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Freitag, 16. Januar 2015

Der Marsch – ein Filmtipp





Der Marsch – ein Filmtipp zum Thema: Flüchtlinge


Flüchtlinge, ein beherrschendes Thema in unserer Zeit.
Die Schlagzeilen dazu sind abscheulich, die Bilder sind aufwühlend und die Meldungen machen mich betroffen!

Zum Beispiel am 31. 12. 2014:
Während wir uns auf den Jahreswechsel im feinen Ambiente vorbereiten, liesst man:
Geisterschiff "Blue Sky M":
Im Mittelmeer kann die italienische Küstenwache am Vormittag ein führerloses Schiff, acht Kilometer vor der Küste der Region Apulien stoppen und damit eine lebensgefährliche Kollision mit den Felsen verhindern. Das Schiff war vom türkischen Hafen Mersin in der Nähe der syrischen Grenze gestartet. Die Flüchtlings-Schleuser hatten  das vierzigjährige Frachtschiff unter Moldauischer Flagge vor der Küste verlassen und führerlos dem Schicksal überlassen.
Darin hockten 768 syrische Flüchtlinge – Frauen, Männer, Kinder – wie Vieh zusammengepfercht auf dem nackten Boden. Waschgelegenheiten sieht man keine, genau so wie Toiletten die ihren Namen verdienten. Wie eine Überfahrt unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen vonstatten geht, lässt sich nicht einmal erahnen.

Zwei Tage später, am 02.01.2015:
Geisterfrachter "Ezadeen"
360 syrische Flüchtlinge (232 Männer, 54 Frauen, 74 Kinder) treiben in Seenot in einem 73 Meter langen, führerlosen Viehtransporter bei rauer See vor der italienischen Küste Der rund 50 Jahre alte Rost-Kahn ist manövrierunfähig und hat weder Treibstoff noch Elektrizität. Auch hier sind die Verhältnisse auf dem Schiff katastrophal, wie Bilder zeigen. 


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Nun werden Menschen also bereits in alten, verrosteten Vieh-Containern zu uns verschifft; und das wird sich bestimmt noch ausweiten. Gerade jetzt, wo die syrischen Nachbarländer (z.B. der Libanon mit einem Flüchtlingsanteil von über 20%) die Einreise und den Aufenthalt erschweren.

Menschenschmuggel auf Geisterschiffen als "einen neuen Grad der Grausamkeit" der Schleuserbanden! Menschenunwürdiger geht es fast nicht mehr. Zudem - hatten wir ähnliches nicht schon einmal mit Viehwagons auf Geleisen….?

Der einzige Vorteil dieses "neuen Geschäftsmodells" ist, dass die Überfahrt im Frachter bei schlechtem Wetter etwas sicherer ist, als in den kleinen Fischer- und Schlauchbooten. Denn diese Boote sinken oft, weil sie heillos überfüllt sind oder weil sie durch die Schmuggler gezielt beschädigt werden. Auch werden die Flüchtlinge manchmal zum Sprung ins kalte Wasser gezwungen, um die italienische Marine zum Eingreifen zu erpressen.


Allein im letzten Jahr (2014) ertranken bei der Überfahrt 3419 Menschen von den rund 207’000 Flüchtlingen, die versuchten über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. In den letzten, knapp 30 Jahren waren es nach UN-Angaben sogar 21'344 Menschen, die auf ihrer Flucht übers Mittelmeer ihr Leben verloren haben.
Das ist eine mittelgrosse Schweizer Stadt!
Dabei handelt es sich um „offizielle“ Zahlen. Aber gerade im dunklen Schlepper-Geschäft, sind die Zahlen wahrscheinlich viel höher, denn diese Machenschaften sind sehr einträglich. So bezahlen diese Flüchtlinge den internationalen Schleppern zwischen 5000 und 8000 Dollar für die Überfahrt im ausrangierten Viehcontainer. Ein Millionengeschäft! Das bringt mehr ein, als Vieh zu transportieren und deshalb ist der Flüchtlingstransport auch für grosse kriminelle Organisationen sehr rentabel.


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Was müsste man dagegen tun?
Ich meine, dass die Weltgemeinschaft diese enormen Flüchtlingsbewegungen nicht einfach den benachbarten Ländern überlassen kann. Das sind doch meistens selber Entwicklungsländer mit ärmsten Verhältnissen und desolaten, wirtschaftlichen Zuständen. Trotzdem leisten diese sogenannten „Zufluchts-Länder“ bereits jetzt enorm viel im Flüchtlingswesen:
Denn 2013 befanden sich weltweit fast 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht.
Das heisst, ganz Spanien auf der Flucht - oder mehr als die Hälfte der Einwohner von Deutschland oder sechs mal mehr, als die ganze Schweiz Einwohner zählt!

33,3 Millionen davon sind sogenannte "Binnenvertriebene".

Sie fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, ohne dabei internationale Landesgrenzen zu überschreiten. Die Länder mit den meisten "Binnenvertriebenen" sind:
Syrien (6,5 Mio.) - Kolumbien (5,3 Mio.) - DR Kongo (2,9 Mio.) - Sudan (1,8 Mio.) - Somalia (1,1 Mio.)

16,7 Millionen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge, denn sie verlassen den eigenen Staat. Die grössten Herkunftsländer von Flüchtlingen sind: Afghanistan (2,5 Mio.) - Syrien (2,4 Mio.) - Somalia (1,1 Mio.) - Sudan (649’300) -

DR Kongo (499’500)

Neun von zehn dieser Flüchtlinge (86 %) leben in benachbarten Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich von einem, in ein angrenzendes Nachbarland fliehen. Die fünf grössten Aufnahmeländer von Flüchtlingen sind: Pakistan (mit 1,6 Mio.) - Iran (857’400) - Libanon (856’500) - Jordanien (641’900) - Türkei (609’900)
Zum Vergleich: in Deutschland lebten Ende 2013 : 334’857 und in der Schweiz 74’673 Flüchtlinge. Europa nimmt also vergleichsweise wenige Flüchtlinge auf.

Bei rund 16 Mio., dieser 51.2 Mio., die weltweit auf der Flucht sind, spricht die UNO von Menschen, die auf lange Sicht nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren können und auf Gastländer für immer angewiesen sein werden.

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Ich meine, dass bei diesen eindrücklichen Zahlen von 2013, die im letzten Jahr noch um einiges angestiegen sind, die Weltgemeinschaft und insbesondere auch die reichen Industriestaaten mehr für diese Flüchtlinge tun müssen. Es kann doch nicht sein, dass wir zusehen wie sich das Flüchtlingsdrama täglich verschlimmert.

Die grauenhaften Auseinandersetzungen können wir scheinbar nicht stoppen, das haben die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt.
Kriege, religiöse und rassistische Verfolgungen, Folter, Vergewaltigungen oder drohende Todesstrafen zwingen darum Millionen von Menschen ihre Heimat zu verlassen. Ist das nicht irgendwie verständlich, würden wir nicht gleich handeln?
 

Darum braucht es einfach bedeutend grössere, wirtschaftliche Hilfen für die umliegenden Aufnahmeländer, damit diese enormen Flüchtlingsströme dort zurückgehalten werden könnten. Denn was macht es für einen Sinn, dass diese Menschen zu Hunderttausenden einen teuren und lebensgefährlichen Weg auf sich nehmen, um hier dann äusserst kostspielig untergebracht werden zu können? 
Mit diesen enormen finanziellen Mitteln, die hier für die Flüchtlinge eingesetzt werden müssen, könnte in den angrenzenden Staaten ein Vielfaches bewirkt werden. Dadurch könnte man auch sehr viel mehr Flüchtlingen helfen und ihre Lage verbessern. Zudem sind das nebenbei gute Investitionen in wirtschaftlich arme Gebiete – eine sinnvolle Art der Entwicklungshilfe. Natürlich müsste dieser Geldfluss, sowie die Organisation und der Betrieb dieser Flüchtlingscamp durch erfahrene, westliche Helfer überwacht und kontrolliert werden – genauso wie hier auch.

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Nicht als Flüchtlinge definiert werden Personen die auf Grund von Hunger, Armut, Umweltkatastrophen, fehlender Lebensperspektiven oder aus wirtschaftlichen Gründen  ihre Heimat verlassen. Das sind ebenfalls Hunderttausende, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft einen Weg in die „reichen“, verheissungsvollen Staaten suchen. Etwas, das viele Schweizer vor erst gut 100 Jahren genau so taten. Denn zwischen 1850 und 1914 verliessen rund 400’000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger ihre Heimat auf der Suche nach einer „besseren Welt“ in Übersee. Das war immerhin ein Achtel der kleinen, damaligen Schweiz mit 3.2 Mio. Einwohnern.

Aber genau wie damals, verlässt auch heute noch kaum jemand seine Heimat, seine Familie und Freunde ohne persönliche oder materielle Not. Daran sind auch wir Schuld!

Denn wir lassen Menschen in der Dritten Welt wie Sklaven für uns schuften und wundern uns dann, wenn sie als Flüchtlinge zu uns kommen wollen, um es auch besser zu haben. 
Aber dagegen kann man aus meiner Sicht leicht etwas tun:
Wir bezahlen einfach einen „anständigen“ Preis für unsere Luxusgüter! - das wäre die beste, fairste und vernünftigste Entwicklungshilfe.

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Vor bald 15 Jahren habe ich zu diesem Thema einen interessanten Spielfilm gesehen, den ich seither nicht mehr vergessen habe:
Der Marsch
ein britisches Fernseh-Drama aus dem Jahr 1990.
Diese Literaturverfilmung des Regisseurs David Wheatley basiert auf einem Roman von William Nicholson über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern.
Drastisch wird darin dargestellt, wie die Masse der Ohnmächtigen keine andere Macht mehr besitzt als die, vor unseren Augen zu sterben. Ihre Botschaft ist dabei unmissverständlich: „Wir sind arm, weil ihr reich seid. Jetzt kommen wir zu euch, damit ihr uns sterben seht.”

An die eindrücklichen Bilder dieses Spielfilms erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich von "Flüchtlingsströmen" höre. Leider hat sich die Problematik des Films in den letzten 15! Jahren überhaupt nicht verbessert – im Gegenteil. 

Ich empfehle darum (oder trotzdem) jedem, sich den Film: "Der Marsch" auf Youtube anzusehen. Ich finde, dass er dramatisch zeigt, was geschehen könnte, wenn die Industriestaaten und die westliche Welt nicht endlich begreifen, dass wir die Flüchtlings-Probleme vor Ort und sofort lösen müssen.




:(



Sonntag, 11. Januar 2015

Diese Frage muss erlaubt sein!





Diese Frage muss erlaubt sein!


Schreckliches ist in Frankreich passiert!
Am 7. Januar 2015 erschüttert ein fürchterliches Attentat auf die Redaktionsräume der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris ganz Europa. Die beiden islamistischen Attentäter richten dabei ein Blutbad an. Nach zwei Tagen auf der Flucht können die beiden Terroristen von der Polizei erschossen werden. Gleichzeitig nimmt ein weiteres Mitglied der Terrorzelle zahlreiche Geiseln in einem Supermarkt, nachdem er bereits tags zuvor eine Polizistin erschossen hatte. Bei der Geiselnahme werden weitere Personen erschossen. Nach einigen Stunden können die Geiseln, darunter auch Kinder, befreit und der Attentäter getötet werden.

