellen in die Schule gegangen bin."»
(Ich schliesse daraus, dass er genauer getroffen hat)



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1963 war dann auch für Kpl. Hans Reucher die Zeit gekommen, wieder den bürgerlichen Namen Hans-Rudolf K. anzunehmen, vom Berufs-Legionär zum Schweizer Miliz-Militaristen zu werden und von der Kriegsfront zurück ins friedliche Basel zu wechseln.

Natürlich kam er nicht ohne Strafe davon. So musste er sich für den unerlaubten Einsatz in fremden Kriegsdiensten vor dem Militärgericht verantworten und wurde zu einer Gefängnis- und/oder Geldstrafe verurteilt.
Aber er fand bald wieder eine Arbeit, als Laborant in der pharmazeutischen Industrie. Auch zog er wieder bei Vater und Mutter ein.

Mehr Schwierigkeiten als das berufliche oder gesellschaftliche Leben machten ihm die psychischen Probleme. Denn wer die "Légion étrangère" überlebt hat, kam oft verändert nach Hause und manche konnten sich im "Zivilleben" nie mehr ganz richtig einordnen. Das war auch bei Hansruedi so.

Dabei spielte bei Hansruedi auch immer wieder der Alkohol eine grosse Rolle. An den Stammtischen der Kleinbasler Beizen war er oft und gerne gesehen, denn zu erzählen hatte er ja vieles. Wenn er betrunken nach Hause kam, randalierte er manchmal, beschimpfte dabei seine Mutter oder auch seine mit nach Hause gebrachten Frauen, auf das Übelste.
Seine vielen weiblichen Beziehungen blieben undurchsichtig und manchmal wechselten die Frauen häufig. Sie entsprachen zunehmend dem Typ der "abgetakelten Blondine mit rauchiger Stimme". Trotzdem gab es ein paar, die jahrelang zu ihm hielten.
Denn Hansruedi sah gut aus – er hatte etwas vom Aussehen des "Mäni" Weber, dem ersten grossen Schweizer Fernsehstar und grossen Frauenschwarm. Manchmal wurde er sogar mit dem begehrtesten Junggesellen der damaligen Zeit in einer „Basler Beiz“ verwechselt und auch mal um ein Autogramm gebeten.
Das wurde dann zu einer seiner vielen Anekdoten, die er unterhaltend zu erzählen wusste und seine Geselligkeit begründete.
Hansruedi vermochte viele Leute zu faszinieren; er war stets gut gekleidet, hatte angenehme Umgangsformen – besonders wenn es Frauen zu beeindrucken galt – und, er konnte mit seiner spendablen Art immer wieder "überzeugen".
Auch fuhr er zeitweise interessante Autos. Ich erinnere mich dabei an einen unscheinbaren VW Typ 3 mit eingebautem Porschemotor. Eine kraftvolle Rakete; und er liebte es, wenn er mit der unauffälligen Familienkutsche, die anderen reihenweise hinter sich liess, besonders wenn es bergauf ging.
Hansruedi war aber auch ein ausgezeichneter Koch und ich denke, dass er nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass ich gerade diesen herrlichen Beruf gewählt habe.
Man kann generell sagen, dass er allen "Genüssen" des Lebens sehr zugetan war.

Doch es gab halt auch die schwierigeren Seiten des Hansruedi.
So verwandelte er mit der Zeit die Wohnung der Grossmutter in ein Exotarium mit grossen Terrarien und Käfigen, in denen er Schlangen und andere "Exoten" hielt. Damals brauchte es dafür weder ein Diplom noch eine Bewilligung und Lärm machten die Reptilien ja auch nicht. Trotzdem hielt es Grosi mit der Zeit dort nicht mehr aus und sie zog zu uns.
Von Zeit zu Zeit "hängte" es Hansruedi dann auch ganz tüchtig aus und er blieb wochenlang verschwunden.
Während dieser Zeit kämpfte er sich sozusagen "guerillamässig" durch die schweizerische "Wildnis". Ohne Zelt und Schlafsack  übernachtete er im Freien, ernährte sich von dem, was die Natur hergab, erlegte Tiere und wähnte sich vermutlich im Dschungelkrieg.
Aber es passierte nichts Gravierendes dabei und ausser den besorgten Telefonanrufen "seiner Weiber", wie sie Mutter jeweils nannte, bekamen wir wenig davon mit.
Interessanterweise behielt er trotz dieser gelegentlichen Eskapaden immer seine Arbeitsstelle – etwas, das ihn als tüchtigen Mitarbeiter auszeichnete.



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Hansruedi, der immer gerne in Gesellschaft war, starb wenige Jahre nach der Pensionierung alleine und wurde erst nach einigen Tagen von einer "seiner Frauen" in der Wohnung gefunden. Nach der Wohnungsräumung blieb nichts Brauchbares übrig, ausser einem alten Koffer mit ein paar Fotos und einigen Andenken und – einer beinahe unverwüstlichen, schwarzen RADO-Uhr, die ich als Andenken an Onkel Hansruedi bekam und zwischendurch auch immer wieder mal trage.


(*1) Anmerkung: Was ich damals noch nicht wusste, der Name "Gitanes" heisst aus dem französischen übersetzt "Zigeunerinnen". Das passte doch sehr gut zum Onkel Hansruedi.
 



Fremdenlegion:

Die Fremdenlegion (Légion étrangère) wurde 1831 von König Louis Philippe gegründet und diente zunächst zur Eroberung und Absicherung der afrikanischen Kolonien Frankreichs.
Ihr erster Kommandant war ein gewisser Christoph Anton Stoffel aus dem thurgauischen Argon (Schweiz) und jahrzehntelang waren die Eidgenossen überdurchschnittlich in der Legion vertreten. So zogen im Ersten Weltkrieg über 10'000 Schweizer für Frankreich in den Krieg und stellten somit ein Viertel der Legion. Jeder Rückkehrer musste damit rechnen inhaftiert zu werden, weil die hiesigen Gesetze das "Söldnertum" verbieten.

