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Freitag, 8. Februar 2008




Stinkt der
Banken-Datenschutz schon zum Himmel
oder nur nach Hundekot


Der Brief, den Eva Herre vor einigen Tagen aus dem Postkasten fischte, stinkt mehr zum Himmel als ein Hundehaufen.
Mehrfach musste- gemäss der Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung - die 34-Jährige das Schreiben einer Filiale der Volksbank lesen, bis sie ihren Augen trauen konnte:
"Sehr geehrte Frau Herre", steht darin geschrieben, "aufgrund der Videoüberwachung in unserer Filiale konnten wir feststellen, dass es resultierend aus Ihrem Besuch unseres Geldautomatenbereichs zu einer fäkalen Verunreinigung kam. Wir bitten Sie daher, für die entstandenen Reinigungskosten aufzukommen."
Dem Brief war eine Handwerkerrechnung über 52,96 Euro für eine Stunde Arbeitszeit Meister/Obermonteur" beigelegt. Zahlbar innerhalb von 14 Tagen.
Bereits am 12. Dezember soll sich, nach Angaben von Eva Herre, folgende Begebenheit im Bancomaten-Raum der Stuttgarter Volksbank-Filiale in Degerloch abgespielt haben:
Die zweifache Mutter war an diesem Tag, kurz vor einem Arzttermin ihres dreieinhalbjährigen Töchterchen Matilda dort, um Geld abzuheben. Beim Versorgen der Geldscheine, habe sie bemerkt, dass ihre Tochter in der Bank schmutzige Fussspuren auf dem Steinboden hinterlassen habe. Die Kleine war, wie sich später herausstellte, kurz zuvor in einen Hundehaufen vor der Bank getreten. Sie habe sich daraufhin, auch um nicht noch mehr Dreck zu machen, zuerst beim nächstgelegenen Drogeriemarkt eine Packung Feuchttücher besorgt und das Kind auf der Strasse notdürftig gesäubert. Dann sei sie nach Hause gerast, um die Tochter vor dem anstehenden Arztbesuch noch schnell umzuziehen. Zwar hätte sie auch noch an einem der Bankschalter Bescheid sagen wollen, es aber in der Hektik dann doch vergessen.
Durch das prompte Auswerten des Videomaterials der Sicherheitskameras, hatte die Bank danach festgestellt, dass die Tochter der Betroffenen, Reste eines Hundehäufchens am Schuh mitgeführt haben musste. Schnell waren die persönlichen Daten der Mutter durch das Abheben des Geldes am Automaten ausgeforscht, der Boden gereinigt und die Rechnung verschickt.
Eva Herre ist sich klar darüber, dass es korrekt gewesen wäre, wenn sie in der Bank Bescheid gegeben hätte. Aber sie ärgert sich trotzdem wahnsinnig, über die Art und Weise, wie mit Kunden umgegangen wird.
Sie meint, das mindeste wäre doch gewesen, wenn man vorher angerufen hätte, um das Ganze in einem persönlichen Gespräch zu klären.
Inzwischen ist in Deutschland eine grosse Diskussion über den gläsernen Menschen, die Handhabung von Bankdaten, den Datenschutz und Hundekot entstanden. Die zuständige Aufsichtsbehörde im Innenministerium des Landes klärt ab, ob das Vorgehen der Bank bei diesem Vorfall richtig war, denn grundsätzlich sei die Auswertung der Videoüberwachung nur bei Straftaten gestattet, was hier sicher nicht der Fall gewesen sei. Ausserdem sei es fraglich, ob die Bank ihre Kundendaten habe durchsehen dürfen, um den Namen und die Adresse der Kundin zu ermitteln.
Die Bank ist sich keiner Rechtsverletzung bewusst und hält ihr Vorgehen für angemessen, da es schon mehrfach zu Vandalenakten gekommen sei. Zudem hält die Bank im Nachhinein fest, dass das dreijährige Kind seine Notdurft im Foyer verrichtet habe und die Kundin dies zudem auch bemerkt hätte, wie auf den Videoaufzeichnungen klar zu sehen sei.
Auch bedauert die Bank die "Eskalation im Falle der Verunreinigung ihrer Filiale in Degerloch" und kündigte eine "gütliche Einigung mit der Kundin" an.
Wenn es denn so war, sieht die Sache etwas anders aus und trotzdem finde ich, die Erhebung, Vernetzung und Auswertung von Daten und Aufzeichnungen, gerät für alle in einen sehr heiklen Bereich. Was zum Schutz gedacht war, gerät leicht in den Bereich der Spionage und der Repression. Wir müssen aufpassen, dass Videoüberwachung und Bankdaten nicht zur Ermittlung einer Verschmutzung am Boden missbraucht wird.
Sonst stinkt unser Datenschutz bald zum Himmel, auch ohne Kot.

©/® Copyright by Herr Oter




:-¦

1 Kommentar :

spirit of emotions hat gesagt…

Ich denke nicht, dass ich bei dieser Bank noch lange Kunde bleiben würde.