Der Grund für diese Terrorwelle sind verschiedene, provokante Mohammed-Karikaturen, die in der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" seit 2006 regelmässig veröffentlicht wurden. Auch eine Comic-Biographie von Mohammed (La Vie De Mahomet) wurde in muslimischen Ländern als Provokation empfunden. Oft wurden diese Veröffentlichungen auch absichtlich zu einem Zeitpunkt gemacht, als die Stimmung in islamischen Ländern bereits durch andere, islamfeindliche Ereignisse oder Darstellungen mächtig aufgeheizt war.
Verschiedentlich wurde die Zeitschrift seither aus islamischen Kreisen bedroht. Im November 2011 wurde, nach dem Abdruck einer Karikatur Mohammeds auf der damals aktuellen Titelseite, ein Brandanschlag auf die neu bezogenen Redaktionsräume verübt. Im März 2013 wurde Chefredakteur Charbonnier «tot oder lebendig wegen Verbrechen gegen den Islam» „zur Fahndung“ ausgeschrieben.
Auch die französische Regierung kritisierte „Charlie Hebdo“ mehrmals für diese Karikaturen oder für den Zeitpunkt deren Veröffentlichung.

Das Magazin verteidigte stets die Veröffentlichung der Karikaturen. Die Zeichnungen würden nur diejenigen schockieren, die schockiert sein wollten. Man verwies stets auf die Rede- und Pressefreiheit und proklamierte, wie ihr deutscher Berufskollege Kurt Tucholsky: «Satire darf alles»


Darf Satire wirklich alles?


Die Diskussion um Pressefreiheit und mögliche Grenzen für Satire ist nach dem fürchterlichen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in vollem Gange.
Bereits wenige Stunden nach dem Terroranschlag hat die eidgenössische Medienministerin, Bundesrätin Doris Leuthard, auf Twitter die Gewalttat zwar mit ganz klaren Worten verurteilte, hielt gleichzeitig aber auch fest: «Satire ist kein Freipass». Für diese Aussage wurde sie daraufhin heftig kritisiert.
«Die Pressefreiheit ist unantastbar», sagt auch der Soziologe Kurt Imhof. Aber es gäbe eine moralisch-ethische Grenze. «Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch gut»
Weiter führt Kurt Imhof in einem Interview bei SRF-News  sinngemäss aus:
Ursprung dieser umstrittenen Mohammed-Karikaturen ist die rechtskonservative dänische Zeitung „Jyllands-Posten“. Sie veröffentlichte die Zeichnungen ganz bewusst als anti-muslimische Aktion. Diese Bilder, sowie jene, welche «"Charlie Hebdo"» 2011 und 2012 selber machte, waren ganz einfach nicht lustig. Dass man die symbolischen Figuren von Religionsführern nackt oder mit Gegenständen im Anus zeigen sollte, halte ich weder für witzig noch für zielführend. Das ist eine Beleidigung von vielen gläubigen Menschen. Das gilt für alle Religionen.
Gleicher Meinung ist auch Islamwissenschaftler Frank Peter. Er plädiert für eine Mässigung in der diffamierenden Kritik am Islam; insbesondere in Bezug auf die Blasphemie in der Satire, unter der auch andere Religionen zu leiden hätten.
Er meint sogar in einem Artikel der Berner Zeitung: «Das Recht auf Meinungsfreiheit gilt nicht absolut»
Auch das Schweizer Satiremagazin „Nebelspalter“ distanziert sich vom «Tabubruch zum Selbstzweck». So wird Marco Ratschiller im Tagesanzeiger folgendermassen zitiert: «Satire ist nicht das beste Mittel der Stunde, um die Medienfreiheit hochzuhalten.» Zu den kritisierten Karikaturen im "Charlie Hebdo" meint er: «Das ist nicht unser Satire-Verständnis.»

Eine In­fra­ge­stel­lung der Satire als grenzenloses Mittel zu einem Religionsstreit ist aus meiner Sicht angebracht. Ich bin der Meinung, dass Satire aus moralischen und ethischen Gründen nicht alles darf! Ansonsten hat sie allein die Folgen zu tragen - was jedoch kaum realistisch ist, wie das Massaker mit vielen Unschuldigen und Unbeteiligten in Paris zeigt.
So halte ich zum Beispiel die schamlose Verunglimpfung der Muslime in der Koran-Kritik des Kolumnisten Andreas Thiel (er nennt sich selbst «anarchistisch orientierter» Satiriker) in der Weltwoche nicht für zielführend. Er macht darin den Koran für Krieg, Gewalt und Unterdrückung verantwortlich. Die Bezeichnung des Propheten Mohammed als «Sklaventreiber“, „Kinderschänder“ und „Massenmörder» unter dem Deckmantel der Satire halte ich schlicht und einfach für eine niederträchtige Hetz- und Hassschrift, die keinen Nutzen bringt. Ich meine, wer so mit dem Feuer spielt, der darf das zwar, muss sich aber nicht wundern, wenn es brennt.

Ich bin ganz klar der Ansicht, dass die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit nicht in Frage gestellt werden darf. Sie ist die wichtigste Errungenschaft der Französischen Revolution, ein Grundpfeiler unserer Demokratie und eines der kostbarsten Menschenrechte.
Aber in Anbetracht von 20 Toten, 15 schuldlosen Schwerverletzten, hunderten Verletzten, Traumatisierten und Trauernden und nach rund 50 Stunden Ausnahmezustand muss die Frage erlaubt sein — 


war es das wert?



Bild: Pixabay Lizenz: CC0 Public Domain


:((






Donnerstag, 8. Januar 2015

Wie ich das sehe







Ich bin gerne in der Natur – fast täglich laufe oder wandere ich oder ich treibe etwas Sport. Die Natur ist für mich Entspannung und Inspiration. Ich brauche die Sonne, genau so wie die frische Luft. Ich mag die Ruhe, das wechselnde Spiel der Farben und die Harmonie. Es scheint, dass in der Natur alles seinen Platz und seine Ordnung hat. Ausgewogenheit und Gleichgewicht – ein Dasein der verschiedensten Lebewesen, die im Laufe der Jahrmillionen zu einem einvernehmlichen Miteinander gefunden haben. Ein Kommen und Gehen, ein Werden und ein Sein im Ganzen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie perfekt diese Gemeinschaft geschaffen ist, trotz der Vielfalt und der Individualität des Einzelnen. Mich dünkt oft, das ist das Wirkliche, das Wesentliche und vielleicht auch, das „Göttliche“.

Doch, ist das nicht die Sicht eines Romantikers?
Wenn man genau hinsieht, dann sieht man die Realität.
Der Kampf ums Überleben. Das Ringen gegen das Gefressen werden. Die Rivalität um Besitz und Herrschaft. Die Fehde des Schwächeren gegen den Stärkeren. Die Ohnmacht des Kleineren gegenüber dem Grösseren. Der Krieg um Futter und Platz. Der Wettkampf ums Dasein.

Ist es nicht genau so auch bei uns Menschen?
Wenn man nicht genau hinsieht, dann könnte man annehmen, 
es wäre alles in bester Ordnung – wenigstens bei uns.
Recht und Ordnung sind ja da, Nahrung und Güter gibt es im Überfluss und eine Arbeit und einen Platz haben auch (fast) alle. Alles ist friedlich und sieht so ruhig und harmonisch aus, also keine Probleme weit und breit.
Aber wenn man genau hinsieht, dann sieht man auch hier die Realität.

Ich sehe gerne genau hin.
Ich nehme mir die Zeit, mich in die Natur zu setzten und zu beobachten, wie die Ameisen in Scharen über einen armen Wurm herfallen, der er sich im Todeskampf windet. Ich verfolge mit Interesse, wie die Molche den gesamten frischen Froschlaich im Tümpel auffressen, bevor die Kaulquappen schlüpften können. Ich schaue zu, wie das Rotwild sein Revier gegen Eindringlinge oder die Raben ihre Eier gegen einen Habicht verteidigen. Ich mache mir Gedanken darüber, das eine einzelne Pflanzensorte versucht, das gesamte Bachufer in Beschlag zu nehmen und die Übrigen beinahe verdrängt. Ich sehe auch, wie sich Schädlinge, Pilze und Bakterien der Natur zusetzen können und der Kampf der Elemente sein Übriges dazu beiträgt.

Genau so, sehe ich aber auch bei uns Menschen genau hin.
Ich beobachte mit Interesse meine Umwelt, die Politik, die Gesellschaft und die Kultur. Dazu lasse ich gerne meine Gedanken kreisen, habe Fragen und suche nach Antworten und bilde mir meine eigene Meinung. Das beschäftigt mich tagtäglich.

Bisher habe ich die tagesaktuellen Geschehnisse vor allem auf Twitter kommentiert und auch Meinungen anderer weiterverbreitet (retweeting). Aber 140 Zeichen genügen meistens nicht, um seiner Meinung und seinen Gedanken richtig freien Lauf zu lassen.
Darum werde ich meine Gedanken und Meinungen in Zukunft vermehrt hier in meinem Blog niederschreiben. So, wie es der ursprüngliche Gedanke des Blogs „Gedanken(k)reise“ eigentlich war: Meine Gedanken kreisen und reisen lassen.

Dass diese Gedanken, Ideen, Meinungen und Aussagen oft widersprüchlich, unrealistisch, provokativ, falsch, dumm oder ganz verkehrt sind, das ist für einen „Querdenker“ wie mich ganz selbstverständlich. Darum werden sie auch in der Rubrik „Wie ich das sehe“ zu finden sein.
Ich hoffe, es findet Euer Interesse.





;)

Montag, 5. Januar 2015

Schnee




 
Schnee

Vor einigen Tagen gab es bei uns wieder einmal richtig Schnee - so, wie schon lange nicht mehr. In der ersten Zeit, als Wege und Bäume noch dick mit dem flaumigen Weiss überzogen waren, wähnte man sich in einem Märchenland, so wunderschön zeigte sich die glitzernde Pracht im Sonnenschein. Mir hat dieser Anflug von „tiefem Winter“ richtig gefallen.
Inzwischen sind die Wiesen bereits wieder grün, die Bäume wieder schwarz, genau so, wie die geteerten Strassen. Die meisten Autofahrer werden froh darüber sein, denn während dem Schneetreiben zwischen Weihnachten und Neujahr, waren viele von ihnen mit dem glitschigen Weiss heillos überfordert. Die Zeitungen mit den grossen Buchstaben schrieben von „Schnee-Chaos“, „Winter-Inferno“ und, „nichts geht mehr bei der Bahn und auf der Strasse“ – und das wegen 20 - 30 cm Neuschnee.
Wie hat man das bloss früher gemacht?