Von ihrer Gründung an bis zum Ende der 1980er Jahre haben in der Légion Étrangère laut einer Ansprache von Colonel Morellon mehr als 600.000 Mann aus aller Welt gedient.
Seit der Gründung der Fremdenlegion im Jahre 1831 sind mehr als 36.000 Legionäre auf dem Schlachtfeld für Frankreich gefallen.
Einer der bekanntesten Schweizer Fremdenlegionäre war der Schweizer Schriftsteller Friedrich Glauser, (geboren 1896 in Wien, gestorben 1938 in Nervi bei Genua).



Heute werden Legionäre nicht mehr wie früher ausschliesslich in Kriegen, sondern überwiegend zur Kriegsverhinderung im Rahmen von UN- oder NATO-Missionen (z. B. in Bosnien, Kosovo, Afghanistan), zur Friedensschaffung und Friedenserhaltung, zur Rettung gefährdeter Menschen, zu humanitärer Hilfe, zur Wiederherstellung von Infrastruktur (z. B. im Libanon 2006) und zur Katastrophenhilfe (z. B. nach dem Tsunami 2004 in Südostasien) eingesetzt.
Text: aus Wikkipedia

Mittwoch, 5. Juni 2013

Faszinierende Bilder







Er ist erst 14 Jahre jung und gilt bereits als absolute Internet-Sensation.
Während andere Jungs in seinem Alter den PC vor allem zum Spielen oder Chatten nutzen, geht Zev aus Natick, Massachusetts bereits furios mit dem Fotoshop und seinem Fotoapparat um.

Mit seiner Fotoserie „Little Folk“ hat der Teenager – besser bekannt unter seinem Nicknamen „fiddle oak“ – sogar die Fachwelt mit seiner Technik und Kreativität ins Staunen versetzt.

Er macht Selbstportraits und photographiert verschiedene Alltagsgegenstände, die er dann geschickt zu märchenhaften Bildern zusammenfügt.

„Fiddle oak“ sagt, dass er photographiert seit er 8 ist, seine Fotokamera „Betsy“ nennt und heute auch mit seiner 17-jährigen Schwester Nellie zusammenarbeitet.

Ich empfehle Euch, seine besten Bilder mal hier anzusehen oder mehr davon auf seinem Fotostream bei flickr.


Viel Spass




Dienstag, 4. Juni 2013

Wortbandwurm stibt






Es war nicht die beliebte
"Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänskajütentüre"!

Nein, die längste Wortschöpfung der deutschen Sprache produzierte jahrelang das mecklenburg-vorpommerische Landesrecht:
 "Rinderkennzeichnungs- und Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz"

Ein ganz schön langes Wort, das die Gesetzeshüter da kreiert haben.
Da musste natürlich sofort eine Abkürzung her:
RkReÜAÜG

Nun ist es aber vorbei mit dem „Wortbandwurm“.
Er wird jetzt abgeschafft, weil das Gesetz aufgehoben wird.
Denn, gesunde Rinder werden künftig an Schlachthöfen, wie seit 1999 vorgeschrieben, heute nicht mehr auf BSE getestet und so muss die Aufgabe der Überwachung der Etikettierung von Rindfleisch auch nicht mehr gesetzlich übertragen werden.
So einfach ist das.

Aber von den Sprachwissenschaftlern wird sicher bald ein neues Wort
„zum längsten Wort der deutschen Sprache in öffentlichen Texten“ kreiert, da bin ich mir sicher.

Sein Vorgänger war übrigens die Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung,
sie war sogar noch vier Buchstaben länger und wurde 2007 aufgehoben. 






Samstag, 1. Juni 2013

Eine wunderbare Fabel






Ich möchte Euch eine sinnvolle und wunderbar geschriebene Fabel empfehlen:


Es lohnt sich übrigens, wenn man sich dabei auch auf den anderen interessanten Seiten von Poetikon umsieht. Viel Spass dabei.


«}








Donnerstag, 30. Mai 2013






Lerne aus den Fehlern anderer. 
Du kannst gar nicht lange genug leben,  
um alle selbst zu machen. 
(Eleanor Roosevelt)


Anna Eleanor Roosevelt 
(geb. 11. Oktober 1884 in New York; gest. 7. November 1962 in New York) 

Von 1933 bis 1945 war sie als Ehefrau des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt  
die First Lady der Vereinigten Staaten. 
Daneben war sie Menschenrechtsaktivistin, Diplomatin und eine hochrangige Politikerin in der UNO






Montag, 27. Mai 2013

Wanderleben





"Ja, ich gebe zu", 
sagt er zu mir, 
"man kann es auch leichter nehmen."
Da packt er das Leben 
wieder auf seine Schultern 
und setzt den Weg fort.
©/® Copyright by Herr Oter




;)

Samstag, 25. Mai 2013

Chronologie eines schrechlichen Verbrechens




Ein schreckliches Verbrechen beschäftigt die Schweiz seit einigen Tagen. Es ist der  
Mord an Marie
und vor allem, die unglaublichen Umstände und verheerenden Irrtümer, die zu diesem Verbrechen in Payerne VD geführt haben.