«Ich erinnere mich dabei an meine Kindheit, als der Schnee so hoch lag, dass wir uns, ohne das Gartentürchen zu öffnen, über den Gartenzaun auf den Schulweg machen konnten. Hüfthoch stapften wir dann dem Eisenbahndamm entlang, bis wir auf eine gepflügte Strasse kamen.
Gepflügt wurde zu dieser Zeit noch mit einem Holzpflug und zwei bis vier Pferden. Zwei dicke, mit Eisen beschlagene Bretter wurden dabei keilförmig zusammengebracht und quer dazwischen mit einem breiten Balken versehen. Mit diesem verstellbaren Spreizbalken konnte die Breite des Keilpfluges je nach Strassenbreite verengt oder erweitert werden. Je weiter vorne der Balken eingesetzt wurde, desto breiter die gepflügte Spur. War zu viel Neuschnee gefallen, musste dann jeweils eine schmalere Spur genügen, damit die vorgespannten Pferdestärken ausreichten. Aber bei dem schwachen Verkehr im Winter von damals, war das kein Problem.
Auf dem Spreizbalken war ein breites Brett angebracht, auf dem drei oder vier Männer hockten, um dem Pflug das nötige Gewicht zu geben. Dabei hielten sie ihre Schneeschaufeln aus Holz senkrecht in die Höhe, um sie nötigenfalls zum Einsatz zu bringen. Das war eine gute Einnahmequelle für die zahlreichen Bauern in unserem Dorf, die früher viel unproduktive Zeit im Winter hatten. Einen dicken „Stumpen“ oder eine „es Pfiffli“ gehörte bei den Mannen natürlich auch dazu. An den Qualm kann ich mich noch gut erinnern, er schwebte danach noch für kurze Zeit in der Luft, genau so wie der penetrante Geruch der Pferde. Manchmal gab es unterwegs für die Männer auch etwas zu trinken, wenn sie einer älteren Frau den Hauszugang freischaufelten und vereinzelt durften wir Kinder sogar ein Stück mitfahren. Ja, man hatte zu jener Zeit noch viel mehr Zeit.
Diese Holzpflüge räumten natürlich nicht so sauber wie heute und so wurde die festgefahrene Schneedecke auf der Strasse immer dicker und spiegelglatt. Das Salzen der winterlichen Strassen war bei uns damals nicht üblich. Grosse und wichtige Wege wurden gekieselt. Bei breiten Strassen jedoch nur die beiden Seitenränder und bei Schmalen nur eine. Auch mit dem Kies ging man sparsam um, zu jener Zeit. Im Frühling übrigens, wurden die Steinchen dann wieder zusammengefegt, damit sie im nächsten Winter wieder eingesetzt werden konnten. Oft war der Kies auf dem Pferdeanhänger gefroren und musste mit dem Pickel zuerst gelöst werden, bevor er gestreut werden konnte.

Diese spiegelglatten Strassen waren für uns Kinder natürlich ein ideales Spielfeld. Im Stampfacker, dem Ortsteil in der Ebene, liess sich wunderbar Hockey spielen. Oben im „Tobel“, dort wo es besonders steil war, gab es eine dutzende Meter lange, eisige Rutschbahn, und in den „Bövel“, dem Hang über dem Dorf, liess sich am Mittwochnachmittag wunderbar Skifahren und Schanzenspringen. Ganz einfach: Schnee wurde gestampft, Schanze wurde aufgehäuft und dann konnte man dem Wintersport frönen – einfach ein langes Hinaufgestiegen, für eine sehr kurze Abfahrt – die Jugend damals war schon recht anspruchslos.

Unten und oben im Dorf verbindet die „Rüfigasse“. Sie wurde für die Fussgänger nur auf einer Seite schmal gekieselt. So wurde unser langer Schulweg hinauf ins Dorf zur perfekten Schlittenpiste; und sie gehörte dann ganz uns Kindern.
Autofahrer und Anwohner hatten Rücksicht auf die „Schlittler“ zu nehmen. So unglaublich es klingt: Es wurde weitgehend respektiert. Um ins Dorf zu gelangen, machten die wenigen Autofahrer einen kleinen Umweg über die parallel verlaufende, grössere Dorfstrasse. Auf der war das Schlitteln verboten und die spitzigen Steinchen wurden dort auch grosszügiger verteilt. Die Anwohner der „Rüfigasse“ fuhren dann auch meistens im Einbahnverkehr von oben nach unten. Aus Rücksicht auf uns „Schlittler“– und, damit sie keine Schneeketten montieren mussten um die Peinlichkeit eines steckengebliebenen, „spuhlenden“ Fahrzeugs zu vermeiden. Klar, es gab auch ein oder zwei AnwohnerInnen, die das laute Treiben der Dorfjugend störte. Die streuten dann nachts ihre Asche auf die Strasse, damit man ruckartig vom Schlitten flog. Aber solche Hemmnisse wurden von uns schnell wieder entfernt oder überdeckt.
Vom Theilacker im Oberdorf bis in den Stampfacker in der Ebene – wenn die Schranke der RhB offen stand. Sonst musste man im letzten Moment noch schnell kräftig nach rechts zum Bahnhof abdrehen – aber passiert ist nie etwas, soviel ich weiss.

Damals gab es nur Holz-Schlitten, meistens „Davoser-Schlitten“ aus Eschenholz gefertigt.
 

 Davoser Schlitten


Erst später hatten die Ersten dann Schlittenmodelle aus Leichtmetall.

Beim Schlittenfahren herrscht Ordnung. Dafür sorgten die Grossen. Vorrecht hatten die „Büchler“ – die bäuchlings und kopfvoran auf dem Schlitten lagen. Gesteuert wurde mit den Schuhen und gebremst mittels Anheben der Schlittenvorderseite.
Aber die absolute Königsdisziplin war dabei die „Kettenbildung“: Bäuchlings auf den Schlitten liegend bildete man eine möglichst lange Kette, indem man jeweils im Schlitten des Hintermanns mit den Füssen einhakte. So wurden ein halbes Dutzend und mehr Schlitten miteinander verbunden. Wenn der Vorderste, meistens einer der Grossen, dann noch mit Karacho in Schlangenlinie die „Gasse“ hinunterfuhr, dann landete mehr als einer, meistens die Hintersten, auf der Strasse oder kopfvoran im Schnee.
Diese langen Ketten waren gefährlich, denn sie waren am Schnellsten unterwegs und Bremsen war kaum mehr möglich. Sie kamen dafür auch am Weitesten, weit über den Bahnübergang hinaus. Aber wehe, wenn die Barriere geschlossen war –in der engen Rechtskurve "spickte" es dann fast jeden vom Schlitten und wenn mutige Mädchen darunter waren, gab es willkommenen, engeren Kontakt zum anderen Geschlecht im nächsten Schneehaufen.

Wer aufrecht sitzend fuhr, war ein „Hosaschiesser“ oder ein Mädchen. Das mitgeführte „Milchkesseli“ war auch nur bedingt eine Ausrede dafür. So ist mancher Liter Milch auf der Strecke geblieben und manches „Pfünderli“ Brot vom Theilacker, nur in dünnes Seidenpapier gepackt, während der rasanten Dorfabfahrt im Schnee gelandet. Manchmal musste man auch eine Beule oder einen Zahnverlust beklagen, aber das änderte nichts an unserer Faszination am „Böbla“, trotz den Verboten der Erwachsenen.»

(Auszug aus den Memoiren des Herrn Oter)


Ja, die Winter mit viel Schnee waren schon eine tolle Zeit für uns Kinder.
Weisse Weihnachten war vermutlich schon damals nicht immer. Aber irgendwann kam das Weiss dann trotzdem und meistens in viel grösseren Mengen als heute. Auch war die weisse Pracht in der Regel nicht schon nach einer Woche wieder vorbei – wie in diesem Jahr, in dem man die Weihnachtsbeleuchtung am 5. Tag des neuen Jahres bei Frühlingswetter "einwintern" konnte.

Da frage ich mich, ob unsere Urenkel auch noch regelmässig weisse Wintertage erleben werden?





;)







 


Mittwoch, 31. Dezember 2014






Ich wünsche allen "en guata Rutsch"
und ein gutes, gesundes und erfolgreiches 
neues Jahr

Mögen sich alle Eure 
Wünsche und Hoffnungen 
im
2015 
segensreich erfüllen.






Ich danke Euch allen,
dass Ihr hier vorbeischaut -
und wenn Ihr mal einen Zeichen hinterlässt,
dann freut mich das ganz besonders.
Ihr seit für mich
Motivation und Inspiration.
 
Liebe Grüsse
Resunad



:)


Samstag, 27. Dezember 2014

Der kleine Kolibri






Der kleine Kolibri

Am Ufer eines Flusses liegt ein dichter Urwald, in dem viele Tiere leben. Eines Tages entsteht durch Unachtsamkeit ein Waldbrand.
Fassungslos und entsetzt sehen die Tiere der Katastrophe hilflos entgegen, unfähig etwas dagegen zu unternehmen. Wem es möglich ist, der versucht zu fliehen, andere eilen kopflos vor Verzweiflung hin und her oder verharren starr und ohnmächtig und ergeben sich ihrem Schicksal.

Nur ein kleiner Kolibri fliegt eilig zum Fluss, tauchte ins kühle Nass und fliegt rasch wieder zurück. Er holt mit seinem winzigen Schnabel jeweils einen Tropfen Wasser. Den lässt er dann auf die Flammen fallen. Das wiederholt er unermüdlich. Entschlossen flattert er hin und zurück, seine Federn werden dabei etwas versengt, die Hitze nimmt ihm den Atem, doch er gibt nicht auf.

Ein grosser Elefant auf der Flucht, beobachtet das Tun des pfeilschnellen Vogels, der ihn mehrmals überholt. Irritiert von diesen rührenden Versuchen des Kleinen ruft er: „Kolibri! Was tust denn du da? Bist du verrückt? Glaubst Du tatsächlich, dass Du gegen dieses Feuer mit ein paar Tropfen Wasser ankämpfen kannst?“
Der kleine Kolibri landet kurz auf dem Rücken des Kolosses und erwidert ihm keuchend: „Ich weiss, so alleine ist das fast unmöglich. Aber ich versuche es dennoch, ich tue einfach was ich kann und leiste so meinen Beitrag.
"Jeder halt auf seine Weise….“ ruft der Winzling noch beim Abflug, und macht eilig weiter.

Der mächtige Elefant ist beschämt. Er pumpt sich im Fluss voll Wasser, rennt zurück und beginnt nun ebenfalls mit dem Löschen. Hin und zurück, so schnell er kann.
Auch die übrigen Tiere tun es ihm nach – jeder tut, was er kann – und so wird der Brand schlussendlich besiegt.




Kolibri
Autor: cdaniels / Lizenz: CC0 Public Domain (Gemeinfrei) / via pixabay




:)


Sonntag, 21. Dezember 2014








Ein Gedicht aus meiner diesjährig, letzten Lesung 
im Adventskaffee des Altersheims. 




Ich wünsche mir

Ich wünsche mir in diesem Jahr
mal Weihnacht´ wie es früher war.

Kein Hetzen zur Bescherung hin,
kein Schenken ohne Herz und wenig Sinn.

Ich wünsche mir, eine stille Nacht,
frostklirrend und mit weißer Pracht.

Ich wünsche mir ein kleines Stück
Von warmer Menschlichkeit zurück.

Ich wünsche mir in diesem Jahr
´ne Weihnacht, wie als Kind sie war.

Es war einmal, schon lang ist´s her,
da war so wenig, so viel mehr.
(Autor unbekannt)


Ich wünsche allen,
frohe und erholsame Weihnachtstage
mit vielen schönen Momenten.



Bildquelle: Autor:  R. B.  /  Bild-ID.: 105107  / Lizens: (CC BY-NC) / by pixelio.de







:) 











Dienstag, 16. Dezember 2014






"Du selbst bist genug. 
Du musst niemandem etwas beweisen."

Maya Angelou
(geboren als Marguerite Annie Johnson)
04. April 1928 – 28. Mai 2014


Amerikanische Schriftstellerin, Dichterin, Aktivistin und Entertainerin.
Sie war für ihre Autobiografien und Gedichte bekannt.
Zudem machte sie sich besonders für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung stark und genoss weltweit grosses Ansehen. Ihr wurden zahlreiche Auszeichnungen verliehen: Sie wurde unter anderem für den Pulitzer-Preis nominiert, erhielt mehrere Grammys und die US-Freiheitsmedaille des Präsidenten.
Zudem durfte Maya Angelou unter anderem auch
1993 bei der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton,
1995 vor den Vereinten Nationen in New York und
2008 bei der Trauerfeier für Michael Jackson im Staple Center in Los Angeles
eines ihrer Gedichte vortragen.

Maya Angelou
bewegt viele mit ihrer aussergewöhnlichen Lebensgeschichte.
Man nannte sie auch die träumende Realistin.
(Link zu "ihrer"Webseite) 


"Das Leben ist ein einziges Abenteuer - 
und je schneller wir das merken, 
umso schneller können wir Leben 
als eine Kunst begreifen."


Maya Angelou
Bildnachweis: Autor: Rick Lewis, NPS / Lizens: Public domain / von Wikimedia Commons



.)

Sonntag, 14. Dezember 2014







Das Wunder am Heiligen Abend
Eine weitere Weihnachtsgeschichte für meine Lesungen im Altersheim


Die Kinder rufen: „Dominik ist dumm, Dominik ist der Dümmste!“


Ach, hätte er ihnen doch nichts erzählt, denkt Dominik. Aber einen Dümmsten muss es vermutlich immer geben - hier ist es eben er, Dominik.
Er ist ziemlich neu hier, der kleine Junge, der bei der Geburt zu wenig Luft bekam. Er komme aus ärmsten Verhältnissen, hat man moniert, als man ihn im Heim ablieferte. Nur für kurze Zeit, während seine Mutter im Spital sei, hat man zu ihm gesagt und er hat gehofft, dass diese kurze Zeit schnell vorbei sein würde. Inzwischen weiss er es besser. Dass er keinen Vater hat, das weiss inzwischen auch jeder, den das hat schon bald die Runde gemacht.
In der Gemeinde hat damals aber auch niemand damit gerechnet, dass er mit seiner Behinderung sie vielleicht Jahrzehnte lang belasten könnte; doch das musste man inzwischen leider befürchtet.
Für Dominik machen alle diese widerlichen Umstände, das Leben hier auch nicht einfacher.

Die Kinder spotten weiter: „Es gibt doch keinen Weihnachtsmann und es gib auch keine Weihnachtshütte im Wald! Selbst die Dümmsten wissen das doch!“ 

Dominik ist den Tränen nahe.
„Und es gibt sie doch!“ sagte Dominik leise. Denn seine Mutter hat ihn alles rund um Weihnachten gelehrt. Als er noch ganz klein und sie noch bei ihm war. Damals sass er oft abends, wenn sie geschwächt von der Arbeit kam, auf ihren Knien und sie hat ihm alles erzählt: vom kleinen Kind auf Stroh, in einem armseligen Stall. Von armen Hirten mit ihren Schafen, auf dem Feld. Vom Weihnachtsmann in seiner kleinen Hütte, mitten im Wald. Vom Engel und den drei Königen. Von Gold, Weihrauch und Myrre, von teuren Geschenken und vom unvergleichlich, herrlichen Duft des Weihnachtsgebäcks. Und sie erzählte ihm auch vom grossen, goldenen Stern am Himmel, dem Stern der Weisen, der damals allen den richtigen Weg wies.

Dominik glaubt seiner Mutter, auch wenn er das alles selber nie gesehen oder erlebt hat. Sie waren zu arm für eine märchenhafte Weihnacht oder teure Geschenke und seine Mutter zu krank, für eine Reise zum Weihnachtsmann. Weihnachten ist für Dominik einfach ein schöner Traum, den er träumen kann, wann immer er will und so seiner Mutter ganz nahe ist.

Die Kinder hänseln im Chor: „Dominik glaubt an den Weihnachtsmann, Dominik glaubt an den Weihnachtsmann!“, und dazu schubsen und stossen sie ihn.
Dominik rennt los, er rennt so schnell er rennen kann. Fort von hier, hinaus aus dem Heimgarten, hinaus aus dem Dorf, egal wohin, einfach nur weit fort.
Die Kinder rufen ihm nach: „Und, gehst du nun den Weihnachtsmann suchen, Dominik? Und, wo soll dieser grosse Stern sein, siehst du ihn? “ Lautes Gelächter verfolgt ihn.

Er weiss, dass es das alles gibt – ganz bestimmt sogar, hat ihm seine Mutter gesagt und versprochen: „Eines Tages, Dominik, da wirst du den Weihnachtsmann sehen und auch du wirst reichlich beschenkt und den himmlischen Duft seines Weihnachtsgebäcks wirst du danach niemals mehr vergessen. Dann ist auch für dich, ganz richtige Weihnachten.“
„Bist du auch ganz sicher?“, hat er seine Mutter dann immer wieder gefragt.
„Ganz, ganz sicher, Dominik, du musst nur ganz fest daran glauben“, meinte sie dann jeweils und hat ihn liebevoll an sich gedrückt.

Nun ist Mutter selber ein Engel und Weihnachten wurde gestern Abend wieder im Heim gefeiert. Aber es war nicht so, wie Mutter es immer beschrieben hat und auch das Weihnachtsgebäck hat nicht besonders himmlisch geschmeckt. Doch Dominik gibt die Hoffnung auf richtige Weihnachten deswegen nicht auf, denn Heilig Abend ist ja erst heute und Weihnachten kommt erst morgen.

Dominik ist ausser Atem und bleibt stehen. Wo ist er eigentlich? Wie weit ist er in seiner Wut gerannt? Die Lichter des Dorfes sind ganz klein und ringsum nur schneebedeckte Felder in einer sich breitmachenden Dunkelheit. Dominik beginnt zu frieren und bekommt ein wenig Angst. Zum Glück scheint der Vollmond am wolkenlosen Himmel.
Er greift in seine Hosentasche – ja, es ist noch da. Ganz fest drückt er das kleine Holzkreuz, das seine Mutter immer um den Hals trug. Das gibt ihm Vertrauen. Aber zugleich spürt er auch wieder das Heimweh, das ihn schmerzt und würgt. Die Äuglein des Knaben werden feucht. Mutter! Dominik schaut hilfesuchend nach oben. Über ihm blinken tausende, etwas verschwommene Lichter. Ein ganzes Sternenmeer überzieht den eindunkelnden Abendhimmel. Sicher ist einer davon seine Mutter. Das tröstet den Kleinen und schon geht es ihm wieder etwas besser.

Aber was ist denn das? Dominik kneift die Augen etwas zusammen. Ist dort nicht ein Stern grösser als alle anderen? Dominiks Augen weiten sich erstaunt. Fasziniert schaut er zu diesem warmen, goldenen Lichtpunkt, der knapp über den dunklen Umrissen des nahen Waldes vor ihm steht.
Mit steifen Gliedern und hölzernen Schritten setzt er unbemerkt langsam einen Fuss vor den anderen. Sein Atem geht rasch und stösst in rascher Folge kleine Dampfwolken aus seinem vom Staunen geöffneten Mund. Träumt er oder ist das wirklich wahr? Ist das jetzt wirklich…..?
Eine hohe Tannenspitze verdeckt den goldenen Stern für einen kurzen Moment und schon ist er wieder sichtbar; und weiter zieht er langsam und ruhig seine Bahn am dunklen Firmament.
Dominik ist jetzt ganz sicher; das kann nichts anderes sein als der Weihnachtsstern, von dem ihm seine Mutter so oft erzählt hat. Denn gewöhnliche Sterne stehen doch still und unbeweglich immer am gleichen Ort, ausser es ist eine Sternschnuppe. Nur der Weihnachtsstern gleitet voran und zeigt so den richtigen Weg. Natürlich, das ist seine Chance. Endlich geschieht, was seine Mutter ihm versprochen hat und endlich kann er allen beweisen, dass sie recht hatte und, dass es ein Weihnachtswunder gibt. Der goldene Stern wird ihm den Weg zu ihm weisen.

Dominik ist nun ganz aufgeregt und rennt auf dem Feldweg in Richtung des Waldes. Er schaut ständig nach oben, damit er den Stern ja nicht aus den Augen verliert und prompt; er fällt hin. Aber Dominik rappelt sich sofort wieder auf, merkt nicht, dass er sich Hände und Knie aufgeschürft hat. Nur ja den Stern nicht  aus den Augen verlieren.
Nun spürt er die Kälte nicht mehr, vergisst, dass er gehänselt wurde. Seine Wut und seine Angst sind plötzlich verflogen. Nur ein warmes Glücksgefühl durchflutet seinen Körper. Was kümmert es ihn, dass man ihn im Heim inzwischen vermisst; dass man das einfältige Kind im ganzen Dorf sucht. Dass man an Türen läutet und Weihnachtsfeiern in überheizten Stuben stört, weil man nach einem dummen Jungen fragt. Aber bald wird das vergessen sein und das Feiern, Schenken und Geniessen wird wieder fortgesetzt.
Dominik machte sich darüber jetzt keine Gedanken. Nur eines ist für ihn jetzt wichtig: Der Stern der Weisen, der schon den drei Königen den Weg gewiesen hat, leuchtet wieder. Doch dieses mal für ihn. Wo würde er ihn hinführen? Zu einem Engel, der seiner Mutter gleicht oder zu Hirten auf dem Feld, vielleicht wieder zu einem Stall mit einem Kind im Stroh oder doch zum gütigen Weihnachtsmann - wer weiss das schon? Mit klopfendem Herzen und stolpernden Füssen rennt Dominik einem Wunder entgegen, davon ist er fest überzeugt.