Hier die Chronik dieses unglaublichen Falls, so wie sie mir aus den Medien bekannt sind:

Am 14 Januar 1998 entführt Claude Dubois (damals 22, Informatikverkäufer) seine 31-jährige Ex-Freundin Pascale, die er in einem Fitnessstudio in Bulle kurze Zeit zuvor kennengelernt hatte. In einem Chalet in La Lécherette vergewaltigt er sie und tötet sie schliesslich auf grausame Weise mit insgesamt fünf Schüssen.

Im Juni 2000 wird der Mörder zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.
Dabei wird strafmildernd berücksichtigt, dass er „erst“ 22 Jahre alt ist und darum entgeht er der lebenslänglichen Freiheitsstraf.
Das Gericht hält damals fest, dass die Tat auf «bösartige und harte» Weise geschehen sei. Der Mörder wird auch als ausgesprochen eifersüchtig und besitzergreifend, sowie zynisch und sarkastisch beschrieben.
Sein Psychiater warnt damals, dass die Rückfallgefahr dieses «skrupellosen und gefühlskalten Mannes» nicht ausgeschlossen werden könne. Er sei «pervers und narzisstisch, mit einer Persönlichkeitsstörung, die mit einer unvollständigen mentalen Entwicklung korrespondiere».

Während der Haftzeit soll es – gemäss einem Interview eines langjährigen Zellennachbar in «Le Matin» – zu einigen „Besonderheiten“ gekommen sein.
So soll sich der Mörder nie ins Gefängnis integriert haben und die Anweisungen nicht eingehalten haben. Er soll sich, „wie ein verwöhntes Kind“ benommen haben. Er soll es auch „als normal“ gefunden haben, seine Freundin getötet zu haben. Er hätte es nicht ertragen, von ihr verlassen zu werden. Er habe eine Therapie strikte abgelehnt und seine Tat auch nie bereut!
Der Täter sei auch davon besessen gewesen, im Gefängnis eine neue Frau zu finden, so der ehemalige Mithäftling.

Am 8. Mai 2004, heiratet der verurteilte Mörder im Gefängnis dann auch V. S., die er über eine Anzeige kennenlernt haben soll. Sie ist genau wie sein erstes Mordopfer Pascale von Beruf Zahnarztgehilfin.
«Er durfte aber nie mit ihr in eine Liebeszelle. Man schätzte ihn als zu gefährlich ein, um mit seiner Frau allein zu sein.», sagt der Mitgefangene.
Gemäss den Medien gerät die Beziehung aber auch im „Familienzimmer“ rasch ausser Kontrolle. Der Täter stellt immer weitere Forderungen. Er verlangt von seiner Ehefrau „obszöne Fotos in vulgärer Aufmachung“. Sie bekommt Angst und wendet sich von ihm ab. Daraufhin wird sie von ihm massiv bedroht und einmal soll er sie auch gewürgt haben.
Am 7. Juni erfolgt die definitive Trennung und der Täter soll Rache geschworen haben.

Nach Verbüssung der Hälfte seiner Gefängnisstrafe beantragt er, extern arbeiten zu können.
Der Antrag wird abgewiesen.

Am 15. Mai 2011 hat der Mörder, zusammen mit der Untersuchungshaft, zwei Drittel seiner Strafe abgesessen.
Deshalb kann er die vorzeitige Haftentlassung beantragen.
Dieser Antrag wird abgelehnt.

Er wird in ein anderes Gefängnis mit tieferer Sicherheitsstufe (Bellechasse FR) verlegt, um sein Verhalten zu testen. Es werden ihm auch begleitete Ausgänge bewilligt, danach auch solche ohne Begleitung. Anscheinend ging alles gut.

Am 3. Juli 2012 wird ein erneuter Antrag auf Haftentlassung wieder abgelehnt.

Im August 2012 entscheidet die Waadtländer Strafvollzugsbehörde, dass der Mörder den Rest seiner Strafe im Hausarrest mit einer elektronischen Fussfessel absitzen kann.
Begründung: allmähliche Vorbereitung auf seine definitive Haftentlassung am 13. Januar 2018.
Er darf sich in einem eingegrenzten Gebiet bewegen, die „Fessel“ ist jedoch nicht mit einem GPS-Gerät ausgerüstet.

Er arbeitet ab dem 20. August in einem Job der ihm sein Vater verschaffte, fährt einen grauen Toyota Yaris und hat eine eigene Wohnung in Avenches VD.

Im Oktober 2012 kommt es aber bereits wieder zu erheblichen Zwischenfällen. Gemäss Zeugen stösst er Todesdrohungen gegen Arbeitskollegen aus und veröffentlicht im Internet bösartige und sexistische Unterstellungen gegen seine Ex-Frau. Die waadtländische Bewährungshilfe schlägt Alarm und es wird eine Klage eingereicht und die Rückversetzung in die Haftanstalt verlangt.

Am 23. November 2012 hebt die gleiche Behörde den Hausarrest wieder auf und ordnete die erneute Inhaftierung an.
Gegen diesen Entscheid legt die Anwältin des Delinquenten Rekurs ein.

Am 14. Januar 2013 gewährt ein einzelner Strafvollzugsrichter dem Rekurs eine aufschiebende Wirkung und der Mörder wird erneut in den Hausarrest entlassen.

Im März 2013 wird der Hausarrest für den Mörder (jetzt 36 Jahre alt) offenbar bestätigt.
Der Mörder lernt sein späteres 2. Opfer Marie (19) kennen.

Am 13. Mai 2013 wird Marie vermisst. Sie wurde vom Delinquenten entführt.
Am 14. Mai kann der Entführer nach einer wilden Verfolgungsjagd mit mehreren Schüssen gestoppt und verhaftet werden. Er ist nur geringfügig verletzt. Der elektronischen „Fessel“ aus Kunststoff hatte er sich inzwischen entledigt.
In der darauf folgenden Nacht führt er die Polizei zur Leiche der jungen Frau, die er in einem Waldstück in der Nähe von Châtonaye im Kanton Freiburg umgebracht hatte. Die Umstände ihres Todes sind noch unklar. Er verweigert daraufhin auch jedliche weitere Aussage.