Inzwischen ist er im Wald angekommen. Atemlos wird er immer langsamer. Rings um ist es nun stockdunkel.
Nun friert er auch wieder, seine Zähne klappern und bald wird er vor Kälte schlottern. Und plötzlich fühlt er sich hungrig, seit dem Mittag hat er nichts gegessen.
Aber hat er auf der Weide vor dem Wald nicht entfernt eine Schafherde gesehen? Das ist ein Zeichen, er ist auf dem richtigen Weg, das weiss Dominik ganz genau, auch wenn er den hellen Stern durch die Baumwipfel nicht mehr sehen kann. Der Wald wird dichter, die schwarzen Tannen stehen wie übermächtige Gestalten an beiden Seiten des schmalen Waldweges. Die Angst beschleicht ihn wieder. Auf der nächsten Waldlichtung schaut Dominik vorsichtig nach oben. Nun kann er den Himmel wieder sehen. Da sind sie wieder, die tausenden, funkelnden Sterne.
 
Doch auf einmal erkennt Dominik seinen Trugschluss, es trifft ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Alle Sterne sind gleich! Keiner scheint grösser, keiner ist heller und alle haben das gleiche kalte, gleissende Licht. Sie funkeln alle, manche etwas mehr, manche auch weniger; dass er sich so irren konnte. Dominik war so fest überzeugt, den Weihnachtsstern gesehen zu haben. Schlagartig ändert sich alles in ihm. Die Hoffnung zerbricht, nichts vom Wunder bleibt übrig. Dafür lässt eine neue Erkenntnis sein Gesicht erglühen: Sie haben recht, alle haben sie Recht! Dominik ist dumm, Dominik ist blöd. Denn nur Blöde glauben an den Weihnachtsstern und nur Dumme an einen Weihnachtsmann in einer warmen, heimeligen Waldhütte.
Dominik sinkt enttäuscht zu Boden und ein Schluchzen schüttelt seinen unterkühlten Körper. Das ganze Leid der letzten Monate fliesst in Tränen über sein Gesicht. Die ganze Trauer um seine Mutter schwappte wieder durch sein Herz und so betrogen wie jetzt, hat er sich noch nie gefühlt. Wie konnte er so blöd sein. Wie konnte er das glauben. Und wie konnte ein so kleiner Mensch, diese Erkenntnis und soviel Kummer ertragen.


Zur gleichen Zeit öffnet ein bärtiger Mann die Türe seines kleinen Häuschens, das er zusammen mit seiner Frau Marie seit einigen Jahren am anderen Ende der kleinen Waldlichtung bewohnt. Rex, sein junger, schwarzweisser Border Collie rennt wie ein Pfeil an ihm vorbei und verschwindet ins Dunkle. „Was hat er bloss“, wundert sich der Mann, der unter der Türe stehen bleibt. Denn seit sie beim Eindunkeln von der Arbeit nach Hause gekommen sind, hatte der Hund dösend seinen Kopf auf den Rand seines Korbes neben dem Kamin gelegt. Er war müde vom anstrengenden Tag, den er mit seinem Meister, dem Förster und Wildhüter Franz Ineichen im weitläufigen Gebiet des Staatswaldes verbracht hatte.

„Er wird etwas gehört haben“, erklärt sich die Frau die plötzliche Unruhe des Hundes. Sie ist gerade dabei, die letzten Bleche mit Weihnachtsgebäck in den Ofen zu schieben, die sie zusammen mit Franz ausgestochen hat. Später am Abend wird sie das ausgekühlte Gebäck in schön verzierte Dosen füllen und dann morgen an Verwandte und Bekannte verschenken, bei denen das köstliche Gebäck immer sehr gut ankommt. „Es seien die Besten“, schwärmt man davon noch wochenlang.
Mit gemütlichem Backen und einem feinen Nachtessen danach, so verbringen Franz und Marie schon seit vielen Jahren den Heiligen Abend. Kinder mit denen sie Weihnachten hätten feiern können, waren ihnen leider vergönnt geblieben und einen Christbaum nur für sie zwei – nein, dafür war ihnen jeder Baum im Wald viel zu schade.
Nun kommen die letzten Backwaren aus dem Ofen und Marie schiebt die vorbereiteten Kartoffeln mit dem Gemüse hinein. Bald wird es dazu auch den feinen Schinken geben, der schon seit bald zwei Stunden auf dem Herd zieht.
Franz steht noch immer unter der Haustüre und ein eisiger Luftzug kühlt das Stübchen schnell aus. „Es wird langsam kalt“, mahnt ihn Marie.
Darum ruft Franz: „Rex!“, und pfeift seinen Hund zurück.

Dominik erschrickt! Was war das? Er muss kurz eingeschlafen sein. Er hebt seinen Kopf und schaut in die Richtung aus der, der vermeintliche Ruf kam. In einiger Entfernung sieht er einen hellen goldenen Schimmer. „Sicher wieder eine Täuschung“, denkt er, denn im selben Moment wird der Schein schmaler bis er ganz verschwindet. Dafür bewegt und knurrt nun etwas neben ihm. Dominik schreit vor Angst und zittert am ganzen Körper.
 

„Rex!“ Franz ruft nochmals nach seinem Hund und horcht in die dunkle Nacht hinaus.
Himmelnochmal! Was geht da vor sich, wer schreit denn da? Franz öffnet hastig wieder die Haustüre, packt die grosse Taschenlampe und ruft: „Marie, komm schnell, da schreit jemand!“ Mit langen Schritten rennt er über die Waldlichtung dem Geschrei entgegen. Plötzlich sieht er im Lichtkegel seinen Hund und neben dem knurrenden Rex eine kleine Gestalt weinend am Boden liegen. Mit wenigen Schritten ist er bei den Beiden und nimmt das Kind auf seine starken Arme.
„Aus, Rex!“ Vorsichtig drückt er das kalte, wimmernde Bündel an seine Brust und mit beruhigenden Worten versucht er es zu trösten. „Ganz ruhig, ganz ruhig, alles ist gut. Du brauchst keine Angst zu haben. Hier bist du in Sicherheit.“ Und schnell beruhigt es sich auch. Eilig trägt er das schlotternde Kind über die Lichtung seiner Frau entgegen, während der Hund aufgeregt bellend neben ihnen herläuft. „Ruhig Rex! Du erschreckst doch das Kind.“
Augenblicklich hört der Hund auf zu bellen.

Gemeinsam mit seiner Frau trägt er das Bündel nun ins Haus und setzt es nahe am wärmenden Kachelofen bequem in einen Sessel. „Schau Marie, es ist ein Junge und er ist verletzt. Bring doch bitte schnell den Verbandskasten, damit wir die Wunden säubern können.“
Derweilen besorgt Franz Decken und ein Kissen und Rex legt sich wieder in seinen Korb und beobachtet das Geschehen ganz genau. Nachdem Dominik verarztet ist, deckt Franz den Kleinen nun mit dicken Wolldecken zu, während Marie ihm vom Ofen zwei warme Kischensteinsäcke reicht. „Schiebe sie zwischen die Decken“, bittet sie Franz. „Ich denke, es ist ein Junge aus dem Heim. Wir werden Bescheid geben müssen. Aber zuerst mache ich ihm nun eine warme Honig-Milch. Die wird ihm guttun und ihn auch von innen wärmen.“ Die Frau lächelt Dominik liebevoll an, ein wenig erinnert sie ihn an seine Mutter.
Mit grossen Augen sieht sich Dominik im Zimmer um. Wie ist es hier gemütlich. Der warme Ofen, das behagliche Licht, die schönen Möbel, die vielen hübschen Geschenkdosen auf dem Tisch und wie es hier herrlich duftet. Alles genau so, wie Mutter es erzählt hat. Dazu der Mann mit diesem langen Bart…… Sollte er doch dem Weihnachtsstern gefolgt sein?

„Bist du der Weihnachtsmann?“ Vorsichtig und doch unerwartet für Franz wird die Frage gestellt. Doch es freut Franz, dass der Junge spricht.
„Das ist eine sehr gute Frage, mein Junge“, antwortet er mit einem freundlichen Lächeln. „Man könnte es annehmen, denn ich wohne ja hier im Wald.
Aber, darf ich dich nun auch etwas fragen?“ Dominik nickt. „Wer bist denn du und wie hast du uns hier gefunden?“
Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Ich bin Dominik und suchte den Weihnachtsmann….“

Während sich Dominik aufwärmt und sich dann alle mit grossem Hunger an den Tisch mit dem köstlichen Weihnachtsessen setzen, werden behutsam nach und nach weitere Fragen gestellt.
Der Junge erzählt von einem hellen, goldenen Stern am Himmel und einem dunklen, schwarzen Wald, von einer Mutter und ihrer Weihnachtsgeschichte und einem gemeinsamen Traum der durch ein tragisches Schicksal fast zerstört wird. Er erzählt von einem Heim, das kein Daheim ist und von spottenden Kindern, die viel Wissen und keine Träume mehr haben. Und er erzählt von einem scheinbar Dummen, dem ein wunderbarer Traum in Erfüllung ging.
Während der ganzen Zeit liegt Rex zu seinen Füssen und immer wieder fahren Dominiks Hände vorsichtig durch das weiche Fell. Sie sind bereits Freunde geworden. Wen wundert’s bei so einem tollen Jungen. Der schliesst sich einem schnell ins Herz, nicht nur bei Rex, sondern auch bei Franz und Marie.
Während Dominik das Gebäck geniesst, dessen Duft er niemals mehr vergessen wird, geht Franz ans Telefon und beruhigt die aufgebrachten Mitarbeiter des Heims. Man würde ihn abholen, hätte aber auch nichts dagegen, dass er über Nacht bleibt.
Franz und Marie sind sich da schon einig, dass man alles unternehmen will, damit Dominik nicht nur für diese hochheilige Nacht bei ihnen bleiben kann und, dass sich damit ihr grösster Wunsch nach einem Kind, in dieser Nacht endlich erfüllen würde. Dass man damit zugleich die Dorfgemeinschaft entlastet, wird den Wunsch dieser jungen Familie im Waldhäuschen nur noch beschleunigen.





Ein ungewöhnlicher, goldener Stern hat einem Jungen und zwei Erwachsenen somit ihre grössten Wünsche erfüllt. Sie werden alle, dieses Geschenk niemals mehr aus den Händen geben. Und wer zweifelt nun noch an der Verwirklichung von Träumen und am hellen, goldenen  Stern der Weisen, der allen den richtigen Weg weist?
® Copyright by Herr Oter (November 2014)





Bild von © Claudia Huldi  / by pixelio.de




 ;)

Mittwoch, 10. Dezember 2014






Wiehnachtsguetsli

Es Blech mit Wiehnachtsguetsli isch scho am bacha
und e feina, süassa Duft zücht jetzt durs ganza Huus.
Nur wenigi Minuta hani für die nöchschta Chrömli z’macha
drum roll i schnell jetz, de Mailänderi-Mürbteig us.

Usstecha tuen i Engeli, Herzli, Mond und Tännli
und de Pinsel stricht alles dick mit Eigelb a.
Zwei Blech langet chum für d’Zimetstärndli
denn die han i scho immer am liabschta ka.

De Brunsli-Teig isch vorem Bacha scho fascht gessa
und usem Reschta machi Stern um Stern
und d’Kornflex-Hüfli darf ich nit vergessa
susch hät mi mini Liebsti de gar nümm gern.

Mit Nuss und Mandla tuen ich alls verzierea
mängs Guetsli überzieht e feine Zuckerguss.
Und de chunts Bescht - muess immer wieder probiere:
Mmmh – was isch das au für a himmlischa Genuss!

Ich wot kei Baum, ich wott nüt gschänkt
verzichta uf alli grossa und chlina Liechter
möcht nur viel Guetsli ässa und – wer hät das dänkt:
im Januar statt schwerer sie, wäri gern chli liechter.
® Copyright by Herr Oter (November 2014)



Zimtsterne
Autor: Ktine01  / Lizenz: CC0 Public Domain (Gemeinfrei) / via pixabay




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Sonntag, 7. Dezember 2014

Händ Schwarzi au Weihnachta? / Haben Schwarze auch Weihnachten?






Händ Schwarzi au Weihnachta?
E wieteri Mundart-Geschicht für mini Lesunga bim Adventskafi im Altersheim.

(Eine Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung findet man wieder anschliessend)


„In dr Wiehnachtszyt trifft eim so Züg einfach no mehr als susch.“
D’Lilly Friburger höcklat, wie meistens noch em Znacht, no chli uf em weicha Kanappe im „Linda-Stübli“. Gedankeverlora luagt sie ins grossa Fenster vom Altersheim. Aber de glizerndi Schnee und die langa Schatta sind verschwunda usem Heimgarta und händ enere tüffa Finsternis Platz gmacht. Drum spieglet sich jetzt de gemüetlich igrichteti Ufenthaltsrum im Fenster zum Garta.
Links vom Lilly Friburger lismet s’Vreni Schönbächler im warme Licht vo dr alte Stehlampa gard de zweiti Fersa, vomena Paar Socka, wo sie uf Wiehnachte em Sohn wot schenka. Und uf der andera Sita vom Lilly blättert d’Rosa-Maria Meyer-Gautschi imena Klatschhefftli die Schöna und Richa regelmässig vo rechts noch links. D’Servelat-Prominenz interessiert sie debi weniger, nur d’Artikel über d’Königshüser, do druf isch d’Rosa-Maria ganz wild.

„Wer häsch troffa“, frogt de Fritz Mückler, wo in sim Rollstuehl grad e chli ignickt isch.
„Häsch s’Hörgrät wieder nit igschalta, Fritz?“ frogt s’Vreni und schüttlet de Chopf.
„Denk scho!“, chunts unwirsch zrugg.
Mit emena unverständlicha Gmurmel stosst de Fritz a ghöcklati Plätzlidecki vo de Chneu. Immer wieder deckendsna mit dem Lumpa zue, obschon er susch scho immer z’heiss hät do inne – er wo doch sis läbelang im Wald gschaffet hät.

„Was hät die denn so troffa, Lilly?“ frogt jetzt d’Rosa-Maria.
„Jo weisch, mini Tochter….“
„Ow, isch si öppa chrank?“
„Nei, nei, aber sie hät mer bim Bsuech hüt Nomittag verzellt, dass me jetzt wieder a sona Familie inetua hät.“
„Was füra Familia?“
D’Rosa-Maria leiht jetzt z’Heftli uf d'Zita und luegt d’Lilly im Spiegelbild vom dunkla Fenster a.
„Jo weisch, so a Flüchlingsfamilie.“
„Jä, so söttigi wo mit somena Boot cho sind?“
„Jo, genau, weisch do uf das, uf das Lampione, oder wie das genau heisst.“
„Lampedusa“, präzisiert z’Vreni Schönbächler, wo no jeda Morga d’Zitig durablettert.

„Jo genau döt, und jetzt hät me sie in das alte Hus im Sunnagrund intua.“
„Döt wo dini Tochter wohnt?“ frogt de Fritz.
„Nei nit döt oba, Fritz, unda im Sunnegrund!“, erklärt d’Rosa-Maria ziemlich lut.
„Was in die Hütte?“ Z’Vreni hört uf mit lisma.
„Jo, stoht denn die no? Die isch jo scho zum Abriessa gsi, wo ich no im Städli gwohnt han. Ha ghört, dass ma jetzt ringsum alles Alti abriessa würdi.“
„Das eba nit! Mini Monika seit, dass die warten, bis de Pries ufagoht und jetzt tüend’s eba d’Flüchtling inna, will d’Stadt die muass näh.“
„Das isch aber au nit schön. Döt inna cha doch miemert me wohna, mit dena Fenster, jetzt im Winter.“
Z’Vreni schüttlet de Kopf.

„Und de sinds no Schwarzi, hät Monika gseit – ich denka, die früret doch no meh, do in dera Kälti.“
Z’Lilly riebt sich unbewusst d’Händ, es tschudarat si grad bim dra denka.
„Die chönd a chli vo üsra Wärmi do inna ha, isch jo do sowieso immer viel z’heiss.“
„Hör jetz emol uf, Fritz!“, tönt’s jetzt grad im Chor.

„Vo wo chömat den dia?“ frogt d’Rosa-Maria de noch emena Zitli.
„Ou, das hani vergessa z’froga“, entschuldigt sich d’Lilly.
"Das sind doch Somalier, wenn’s vo Lampedusa chömed“, weiss z’Vreni us de Zitig.
„Wo isch denn das scho wieder?“
„Somalia, isch z’Afrika.“
„Jo denn frührends ganz sicher, in dera zügiga Hütta dunda im Sunnegrund. Die hät jo im Winter kei Sonna.“
„Eba, und de händs no drei chlini Chind.“
„Au Schwarzi?“
„Aso Hans!“, tönts grad dreifach.

Alli vier Bewohner hangend jetzt ihrna Gedanka no.
„Die arma Chind ….“
„Und das grad jetz, in dera Zit.“
„Jo, die Chind händ nit grad a schöni Wiehnachta – sicher keis Gschänkli und nüt“
„Hmm, händ die überhaupt Weihnacht?“ frogt de Fritz. "Was glauben die Schwarze eigentlich?“
„Aso, Hans! Jetzt hör aber uf! Schenka hät doch nüt mit em Glauba zutue. Ich schenka doch nit wäg de Chila. Ich schenka wills mer Freud macht – und will sie frührend, egal wella Glauba, dass die händ.“

„Jo, denn chönt’s jo mini Decki do ha, damit isch sie endlich furt, ich bruch die sowieso nit“, seit de Fritz noch emena Zitly und zeigt uf dia bunti Plätzlidecki.
„Und dia Socka do, chönt i au no abgä! Min Sohn rümpft sowieso immer a chli d’Nase drüber“, meint ds Vreni. „Zudem chönte mer no chli Händscha, meh Socka oder en Schal lisma.“

Au d’Lilly hät jetzt a Idee: „I han doch no dia Angora-Unterwösch, wo mer ds Monika letzscht Wiehnachta gschänkt hät. Die hani no nie aka, sie isch immer no ungöffnet im Karton verpackt. Ich brucha die do dinna doch nit“

„Und ich han a Fläscha mit Holundersirup, wo mer min Sohn letzschti Wucha brocht het. Das sig guet gega a Erkältig. Debi hani das Züg doch soo nit gärn.“ D’Rosa-Maria schuderets bim blossa Gedanka dra.
„Und ich gib a Sack mit Wiehnachtsguatsli dezua!“ seit jetzt Frau Grueber, wo unbemerkt dezua cho isch und mitglost hät.
„Super!“, jublet ds Lilly. „Jetzt hämmer scho 5 Gschänkli zäma. Mier froget noch chli bi de anderena Bewohner, vielleicht händ die au no öppis, wo sie chönd verschenka.“
„Jo, genau und de froget mer alli üsi Verwandta und ds Personal und……“
„Halt, halt Fritz, jetzt wemmers nitgrad übertrieba“, stoppt s’Vreni sin Ifer. „Aber wie chunt das Züg zum Hus im Sunnagrund?“
„Hmmm“, d’Lilly überleit. „Ich weiss wie! Mir froegt d’Kuchi für es leer Gmüeschistli und de Fredi vom Nordtrackt söll sin Fiat us de Garage nä, für öppis hüetet er doch schliessli de alti Charra.“
„Genau und de bringemer d’Gschänk am Heiliga Obat noch em Znacht im Sunnegrund verbie. Es isch jo sowieso wieder nüt los, do im Heim.“
„Das isch denn eba richtigi Wiehnachta – für d’Flüchtlinge, aber au für üs.“

® Copyright by Herr Oter (Dezember 2014)




Kerzenschein 
Autor: gerald / Lizenz: Gemeinfrei (PD) / via pixabay




Haben Schwarze auch Weihnachten?
Eine weitere Geschichte für meine Lesungen beim Adventskaffee im Altersheim
„In der Weihnachtszeit treffen einen solche Sachen einfach noch mehr als sonst.“
Lilly Friburger sitzt, wie üblich nach dem Abendessen, noch etwas auf dem weichen Sofa im „Linden-Stübchen“. Gedankenverloren schaut sie ins grosse Fenster des Altersheims. Aber der glitzernde Schnee und die langen Schatten sind aus dem Heimgarten verschwunden und haben einer tiefen Finsternis Platz gemacht. Darum spiegelt sich jetzt der gemütlich eingerichtete Aufenthaltsraum im Fenster zum Garten.

Links von Lilly Friburger strickt Vreni Schönbächler im warmen Licht der alten Stehlampe soeben die zweite Ferse eines Sockenpaares, das sie an Weihnachten ihrem Sohn schenken wird. Und auf der anderen Seite von Lilly blättert Rosa-Maria Meyer-Gautschi in einem  Klatschheft die Schönen und Reichen regelmässig von rechts nach links. Die „Weisswurst-Prominenz“ interessiert sie dabei weniger, nur die Artikel über die Königshäuser, darauf ist Rosa-Maria ganz wild.

„Wen hast du getroffen?“, fragt Fritz Mückler – er war in seinem Rollstuhl gerade kurz eingenickt.
„Hast du dein Hörgerät wieder nicht eingeschaltet, Fritz?“, fragt Vreni und schüttelt den Kopf.
„Habe ich!“, kommt es unwirsch zurück.
Mit einem unverständlichen Gemurmel stösst Fritz die gehäkelte Flickendecke von den Knien. Immer wieder deckt man ihn mit diesem „Lumpen“ zu, obschon er hier drinnen, sonst schon immer viel zu heisst hat – er, der sein Leben lang im Wald gearbeitet hat.