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Soweit der Ablauf der Ereignisse, wie ich sie aus diversen Medien entnehmen konnte.

Stellvertretend sind die folgende Zeitungen erwähnt: 
Sonntagszeitung, Tagesanzeiger, Blick und 20min.
Über diese Links können auch weitere Berichte sowie Fotos angezeigt werden.



Meine Meinung dazu:
Ich denke, dass sich anhand dieser Fakten jeder ein eigens Bild darüber machen kann, ob in diesem Fall richtig entschieden und gehandelt wurde. Für mich ist es ein Skandal.
Aber man hat erneut eine Besserung in der Beurteilung der Straftäter und eine Überprüfung der Haftprozesse versprochen.

Genau so, wie bei früheren, ähnlichen Fällen:
dem Mord an Pasquale Brumann 1993 oder dem Mordfall Lucie im März 2009, bei denen auch versichert wurde – dass es «einen solchen Mordfall nie mehr geben soll».



:(

Donnerstag, 23. Mai 2013

Dinge die im Alter besser werden







Dinge die im Alter besser werden

Jeder will alt werden, aber nicht alt sein.
Denn das Alter, so glaubt man, hält vor allem Krankheit, mindere Lebensqualität und nicht zuletzt den schleichenden Tod bereit. Aber nicht immer muss das Alter ein Nachteil sein. Das beweisen der Wein, der Käse und alte Freunde.

Aus meiner Erfahrung, gibt es nebst einem unbestrittenen körperlichen Zerfall nämlich auch durchaus positive Entwicklungen bei zunehmendem Alter.

  • abnehmende Verantwortung
  • mehr frei verfügbare Zeit
  • ein Mittagsschläfchen*
  • weniger Stress und Hektik*
  • mehr Gelassenheit und Geduld*
  • mehr Zufriedenheit weil man weniger "haben muss"*
  • mehr Weisheit und bessere Lebensstrategien
  • mehr Selbstvertrauen durch gemachte Erfahrungen
  • mehr Akzeptanz und Achtung
  • eine grössere "Narrenfreiheit" 
       * ist möglich


Also viele Dinge, um optimistisch in den dritten Lebensabschnitt zu schauen
und sich positiv und munter auf die Zukunft zu freuen.


Altern beginnt im Kopf
;)

Dienstag, 21. Mai 2013

Gelassenheitsgebet




 

Gelassenheitsgebet


 Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Verfasser: vermutlich Reinhold Niebuhr ca. 1941/42
Beruht auf älteren Vorgänger-Versionen

 

Karl Paul Reinhold Niebuhr 
 ( 21. Juni 1892 bis 1. Juni 1971 
 war ein einflussreicher US-amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler. 


 Die besonnene Gelassenheit, hat Sokrates als menschliche Haupttugend hervorgehoben 

 


Sonntag, 19. Mai 2013

Methusalem und Hoppel





Methusalem und Hoppel



„Komm Hoppel, ich muss dir etwas zeigen!“, ruft Methusalem, die griechische Landschildkröte dem Feldhasen zu, kaum hat dieser gegen Mittag seinen Kopf aus dem kargen Bau gestreckt.

„Nu, nu, Herr Nachbar Schildkröte, nur nicht so hektisch am frühen Morgen.“
Der Hase gähnt ausgiebig, streckt sich und blinzelt noch etwas schlaftrunken in die grelle Frühlingssonne.
„Du scheinst mir mächtig aufgeregt. So ungeduldig kenne ich dich gar nicht, du alter Grieche.“
Der „Hase“ legt sich wieder gemütlich in seine Sasse.
Gestern Nacht war es bei ihm etwas spät geworden – ein aufregendes Techtelmechtel mit einer Häsin.

„Früher Morgen!“, erhitzt sich nun die Schildkröte und bewegt sich dabei hastig drei Zentimeter auf den Hasen zu.
„Ha, dass ich nicht lache!“ Methusalem wiegt dabei seinen Kopf ungeduldig hin und her.
„Nun, ich warte schon seit Stunden, bis du endlich aufwachst! Wie kann man am Tage auch nur so lange schlafen!“

Doch der Hase lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Es ist Frühling, Herr Nachbar!“
„Die Triebe sind erwacht, die Häsinnen neckisch und die kurzen Nächte lau“, frohlockt der Hase schmunzelnd.
„Wir müssen unserem Ruf als das Symbol der Fruchtbarkeit getreu bleiben!“

„Eben, Frühling ist es! Bei diesen Temperaturen ist man doch fit und munter. Man hat ja den ganzen kalten Winter durchgeschlafen.
Jetzt, da die Tage länger werden, ist es doch höchste Zeit, in Windeseile sein Nest in Ordnung zu bringen und endlich wieder an den erwachten, zarten Trieben des jungen Löwenzahns zu knabbern.“

„Windeseile!“, ergötzt sich der Hase.

„Unsere Bedächtigkeit begründet unser langes Leben“, verteidigt sich die Schildkröte.


  Bildquelle: von Domaris by pixelio.de / Nr. 145904 


„Ha, du hast gut reden, Herr Nachbar“, spottet Hoppel weiter.
„Bei deinem Tempo würde ich auch erst im Herbst wieder richtig müde. Doch dieses Jagen und Boxen im Frühling, diese ganze Hetze um ein junges Häschen, das macht einem jedes Jahr mehr zu schaffen. Man würde meinem, ein alter Hase wie ich, müsste mit den Jahren doch ruhiger und weiser werden, aber es ist jeden Frühjahr wieder das gleiche.“
Der müde „Hoppler“ lächelt versonnen und gibt sich wieder seinen süssen Träumen hin.

„Was heisst hier alter Hase!“ ereifert sich Methusalem lautstark und erschreckt dabei „Meister Lampe“ erneut.
„Du mit deinen lumpigen fünf Lenzen – ha, dass ich nicht lache. Jungspund kann man da nur sagen!
Dir fehlt es einfach an unserer sprichwörtlichen Ausdauer und, mit Verlaub gesagt, auch an der ehelichen Treue.
Aber so seit ihr eben, ihr –  Rammler!“

Bei den letzten Worten zieht die alte Schildkröte vorsichtshalber rasch ihren Kopf ein.
Aber der „Mümmelmann“ ist viel zu träge, um auch nur eine Hasenpfote anzuheben.

„Angsthase!“ ruft Hoppel schnell.
„Das wird uns zwar immer zugeschrieben – ja, manche verwenden sogar das für uns entwürdigende Wort „Schisshase“ – aber wer zieht sich bei der geringsten Gefahr jedes Mal in seinen Panzer zurück?“
Eine kurze Pause entsteht und dann beruhigt der Hase gönnerhaft: „Ich mache dir schon nichts.“
Dabei legt er seinen Kopf wieder auf die kurzen Vorderbeine.
„Überhaupt“, ereifert sich der Hase von neuem. „Es ist sowieso ungerecht, für euch „Urtiere“ verwenden sie nur die positivsten Eigenschaften – Weisheit, Güte, Geduld oder ewiges Leben.“

„Und Beharrlichkeit, Ausdauer und eben – Treue“ ergänzt Methusalem die Aufzählung des Hasen und streckt stolz seinen beschuppten Kopf wieder aus dem Panzer.
„Nimm dir ein Beispiel an mir und meiner Harriet – wir sind uns treu seit über 50 Jahren. Auch wenn man das, bedingt durch meine Griechischen Abstammung, nicht unbedingt von mir erwarten würde. Aber so sind wir Schildkröten eben – ruhig und besonnen!“
Etwas Weitsicht könnte auch euch Hasen nicht schaden, auch wenn der uns eigene Rundblick von euch kaum erwartet werden darf.“

„Pha, fünfzig Jahre, wie sollte ich auch können....“, murmelt der "Löffler".

Methusalem rückt etwas näher zum Hasen.
„Doch nicht jedes Jahr...... Aber dazu müsste man seiner Partnerin eben etwas bieten können. Vielleicht eine rechte Behausung, Herr Hase!
„So wie ich meiner Harriet! Denn, auch wenn bei uns Schildkröten ja jeder seine eigene Wohnung mitbringt, habe ich für Harriet ein gemütliches, kuscheliges Nest bereit gehalten.

„Dafür haben wir lange Gänge!“ kontert der Feldhase schnell.
„Ach, der ganze Nestbau wird doch einfach überbewertet – kaum sind sie eingezogen, gehen sie ja doch wieder. Ist doch jedes Jahr das Gleiche – und dafür hoppelt man ihnen nächtelang hinterher“. Missmutig bewegt der Hase seine „Blume“ hin und her.

„Aber, Herr Nachbar, was gibt es denn nun so Wichtiges, dass du mich erschrecken musstest, kaum war ich aufgewacht?“, fragt Hoppel mit einer gespielten Muffigkeit und seine Blume flacht sich dabei etwas ab. Doch die Schildkröte übersieht das signalisierte Interesse wie immer.

„Ich habe gestern unsere Behausung weiter ausgebaut“, erklärt die Schildkröte sichtlich stolz, „und Harriet war darüber auch sehr glücklich. Sie hat es mir ausgiebig gedankt, letzte Nacht.“

„Ja, das kann ich mir denken! Nachdem sie nun schon Jahrzehnte lang auf die vollständige Einrichtung warten musste, wird sie sich sicher gefreut haben.“
Der Hase überlegt etwas und fährt weiter fort:  „Ich frage mich bloss, warum man damit so zuwarten kann.“
„Warum richtet man sich nicht gerade zu Beginn vollständig ein, statt sich alle paar Jahre ein weiteres Stück anschaffen?“

„Wir Schildkröten haben Zeit“, erklärt Methusalem betont langsam.
„Wir haben eben eine sehr lange Perspektive. Bei uns muss nicht alles auf einmal sein. Wer sich nach und nach immer wieder etwas Neues zulegt, der hat immer wieder das Gefühl der Errungenschaft und des Fortschrittes, während die anderen ständig meinen, man würde sich ja nie etwas Neues leisten.“

Ja, ja, so seit ihr eben, ihr Schildkröten, langsam und träge!“, erwidert darauf der Hase.
„.... und sehr, sehr weise“, ergänzt die Schildkröte mit einem verschmitzten Lächeln.
® Copyright by Herr Oter  


Bildquelle: von Grey59 by pixelio.de / Nr. 506755



:)

Donnerstag, 16. Mai 2013

Summ mir das Lied vom Tod




Bienen
wo sind sie geblieben

 
Goldene Rapsfelder zwischen frischgepflügten Feldern, prachtvoll blühende Obstbäume, farbenfrohe Gärten und saftgrüne Wiesen übersät mit gelben Löwenzahnblüten – so präsentiert sich endlich auch heuer der langersehnte Frühling. Nur vermisse ich in diesem Jahr leider viel zu oft den dazu perfektpassenden „blauen Himmel mit weissen Wölkchen“ und die wärmende Sonne.