„Was hat dich denn so getroffen, Lilly?“, fragt nun Rosa-Maria.
„Weisst du, meine Tochter....“
„Oh, ist sie etwa krank?“
„Nein, nein, aber sie hat mir bei ihrem Besuch heute Nachmittag erzählt, dass man nun wieder so eine Familie hineingetan hat.“
„Was für eine Familie?“
Rosa-Maria legt nun die Zeitschrift auf die Seite und sieht Lilly im Spiegelbild des dunklen Fensters an.
„Ja weisst du, so eine Flüchtlingsfamilie.“
„Ja, solche die mit dem Boot gekommen sind?“

„Ja, genau – weisst du auf dieses..., auf dieses Lampione, oder wie das genau heisst.“
„Lampedusa“, präzisiert Vreni Schönbächler, die noch jeden Morgen die Zeitung durchblättert.
„Jo genau dort; und nun hat man sie in dem alte Haus im Sonnengrund untergebracht.“
„Dort, wo deine Tochter wohnt?“ fragt Fritz.
„Nein, nicht dort oben, unten im Sonnengrund!“ erklärt Rosa-Maria ziemlich laut.
„Was, in dieser Hütte?“ Vreni hört auf mit stricken.
„Ja, steht denn die noch? Die war schon für einen Abriss vorgesehen, als ich noch im Städtchen gewohnt habe. Ich hörte, dass man nun ringsum alles Alte abreissen würde.“
„Dieses eben nicht! Meine Monika sagt, die würden warten, bis der Preis steigt. Nun kommen Flüchtlinge hinein, weil die Stadt die nehmen muss.“
„Das ist aber auch nicht schön. In dem Haus kann ja niemand mehr wohnen – mit diesen Fenstern – jetzt im Winter.“
Vreni schüttelt den Kopf.

„Dann sind es erst noch Schwarze, sagte Monika. Ich denke, die frieren doch noch mehr, hier in dieser Kälte.“
Lilly reibt sich unbewusst die Hände, es fröstelt sie beim blossen Gedanken.
„Die können etwas von unserer Wärme hier drinnen haben – es ist ja hier sowieso immer viel zu heiss.“
„Hör nun mal auf, Fritz!“ tönt es nun gerade im Chor.

„Von wo kommen die denn?“, fragt Rosa-Maria nach kurzer Zeit.
„Ach, das habe ich vergessen zu fragen“, entschuldigt sich Lilly.
„Das sind doch Somalier – wenn sie von Lampedusa kommen“, weiss Vreni aus der Zeitung.
„Wo ist denn das schon wieder?“
„Somalia, ist in Afrika.“
„Ja, dann frieren sie bestimmt noch mehr in dieser zugigen Hütte, unten am Sonnengrund. Die hat ja im Winter keine Sonne.“
„Eben, und dann haben sie noch drei kleine Kinder.“
„Auch Schwarze?“
„Also, Hans!“, tönt es jetzt gerade dreifach.

Alle vier Bewohner hängen nun ihren Gedanken nach.
„Die armen Kinder...“
„Und das gerade in dieser Zeit.“
„Ja, diese Kinder haben nicht gerade schöne Weihnachten – sicher keine Geschenke und nichts.“
„Hmm, haben die überhaupt Weihnachten?“ fragt Fritz, „was glauben diese Schwarzen eigentlich?“
„Also, Hans! Jetzt hör aber auf! Schenken hat doch nichts mit dem Glauben zu tun. Ich schenke doch nicht wegen der Kirche. Ich schenke, weil es mir Freude macht – und weil sie frieren, egal welchen Glauben sie haben.“

„Dann können sie ja meine Decke hier haben, damit ist sie endlich fort, ich brauche sie ja sowieso nicht“, sagt Franz nach einer kurzen Zeit und zeigt auf seine bunte Flickendecke.
„Und diese Socken hier, könnte ich auch abgeben. Denn mein Sohn rümpft sowieso immer ein bisschen die Nase darüber“, meint Vreni. „Zudem könnten wir noch Handschuhe, weitere Socken oder einen Schal stricken.“

Auch Lilly hat jetzt eine Idee: „Ich habe doch noch diese Angora-Unterwäsche, welche mir Monika letzte Weihnachten geschenkt hat. Ich habe sie noch nie getragen, sie ist immer noch ungeöffnet im Karton verpackt. Ich brauche die hier drinnen doch nicht.“

„Und ich habe noch eine ganz Flasche mit Holunder-Sirup, den mir mein Sohn letzte Woche gebracht hat. Er sei gut gegen Erkältungen, dabei habe ich den überhaupt nicht gerne.“ Rosa-Maria schudderts beim blossen Gedanken daran.
„Und ich gebe einen Sack mit Weihnachtsgebäck dazu“, sagt jetzt Frau Gruber, die unbemerkt dazugekommen ist und mitgehört hat.

„Super!“, jubelt Lilly. „Jetzt haben wir bereits fünf Geschenke zusammen. Wir fragen doch noch ein wenig bei den anderen Bewohnern, vielleicht haben sie auch noch Sachen, sie sie verschenken können.“
„Ja, genau, und dann fragen wir noch alle unsere Verwandten und das Personal und ….“
„Halt, halt Fritz, jetzt wollen wir es doch nicht gleich übertreiben“, stoppt Vreni seinen Eifer. „Aber wie kommt das alles zum Haus im Sonnengrund?“

„Hmmm“, Lilly überlegt. „Ich weiss wie! Wir fragen in der Küche für eine leere Gemüsekiste und Friedli vom „Nordtrakt“ soll seinen Fiat aus der Garage nehmen. Für etwas hütet er ja schliesslich diese alte Karre..“
„Genau, und dann bringen wir die Geschenke am Heiligen Abend nach dem Abendessen im Sonnengrund vorbei. Es ist ja hier im Heim sowieso wieder nichts los.“
„Das ist dann eben richtige Weihnachten – für die Flüchtlinge, aber auch für uns.“

© Copyright by Herr Oter (Dezember 2014)




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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Die andere Weihnachtszeit (Gedicht)






Die andere Weihnachtszeit

Am grünen Kranz, jetzt wieder die erste rote Kerze brennt,
Ein neuer Beginn der Weihnachtszeit, wie man’s so kennt?
Nein, ich hoffe, dass das Licht tief in unsere Herzen dringt,
viel Liebe, Wärme und Vernunft der Menschheit bringt.
Dass bald ein Lichtschimmer auf den Menschen liegt,
der allen Kummer, allen Streit und alles Leid besiegt.
Dass sich die Einsicht macht bei allen Menschen breit:
Auf endlich Frieden und überall mehr Herzlichkeit.
Dass der Mitmensch wieder mehr zählt als das Geld,
bei mir im Herzen und bei allen auf der ganzen Welt.

© Copyright by Herr Oter (November 2014) 



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Sonntag, 30. November 2014

Z’viel Adventskränz? / Zuviele Adventskränze?






Z’viel Adventskränz?

E Gschicht in Mundart für mini Läsig vom 1.12.2014 im Adventskaffi vom Altersheim.
(Eine Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung findet man anschliessend)



Es isch kurz vor em ersta Advent. D'Monika stoht in ihrem Nähzimmer und befestiget grad die vierti Kerza am Adventskranz. Dr Kranz isch mit viel früschem Chries bunda und mit dicka, rota Kerza gschmückt. Schlicht und eifach, so hät er dr Monika scho immer am besta gfalle. Sit Kindertage ghört so en Adventskranz für sie doch eifach zur Vorwiehnachtszit.

Nur im letzte Johr, do isch kei Adventskranz in der Stube gstande.
Es isch eba niemertem ums Fiere gsi.
Denn s’Grosi isch ganz schlecht zwäg gsi und de Hans, dr Monika ihre Ma, hät au no grad e schwierigi Operatiton vor sich gha.  Also für alli gar kei lichti Zit, de letschti Advent. Voller Sorga und Leid. Viel Zit hät d’Monika drum im Spitol verbrocht, hät ghofft und bangt, betet und au mängisch e Träne vergossa.  Adventsstimmig hät eso natürli keini wella ufcho.

Doch zum Glück isch es em Grosi bald wieder viel besser gange und au de Hans hät alles guet überstande. So hät me de bald wieder ganz zueversichtilich chöna in Zukunft luega und bereits an Wiehnachte, alli mitenand, es ganz bsunders schöns Fescht fiere.

Aber hür söll de Advent wieder sie wie frühener.
D'Monika hät sich fescht vorgno, dass sie sich in dene Täg jede Obet speziell viel Zit für ihri Familie wot näh. Um e chli zäma sie, Zit ha fürenand, zue z'losa und mitenand z'rede, ohni Fenseh und ohni Computer.  Öppis, wo unter em Johr eifach viel zchurz chunt. D'Monika hofft, dass sie mit dem prächtige Adventskranz die ganz Familie defür cha begeistere.
Mi hät doch letscht Johr gmerkt, wie schnell, dass alles andersch cha si.

D’Monika stellt de Kranz in der Stuba ufe s klis, runds Tischli und isch ganz gspannt, was de Ma und d’Tochter zu ihrer Idee wärdet säge.

Bald goht d’Hustür uf und de Hans chunt heim.
„Bisch du scho do“, frogt d’Monika erfreut und hilft ihm usem Mantel.
„Jo, ha hüt e chli früehner Firobig gmacht. Und zudem hani im Sinn, bis  Wiehnachte wieterhin pünktlich im Gschäft ufzhöra. E chli bsinnlichi Vorwiehnachtsstimmig zäma mit dr Familie, das tuet doch mim gflickte Herz und au üs allne guet.
Viellicht machemer jo ab und zue en obendliche Spaziergang und luegend noch em Idunkla ds  festlich gschückte Dörfli a chli a.
Oder mir zündet eifach d'Kerza vom Adventskranz a und drinkend zäma mit de Ella es Punsch und esset Manderinli und Nüssli. Eifach gmüetlich a chli zäma sie – was meinsch?“
D'Monika nickt und strahlt.
„Lueg“, seit de Hans, „ich han dezue extra an Adventskranz poschtet. Es isch halt e chli e moderna, aber es hät nüt anders ka.“

De Hans zauberet usem Papier vom Bluemelade e Karnz us Olivezweig, gschückt mit verschiedene Nüss, tröchnete Orangenschieba, Zimtstanga, Sternänis, Föhrezäpfli und kliena, silberiga Sterna und Kugla. Dezue vier Kerza in tüschend echter Öpfelform.
„Er isch e chli türer gsi, aber ich han denkt, wenn du scho letscht Johr wäga mier häsch müessa druf verzichte, de darfs auch emol öppis exklusivs si, gell Schatz.“

„Jo klar, Hans, das isch e gueti Idee und de Kranz isch würkli wunderschön.“
D’Monika lacht und zücht ihra Ma in d’Stube.
„Lueg, ich han hüt die glich Idee ka! Aber, dine Adventskranz isch natürlich viel schöner als mine do. Drum bhaltemer dine und mine schenkemer der Vroni näbadra. In ihrem Alter leischtet sie sich sicher keine meh, sie muess jo susch scho hushalte mit dera chlina Renta. Sie wird bestimmt Freud an im ha, grad so wie ich jetzt an dim. Zudem lade i sie de au grad no i, zum öpa mit üs e chli cho Advent zviere. Das isch doch schöner als so allei.
D'Monika stellt jetzt de Adventskranz vom Hans ufs Tischli.