Ich frage mich, ob auch die Bienen darunter leiden? Denn wie mir scheint, sehe ich sie in diesem Frühjahr viel seltener mit ihrem sprichwörtlichen Fleiss von Blüte zu Blüte schwirren.
Dabei muss so eine „Nektarsammlerin“ wirklich emsig sein, denn für die ca. 15 Gramm Honig, die man auf ein Honigbrötchen streicht, ist eine Biene etwa 2000 Kilometer unterwegs und für ein Glas voll Honig muss eine „Imme“  (alter Imkerbegriff) ganze 75'000 Kilometer – also fast zweimal um die Erde – fliegen.

Doch, ist am Fehlen der Bienen wirklich nur die Wetterlage schuld?
Oder wird das weltweite, stille Sterben der Bienenvölker – nebst den erhöhten Winterverlusten durch den starken Befall mit Varroa-Milben oder durch die Infektionen mit Viren – auch durch eine parasitäre Fliegenart namens Apocephalus borealis mitverursacht? Die Forschung wird es herausfinden.

Jedoch nicht ganz unschuldig am immensen Bienensterben dürfte auch unsere extensive Landwirtschaft sein!
Denn in der Schweiz werden, nicht zuletzt auch in privaten Gärten und Grünanlagen rund 2'000 Tonnen Pestizide eingesetzt.
Darum plant die EU und das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft, vorläufig drei Bienenkiller-Pestizide auf Raps-, Mais-, Sonnenblumen- und Baumwollkulturen für zwei Jahre zu suspendieren.
Ein wichtiger, erster Schritt zum Schutz der gefährdeten Bienen.

Bildquelle: Grace Winter  / pixelio.de / 366174


Auch wenn die Honigbienen nicht die einzigen, wichtigen „Bestäuber“ von verschiedenen Früchten und Samen sind – wilde Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Fliegen oder winzige Mücken sind da effizienter – ist der domestizierte Honigsammler  doch für eine reiche Ernte wichtig.
35% der weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängt von bestäubenden Insekten ab. Von 100 Kulturpflanzen, die 90% der gesamten Nahrungsmittelproduktion bedeuten, werden 71 von Bienen bestäubt und ca. 4000 in Europa angebaute Gemüsesorten gibt es nur dank der fleissiger Bienen.

Es bleibt also zu hoffen, dass weitere Schritte zum Schutz der Insekten getan werden, denn hinter einer Biene steckt eben mehr als eine „Maya“ oder ein Honigbrötchen.

©® Copyright by Herr Oter


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Samstag, 11. Mai 2013




SelbstverwirklICHung

oder

SelbstverWIRklichung


Ich bin für 
SelbstverWIRklICHung



dazu noch ein Zitat:

Wer sich verwirklichen will,
muss sich nicht nur von Fremdbestimmung, 
sondern auch von Selbsttäuschung befreien.
© Ernst Reinhardt (*1932), 
Dr. phil., Schweizer Publizist und Aphoristiker
Quelle: »Gedankensprünge«, Aphorismen, 
Friedrich Reinhardt Verlag, Basel, 2003



 übrigens:
Selbstverwirklichung beinhaltete viel:
 
Ich
Wir
Selbst
Wirklich
Verwirklichun



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Donnerstag, 9. Mai 2013

In den höchsten Tönen






In den höchsten Tönen schwärmen, das können viele, doch nicht immer alle mögen das hören.
Nicht so die „Grosse Wachsmotte“.
Sie kann Töne mit einer Frequenz von bis zu 300 Kilohertz empfangen – der höchste Wert, der bislang im Tierreich gemessen wurde. Da kann nicht einmal die Fledermaus, die diese Motten bei der Jagd mittels Ultraschall ortet, mithalten. Ihre Töne reichen nämlich nur bis 212 Kilohertz.
Im Vergleich, die Obergrenze des menschlichen Hörvermögens liegt gerade mal bei 18 bis 20 Kilohertz.
Dabei ist das Gehör der Wachsmotte äusserst einfach aufgebaut: Eine schwingende Membran und nur vier Hörzellen. Während beim Menschen das Aussenohr, das Mittelohr – mit Trommelfell, Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel – und dem Innenohr mit seinen zehntausenden Haarzellen eine hohe Komplexität erreicht.

Wer ist nun dieser aussergewöhnliche Hörkünstler?
Die „Grosse Wachsmotte“ (Galleria mellonella) ist laut Wikipedia ein nachtaktiver Kleinschmetterling mit einer Flügelspannweite von 20 bis 40 Millimeter. Sie ernährt sich vor allem von Pollenresten und Bienenwachs und die Weibchen legen darum ihre Eier in Bienenstöcken ab.
Viele haben jedoch nicht so ein „süsses“ Leben, denn die „ Grosse Wachsmotte“ wird gerne als Versuchstier in vielen Labors und Forschungsinstituten gehalten und bei Fischern wird die Raupe gerne als Lebendköder verwendet.


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Dienstag, 7. Mai 2013






Das A und O
eines erfolgreichen Blogs sind dessen Einträge



Was meine obige Aussage bedeutet, weiss jeder und bestrittet wird sie vermutlich auch von niemandem.
Aber vielleicht fragt sich jemand, wo diese Redewendung ihren Ursprung hat.

„Das A und O“
stammt aus dem Griechischen und die Wendung bedeutet wörtlich
„der Anfang und das Ende“.
Denn das A (Alpha) ist der erste und das O (Omega) der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets.

Bereits in der Bibel wir das „A und O“ verwendet, um die Allmacht Gottes darzustellen.
So heisst es z.B. in den Offenbarungen des Johannes, Kapitel 1, Vers 8:
"Ich bin das A und das O (Ω), der Anfang und das Ende, spricht der Herr, der da ist, der da war und der da kommt, der Allmächtige."

Übrigens haben auch unsere Buchstaben eine sehr interessante Entwicklungsgeschichte.
So entwickelte sich unser Lateinisches A aus dem ägyptischen Zeichen für einen Ochsenkopf und das heutige O aus dem proto-semitischen Auge.

Siehe dazu die Entwicklung des "A" und "O" in Wikipedia.


:)

Samstag, 4. Mai 2013

Mehr als nur ein Google-Reader-Ersatz






Am 1. Juli wird der Google-Reader-Dienst eingestellt.


 (Ich habe HIER darüber bereits geschrieben)

 
Diese Ankündigung war für mich anfangs ein kleiner Schock.
Denn mit diesem nützlichen Dienst kann ich alle meine „verfolgten“ Blog's und die viele RSS/Atom-Feeds, also Neuigkeiten von Medien-, Informations- und Fachseiten, übersichtlich gruppiert, auf einer Webseite schnell und einfach anzeigen lassen und durchsehen. Ist ein „feed“ interessant, lässt sich die entsprechende Web-Seite mit einem Klick öffnen. Die „feeds“ werden danach als gelesen „abbucht“ oder für spätere Verwendungen gespeichert.

Weil dieser Dienst für mich wichtig ist, musste ein guter Ersatz her.
Inzwischen habe ich mich für Feedly von DevHD entschieden.


Feedly ist kostenlos und läuft via Browser (Firefox/Chrome usw) auf dem MAC/PC und ist auch mobile für alle IOS-Geräte, Android und den Kindle nutzbar. Das war mir wichtig, damit ich den Dienst, automatisch aktualisiert, auf allen meinen Geräten immer und überall nutzen kann.
Die Übernahme der Google-Reader-Abonnements ist sehr einfach und schnell vollzogen. Es ist nicht einmal erforderlich, ein neues Konto anzulegen.
Feedly empfängt uns mit einer aufgeräumten, schicken und einfachen Oberfläche, auf der man sich sofort zurechtfindet. Sie bietet alles (und viele Extras mehr) was den Google-Reader so „unverzichtbar“ für mich gemacht hat.
Zusätzlich zu den genannten Daten-Quellen (wie Blogger/Wordpress, RSS, Websites) ist Feedly auch für postings von Twitter, FB, Delicious, YouTube, Amazon usw. empfänglich.

Feedly ist übersichtlich gestaltet und bietet viele persönliche Anpassungsmöglichkeiten. So zum Beispiel fünf verschiedene „feed“-Ansichten, ein ausbaubares Ordnersystem, Saved for later, „tagging“ und vieles mehr. Besonders nützlich ist, dass die Posts mit verschiedenen Varianten von „Wisch-Bewegungen“ alsgelesen“ oder „ungelesen“ markiert werden können.

Fazit: Feedly ist nach einer kurzen Umstellungs- und Eingewöhnungszeit (nicht zuletzt wegen der vielen nützlichen Extras), mehr als nur ein ebenbürtiger Ersatz!
Feedly ist schnell den eigenen Wünschen und Gewohnheiten angepasst und zeigt durch die vielfältigen Einstellungen immer das Richtige und Wichtigste. Gerade diese vielen, kleinen Hilfen sind es, die man am Anfang aber etwas ausprobieren muss. Doch, wenn man sie einige Zeit genutzt hat, merkt man, wie hilfreich sie im Alltag sein können.

(Link zu Webseite: Feedly)



:) 

Donnerstag, 2. Mai 2013

London-Erinnerung I






Natürlich waren sie ständig wieder da – die Erinnerungen und Bilder von damals. 
 
London 1976

Gerade mal zwanzig Jahre alt, wohnte ich zusammen mit La Perla, während gut sechs Monaten in dieser 8 Millionen Metropole. Eine recht abenteuerliche Zeit für zwei, die in kleinen Bergdörfern aufgewachsen waren.

Wunderliches und „Aufregendes“ fanden wir dort vor. Schuhe mit 15 cm hohen Absätzen und Hot Pants, deren ausgefranste Ränder die Gesäßbacken auch nicht richtig zu bedecken vermochten. Die aufkommenden Punks mit ihren Sicherheits-Nadeln in den Wangen und dann wir sahen die ersten „skandalösen“ Auftritte der „Sex Pistols“, einer Punkband, die mit ihren „obszönen“ Auftritten sogar die Engländer schockierten.
Deswegen sah ich, mit meinem schulterlangen Haar und dem dort „veralteten“ Hippie-Style, neben den aktuellen Punks mit ihrem rot-grünen Kamm zwischen zwei glatt rasierten Kopfhälften und den „genagelten“ Lederjacken, bereits damals schon – „sehr alt“ aus.

Doch 37 Jahre später, bei meinem letzten Londonbesuch vor ein paar Wochen, war ich wieder voll dabei.
Denn auf dem „Piccadilly Circus“, dem Platz der Welt-Jugend von damals, sassen nun vor allem Touristen in meinem Alter um den altehrwürdigen Erosbrunnen herum. Dabei schwelgten sie, mit einer kleinen Träne im Auge, im vergangenen Spirit von damals, denn der Platz hat nach dem Umbau vor ein paar Jahren, jegliches Flair verloren. Auch in der „Carnaby Street“ – mit dem früheren Charme seiner kleinen Designer-Boutiquen, in deren Schaufenstern damals die verrücktesten Kleider und ausgefallensten Schuhe der Welt zu bestaunen waren – mussten inzwischen alle von damals, mit einer Ausnahme, dem Einerlei der mondänen Verkaufsstellen grosser Labels, mit ihren überteuerten und überall gleichen Auslagen, weichen.
Nur an den beiden Enden der heutigen Touristenstrasse trotzen – Grenadier Guards“ gleich – das Pub „Shakespeares Head“ und das altehrwürdige Kaufhaus „Liberty’s“, noch immer der modernen Zeit.
Aber auch am Hyde Park Corner tut kaum noch jemand engagiert und vehement wie damals, seine freie Meinung kund, denn vermutlich haben Twitter und Co, die schmalen Rednerpulte inzwischen endgültig abgelöst. Aber ob das „Gezwitscher“ genau so lustig ist......?