Churz drufaba chunt die chli Ella vo dr Schuel heim und verschwindet grad gheimnissvoll in ihrem Zimmer. Doch bald chunt au sie mit emene Gschänk in d’Stube.
„Ich han dänkt, hür wemer wieder richtig Advent fiere, so wie immer. Drum hani selber e Adventskranz baschtlet.“

D’Ella stellt die silbrig Chuechaplatte mit de usgstanzte Wiehnachtsmotiv uf de Tisch. Druf hät sie es paar Zwiegli vom Eibabaum im Garte, vier blaui Kerze, es paar farbigi Chugla und Figürli us de Wiehnachtschachtel und es paar Gschenkbändeli hübsch drappiert.

„Das isch denn toll!“ De Papi isch ganz begeisteret.
„Jo, würkli schön“, seit au s'Mami,  „das wird jetzt üsa Advetskranz, gell Papi?“
„Das isch doch klar“, seit de Papi und lächlet.
„So en kreativa Adventskranz hämer no nie ka. Ich denka, dass ds Kinderheim sicher froh isch, wenn's no e Adventskranz für de Esssaal oder de Igangsbereich überchunt. Drum bringemer mitenand dä Kranz vo mir, morn am Obedet mit es paar Nüssli und Manderinli de Chind vom Heim, iverstande?“
Alle sind vom Vorschlag begeistert und de Ella ihres Adventsgsteck wandert jetzt ufs Tischli.

Noch em Znacht, es isch scho chli spot, lütets no an der Hustüre.
„Sind er no uf?“, frogts Grosi, wo im dicke Mantel dussa stoht.
„Ich wott Euch nur no schnell de Adventkranz, wo ich hüt Obet für Euch gmacht han, bringa. Ich han denkt, wenn ihr wäge mier letscht Johr kei schöna Advent ka händ, de söllit ihr hür de Adventskranz vo mier gschenkt über cho. I hane gmacht wie immer, mit viel früschem Chries und vier dicka, rota Kerza. Schlicht und traditionell, wie in de letschte 50 Johr immer.“
S’Grosi blinslet de Monika vielsägend zue.

„Ou Grosi, danka viel mol. Aber jetzt muesch emol cho luega...“
Ds Grosi wird in d’Stuba gfüehrt, wo scho drü Adventskränz stönd.
„Hoppla!“, seits Grosi. „In dem Johr isch er würklich do, de Advent.“
„Jo, grad vier mol!“, kichert d’Ella .

„Aber dine, Grosi, de bhaltemer für üs, wenn d'Ella iverstande isch. Das isch doch de Adventskranz, wie mer üs gwöhnt sind. Was meinsch dezue Ella?“
„Genau, mier bhaltend em Grosi sina und ich schenka ihera mine!“
jublet d'Ella.
„Danka viel mol, Ella. Ich freue mich, denn ich merka grad, dass ich für mich selber, jo gar keine gmacht ha.“
Alli lached herzlich und d’Monika seit zum Grosi: „Gel Mama, und jetzt chunsch de jede Sunntig zum Znacht und de zündemer nochher zäme es neus Cherzli a.“
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Adventskranz-Kierch-Wasserl
  Adventskranz Kierch Wasserliesch 
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Zu viele Adventskränze?

Schweizer-Hochdeutsche Übersetzung meiner Lesung im Altersheim vom 1.12.14


Es ist kurz vor dem ersten Advent. Monika steht in ihrem Arbeitszimmer und befestigt gerade die vierte Kerze am Adventskranz. Der Kranz ist dick mit viel frischem Tannengrün gebunden und mit dicken, roten Kerzen geschmückt. Schlicht und einfach, so hat er Monika schon immer am besten gefallen. Seit Kindertagen gehört so ein Adventskranz für sie doch einfach zur Vorweihnachtszeit.

Nur im letzten Jahr, da stand kein Adventskranz im Wohnzimmer.
Es war damals niemandem ums Feiern. Denn der Grossmutter ging es gesundheitlich sehr schlecht und auch dem Hans, dem Mann von Monika, stand zur selben Zeit eine ganz schwierige Operation bevor.
Also für alle keine leichte Zeit, im letzten Advent, voller Sorgen und Leid. Viel Zeit verbrachte Monika darum im Spital, sie hat gehofft und gebangt, gebetet und manchmal auch eine Träne vergossen. Adventsstimmung kam so natürlich keine auf.

Doch zum Glück ging es der Grossmutter bald wieder besser und auch Hans hat alles gut überstanden. So konnte man bald wieder ganz zuversichtlich in die Zukunft blicken und bereits an Weihnachten, alle gemeinsam, ein ganz besonders schönes Fest feiern.

Aber in diesem Jahr soll der Advent wieder sein wie früher.
Monika hat sich vorgenommen, dass sie sich in den kommenden Adventstagen jeden Abend besonders viel Zeit für ihre Familie nehmen will. Um zusammen zu sein, um Zeit füreinander zu haben, um zuzuhören und miteinander zu reden – ohne Fernseher und ohne Computer. Etwas, das während des Jahres einfach viel zu kurz kommt.
Monika hofft, dass sie mit diesem prächtigen Adventskranz ihre ganze Familie dafür begeistern kann. Man hat doch im letzten Jahr erfahren, wie schnell, dass alles anders sein kann.
Monika stellt den Kranz im Wohnzimmer auf einen kleinen, runden Tisch und ist ganz gespannt, was Mann und Tochter zu ihrer Idee sagen werden.

Bald öffnet sich die Haustür und Hans kommt nach Hause.
„Bist du schon hier?“ fragt Monika erfreut und hilft ihm aus dem Mantel.
„Ja, ich habe heute etwas früher Feierabend gemacht. Zudem habe ich im Sinn, bis Weihnachten weiterhin im Geschäft pünktlich Schluss zumachen. Ein bisschen besinnliche Vorweihnachtszeit zusammen mit der Familie, das tut doch meinem geflickten Herzen und auch uns allen gut. Vielleicht machen wir ja ab und zu mal einen abendlichen Spaziergang und sehen uns nach dem Eindunkeln das weihnächtlich geschmückte Dörflein ein bisschen an.
Oder wir entzünden einfach die Kerzen des Adventskranzes und trinken zusammen mit Ella Punsch und essen dazu Mandarinen und Nüsse. Einfach gemütlich etwas beisammen sein, was meinst du?“
Monika nickt und strahlt.
„Schau“, sagt Hans, „ich habe dazu extra einen Adventskranz gekauft. Es ist halt ein bisschen ein Moderner, doch es gab nichts anderes.“

Hans zaubert aus dem Papier des Blumengeschäftes einen Kranz aus Olivenzweigen, geschmückt mit verschiedenen Nüssen, getrockneten Orangenscheiben, Zimtstangen, Sternanis, Föhrenzapfen und kleinen, silbrigen Sternen und Kugeln. Dazu vier Kerzen in täuschend echter Apfelform.
„Er war etwas teurer, aber ich dachte, wenn du schon im letzten Jahr wegen mir verzichten musstest, dann darf es auch mal etwas Exklusives sein, nicht wahr mein Schatz?“

„Ja klar, Hans, das ist eine gute Idee und der Kranz ist wirklich sehr schön.“
Monika lacht und zieht ihren Mann ins Wohnzimmer.
„Schau, ich hatte heute dieselbe Idee! Aber, dein Adventskranz ist natürlich schöner als meiner hier. Darum behalten wir deinen und meinen schenken wir Vroni von nebenan. In ihrem Alter leistet sie sich sicher keinen mehr, denn sie muss ja sonst schon mit ihrer kleinen Rente sparsam sein. Sie wird bestimmt Freude an ihm haben, genau so wie ich jetzt an deinem.
Zudem lade ich sie gerade auch noch ein, um ab und zu mit uns gemeinsam Advent zu feiern. Das ist doch schöner, als so alleine.
Monika stellt nun den Adventskranz von Hans auf das runde Tischchen.

Kurze Zeit später kommt die kleine Ella von der Schule nach Hause und verschwindet sofort geheimnisvoll in ihrem Zimmer. Doch bald kommt auch sie mit einem Geschenk in die Stube.
„Ich dachte mir, in diesem Jahr wollen wir doch wieder richtig Advent feiern, so wie immer. Darum habe ich selber einen Adventskranz gebastelt.“
Ella stellt die silbrige Tor­ten­plat­te mit den ausgestanzten Weihnachtsmotiven auf den Tisch. Darauf hat sie einige Zweige des Eibenbaumes im Garten, vier blaue Kerzen, einige farbige Kugeln und Figürchen aus der Weihnachtsschachtel und ein paar Geschenkbänder hübsch drapiert.

„Das ist toll!“ Der Vater ist ganz begeistert.
„Ja, wirklich schön“, sagt auch die Mutter, „das wird jetzt unser Adventskranz, einverstanden Vater?“
„Das ist doch klar“, sagt der Vater und lächelt. „So einen kreativen Adventskranz hatten wir noch nie. Ich denke, dass das Kinderheim sicher froh sein wird, wenn es noch einen Kranz für den Speisesaal oder den Eingangsbereich bekommt. Darum bringen wir zusammen den Kranz von mir, morgen Abend mit ein paar Nüssen und Mandarinen den Kindern ins Heim, einverstanden?“
Alle sind vom Vorschlag begeistert und das Adventsgesteck von Ella wandert nun auf den kleinen Tisch.

Nach dem Abendessen, es ist schon etwas spät, klingelt es an der Haustüre.
„Seit ihr noch auf?“, fragt die Grossmutter, die im dicken Mantel draussen steht.
„Ich wollte euch nur noch schnell den Adventskranz vorbeibringen, den ich heute Abend für euch gemacht habe. Ich habe mir gedacht, dass ihr den Adventskranz in diesem Jahr von mir geschenkt bekommen sollt, weil ihr im letzten Jahr wegen mir keinen schönen Advent hattet. Ich habe ihn gemacht wie immer, mit viel frischem Tannengrün und vier dicken, roten Kerzen. Schlicht und einfach, wie in den letzten 50 Jahren immer.“
Dabei zwinkert die Grossmutter, Monika vielsagend zu.

„Ach Grossmutter, vielen Dank. Aber nun musst du mal sehen...“
Die Grossmutter wird in die Stube geführt, in welchem bereits drei Adventskränze stehen.
„Hoppla“, sagt die Grossmutter. „In diesem Jahr ist er wirklich gekommen, der Advent.“
„Ja, gerade vier mal!“ kichert Ella.

„Aber deiner, Grossmutter, den behalten wir für uns, wenn Ella damit einverstanden ist. Das ist doch ein Adventskranz, wie wir ihn gewohnt sind. Was meinst du dazu Ella?“
„Genau, wir behalten den von Grossmutter und ich schenke ihr meinen!“, jubelt Ella
„Herzlichen Dank, Ella. Ich freue mich, denn ich merke gerade, dass ich für mich selber, gar keinen gemacht habe.“
Alle lachen herzlich und Monika sagt zur Grossmutter: „Nicht wahr, Mutter, nun kommst du jeden Sonntag zum Abendessen und danach zünden wir gemeinsam eine neue Kerze an.“
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