Man darf sich sicher etwas den „wehmütig“ Erinnerungen hingeben, aber natürlich kann man nicht vergleichen. Denn überall hat sich im Laufe der Jahre ja vieles verändert und oft doch auch zum Guten.
So sind die Londoner allgemein viel, viel freundlicher geworden und die Sauberkeit auf den Strassen, Plätzen und Parks hat sich sehr stark verbessert. Verwahrloste, „Drögeler“ und Bettler sieht man kaum noch und aufdringliche Strassenhändler, wie es sie in Rom zuhauf gibt, hat es keine. Die damals verhassten und unterprivilegierten „Schwarzen“ sind heute völlig integriert und akzeptiert und in jeder Position anzutreffen.
Auch die typischen, schwarzen Taxis haben sich der Zeit etwas angepasst und manche sind origineller und farbiger geworden – gerade die haben mir zum Teil besonders gefallen. Die jungen Leute sind inzwischen zwar zu anderen Treffpunkten der Welt weitergezogen, aber erstaunlich viele alte, bereits totgesagte, rote Telefonkabinen stehen noch immer dort.
Das weltbekannte „Mind the gap“ gehört auch nicht mehr typischerweise zur Geräuschkulisse jeder Underground-Station – genauso wie der schwarze Regenschirm nicht mehr zwingend zu jedem Londoner gehört. Dafür ist nun jede Tube-Station der grössten und ältesten U-Bahn der Welt sauber, hell und freundlich. Die modernen Busse sind aber noch immer rot, nur haben sie nun auch, wie überall auf der Welt, einen Ein- und einen Ausstieg mit automatischen Türen, die verhindern, dass man beim Rotlicht oder bei langsamer Fahrt spontan Aus- oder Einsteigen kann – denn warum sollten die (nicht mehr) so „versnobten“ Londoner da noch eine Ausnahme machen. Dafür sind die Busse jetzt moderner, leiser, umweltfreundlicher und fahren auch für die Fahrgäste etwas „schonender“.




Und doch, den legendären, roten Doppeldecker-Bus, the Routemaster, mit dem einen, türlosen, hinteren Einstieg und dem dort angebrachten, auffällig knallgelben Haltegriff-Stange, habe ich dennoch gefunden. Denn er knattert noch immer zu laut, aber zuverlässig auf zwei bestimmten „Heritage Routen“ von Haltestelle zu Haltestelle und wirft mit seinem harten Gangwechsel und den abrupten Bremsmanövern, wie früher, die illusteren Fahrgäste beinahe von den Sitzbänken. Doch man darf noch immer zu- und aussteigen, wann man will und das habe ich natürlich mit heller Freude auch mehrmals getan.
Nur, statt der oft etwas älteren, schwarzen, meist „gewichtigen“ Frau mit dem typisch „losen“ Mundwerk der damaligen „Bus conductors“, begrüsst einem heutzutage eine junge, zierliche, hellhäutige „customer hosts“ mit einem freundlichen Lächeln und ohne die gelächterheischenden Sprüche. Doch auch die alte Schaffnertasche mit dem „Coin dispenser“ – hierzulande nennt man sie Münzwechsler oder auch Galoppwechsler und mit dem typischen „klack-klack-klack“ des Hebelmechanismus allen Älteren vertraut – musste der modernen, elektronischen „Oyster card“ endgültig Platz machen. 



Conductor´s bag with a coin dispenser 
(Schaffnertasche mit Münzmagazin, umgangssprachlich Galoppwechsler)
Bild-Lizens by: LosHawlos / Bild-Quelle: Wikimedia Commons

 
Aber noch mehr vermisst habe ich das vertraute „Fares please, enoyne fair please“ des Kondukteurs, das er früher nach jedem Halt einige Mal durch den Wagen gerufen hat und damit die Fahrgäste aufforderte, den Fahrpreis ohne zu schummeln zu bezahlen.
Genau so verstummt ist auch das „Gling“ für den nächsten Halt oder das „Gling-Gling“, mit dem die Bussführerin dem Fahrer Bescheid zur Abfahrt gab. Das Seil durch den Bus ist zwar noch vorhanden, aber es wird nun mittels Knopfdruck ein optisches Signal zum Fahrer gegeben. Auch die alten, oft undichten Kurbelfenster wurden durch Klappfenster ersetzt – doch kurz vor der Endstation kommt noch immer der „conductor“ im Oberdeck nach vorne und kurbelt an der Anzeige die neue Endhaltestelle nach oben.

Trotz all diesen Veränderungen, bin ich gerne über eine Stunde lang im legendären Londoner-Bus auf der Heritage Route 15 gefahren. Vorbei an vielen alten Sehenswürdigkeiten und modernsten Wolkenkratzern, aber in Gedanken doch oft Jahrzehnte zurück. So kam mir beispielsweise wieder in den Sinn, als wir mit unserer betagten Landlady gemeinsam den Portobello-Road-Market besuchten. Ein seltenes Erlebnis der besonderen Art, aber davon erzähle ich mehr ein anders Mal.




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